Sonderthema

Mobile Ergotherapie

Hilfe im Alltag, die ankommt
Immer mehr Menschen erreichen ein hohes Alter- und möchten gleichzeitig möglichst lange selbständig und in ihrem vertrauten Umfeld leben. Doch während der Bedarf an Unterstützung steigt, nimmt die Zahl der Pflegepersonen kontinuierlich ab.
Text: Elisabeth Hofer
Elisabeth Hofer
Neue Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung bedürfen alternativer Lösungsansätze und die mobile Ergotherapie kann eines dieser Angebote sein.
Wie kann also „altern“ neu gedacht werden? Wie kann die Lebensqualität zu Hause gewahrt bleiben?
Mein Name ist Elisabeth Hofer und ich arbeite seit kurzem als „mobile Ergotherapeutin“ im Raum Pustertal. Nach 16 Jahren Berufserfahrung in einem Seniorenheim habe ich den Entschluss gefasst, als freiberufliche Therapeutin dieses neue Angebot der häuslichen Betreuung für Senioren und chronisch Kranke zu starten. Mittlerweile haben auch weitere Berufskolleginnen in Südtirol diesen Weg eingeschlagen.
Der Erhalt der Selbstständigkeit im Alter und der Wiedereinstieg in den Alltag nach einer stationären Rehabilitation sollte unter ergotherapeutischer Begleitung erfolgen.
In der Ergotherapie ist die Betätigung, das selbstbestimmte Leben und Handeln oberstes Ziel. Lebensqualität bedeutet aktiv sein zu können und sich einbringen zu können und zu dürfen, dazu bedarf es körperlicher aber auch kognitiver Kompetenzen. Wir üben und arbeiten im eigenen zu Hause, an jenen „Baustellen“, denen sich Betroffenen tagtäglich ausgesetzt sehen und deren Überwindung/Kompensation für sie eine verbesserte Lebensqualität darstellt. Wir begleiten in unserer täglichen Arbeit Menschen mit verschiedenen Grunderkrankungen und altersbedingten Gebrechen.
So z.B. Menschen nach Akutereignissen wie Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Traumata, und Stürzen, die nach einem Reha Aufenthalt wiedererlernte Fähigkeiten auch im eigenen zu Hause umsetzen möchten.
Bei chronisch degenerativen Erkrankungen wie Demenz, Multipler Sklerose oder Parkinson ist es das Ziel durch regelmäßiges Training Verschlechterungen entgegenzuwirken und Ressourcen so lange wie möglich zu erhalten.
Besonders nach Stürzen oder längerer Krankheit, fühlen sich die Menschen hilflos und trauen sich den Alltag nicht mehr zu. Mit Geduld und angemessenen Übungen oder erforderlichen Umweltanpassungen (z.B. Beseitigen von Stolperfallen, Einsatz von Hilfsmitteln…) kann die Bewältigung des Alltags wieder möglich werden.
Viele werden von ihren Ehepartnern oder Pflegekräften aus dem Ausland zu Hause betreut. Ihr gemeinsames Bestreben gilt dem Ziel, die zu betreuenden Personen so lange wie möglich im eigenen zu Hause zu behalten.
In Südtirol sind wir einige Ergotherapeutinnen, die freiberuflich die häusliche Begleitung anbieten. Wir sind auch Teil des Netzwerkes der Alzheimergesellschaft Südtirol und bieten in diesem Rahmen Beratung und Begleitung für demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen an.
Tipps für mehr Sicherheit im Alltag
Stürze gehören zu den häufigsten Risiken im Alter. Viele Gefahrenquellen lassen sich jedoch einfach vermeiden:
Lose Teppiche entfernen oder rutschfest sichern
Kabel und andere Stolperfallen
beseitigen
Für gute Beleuchtung sorgen, besonders nachts
Nachtlichter oder Bewegungsmelder im Schlafzimmer, Flur und Badezimmer verwenden
Haltegriffe im Flur, im Bad und an den Treppen anbringen
Rutschfeste Schuhe und Hausschuhe benutzen
Häufig benötigte Gegenstände griffbereit aufbewahren
Aktiv und fit bleiben
Auch regelmäßige Bewegung ist wichtig, um Kraft, Gleichgewicht und Sicherheit im Alltag zu erhalten. Körperliche Aktivität muss nicht anstrengend sein. Schon kleine tägliche Bewegungen fördern Gesundheit und Selbstständigkeit:
Spaziergänge
Leichte Gymnastik oder Dehnübungen
Gartenarbeit oder Hausarbeit
Treppensteigen im sicheren Rahmen
Ebenso wichtig ist geistige Aktivität. Das Gehirn bleibt durch regelmäßige Anregung länger fit:
Lesen, Rätsel lösen oder Denkspiele
Gespräche und soziale Kontakte
Musik hören oder gemeinsam singen
Neue Dinge lernen und interessiert bleiben
Feste Tagesstrukturen beibehalten
Mobile Ergotherapeutinnen in Südtirol
Kathrin Malfertheiner
Raum Wipptal, Eisacktal
Alessandra Lutz
Raum Bozen und Umgebung
Manuela Walter
Vinschgau
Verena von Egitz
Unteres Pustertal

Editorial

Liebe Leserinnen, lieber Leser!


Die Sommerausgabe unseres Kompasses liegt vor Ihnen – mit einem Titelthema, das viele Menschen beschäftigt: die Inflation. Steigende Preise wirken sich auf den Alltag aus und stellen Familien, Senior:innen und viele andere vor Herausforderungen. Wir werfen einen Blick auf die Entwicklungen und zeigen auf, was sie für unsere Gesellschaft bedeuten.
Zugleich blicken wir auf unsere Landesversammlung zurück. Sie war geprägt von vielen Begegnungen, einem Referat zu den Weltreligionen und einer Podiumsdiskussion zum Thema Frieden.
Wie immer finden Sie in dieser Ausgabe zahlreiche Berichte aus den Bezirken. Sie zeigen die Vielfalt des Engagements vor Ort und machen deutlich, wie lebendig der KVW ist. Außerdem nehmen wir Sie mit auf Ausflüge und Exkursionen, die schöne Eindrücke und neue Perspektiven vermitteln.
Viele von Ihnen werden in den kommenden Wochen selbst unterwegs sein. Ihnen wünschen wir erholsame Tage, interessante Begegnungen und eine gute Reise. Allen, die den Sommer zu Hause verbringen, wünschen wir ebenso eine schöne Zeit. Denn wir wissen: Man muss nicht weit wegfahren, um Schönes zu entdecken. Auch bei uns gibt es wunderbare Orte, beeindruckende Landschaften und viele Möglichkeiten, die freie Zeit zu genießen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine angenehme Lektüre und einen schönen Sommer.
Herzlichst,


Werner Steiner, Vorsitzender und Werner Atz, Geschäftsführer