KVW International

Internationale Luft tut unseren Lungen gut!

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass ich bei meiner ersten Landesausschussitzung überhaupt gebeten wurde, Pepi nachzufolgen und den KVW in der EBCA zu vertreten.
Text: Karl Brunner
Nach längerer Überlegung mit meiner Frau habe ich damals abgesagt, weil ich es mir nicht vorstellen konnte, wie sich das mit meinem Beruf vereinbaren lassen soll. Eine Wahlperiode später war es dann aber doch soweit. Mit einiger Flugangst im Gepäck und dem ermutigenden Pepi an meiner Seite ging es von Venedig aus nach Madrid und von dort mit dem Bus weiter nach Avila, wo gleichzeitig das Welt- und das Europatreffen der internationalen KVWs stattfand. Ich war angetan von der Vielfalt und der Freude, die die Menschen bei der Begegnung hatten und es war faszinierend, dass nicht nur wir in Südtirol um eine gerechte Gestaltung der Gesellschaft aus dem Evangelium heraus ringen, sondern Frauen, Männer und Jugendliche aus Brasilien, England, aus Japan und Kanada, aus der Schweiz und Tschechien, aus Nigeria und Belgien usw. Damals hätte ich nie daran gedacht, dass ich selber einmal als Präsident den europäischen KVWs – also der EBCA – vorstehen würde. Mein Glück war es, dass ich vor meiner Wahl die Wege in Richtung einer Co-Präsidentschaft lenken konnte, sodass es in der EBCA eine gemeinsame Führung einer Frau und eines Mannes geben kann. Mit mir wurde das dann auch das erste Mal Wirklichkeit.
In dieser Funktion war es unter anderem meine Aufgabe, die unterschiedlichen Bewegungen miteinander in Kontakt zu bringen, das gegenseitige Verständnis zu stärken und auch die internationale Zusammenarbeit zu forcieren. Seither habe ich sehr viele Einladungen NICHT angenommen, aber doch über die letzten Jahre fast alle Mitgliederbewegungen persönlich besucht und an wichtigen Veranstaltungen teilgenommen. Die LOC in Portugal ist mir dabei genauso ans Herz gewachsen, wie die Freundinnen und Freunde der ACO in Spanien, mit ihrem Sitz in Barcelona. Die KAB Schweiz, Österreich und Deutschland gehören ohnehin zu den engen Kooperationspartnern und daher war es uns auch möglich, z.B. das Mehrjahresthema „Arbeit macht Sinn“ von ihnen zu übernehmen. Auch die Kontakte zur ACO Frankreich, nach Tschechien und zur CTC-Schweiz waren mir ein Anliegen und die weitere Pflege der Kontakte zu den mittlerweile nicht mehr in der EBCA aktiven Mitgliederverbänden aus Großbritannien und Belgien. Vor meinem Abschied als Co-Präsident, der in diesem September in Brixen stattfinden wird, sollte ich nun die letzte Gelegenheit nutzen und auch das international sehr engagierte Mitglied HOAC in Madrid besuchen. Die HOAC hält jedes Jahr im Sommer eine ganze Woche an Schulungen zu ihren Jahresthemen ab. So durfte ich auch am 24. Juli in Madrid eine Gemeinschaft erfahren, die mich berührt hat. Vor allem ältere Menschen, die ihr ganzes Leben in ihrer Bewegung engagiert sind und sich auch heute – zum Teil schon seit Jahren in Pension – um die konkreten Nöte der arbeitenden Menschen kümmern und dafür auf die Straße gehen.
Allen Bewegungen, egal wie unterschiedlich sie sind, liegen die gleichen Werte zugrunde. Alle sind aus einer engagierten Jugend alt geworden und finden nur schwer Nachwuchs. Alle trauern, dass sie ihre Jugenderfahrung mit der heutigen Jugend nicht mehr teilen können und haben doch die Hoffnung, einen Unterschied zu machen und mit ihrem Einsatz etwas zu bewirken.
Ja, es gab in der EBCA einiges an Problemen zu bewältigen. Die Finanzen waren eine Aufgabe, es gab große Konflikte zwischen den Bewegungen und die Auflösung stand sogar kurz im Raum. Durch ein offenes und herzliches Miteinander und den Wechsel, den diese Bewegungen konsequent alle paar Jahre durchziehen, ist es gelungen, die alten Gräben zuzuschütten und an tragfähigen Beziehungen zu bauen. Plötzlich waren gemeinsame Aktionen möglich, eine mehrjährige Planung konnte zur finanziellen und zur sturkturellen Erholung beitragen und – und das war für mich persönlich eine sehr große Freude – ich wurde bei den Besuchen beispielsweise bei der Bewegung in Portugal nicht zu den Freundinnen und Freunden der KAB aus Aachen gesetzt, sondern zu jenen der spanischen und portugiesischen Bewegungen. Somit durfte ich erfahren, dass auch ich einer von ihnen geworden bin.
Warum schreibe ich das? Am Beginn meines Engagements in der internationalen Arbeit dachte ich, dass es ums Tun geht: Veranstaltungen, Aktionen und Inhalte „produzieren“. Mit der Zeit habe ich verstanden, dass wir im Kleinen das Europa und jene Werte konkretisieren sollen, die wir uns für die Welt wünschen. Wir dürfen voneinander lernen, unserer Unterschiedlichkeit kennenlernen, wertschätzen und als Bereicherung anerkennen, ohne uns den anderen anzupassen und umgekehrt. Das ist der wesentliche Kern der internationalen Arbeit, den ich entdecken und lernen durfte. Ich danke meinem Vorgänger Pepi, Margit Kammerer und vor allem Sonja Schöpfer, die mich auf diesen Wegen begleitet haben und ich lege dem KVW die internationale Arbeit weiter ans Herz. Deshalb habe ich mich auch dafür eingesetzt, dass wir auch Mitglieder von EZA und der WBCA – also der Weltbewegung – geworden sind, was nicht ganz einfach war, aber durch persönlichen Kontakt und engagiertes Zuhören und Vorstellen unseres KVW gelungen ist. Es gibt einzelne Stimmen, die die internationale Arbeit in Frage stellen und die Zeit und die nicht sehr hohen Kosten, die uns dadurch entstehen, einsparen möchten. Nicht nur aufgrund meiner Erfahrung als Co-Präsident der EBCA, sondern vor allem als Geistlicher Assistent kann ich dazu nur sagen, dass ein KVW, der sich nur noch um sich selbst kümmert und kreist, kein KVW mehr wäre. Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit, Gemeinwohl, etc. aus dem Evangelium heraus hört nie bei den Landesgrenzen auf. Dieser Versuchung gilt es unbedingt zu widerstehen und die Herzen, Augen und Ohren aufzumachen und von den anderen Bewegungen zu lernen. Es sind wunderbare Dinge, die mir auf diesen Wegen bewusst geworden sind. Beispielsweise enge Freundschaften in diesen Ländern, die auch nach dem Einsatz bestehen bleiben.

KVW International

Es wird noch heißer

Werner Atz, KVW Geschäftsführer
Hitzewellen und Wassermangel. Früher Extremereignisse, heute normal. Wir müssen alte Gewissheiten aufgeben und uns an diese neue Realität anpassen.
Wenn Sie diese Zeilen lesen haben wir September und ich hoffe, Sie und ich erleben einen angenehmen Spätsommer.
Und denken zurück an die Zeit, als diese Zeiten geschrieben wurden, mitten im Hochsommer, wo gar nichts angenehm war. Es war heiß, sehr heiß, es war trocken, sehr trocken. Diese ewigen Hitzewellen, die fast nahtlos ineinander übergingen.
Den jüngeren, fitteren ist einfach nur heiß, sie schwitzen, sie sind vielleicht schlapp, antriebslos, gereizt. Aber viele Menschen leiden gesundheitlich stark unter Hitze, können ihr nicht ausweichen. Die Hitze mag nicht Schuld an ihren Gebrechen sein, aber sie verstärkt sie. Vor 20 Jahren hätte keiner daran gedacht, Wohnungen zu klimatisieren, nur weil es einmal einen heißen Sommer gab. Jetzt ist jeder Sommer zu heiß.
Früher war es normal, dass Wasser immer da ist. Dass man es nicht sparen muss, weil es sonst eh nur die Bäche runter floss. Man konnte sich gar nicht vorstellen, dass es in Südtirol mal Wassermangel geben könnte.
Aber wenn in diesem Sommer Regen kam, dann kam er als Wolkenbruch, dann schüttete es wie aus Kübeln, und anstatt, dass das Wasser die Erde durchtränkte, rann es wie ein Sturzbach die Hänge hinunter, löste Muren aus, brachte Zerstörung.
Wir reden jeden zweiten oder dritten Sommer davon, dass es zu trocken ist, dass wir eine Dürre haben, dass Wasser fehlt, dass wir Wasser sparen müssen, dass die Landwirtschaft darunter leidet, die Natur, die Menschen, dass ständig Waldbrandgefahr herrscht.
Die Wasserknappheit ist ein Problem.
Es geht vor allem darum, dass wir uns der neuen Realität stellen. Dass wir neue Lösungen finden, sparsamer und effizienter mit dem Wasser umzugehen, unsere Städte und Dörfer gegen die Hitze wappnen.
Es wird vermutlich noch heißer und trockener, es wird noch mehr Extremwetter geben, bereiten wir uns darauf vor!