Soziales

Beyond the screens

Zurück in die Realität
Text: Sophie Seehauser, Schülerin der Klasse 3C
Vom 1. bis 23. Dezember 2025 hat die Klasse 3C vom Sozialwissenschaftlichen Gymnasium „Josef Gasser“ in Brixen ein Handyexperiment organisiert. Dabei konnte jeder, der wollte, teilnehmen. „Im Dezember begann die Challenge: Wir begaben uns ‚Beyond the Screens – Zurück in die Realität‘. Einige organisierten sich alte Tastenhandys, andere sperrten alle Social-Media-Apps auf dem Handy und verwendeten es ausschließlich zur Kommunikation. Insgesamt hielten 84 der 96 Teilnehmer:innen die gesamten 23 Tage durch und meisterten die Herausforderung erfolgreich. Viele fühlten sich allerdings hibbelig und wollten anfangs immer wieder nach ihrem Smartphone greifen, obwohl es gar nicht da war.
Auch Langeweile und neue Hobbys waren ein großes Thema
Eine Teilnehmerin beschreibt ihre Erfahrungen so: „An diesem Nachmittag war ich alleine zu Hause und ich muss sagen, die Versuchung war groß. Sich einfach kurz hinsetzen, ein bisschen scrollen, einfach mal nichts tun…“ Am 23. Dezember schalteten alle zusammen das Handy wieder ein.
Der Höhepunkt des Projekts war schließlich am 15. Mai. Dort fand die Abschlussveranstaltung in der Aula der Schule statt. Dabei feierte die Dokumentation, die wir aus dem Projekt gedreht haben, Premiere und anschließend gab es eine Podiumsdiskussion. Uns war vor allem wichtig, dieses Thema abschließend auch wissenschaftlich fundiert zu beleuchten.
Dafür konnten wir hochgradige Teilnehmer:innen präsentieren. An der Diskussion nahmen der Landeshauptmann Arno Kompatscher, der Comedian Jakob Windschnur, die Vertreterin des Vereins Offline-Kids Magdalena Platzer, die ehemalige SOWI-Schülerin und Studentin Hannah Sulzenbacher, der Direktor des Therapiezentrums Bad Bachgart Martin Fronthaler und der Professor für Naturwissenschaften Andreas Declara, der ohne Smartphone lebt, teil. Im Laufe der Diskussion kamen verschiedene Blickwinkel und Meinungen zur Sprache.
Hannah Sulzenbacher brachte den wissenschaftlich theoretischen Teil ein und erklärte diverse Inhalte zur Funktion von Social-Media und der Entwicklung des exzessiven Konsums. „Jeder kann kommunizieren, jeder kann konsumieren […]“, so beschreibt sie die Social-Media Plattformen im Allgemeinen. Direkt aus der Sicht eines Influencers konnte uns Jakob Windschnur erzählen, wie es ihm mit dieser Thematik geht. Er erklärte uns den Zwiespalt zwischen seiner Arbeit und der Abhängigkeit. Zu seiner Arbeit sagt er: „Wenn man lernt, bessere Videos zu machen, dann lernt man nicht wie sie technisch besser werden, sondern worauf die menschliche Psyche abfährt.“ Herr Professor Andreas Declara erzählt von alten Zeiten und seinem Leben ohne Smartphone: „Es gab wenige Zugfahrten, bei denen man kein Gespräch geführt hat“.
Den Blickwinkel auf die Kinder und die Auswirkungen und Gefahren für sie brachte Magdalena Platzer vom Verein „Offline-Kids” ein. „Lassen wir die Kinder so lange wie möglich Kinder bleiben“, betonte sie stark und erklärte, wie Kinder über das Smartphone auch sexueller Gewalt ausgesetzt sein können.
Auch unser Landeshauptmann Arno Kompatscher gibt Einblicke in seinen Alltag und die Schwierigkeit, das Handy wegzulegen, wenn man es nicht explizit für die Arbeit braucht. Außerdem argumentiert er: „Das problematische Verhalten mit Smartphones betrifft nicht nur die junge Generation.“
Auch Dr. Martin Frothaler ist derselben Meinung und appelliert an die Jugend: „Eure Aufgabe ist es jetzt, die älteren Menschen zu missionieren!“ Auch betont er, dass nicht immer alles negativ gesehen werden darf und viele junge Menschen schon dazu tendieren, sich von verschiedenen Suchmitteln zu distanzieren. „Beyond the Screens“ war mehr als ein Experiment – es war eine Reise zurück zu uns selbst. Eine Erfahrung, die uns gelehrt hat, dass echte Nähe, Aufmerksamkeit und Zeit nicht durch ein Display ersetzt werden können. Vielleicht liegt genau darin unsere Zukunft: Zurück in die Realität.

KVW International

Algunderinnen und Algunder in der Welt

KVW und Bildungsausschuss luden zu zwei Tagen mit Begegnungen, Erinnerungen und Heimkehr
v.l.n.r. Ortsobfrau Monika Illmer, Siegmar Ladurner, Lukas Prantl, Daniel Graziadei, Günther Dissertori, Johannes Frasnelli 
und Daniel Schrott
Text: Sepp Prantl
Algunderinnen und Algunder in der Welt: Heimkehr zu den Wurzeln
Unter dem Motto „Algunder und Algunderinnen in der Welt“ luden die KVW-Ortsgruppe und der Bildungsausschuss am 15. und 16. Mai zu einem besonderen Heimatfernen-Treffen ein. Rund 50 Algunderinnen und Algunder kehrten für zwei Tage an den Ort zurück, an dem für sie vieles begann: ihre Kindheit, ihre Schulzeit und oft auch die ersten prägenden Lebensentscheidungen.
Begegnung mit Algunder Persönlichkeiten in aller Welt
Den Auftakt bildete am Freitagabend eine Veranstaltung in der Aula der Mittelschule Algund. Dabei wurde deutlich, wie viele Persönlichkeiten aus der Gemeinde heute international in Wissenschaft, Forschung, Medizin, Kultur und Bildung tätig sind. Zu ihnen zählen der Physiker und ETH-Rektor Günther Dissertori, der Chirurg und Klinikleiter Lukas Prantl, der Chemieprofessor Stefan Stoll, der Geruchsforscher Johannes Frasnelli, der Meteorologe Daniel Schrott, der Literaturprofessor und Autor Daniel Graziadei sowie der Musiker Siegmar Ladurner.
Unter der Moderation von Renate Holzner von Radio Tirol diskutierten sie an einem „Runden Tisch“ über ihre Lebenswege und ihre Beziehung zur Heimat. Eingeführt wurde der Abend von Christian Zelger, der historische Algunder Persönlichkeiten vorstellte, sowie von Sepp Prantl. In den persönlichen Gesprächen wurde deutlich, wie stark die Verbundenheit mit Algund trotz internationaler Karrieren geblieben ist. Viele der Teilnehmenden leben heute in verschiedenen Ländern Europas, in Kanada oder den USA, fühlen sich ihrer Heimatgemeinde jedoch weiterhin eng verbunden.
Verbundenheit und kritische Perspektiven
Neben den positiven Erinnerungen wurden auch aktuelle Herausforderungen offen angesprochen. Themen wie Wohnraummangel, Mobilität, Infrastruktur, steigende Lebenshaltungskosten, soziale Ungleichheit und gesellschaftliche Veränderungen in Südtirol und Algund standen im Mittelpunkt der Diskussionen. Der Austausch erfolgte stets aus einer Haltung des Interesses und der Verbundenheit mit der Heimatgemeinde.
Zahlreiche „Heimatferne“, Familienangehörige, Freunde und Interessierte waren zur Veranstaltung gekommen. Aus Seattle wurde Stefan Stoll online zugeschaltet. Nicht teilnehmen konnte Anna Stecher, die an der Universität „L’Orientale“ in Neapel chinesische Sprache und Literatur lehrt.
Auf weitere Algunder Persönlichkeiten in aller Welt verwies Sepp Prantl, darunter den Mathematikprofessor Thomas Stoll in Frankreich, die Onkologin Marion Stoll in Wien sowie Alexandra Illmer, die weltweit für UNICEF tätig ist.
Kultur, Geschichte und Begegnung
Der Samstag stand ganz im Zeichen von Kultur, Austausch und gemeinsamen Erinnerungen. Den Auftakt bildeten die Begrüßung der Heimatfernen durch eine Bläsergruppe der Musikkapelle vor der Kirche, eine von Marliese Kuppelwieser vorbereitete Wortgottesdienstfeier sowie ein anschließendes Stelldichein mit „Holbmittog“ auf dem Kirchhof. Bei der kulturhistorischen Exkursion zum Thema „Steinach und Wein“ führte Georg Thuile durch die sonst nicht öffentlich zugängliche Klosterkirche. In die Geschichte und Kultur des Weinbaus in Algund führten Klosterbauer Luis Ladurner und seine Frau Gerti ein, die auch den historischen Weinkeller vorstellten.
Am Nachmittag standen Besichtigungen der Sennerei mit Stefan und Edith Haller sowie der Pfarrkirche mit Lisi Mayrhofer auf dem Programm. Ergänzt wurde das Angebot durch die Vorführung eines Films über die Geschichte und Entwicklung der Gemeinde.
Lebendige Gespräche und Blick in die Zukunft
Beim gemeinsamen Mittagessen im Thalguterhaus wurden alte Bekanntschaften aufgefrischt und neue Kontakte geknüpft. Bürgermeisterin Alexandra Ganner informierte über die Arbeit des Gemeinderates und stellte aktuelle Projekte wie den Schulneubau sowie das geplante Kultur- und Jugendzentrum vor.
„Wir sind neugierig auf eure Erinnerungen und Erfahrungen und darauf, wie ihr heute auf eure Heimat blickt“, hatte KVW-Obfrau Monika Illmer bereits im Vorfeld betont. Dieser Gedanke prägte das gesamte Treffen: offen, persönlich und generationenübergreifend. Bei Kaffee und Kuchen sowie musikalischer Begleitung durch Sibylle Siller klang das Heimatfernen-Treffen am Samstagnachmittag aus – mit vielen Gesprächen, Erinnerungen und einem herzlichen „Auf Wiedersehen in Algund“.
Ein starkes Zeichen der Verbundenheit
Unter der Leitung von Monika Illmer wurde die Veranstaltung von zahlreichen engagierten Helferinnen und Helfern getragen. So wurde das zweitägige Treffen weit mehr als nur eine Veranstaltung: Es zeigte eindrucksvoll, dass Heimat nicht allein ein geografischer Ort ist, sondern ein Netz aus Beziehungen, Erinnerungen und Zugehörigkeit – getragen von Menschen, die ihre Wurzeln nie verloren haben.
Große Unterstützung erhielt das Heimatfernen-Treffen von der Gemeinde Algund, der Raiffeisenkasse Algund, der Brauerei Forst, der Algunder Sennerei, ALPS Coffee und Loacker.