Sonderthema
Wie eigenständig ist Südtirol?
Ein Streifzug durch Geschichte, Recht und Politik

TEXT: Oskar Peterlini
Oskar Peterlini
Landesausschussmitglied des KVW, hat als Abgeordneter im Südtiroler Landtag und als Parlamentarier in Rom die politischen Geschicke Südtirols mitgestaltet. Als Professor an der Freien Universität Bozen verbindet er politische Erfahrung mit langjähriger wissenschaftlicher Forschungs- und Lehrerfahrung zu Geschichte, Recht und Politik der Südtirol-Autonomie.
Buchvorstellungen: in einigen größeren Zentren oder bei kleineren Ortsgruppen gemeinsam, vorzugsweise ab Februar möglich.
Liebe KVW-Freundinnen und -Freunde, kürzlich durfte ich an der Freien Universität Bozen mein neues Buch vorstellen: „Wie eigenständig ist Südtirol? Geschichte, Recht und Politik“. Ich unternehme darin einen Streifzug von der Geschichte Tirols über die zentralen Bereiche des Minderheitenschutzes und der Südtiroler Autonomie: vom Proporz, von Sprache und Schule über den Abschluss des Paketes und die Erklärungen Andreottis im Parlament bis zur Streitbeilegung vor der UNO in New York. Ich zeige die Besonderheiten der Wahl der Südtiroler Vertreter ins Römische Parlament und untersuche die Qualität der Autonomie anhand von zwölf Merkmalen, die eine ideale Autonomie auszeichnen sollten.
Wenn Grenzen zu Konfliktlinien werden
Konflikte zwischen Nationalitäten gehören bis heute zu den schwierigsten politischen Problemen. Besonders nach den beiden Weltkriegen wurden Grenzen künstlich gezogen und Gebiete aufgeteilt. Auch Tirol erlitt dieses Schicksal: Nach Jahrhunderten eigener Entwicklung und mehr als einem halben Jahrtausend bei Österreich wurde das Land geteilt; 1919 kam der südliche Teil zu Italien.
In vielen Teilen der Welt haben willkürliche Grenzziehungen und ungelöste Nationalitätenfragen Konflikte, Gewalt, Flucht und Vertreibung begünstigt.
Von der Konfliktlösung zum Erfolgsmodell?
Nach der Unterdrückung im Faschismus, einer zunächst unbefriedigenden Nachkriegsautonomie und den gewaltsamen Auseinandersetzungen der 1960er-Jahre fand Südtirol mit dem Zweiten Autonomiestatut von 1972 eine neue Grundlage. Der Schutz der Sprachgruppen wurde mit weitreichender Selbstverwaltung verbunden. Damit entstand ein Weg, wesentliche Angelegenheiten selbst zu gestalten.
Heute gilt die Südtiroler Autonomie vielfach als Beispiel für die Lösung eines Nationalitätenkonflikts. Doch hält sie, was sie verspricht? Wo liegen Stärken und Schwächen? Wie dauerhaft ist sie, wenn sich die politischen Verhältnisse verändern?
Was macht eine gute Autonomie aus?
Diesen Fragen geht der Autor nach. Anhand von zwölf Merkmalen untersucht er, wie eine ideale Autonomie ausgestaltet sein sollte und wo die Südtiroler Wirklichkeit diesem Anspruch entspricht oder Lücken aufweist. Das Modell macht Stärken sichtbar und zeigt, wo Weiterentwicklungen möglich sind.
Die Geschichte Südtirols zeigt, dass Minderheitenschutz und Autonomie zum Frieden beitragen, weil sie die Konflikte entschärfen. Die Südtiroler Erfahrung kann deshalb auch über das Land hinaus von Interesse sein: Aus konkreten Erfahrungen lassen sich Maßstäbe für den friedlichen Umgang mit Minderheiten gewinnen.
Pflegestufe
Anerkannter Pflege- und
Betreuungsbedarf in Stunden am Tag
Betreuungsbedarf in Stunden am Tag
Betrag Pflegegeld
im Monat
im Monat
1. Pflegestufe
von 2 bis 4 Stunden am Tag
599 Euro
2. Pflegestufe
von mehr als 4 bis 6 Stunden am Tag
900 Euro
3. Pflegestufe
von mehr als 6 bis 8 Stunden am Tag
1.350 Euro
4. Pflegestufe
mehr als 8 Stunden am Tag
1.800 Euro


