Editorial

Liebe Leserinnen, lieber Leser!

was uns als KVW seit jeher antreibt, lässt sich in einem Wort zusammenfassen: das Füreinander. Es ist die Überzeugung, dass eine solidarische Gemeinschaft nur dann trägt, wenn Menschen Verantwortung füreinander übernehmen und niemand allein gelassen wird. Dieses Füreinander ist unser Kompass, der unser Handeln in allen Lebensbereichen prägt.
Landesweit verbinden wir Menschen und stärken das gesellschaftliche Miteinander. Familien, Seniorinnen und Senioren, Jugendliche sowie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer finden bei uns Unterstützung, Orientierung und Gemeinschaft – durch Beratungsstellen, Bildungsangebote und Begegnungsmöglichkeiten. Mit unseren Ortsgruppen und den vielen ehrenamtlich Engagierten sind wir in zahlreichen Gemeinden Südtirols präsent und nah an den Anliegen der Menschen.
Soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit sind uns dabei ebenso wichtig: faire Arbeitsbedingungen, ein würdevolles Leben im Alter und die Unterstützung von Familien. Generationenübergreifende Projekte und freiwilliges Engagement stärken den Zusammenhalt zwischen Jung und Alt.
Gerade in schwierigen Zeiten zeigt sich gelebtes Füreinander: Menschen werden begleitet, beraten und ermutigt. So halten wir Werte wie Würde, Solidarität, Respekt und Mitmenschlichkeit lebendig – auch die Bewahrung der Schöpfung liegt uns am Herzen. Wir haben deshalb für das kommende Arbeitsjahr das Thema „Füreinander - Solidarisch leben und handeln“ ausgewählt.
So leistet der KVW landesweit einen wichtigen Beitrag zu einem sozialen, menschlichen und lebenswerten Südtirol.
Herzlichst,
Werner Steiner, Vorsitzender und Werner Atz, Geschäftsführer

Thema

Füreinander - Solidarisch leben und handeln

Karl Brunner, Geistlicher Assistent im KVW
Text: Karl Brunner
Es gibt Worte, die sprechen stark für sich selbst. So ist es auch mit dem diesjährigen KVW-Jahresthemas: FÜREINANDER. Mit diesem Wort wird Gemeinschaft ausgedrückt, aber eben kein Nebeneinander, das am Mitmenschen kein Anteil nimmt. Es ist aber auch kein bloßes Miteinander, wo man Spaß hat, weil zum Beispiel etwas gemeinsam unternommen wird. Das Füreinander ist gewissermaßen „die Zärtlichkeit des Miteinanders“. Es ist also ein Miteinander mit einer besonderen Qualität, nämlich jener der gegenseitigen Verantwortung und des Beitrags für ein gutes Leben für alle.
Als soziale Wesen sind wir von klein auf auf diese sanfte Melodie des Füreinanders eingestimmt. Wenn ein kleines Kind hinfällt und herzergreifend weint, dann lässt uns das nicht kalt. So ist es auch, wenn jemand schwer krank ist und leidet. Das nehmen wir wahr, es berührt uns. Die Hirnforschung lehrt uns, dass die Empathiefähigkeit in unserem Hirn angelegt ist und durch unsere Sozialisation im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter entwickelt wird. Daher ist es auch nicht verwunderlich, wenn schon die Philosophen der Antike wie beispielsweise Aristoteles den Menschen als soziales Wesen beschrieben haben. Wir sind also nicht einzelne Wesen, die allein stehen auf weiter Flur und so glücklich werden können. Ganz im Gegenteil: Wir sind hineinverwoben in ein vielfältiges Miteinander, das von gegenseitiger Verantwortungsübernahme lebt. So ein Miteinander, das zum Füreinander wird, bezeichnen wir als Solidarität. Als solidarische Menschen sind wir weder vereinzelt, noch sind wir nur Teil der Gemeinschaft. Wir bleiben – jede und jeder für sich – ein wertvolles individuelles Wesen, das aber immer in einen WIR beheimatet ist. Wir gehören als Einzelne immer zu einer Gruppe und zwar so, dass wir allein weder alles bestimmen, noch als graue Masse in der Gemeinschaft aufgehen sollen. Jede und jeder von uns macht einen Unterschied und bleibt doch immer auch mit den Mitmenschen verbunden und von ihnen abhängig. Diese zwei Pole sind wichtig und das Füreinander ist eine reife Antwort auf diese Spannung zwischen dem ICH und dem WIR.
Im Füreinander drücken wir unsere Verantwortung uns selbst und der Gemeinschaft gegenüber aus, nehmen Anteil aneinander, unterstützen uns gegenseitig, feiern wir das Leben und trösten wir uns, wenn einige schwere Zeiten zu meistern haben. Als Gesellschaft haben wir uns in den letzten 150 Jahren stark in Richtung einer solidarischen Gesetzesregelung entwickelt, indem wir die großen Risiken der Krankheit, des Alterns, der Arbeitslosigkeit, … solidarisch absichern. Heute gilt es, den Gedanken hinter diesen Regelungen in Erinnerung zu rufen, damit nicht all diese Errungenschaften der menschenwürdigen Gesellschaft einer einseitigen wirtschaftlichen Sparlogik geopfert werden. Wir haben von unseren Vorfahren ein gutes System geerbt und dürfen darauf jetzt aufbauen. Ja, wir müssen es auch verantwortungsvoll weiterentwickeln, um mutig in die Zukunft schreiten zu können.