Kommentar

Die Aufgabe des Sport

Integration/Inklusion von Menschen mit Beeinträchtigung
Sport ist ein gutes und erprobtes Mittel zur Förderung des Selbstwerts und der Integration von Menschen mit Behinderung. Der Vereinssport hat hier ein großes Potential, das es zu nützen und zu fördern gilt.
Günther Andergassen
Obmann des VSS
Der Mensch ist grundsätzlich auf Bewegung gepolt, unabhängig vom Alter und unabhängig von allfälligen Beeinträchtigungen. Bewegung und Sport fördern die motorischen Fähigkeiten und tragen zu einer positiven Entwicklung der Persönlichkeit insbesondere von Kindern und Jugendlichen bei. Sport verbessert körperliches und psychisches Wohlbefinden, stärkt das Selbstbewusstsein, macht vor allem Spaß und trägt so zur Lebensqualität bei. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, welch wichtige Aufgabe der Sport, insbesondere auch für Menschen mit Beeinträchtigung, hat.
An einigen Merkmalen des neuen freizeitkulturellen Lebensstils möchte ich den Stellenwert des Sports als wichtigen Freizeitbereich, der als eine Form aktiven Verhaltens erlebbar werden muss, durch eigenes Tun, durch ein Miteingebunden sein, noch weiter verdeutlichen:
Selbst-Aktiv-Sein/Selbermachen – Bedürfnis nach eigenem Engagement, Beteiligung, sozialer Selbstdarstellung
Sozialkontakt/Gemeinsamkeit – Bedürfnis nach Mitteilung, Kontakt, Zusammensein und Gemeinschaftsbezug

Sich-Entspannen/Wohlfühlen – Bedürfnis nach Zerstreuung und Vergnügen, Ausgleich von Enttäuschungen und Entbehrungen, Gesundheit und Wohlbefinden
Spaß/Lebensgenuss – Bedürfnis nach Geselligkeit und Muße.
Sport ist ein enormes Lern- und Bildungsfeld. Es geht um Bildung im weitesten Sinne, es geht darum Potentiale zu entfalten. Damit dies gelingen kann, gilt es Menschen zu motivieren, sie einzuladen, ihnen die Möglichkeit zu bieten, aufgrund eigener Erfahrungen Freude an der Sache zu empfinden, Menschen für etwas begeistern. Und „Begeisterung ist Dünger für das Gehirn“, wie der bekannte Neurowissenschaftler Gerald Hüther feststellt. Nirgendwo können Kinder und Jugendliche lustvoller soziale Regeln lernen als im sportlichen Spiel.
Und dann ist Sport ein ganz wesentlicher Teil der sozialen Rehabilitation von Menschen mit Beeinträchtigung. Er bietet die Chance, Ausgrenzungen zu beheben und soziale Eingliederung zu fördern. Er ermöglicht niederschwellige Zugänge, bringt Menschen in Bewegung und fördert so das Miteinander. Bewegung, Spiel und Sport sind besonders geeignet das gegenseitige Kennenlernen und Zusammenwirken von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zu fördern, die Chancengleichheit von Menschen mit Beeinträchtigung in der Gesellschaft sowie ihre selbstbestimmte und gleichberechtigte Teilnahme und Teilhabe in unserer Gesellschaft zu ermöglichen, kurz gesagt, die Inklusion von Menschen mit Behinderung zu fördern.
Unmittelbar mit dem Begriff Inklusion verbunden ist auch das individuelle Wunsch- und Wahlrecht eines jeden Einzelnen. Menschen mit Beeinträchtigung haben besondere Bedürfnisse aber auch besondere Talente. Über ein Sportangebot ihrer Wahl, um lebensbegleitend Sport treiben zu können, können vor allem die individuellen Fertigkeiten und Fähigkeiten von Menschen mit Beeinträchtigung verdeutlicht werden. So erleben sie auch mehr Akzeptanz. Dabei geht es nicht darum, dass „alle gemeinsam Sport treiben müssen“, sondern dass die individuellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung berücksichtigt werden, wenn sie ihr Wunsch- und Wahlrecht ausüben.
In Südtirol gibt es ein recht umfangreiches Angebot im Bereich des Behindertensports, d. h. von Sportangeboten für Menschen mit Behinderung. Inklusive Angebote sind noch weniger entwickelt. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wäre aus meiner Sicht, dass Aktivitäten der Behindertensportvereine in die Programme/Tätigkeiten der anderen Sportvereine etwa in Form von gemeinsamen Sportveranstaltungen integriert werden.
Gemeinsame Aktivitäten von Menschen mit und ohne Beeinträchtigung sollten verstärkt Wirklichkeit werden. Inklusion bedeutet Veränderungen und Öffnung der Strukturen außerhalb des behinderungsspezifischen Lebensumfeldes. Es geht um eine Weiterentwicklung von Gesundheitssportangeboten, Spiel- und Bewegungsangeboten sowie Sportarten in Hinblick auf die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen. Und es geht auch um eine stärkere Kooperation zwischen Sportvereinen und Organisationen der Behindertenhilfe und umgekehrt. Dabei gilt es die Fachexpertise der Behindertensportverbände sowie der Menschen mit Behinderungen als Expertinnen und Experten in eigener Sache einzubeziehen, da sie die besonderen Bedürfnisse und Erfordernisse kennen.
Neben dem gemeinsamen Sporttreiben spielt im Vereinsleben zudem das Miteinander außerhalb der sportlichen Aktivitäten eine wichtige Rolle. So können bei Festen und Freizeitaktivitäten Barrieren abgebaut und Gemeinschaft gefördert werden. Auch die Gewinnung von Menschen mit Behinderungen für das ehrenamtliche Engagement bietet Chancen für gelingende Inklusion im Sport. Dafür gibt es gute Beispiele in unserem Lande, wie die Übernahme von speziellen Betreuungsaufgaben oder die Begleitung der Mannschaften als Fanclub durch Menschen mit Behinderung. Es braucht die konkrete Ansprache von Menschen mit Behinderungen für die ehrenamtliche Mitarbeit im Sport.
Das Motto „Nichts über uns ohne uns“ hat als Leitlinie in dieser Kooperation und in der Miteinbeziehung von Menschen mit Beeinträchtigung und deren Eltern zu gelten. Und dazu braucht es auch einen Perspektivenwechsel:
Menschen mit Behinderungen werden von Objekten zu Subjekten
von Patient*innen zu Bür­ger*­innen
von Problemfällen zu Träger*­innen von Rechten.
Sport kann zu dieser Bewusstseinsbildung in der Gesellschaft beitragen.
Wenn wir Inklusion voranbringen wollen, sind Barrieren in den Köpfen der Menschen (z. B. in Form von Berührungsängsten, Vorbehalten) im Lebensumfeld und in der Gesellschaft abzubauen. Das im Vereinssport bestehende Potenzial zur Umsetzung von Integration/Inklusion ist anzuerkennen, zu nutzen und zu fördern.
Der organisierte Sport kann diese Ziele nicht alleine umsetzen. Inklusion ist eine Querschnittsaufgabe. Nur gemeinsam können wir uns dieser Herausforderung stellen und mit allen gesellschaftlichen Akteuren vor Ort Leitlinien, Umsetzungsstrategien und Förderprogramme entwickeln. Es gilt immer wieder hinzuschauen, wo Barrieren zur Teilhabe von Menschen mit Behinderungen bestehen und eine bessere Zugänglichkeit zu schaffen.
Die Erstellung eines jährlichen Berichts über die Fortschritte und Herausforderungen im Bereich der I nklusion im organisierten Sport, eine sogenannte Evaluation von Maßnahmen zur Inklusion könnte da gewiss hilfreich sein.
Vor allem gilt es die Willkommenskultur in den Sportvereinen weiter zu stärken und weiter zu entwickeln und eine Kultur des Ermöglichens zu pflegen.
TEXT: Günther Andergassen

KVW Soziales

Die Gemeinderatswahlen

Es braucht sachkundige Menschen, die sozial denken
Zu den Hauptaufgaben des KVW zählt „die Aufklärung und Einflussnahme auf die öffentliche Meinung sowie auf die für das Wohl des Landes verantwortlichen Organe und Körperschaften“. So steht es im Statut und in diesem Sinne arbeiten die Ehrenamtlichen auch in den Ausschüssen.
Werner Steiner
KVW Landesvorsitzender
Die anstehenden Gemeinderatswahlen bieten eine gute Gelegenheit, sich mit den zentralen Themen des Verbandes eingehender auseinanderzusetzen. Damit sich Gemeinwohl, Solidarität und Nachhaltigkeit umsetzen lassen, braucht es Frauen und Männer in den Gemeinderäten, die sachkundig und genauso sozial denkend sind. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass gar einige, die sich der Wahl stellen, später als „Wölfe im Schafspelz“ enttarnt werden. Deswegen ersuche ich Sie, sich mit den Kandidatinnen und Kandidaten in Verbindung zu setzen und entsprechende Vorgespräche zu führen.
Wie schaut es mit der Einstellung zum Gemeinwohl aus?
Das Gemeinwohl ist ein zentrales Anliegen des KVW. Im Gemeinwohl sind alle Mitglieder einer Gesellschaft in die Pflicht genommen: niemand ist ausgenommen, jede und jeder hat nach ihren/seinen Möglichkeiten und Verantwortlichkeiten an der Verwirklichung und Entfaltung mitzuarbeiten. Es kann niemals in der Verantwortung einer einzelner Personen liegen, sich für das Gemeinwohl stark zu machen. Es ist immer Aufgabe der Gemeinschaft, dafür Sorge zu tragen, dass jeder Mensch ein gutes Leben führen kann und befähigt wird sein Leben eigenverantwortlich zu gestalten. Deshalb ist es dem KVW ein Anliegen, dass in den Gemeindestuben Südtirols Menschen mit einem klaren Blick auf das Gemeinwohl sitzen. Sich als sozial im Sinne eines freundlichen Wesens zu erklären, ist zu wenig. Echte soziale Einstellung bedeutet, dass Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es ermöglichen, dass jeder Mitmensch ein Leben in Würde führen kann.
Weiters zählt der Auftrag zur Bewahrung der Schöpfung, auch dies ein zentrales Anliegen des KVW. Ich möchte daran erinnern, dass wir mit dem Raubbau an unserem Planeten schon weit fortgeschritten sind und uns nur im Verzicht eine einschneidende Besserung gelingen kann. Aber auch auf höherer Ebene müssen wir achtsamer werden. Die Rodung von Auwäldern, die Verbauung wertvollen Kulturgrundes, die beinahe grenzenlose Mobilität, um nur einiges zu nennen, brauchen Eindämmung. Nur wenn wir mit den Politikern gemeinsam Zukunft denken, wird es uns gelingen, die Umwelt den nachkommenden Generationen lebbar zu hinterlassen.
Es geht um die Würde aller Menschen
Die zukünftigen Vertreter*innen in den Gemeindestuben müssen sich für die Würde aller Menschen aussprechen und einsetzen. Dabei darf es kein „Wir zuerst“ geben. Diese in letzter Zeit salonfähig gewordene Aussage widerspricht der christlichen Einstellung und muss deshalb entschieden zurückgewiesen werden.
Das Prinzip der Subsidiarität muss wieder mehr an Wert erhalten. Was die oder der Einzelne oder die kleine Gemeinschaft selber leisten kann, darf nicht an übergeordnete Stellen delegiert werden.
Die Ehrenamtlichen im KVW sehen es als ihre Aufgabe, die Anliegen unserer Mitglieder zu vertreten. Daraus ergibt sich die Forderung nach Präsenz von KVW-nahen Politi­ker*innen in den Gemeindestuben. Ob Bürgermeister*in, Referent*in oder Gemeinderatsmitglied – jede Person mit echter sozialer Prägung ist für den KVW ein*e wertvolle*r Ansprechpartner*in.
Den Blick auf gute Lösungen richten
Nutzen wir diese Gelegenheit der Neuwahlen um dafür zu sorgen, dass viele Menschen die Zeichen der Zeit erkennen und der soziale Gedanke wieder mehr in den Vordergrund rücken kann: sozial bedeutet den Blick immer wieder auf gute Lösungen zu richten und bereit zu sein, sich auf Mitmenschen einzulassen und sich für unser aller Wohl einzusetzen.
TEXT: Werner Steiner