Aktuell
Nachhaltigkeit

Lehren und Ausbilden ist Zukunft

Viele werden sich fragen, was Nachhaltigkeit mit Lehre, ja der Kochlehre von jungen Menschen zu tun hat. Im ersten Moment, tut man sich schwer, den Zusammenhang von Nachhaltigkeit und Lehre zu erkennen.
Wenn die Ziele der Nachhaltigkeit näher betrachtet werden, dann geht es um Vermeidung von Armut, um Gesundheit, Wohlergehen, hochwertige Ausbildung, menschenwürdige Arbeit, nachhaltigen Konsum, die Zukunft für junge Menschen. Auf den ersten Blick, gewinnt man den Eindruck, dass die Zukunft für junge Menschen rosig ist. Und dass Lehrlinge wahrlich eine goldene Zukunft haben. Zeitgleich müssen wir uns vor Augen führen, dass wir in Südtirol in der Küche 2022, 30% Lehrlinge weniger ausbilden - bezogen auf das Jahr 2019. Bei schneller Betrachtung, glaubt man, dass einfach weniger Menschen den Kochberuf ergreifen. Tatsache ist, dass wir auch oft große Schwächen beim Umgang mit jungen Menschen in der Lehre und bei Praktikas haben. Wenn ich mir allein ein konkretes Beispiel vor Augen halte, wo ein junges Mädchen aus einer gestandenen Südtiroler Familie mit dem großen Ziel, die Kochlehre zu machen, innerhalb eines Monats nach Schulende, ein wahres Waterloo erlebt. Zuerst gibt es die vereinbarte und zugesagte Kochlehrstelle nicht mehr. Im nächsten Betrieb wird aus der Kochlehrstelle eine Servicelehrstelle und hier wird ihr nach 10 Tagen mitgeteilt, dass jeder Arbeitsschritt genau analysiert, beobachtet und bewertet wird. Nach weiteren 4 Tagen wird dem Mädchen mitgeteilt, dass das Arbeitsverhältnis unmittelbar beendet ist. Das junge Mädchen ist am Boden zerstört.
Und wenn wir dann oft im Kochberuf, vom schönsten Beruf der Welt sprechen, dann muss uns bewusst sein, dass wir in Südtirol mit dem wertvollsten Gut das wir haben (die eigenen, jungen Menschen), sehr fahrlässig und ohne jede Sensibilität umspringen. Selbstverständlich kann man jetzt jede Menge Gegenargumente hervorziehen. Aber mit Wohlergehen, mit Bildungsqualität, Gesundheit, menschenwürdiger Arbeit und partnerschaftlichen Zielen im Sinne der eignen Bevölkerung, hat das wenig zu tun. Hier müssen wir uns rückbesinnen auf Lehrverhältnisse wo junge Menschen von Ausbilderpersönlichkeiten begleitet werden, wo junge Menschen sich eingebettet fühlen, wo junge Menschen wie in einem guten elterlichen Prozess, sich aufgehoben fühlen.
Reinhard Steger

Aktuell
Kochausbildung im europäischen Vergleich

Delegation der European Chefs Union

Im Rahmen des Erasmus-Programmes der European Chefs Union (Koch G5) hat die Delegation in den vergangenen Monaten Südtirol, Luxemburg, Österreich und Deutschland bereist, Gespräche mit Lehrlingen, Ausbildern, Direktoren, Lehrkräften und Experten geführt, namhafte Institutionen besucht und sich mit den diversen Programmen intensiv auseinandergesetzt.
Die Delegation der European Chefs Union in Deutschland
Im Fokus stand dabei die duale Lehrlingsausbildung mit all ihren Stärken und Schwächen sowie die Frage, wie diese grenzübergreifend optimiert und abgestimmt werden könnte. Zudem war ein Augenmerk darauf gerichtet, mit welchen Ansätzen junge Menschen für diesen schönen Beruf gewonnen und dauerhaft davon begeistert werden können, und wie der Wissenstransfer grenzüberschreitend vorangetrieben werden kann.
Die Experten-Delegation hat sowohl Berufsschulen, Fachschulen, Hotelfachschulen, Aus- und Weiterbildungszentren, Ausbilderbetriebe und Vorzeigebetriebe als auch alternative Bildungsinstitutionen besucht, Schulprogramme verglichen und analysiert und viele Expertengespräche geführt. Hierbei wurden nicht nur die klassischen Berufsentwicklungen durchleuchtet, sondern auch Angebote für Quereinsteiger, Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen mit allgemeinbildender Matura.
Feststellen konnte die Delegation, dass es ganz unterschiedliche Ausbildungsangebote in den verschiedenen Ländern gibt. Es gibt eine bestimmte Abstimmung in der dualen Ausbildung Koch/Köchin. Insgesamt kann die Situation jedoch als sehr heterogen bezeichnet werden. Es werden ganz unterschiedliche Weiterbildungskonzepte verfolgt. Und auch die Betriebe bieten stark unterschiedliche Ausbildungsangebot. Hier steht noch viel Arbeit an. Die Delegation musste zudem feststellen, dass die Bedürfnisse der jungen Menschen sehr oft in einem Widerspruch zu den Bedürfnissen am Arbeitsmarkt stehen.
Alle wichtigen Infos zum Wissenstransfer finden SKV-Mitglieder direkt über die Member Card über ihren persönlichen QR-Code (direkter Zugang über das Smartphone).
Fazit: Wenn nicht mehr in die Ausbildung unserer Jugend investiert wird und dementsprechend attraktive Ausbildungsmodelle geschaffen werden, werden sich die Betriebe sehr schwertun, junge Menschen für den Kochberuf zu begeistern. Hier ist ein „Neudenken“ von allen Protagonisten (von Unternehmern, Chefs, Abteilungsverantwortlichen, Lehrkräften) und Bildungsinstitutionen gefragt.
Reiner Münnich
Mitglied der Expertendelegation
European Chefs Union – Koch G5