Thema
Care-Arbeit
Zwischen Liebe, Pflicht und Überlastung

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Pausenboxen für die Kinder schon vorbereitet? Den Termin in der Memory-Klinik für die Schwiegermutter vereinbart? Den Service für die Waschmaschine gerufen, weil sich die Trommel nicht mehr dreht? Und das alles neben der Erwerbsarbeit, die ebenfalls Termine, Fristen und Dienstpläne kennt.
TEXT: Iris Pahl
Wer sich um andere kümmert, und das sind mehrheitlich Frauen, hat oft Dauerbereitschaft: rund um die Uhr, bei Tag und bei Nacht. Eine Übergabe ist meist nicht möglich, und eine „Ersatzbank“ gibt es nicht. Besonders gefordert sind Alleinerziehende, pflegende Angehörige und Eltern von Kindern mit Behinderungen, oft weit über die Belastungsgrenze hinaus.
Was ist Care-Arbeit?
Care-Arbeit ist Fürsorgearbeit: Tätigkeiten, bei denen man sich um andere Menschen und ihre Bedürfnisse kümmert. Dazu zählen Kinderbetreuung und -erziehung, die Pflege älterer, kranker oder beeinträchtigter Menschen und die Hausarbeit, also Kochen, Putzen, Waschen und Einkaufen. Sie kann bezahlt sein, etwa in der Pflege oder in der Kinderbetreuung, oder unbezahlt, wenn sie in der eigenen Familie geleistet wird.
Gerade die unbezahlte Care-Arbeit bleibt oft unsichtbar. Dabei ist sie für Familien und die gesamte Gesellschaft unverzichtbar. Sie kostet Zeit, Energie und Verantwortung und wird dennoch meist als selbstverständlich angesehen.
Die Last ist ungleich verteilt
Die Belastung trifft vor allem Frauen. In Südtirol arbeiten 47,7 Prozent der Frauen in Teilzeit und 74 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut (siehe Grafiken). Care-Arbeit wird also weiterhin überwiegend im privaten Umfeld geleistet.
Fehlen leistbare Betreuungsplätze für Kleinkinder oder Unterstützungsangebote für pflegebedürftige Menschen, wird die Arbeit in der Familie aufgefangen. Und auch wenn beide Partner erwerbstätig sind, sind Haushalt, Kinderbetreuung und die Organisation des Alltags nicht automatisch gleich verteilt. So entsteht die Doppelbelastung aus Beruf und unbezahlter Care-Arbeit.
Die Folgen reichen weit: Erschöpfung, Stress und das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Wer Arbeitszeit reduziert oder unterbricht, hat auf lange Sicht weniger Einkommen, weniger Aufstiegschancen und eine geringere Pension. Das Risiko der Altersarmut trifft deshalb Frauen besonders. Care-Arbeit ist also keine private Angelegenheit, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe.
Was sich ändern muss
Appelle an einzelne Familien reichen nicht. Es braucht bessere Rahmenbedingungen:
Politik: ausreichende und leistbare Kinderbetreuung, dazu mobile Pflegedienste, Tagespflege und Entlastungsangebote für pflegende Angehörige.
Arbeitgeber: planbare und flexible Arbeitszeiten, Teilzeit- und Homeoffice-Möglichkeiten und familienfreundliche Dienstpläne, damit Care-Arbeit nicht zum beruflichen Nachteil wird.
Familien: Kinderbetreuung, Haushalt und Organisation sollten nicht selbstverständlich bei der Mutter liegen. Auch Väter brauchen die Möglichkeit und die gesellschaftliche Anerkennung, Verantwortung zu übernehmen.
Es geht nicht darum, alles exakt hälftig zu teilen. Entscheidend ist, dass Care-Arbeit sichtbar gemacht, anerkannt und fair verteilt wird.
Und jetzt? Sprechen wir darüber, wer bei uns zu Hause was übernimmt, und fragen wir in Betrieben, Gemeinden und in der Politik nach, was für bessere Vereinbarkeit getan wird. Denn Fürsorge ist keine private Nebensache, sondern eine notwendige Grundlage unserer Gesellschaft.

