KVW International
Tourismus braucht Grenzen und einen gerechten Ausgleich
EBCA Tagung in Brixen

Fotos: Majda Brecelj | Die Teilnehmer:innen der EBCA Tagung auf der Dachterrasse der Stadtgemeinde Brixen
Vom 10. bis 12. September diskutierten 49 Teilnehmer aus neun EU-Ländern und der Schweiz bei einer internationalen Tagung der Europäischen Bewegung Christlicher Arbeitnehmer (EBCA) in der Cusanus-Akademie in Brixen über die Zukunft des Tourismus. Mitveranstalter vor Ort war der KVW. Vorbereitet wurde die Tagung maßgeblich von Karl „Charly“ Brunner, geistlicher Assistent des KVW und Co-Präsident der EBCA.
Tourismus schafft Einkommen und Arbeitsplätze, bringt aber auch Herausforderungen mit sich. In stark besuchten Regionen wie Südtirol, Tirol oder den Kanarischen Inseln steigen die Wohnkosten, Infrastrukturen geraten an ihre Grenzen und viele Beschäftigte arbeiten unter schwierigen Bedingungen. Südtirol verzeichnete 2025 rund 38,2 Millionen Übernachtungen. Der Tourismus trägt wesentlich zur Wertschöpfung bei, wirft aber zugleich Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit auf.
EBCA-Präses Stefan B. Eirich eröffnete die Tagung mit einem Blick auf die europäische Entwicklung. Armin Erger von der Arbeiterkammer Tirol zeigte die Auswirkungen saisonaler Beschäftigung auf Arbeitnehmer. Der Brixner Philosoph Markus Moling kritisierte die idealisierten Bilder touristischer Regionen und forderte faire Arbeitsbedingungen, leistbaren Wohnraum und eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung.
Großes Interesse fand die öffentliche Podiumsdiskussion am Donnerstagabend, zu der mehr als 150 Besucher kamen. Vertreter aus Wirtschaft, Gewerkschaften, Politik und Zivilgesellschaft waren sich über die wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus einig. Gleichzeitig forderten sie verbindliche Grenzen für das Wachstum sowie bessere Rahmenbedingungen für Beschäftigte und Einheimische.
„Ein Tal ist nicht lebendig, weil seine Hotels voll sind“, sagte Hotelier Michil Costa. Georg Plaickner vom SGB/CISL bezeichnete den Tourismus als „Segen und Fluch zugleich“. KVW-Landesvorsitzender Werner Steiner lenkte den Blick auf lange Arbeitszeiten, Schichtdienste und saisonale Beschäftigung: „Wirtschaftlicher Erfolg muss mit fairen und nachhaltigen Arbeitsbedingungen verbunden werden.“
Bei Besuchen im AKI Family Resort PLOSE, beim SGB/CISL und im Haus der Solidarität erhielten die Teilnehmenden Einblicke in unterschiedliche Lebens- und Arbeitsrealitäten. Internationale Referent aus Spanien und Österreich berichteten über Arbeitsverdichtung, ausgelagerte Dienstleistungen und die besondere Belastung von Frauen und Menschen mit Migrationsgeschichte.
In ihrer Abschlusserklärung fordert die EBCA existenzsichernde Löhne, faire Arbeitsbedingungen, leistbaren Wohnraum und eine verpflichtende Beteiligung der Bevölkerung an touristischen Planungen. „Tourismus darf kein Selbstzweck sein, der Landschaften ausbeutet, Wohnraum zerstört und Arbeitnehmer verheizt“, heißt es darin.
Für Karl „Charly“ Brunner war die Tagung zugleich ein persönlicher Abschied. Nach zehn Jahren Mitarbeit in der EBCA, zuletzt als Co-Präsident, beendete er seine Tätigkeit in der europäischen Bewegung. Sein Fazit: Tourismus könne nur dann Zukunft haben, wenn wirtschaftlicher Erfolg, soziale Verantwortung und der Schutz des Lebensraums gemeinsam gedacht werden.


