KVW Aktuell

Sieben Jahre Wegbegleitung

Karl Brunner verabschiedet sich als Geistlicher Assistent
Karl Brunner und Sonja Schöpfer bei einer EBCA Veranstaltung
Interview: Iris Pahl
Karl Brunner, von allen Charly genannt, hat einige Stationen im KVW durchlaufen bevor er als erster Laie zum Geistlichen Assistenten des KVW von der Diözese ernannt wurde: im Ortsausschuss Bruneck, dann als Bezirksvorsitzender des Pustertales, als Vorsitzender der KVW-Jugend, als Mitglied im Landesausschuss und Landesvorstand, im Patronatskommitee, als Mitglied in der Diözesankommission für Arbeit und soziale Gerechtigkeit, in der Partnerschaft mit dem Katholischen Forum, auf europäischer Ebene in der Koordination und als Co-Präsident der EBCA. Mitte September 2019 wurde er schließlich mit dem Amt des Geistlichen Assistenten des KVW betraut. Sein Leitsatz damals „Ich werde mit den engagierten ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter:innen gern am „Wir“ in unserer Gesellschaft mitbauen. Es ist uns ein Anliegen genau hinzuschauen, aufzuzeigen und selbst anzulegen, und zwar auch dann, wenn es für uns oder andere unbequem ist“, so Karl Brunner am Beginn. Jetzt nachdem sich dieser Kreis schließt,- Brunner wird in Zukunft im Auftrag der Diözese die Ausbildung der Diakone begleiten-, haben wir vom Kompass, ihn um ein Abschiedsinterview gebeten.
Welche persönlichen Highlights aus Deiner Zeit als geistlicher Assistent beim KVW möchtest du hervorheben? Entweder weil sie dich besonders geprägt oder berührt haben.
Ich erinnere mich an die Corona Zeit, da hat man am Anfang gemeint, man kann gar nix mehr machen. Wir haben dann beschlossen eine Sondernummer des „Kompass“ herauszugeben und die Menschen aufzufangen und mitzunehmen, um einerseits die Krise zu managen, aber andererseits auch die Spielräume zu nutzen für das Miteinander und die Mitmenschlichkeit. Das war für mich eine besondere Geschichte.
In diesem Jahr hingegen hat mich das Friedenthema sehr geprägt. Begonnen hat es damals mit der Wallfahrt, dem Friedensmarsch am 3. Oktober. Miteinander aus Überzeugung setzt man da ein Zeichen. Das ist schon was Besonderes. Im Frühjahr darauf haben wir dann Cesare Zucconi von Sant‘ Egidio eingeladen, der eine weltweite Perspektive nach Südtirol bringt.
Es gibt sicherlich noch mehrere Sachen, aber diese zwei sind beispielhaft für mich. Außerdem waren in all den Jahren die Begegnungen mit den Ortsgruppen, den Bezirken, -jenseits der normalen Sitzungen, besonders wichtig. Da hat man immer gesehen, dass Menschen an den unterschiedlichsten Orten aktiv werden. Dabei geht es nicht darum die Welt auf den Kopf zu stellen, aber sie machen einen Unterschied. Überall gibt es Menschen die gemeinsam etwas unternehmen und gestalten: die einen mehr inhaltlich, die anderen mehr gemeinschaftlich. Das zu sehen, wie sehr sich die Menschen innerhalb des Verbandes einsetzen, war sicherlich auch ein Highlight.
Der KVW steht schon seit seiner Gründung für soziale Gerechtigkeit, Solidarität und Mitverantwortung. Wo liegen heute die größten Herausforderungen für solch einen Sozialverband?
Eine Herausforderung ist es, dass der Verband an sich immer Probleme hat, die es zu lösen gilt, die aber einiges an Energie bündeln. Die Gefahr besteht darin, dass man sich zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Es ist schwierig da das richtige Maß zu finden: Ja, es gibt Probleme. Wir werden immer älter und die Mitgliederzahlt wird immer weniger. Davon darf man sich nicht frustrieren zu lassen. Wir brauchen dem Alten nicht nachtrauern, geben wir vielmehr dem Jetzigen Gestalt. Wir sollen nicht unter der Last des Alten stehen, sondern es gibt noch viele Freiräume und neues zu entdecken.
Eine zweite Herausforderung ist jene, dass der KVW so grundsätzliche Themen hat, dass man oft Gefahr läuft, nur noch Allgemeinplätze zu besetzen. Man müsste bei vielen Themen sehr konkret hinschauen, genau überlegen, was dies in diesem Kontext bedeutet, um dann auch eine detaillierte Auskunft zu den einzelnen Themen geben zu können. Im Alltag fehlen dazu die Zeit und vor allem auch die Personalressourcen. Dabei wäre es so wichtig! Im Vergleich gibt es dazu in anderen Verbändern, beispielsweise dem Bauernbund, viele kompetente Leute gibt, die es ermöglichen Gesetzesinitiativen anzustoßen. In diesem Sinne wäre es vielleicht eine Überlegung wert, auch beim KVW einen Inhaltsreferenten anzustellen, der oder die dann hilft, dass die Ehrenamtlichen eine klarere Position einnehmen können. Es sind komplexe Themen und das funktioniert leider nicht so nebenbei und ehrenamtlich.
Als dritten Punkt sehe ich, dass wir als Verband nicht immer nur auf die Dienstleistungen schauen sollen, sondern erkennen, was man selbst in den Orten leistet und erkennt, dass dies den KVW ausmacht. Es ist nicht so, dass wir Mitglieder haben, weil es bei uns auch die Service oder die Bildung gibt. Wir haben eine Wertehaltung und deswegen haben wir die die Bildung, die Service und das Patronat. Die Dienstleistungen sind ein Ausdruck der Wertehaltung und nicht umgekehrt. Wir dürfen und sollen erkennen, dass das, was die KVW Ortsgruppen bieten, das Wichtigste ist: miteinander gestalten und Gemeinschaft erleben. Letztlich geht es um das.
Was nimmst du aus der Zeit beim KVW mit und was wirst du besonders vermissen?
Ich bin dem KVW dankbar, auch wenn nicht alles einfach war und auch nicht konfliktfrei. Es hat auch Auseinandersetzungen gegeben, aber das Ringen um Positionen ist letztlich auch ein Zeichen für die Lebendigkeit. Ich habe viel lernen können und mich weiterentwickeln können. Ich habe erfahren, dass wenn man mit Menschen Werte teilt, es alles viel mehr Spaß und Freude macht als allein. Es ist für mich klar, dass ich dem KVW auch weiterhin verbunden bleibe.
Besonders geprägt hat mich auch die internationale Arbeit. Das war für mich nicht zu erwarten, dass ich da ich da einsteige und dann sogar Verantwortung übernehme. Die verschiedenen Realitäten europaweit kennenzulernen, war für mich sehr bereichernd.
Ein anderes Highlight, wenn ich so auf meine Tätigkeiten in meinem Heimatbezirk Pustertal zurückschaue: den Bezirksausschuss, die jugendliche Talentshow, „Zoag di“ , Veranstaltungen zum Thema Gemeinwohlöknomie oder zum Tourismus, die Reihe „start.klar“, … das waren starke Momente. Auch auf den Podcast WERTvoll leben habe ich mich eingelassen und es ausprobiert.
Zusammenfassend war es einfach die Möglichkeit meine Fähigkeiten einzubringen, Schwerpunkte zu setzen und gemeinsam zu realisieren. Was mir sicher bleibt, sind viele Beziehungen, auch Freundschaften sind daraus entstanden. Nicht zuletzt habe ich, als jemand der nach Südtirol gezogen ist, das ganze Land kennengelernt. Ich habe Einladungen für Vorträge aus unterschiedlichen Orten erhalten. Ich kenn mich jetzt sogar besser aus als meine Frau Johanna!
Lieber Charly, wir danken Dir für das Gespräch, Dein Wirken als Geistlicher Assistent im KVW und wünschen Dir alles Gute für die Zukunft! Bleib uns verbunden.

KVW Aktuell

Audit familieundberuf stärkt Betriebe und Mitarbeitende

Die Zertifizierung audit familieundberuf unterstützt Arbeitgeber dabei, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die Leistung unterstützen und dennoch Raum für Familie, Pflege und persönliche Verantwortung lassen.
Foto: HK Bozen / Das audit familieundberuf zertifiziert das Engagement für eine gelebte Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Privatleben.
Familie ist ein Mehrwert für jede/n Einzelne/n, für die Wirtschaft und die Gesellschaft insgesamt. Viele Betriebe erkennen die Wichtigkeit einer familienfreundlichen und lebensphasenorientierten Personalpolitik und bieten Rahmenbedingungen, die es ihren Mitarbeitenden ermöglichen, familiäre Aufgaben und private Interessen gut mit der Arbeit vereinbaren zu können.
Mit Familienfreundlichkeit punkten
Unternehmen tun sich immer schwerer, Mitarbeitende zu finden und zu binden. Die Zertifizierung „audit familieundberuf“ ist ein bewährtes Instrument, um als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden und das eigene Engagement für mehr Familienfreundlichkeit nach innen und außen sichtbar zu machen. Die Bemühungen des Arbeitgebers, gezielte und auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden abgestimmte Maßnahmen zu setzen, um eine gute Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Privatleben zu ermöglichen, werden belohnt: Eine familienfreundliche Personalpolitik erhöht die Motivation und Zufriedenheit der Mitarbeitenden, verbessert das Betriebsklima und steigert die Produktivität. Unternehmen sparen außerdem Zeit und Geld, da durch weniger Fehlzeiten und Fluktuation die Kosten für die Einstellung neuer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sinken.
Maßgeschneiderte Lösungen
Arbeitgeber durchlaufen mit dem audit familieundberuf einen strukturierten Entwicklungsprozess, der von eigens ausgebildeten Auditor/innen begleitet und über mehrere Stufen hinweg weiterentwickelt wird. Gemeinsam mit den Mitarbeitenden werden Maßnahmen in insgesamt 8 Handlungsfeldern definiert. Diese reichen von flexiblen Arbeitszeit- und Teilzeitregelungen, individuellen Arbeitszeitkonten über finanzielle Zusatzleistungen bis hin zu Unterstützung bei der Kinder- und Sommerbetreuung u.v.m. – die Möglichkeiten, mit denen ein Arbeitgeber seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Vereinbarkeit unterstützen kann, sind vielfältig. Am Ende steht ein anerkanntes Zertifikat, das das Engagement des Arbeitgebers sichtbar macht – gegenüber Mitarbeitenden, künftigen Bewerberinnen und Bewerbern sowie der Öffentlichkeit.
Investition in die Zukunft
Das „audit familieundberuf“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Service Familienfreundliches Unternehmen der Handelskammer Bozen und der Familienagentur der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol.
Seit vielen Jahren begleitet das Audit Unternehmen und Organisationen unterschiedlichster Branchen auf dem Weg zu einer nachhaltigen, familienfreundlichen Unternehmenskultur und ist somit weit mehr als ein Zertifikat – es ist ein Impuls für organisatorische Weiterentwicklung, bessere Zusammenarbeit und langfristige Mitarbeiteranbindung. Wer Vereinbarkeit ernst nimmt, investiert in die Zukunft seines Betriebs!
Info
Interessierte Unternehmen können sich für ein unverbindliches und kostenloses Beratungsgespräch melden:
Handelskammer Bozen
Familienfreundliches Unternehmen
Tel. 0471 945 535
familieberuf@handelskammer.bz.it
www.handelskammer.bz.it
Autonome Provinz Bozen
Familienagentur
Tel. 0471 418367
familienagentur@provinz.bz.it
www.provinz.bz.it/audit