Kommentar
Immer mehr Pensionisten geraten unter Druck

Dr. Christian Wenter
Arzt, Vorsitzender KVW Senioren
Wenn die Pension steigt, aber das Leben trotzdem teurer wird
Die italienischen Pensionen verlieren seit Jahren schleichend an Wert. Zwar steigen die monatlichen Bezüge leicht - und trotzdem reicht das Geld immer weniger. Das ist für viele ältere Menschen längst keine abstrakte Statistik, sondern Alltag. Wenn Lebensmittel, Miete, Strom, Medikamente oder Gesundheitsleistungen stärker steigen als die Pension, bleibt am Monatsende weniger übrig. Besonders in Südtirol verschärfen die hohen Wohn- und Lebenshaltungskosten den finanziellen Druck.
Das Problem mit der Aufwertung
Die jährliche Aufwertung der Pensionen soll die Inflation ausgleichen und ihre Kaufkraft erhalten. Doch das gelingt nicht immer vollständig. Steigen die Preise stärker als die Pension, verliert diese real an Wert. Was zunächst nach kleinen Unterschieden aussieht, kann sich über Jahre zu einem spürbaren Verlust summieren.
Gespart wird bei der Lebensqualität
Gerade Menschen mit kleinen Pensionen haben wenig Spielraum. Bei Lebensmitteln, Miete, Heizung, Strom oder Medikamenten lässt sich kaum sparen. Dazu kommen im Alter häufig zusätzliche Ausgaben für Pflege, Betreuung oder Haushaltshilfen. Gespart wird dann oft bei dem, was für Lebensqualität sorgt: beim Kaffee, beim Essen gehen oder beim Treffen mit Freunden. Wer sich aus finanziellen Gründen immer mehr zurückzieht, verliert auch Möglichkeiten zur Begegnung und Teilhabe. Einsamkeit und Isolation können die Folge sein.
Es geht um mehr als Geld
Wer ein Leben lang gearbeitet und Beiträge eingezahlt hat, muss darauf vertrauen können, im Alter finanziell abgesichert zu sein. Eine Pension sollte nicht nur das Notwendigste abdecken, sondern auch ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen - mit sozialen Kontakten und gesellschaftlicher Teilhabe. Viele Pensionisten leisten weiterhin viel: Sie unterstützen Kinder und Enkel, betreuen Angehörige oder engagieren sich ehrenamtlich. Damit leisten sie einen wichtigen Beitrag zum sozialen Zusammenhalt. Ihre finanzielle Absicherung ist deshalb nicht nur eine Frage des persönlichen Wohlstands. Sie hat auch damit zu tun, welchen Stellenwert ältere Menschen und ihre Leistungen in unserer Gesellschaft haben. Die entscheidende Frage lautet daher: Reicht das bestehende System aus, um die Kaufkraft der Pensionen dauerhaft zu sichern? Wenn Altersarmut und soziale Ausgrenzung verhindert werden sollen, darf die schleichende Entwertung der Pensionen nicht hingenommen werden. Pensionen müssen mit der tatsächlichen Entwicklung der Lebenshaltungskosten Schritt halten. Wie viel älteren Menschen im Alltag zum Leben bleibt, ist mehr als eine Rechenfrage. Es ist eine Frage gesellschaftlicher Prioritäten - und damit eine politische Entscheidung.



