KVW Aktuell

Bauen geht auch günstiger

Wie Wohnungen leistbarer gemacht werden können
Das zukünftige Projekt in Terlan
Bauen in Südtirol ist kostspielig: Teure Grundstückspreise und hohe Baustandards, gestiegene Rohstoffpreise und eine rege Bautätigkeit haben die Preise fürs Eigenheim in die Höhe getrieben. Die Arche im KVW hat daher in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Terlan ein Konzept für leistbare Wohnungen ausgearbeitet.
Das Land Südtirol und die Arche im KVW versuchen seit langem neue Wege zu finden, wie Bauen günstiger werden könnte. Gemeinsam mit der Gemeinde Terlan wurde ein Pilotprojekt im geförderten Wohnbaugebiet „Bautechnik“ initiiert. Die Arche im KVW wurde zusammen mit einem kompetenten Bauträger beauftragt ein innovatives Konzept für leistbare Wohnungen vorzulegen.
Ereicht werden soll das durch folgende Maßnahmen:

1. Kompakte Bauweise: Die Grundrisse werden aufs Wesentliche reduziert. Je standardisierter, desto günstiger.
2. Verkleinerung der Wohnungen: Es werden Wohnungsgrößen geplant, so wie sie im konventionierten Wohnbau angeboten werden. Es gibt 4-Zimmer-Wohnungen mit einer Größe von Netto 90 m² anstelle der üblichen 110 m²
3. Effiziente Planung: Ein Aufzug und ein Treppenhaus sollen reichen, um alle Wohnungen erschließen zu können.
4. Reduzierung des Untergeschosses auf das Notwendigste: Kleine zweckmäßige Keller, offene Autoabstellplätze.
5. Vordefinierte Qualitätsstandards: Die Bauherren und -frauen haben bis zu einem gewissen Grad Mitspracherecht was die Inneneinteilung der Wohnungen anbelangt. Sie suchen aber nicht von A-Z alles aus, was oft zu Überforderung führt und zu kostspieligen Extras.
6. Vergabe der Planung und Ausführung an einen renommierten Bauträger, welcher sein Knowhow einsetzt und wiederum dazu beiträgt, Kosten zu sparen.
7. Klarer Zeitplan. Das Projekt wurde in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Terlan konzipiert. Der Ablauf ist derselbe wie bei der „normalen“ Zuweisung von gefördertem Baugrund.
Was Interessierte in Terlan erwartet
15 Wohneinheiten mit unterschiedlicher Größe sind geplant. 2-, 3- oder 4-Zimmer-Wohnungen, je nach Bedarf der künftigen Mitglieder.
Die Gemeinde öffnet eine Rangordnung, Interessierte suchen an und die Gemeinde macht dann die Zuweisung von gefördertem Baugrund aufgrund dieser Rangordnung. Sobald genügend Interessenten gefunden sind (mindestens 80 Prozent), kann die Wohnbaugenossenschaft gegründet und um die Zuweisung vom geförderten Baugrund angesucht werden.
Die Voraussetzungen um mitbauen zu können, sind folgende:
5 Jahre im Land arbeiten oder wohnen
5 Jahre in Terlan wohnen oder 10 Jahre arbeiten oder in Vergangenheit 15 Jahre gewohnt haben
23 Jahre alt sein
keine geeignete Wohnung haben
Immobilien der Eltern und Schwiegereltern werden berücksichtigt
EEVE FWL-Wert von 5,68/5,40 (Faktor der wirtschaftlichen Lage)

Weitere Infos erteilt Verena Prantner von der Arche im KVW unter Tel: 0471 061 312.

KVW Aktuell

Starke Eltern, starke Kinder

Familienalltag entlasten, Konflikte bewältigen und Raum für Austausch
Dem Kind auf Augenhöhe begegnen, damit Beziehung stattfinden kann
Die KVW Bildung bietet die Elternkurse „Starke Eltern – Starke Kinder®“ in Südtirol an. Die Kursleiterinnen Silvia Agreiter und Elisabeth Kußtatscher und Kursleiter Roland Feichter erklären das Konzept dieser Kurse. Sie richten sich Mütter, Väter und Erziehende, die mehr Freude, Leichtigkeit und zugleich mehr Sicherheit in der Erziehung erreichen möchten.
An wen richten sich die Kurse „Starke Eltern, starke Kinder“? Sind sie nur für Eltern oder auch andere in der Erziehung tätige Personen oder Großeltern?
Die Kurse Starke Eltern - Starke Kinder® richten sich insbesondere an alle Eltern, aber auch an pädagogische Fachkräfte, Erziehungsberechtigte und Großeltern. Der Grundkurs ist auf acht Kurstermine zu je 2,5 Sunden angelegt. Jeder Abend enthält einen thematischen Schwerpunkt, der durch ein einprägsames Motto illustriert wird. Mit diesem Elternkurs wird gelernt, den oft konfliktgeladenen Alltag gelassen und souverän zu meistern. Es werden Informationen zu den Entwicklungsaufgaben des Kindes sowie der Eltern weitergegeben. Erziehungsberechtigte lernen einen positiven Einfluss auf das Kind zu nehmen, die Beziehung mit Achtung, Respekt und Wertschätzung auszugestalten. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, Konflikte zu bewältigen und Austausch mit anderen Erziehungsberechtigten findet so statt.
Für welche Altersgruppen von Kindern gibt es Kurse?
Die Kursinhalte sind so aufgebaut, dass für jedes Erziehungsalter (0 bis 18 Jahre) nützliche Informationen und praktikable Veränderungsanregungen angeboten werden.
Es werden auch Kurzmodule von zwei bis vier Einheiten zu je 2,5 Stunden angeboten: Module für Großeltern, Medien, 0 bis 3 Jahren, psychische Gesundheit, Pubertät, Patchwork-Familien uvm.
Des Weiteren gibt es auch verschiedene Kurse bzw. themen- und zielgruppenspezifische Module, die sich an den unterschiedlichen Bedürfnissen und Anforderungen der Erziehungsberechtigten orientieren, z.B. „Pubertät: eine Phase, keine Krankheit!“, „Liebevoll Grenzen setzen“, usw.
Auf welche Art von Pädagogik stützen sich die Kurse?
Nun, das Wesentliche ist, die Eltern und ihre Themen, ihre Herausforderung, ihre Vorstellungen, ihre Wünsche und ihren Stress zu hören. Die Eltern sollen sich wohl und sicher fühlen und dann kommen auch schon viele Alltagssituationen und Fragen.
Als Kursleiterin möchte ich verstehen, wer ihre Kinder sind, wie die Kinder mit den Eltern tun, wie Mütter und Väter mit den Kindern tun. Und welche Ergebnisse dabei herauskommen. Wenn es allen gut geht, dann macht fröhlich und unbekümmert weiter. Wenn es – und das ist sehr häufig so – zwischendrin knirscht, Konflikte entstehen, die ungut sind, dann ist dieser Kurs genau richtig.
Die Pädagogik baut auf eine entwicklungsfördernde Erziehung, besser gesagt, auf Beziehung auf. Es geht darum, welche Botschaften, welche Regeln, welche Grenzsetzungen, welche Gefühle fördern Beziehungen und welche schaden; was tut gut und was raubt uns Kraft, Leichtigkeit und Fröhlichkeit?
Welche Rolle nehmen die Eltern in der Erziehung ein?
Vorausgeschickt: Eine perfekte Erziehung gibt es nicht! Es gibt auch keine perfekten Eltern. Und das ist auch gut. Kinder dürfen die Erfahrung machen, dass Eltern auch Fehler machen. Dafür sollten die Eltern die Verantwortung übernehmen und sich auch mal entschuldigen. Eines der Abendmottos lautet nämlich: „Vorbild dringt tiefer ein als Worte“. Und das gilt nicht nur bei den vielen Lernaufgaben im Alltag, sondern auch in der Kommunikation, in der Konfliktkultur und bei unseren Werten. Die Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für Kinder bis zu deren Pubertät. Daher haben sie für circa 10 bis 12 Jahre die Möglichkeit, die Kinder zu begleiten und ihnen Werte zu vermittelt. Danach gelingt Erziehung meist nicht mehr. Nur mit einer guten und tragfähigen Beziehung schaffen wir es, Jugendliche hin zum Erwachsenwerden zu begleiten. Der Wunsch vieler Eltern ist es, gut und gelassen Alltagssituationen zu meistern. Doch durch Mehrfachbelastungen, (Freizeit-)Druck und Stress im Außen wird dieser häufig in die Familien und auf die Kinder übertragen. Kinder müssen dann funktionieren und ins Schema passen. Dabei sind Kinder unsere „Seismographen“. Je gestresster wir sind, desto auffälliger reagieren sie. Wenn wir jedoch zur Ruhe kommen, in unserer Mitte sind, dann schaffen es auch die Kinder leichter. Daher sind Kinder unsere besten „Entwicklungshelfer“. Sie zeigen uns wo unsere „Trigger“ sind, wodurch wir ausflippen und was wir da noch lernen oder heilen dürfen. Vielen Eltern fehlen Modelle, wie man schwierige Situationen meistern kann. Viele haben Schwierigkeiten besonders gegenüber ihren Kindern konsequent zu bleiben oder ihnen Grenzen zu setzen. Sie glauben, in anderen Familien läuft alles besser. In den Elternkursen kommt man drauf, dass das nicht wahr ist.
Die große Kunst ist es, Signale von Kindern gut und schnell zu verstehen. Je besser ich mein Kind kenne, weiß was es braucht, umso kürzer fallen erfahrungsgemäß Konflikte aus. Manche Kinder brauchen Nähe und Sicherheit, andere Freiraum und Mitbestimmung, andere klare Regeln, wiederum andere mehr Struktur oder Ruhe.
Warum heißt es starke Eltern und starke Kinder? Was ist damit gemeint?
Wenn es Eltern gut geht, geht es den Kinder auch gut. Umgekehrt übrigens auch. Eltern sollten deutlicher wissen, dass bzw. wie sie in jedem Konflikt positiv oder negativ einwirken können. Bei stürmischer See erkennt man die guten Seeleute! So ist es auch im Familienalltag: aus „Nichts“ kann plötzliche ein Sturm oder Gewitter entstehen, und hier sind wir Eltern gefordert. Stark sein bedeutet nicht nur „kraftvoll und mächtig dreinzufahren“ und die Machtverhältnisse deutlich zu machen (du machst, was ich dir sage!).
Eine wichtiger Aspekt von „stark“ ist auch, die eigenen Schwächen zu kennen und einen konstruktiven Umgang damit zu entwickeln. Wahre Stärke zeigt sich z.B. auch daran, welche Worte ich sage, welche Töne und Lautstärke ich verwende, welche (Muskel)Spannung in mir entsteht. Wenn ich als Vater und Mutter echt und authentisch bin, meine Gedanken, meine Gefühle, meine Freuden und Ängste zeigen kann, dann wird die Welt einfacher, leichter zu verstehen. Wir denken und interpretieren etwas zu viel und fragen und lachen etwas zu wenig.
Was ist ein starkes Kind?
Jedes Kind hat die Grundbedürfnisse: geliebt, akzeptiert und angenommen werden, so wie es ist, Nähe und Geborgenheit spüren sowie beim Wachsen angemessen unterstützt zu werden.
Wenn uns Eltern das gelingt, kann das Kind ein gutes und gesundes Selbst-Wert-Gefühl entwickeln. Es entwickelt ein Gefühl für sich selbst ohne immer auf das Feedback von außen angewiesen zu sein. Es lernt: „Ich bin ok, so wie ich bin!“ und es lernt sich selbst zu lieben. Das ist das Fundament und die innere Säule, die es braucht, um sich zu einer lebensbejahenden, selbstständigen, leistungsbereiten und gemeinschaftsfähigen Person entwickeln zu können.
Uns Eltern kommt dabei die große Aufgabe zu, dem Kind diese Grundbedürfnisse zu erfüllen.
Zoom-Gespräch mit den Kursleiterinnen Siliva Agreiter und Elisabeth Kußtatscher sowie mit Roland Feichter