Kommentar

Unerhört?!

Die vergessenen Frauen – früher und heute
„Unerhört!? Auf den Spuren biblischer Frauen“, so lautet der Titel einer Broschüre, die das Erzbistum Bamberg in der Reihe „bibel einfach lesen“ herausgegeben hat. Die Herausgebenden gehen der Frage nach, wie Frauen in den Lesungen bei den Gottesdiensten der Sonn- und Feiertage aufscheinen. Sie sind zum Ergebnis gekommen, dass Frauen dort deutlich weniger vorkommen als Männer und weniger, als es die Bibel hergeben würde.
Text: Irene Vieider, Katholische Frauenbewegung
Natürlich kommen einige Frauen vor. Wir hören von Maria aus Magdala, von der Tochter des Jairus, von der syrophönizischen Frau und der Frau am Jakobsbrunnen, um nur einige zu nennen.
Ach ja, und am Fest Darstellung des Herrn – Maria Lichtmess – hören wir von der Prophetin Hanna, sofern dieser Teil der Lesung aus Zeitgründen nicht einfach weggelassen und nur die verkürzte Form vorgetragen wird. Das Messiasbekenntnis aus Sicht des Mannes Simeon scheint hier völlig ausreichend zu sein. Der Schwerpunkt in der Verkündigung liegt auf Maria, der Mutter Jesu.
Viele bedeutende Frauen der Bibel finden bei den Lesungen in den Gottesdiensten keine Erwähnung wie die Prophetin Hulda, die von König Joschija zu Rate gezogen und Mittlerin zwischen Gott und seinem Volk wurde; oder Judit, die unter Einsatz ihres Lebens ihr Volk rettet, sowie auch Hagar, die einzige Frau, die Gott einen Namen gibt: „Gott, der mich sieht“.
Wir alle wissen, dass Worte wirken. Wort beeinflussen, was wir wahrnehmen und denken, wie wir handeln, woran wir uns erinnern und wie wir uns fühlen. Worte schaffen Wirklichkeit. Auch Worte, die nicht gesprochen werden. So stelle ich mir die Frage nach der Wirkung, die die ungenannten, ausgelassenen, oder weggekürzten Frauengeschichten auf die Glaubensverkündigung der Kirche haben. Das Wirken der Frauen in der Heilsgeschichte wird somit zu wenig weitergegeben. Die biblische Botschaft und die Glaubensverkündigung bleiben unvollständig.
Der Katholischen Frauenbewegung unserer Diözese ist es ein großes Anliegen, Frauen und ihre Bedeutung, ihr unverzichtbares Engagement in Kirche und Gesellschaft sichtbar zu machen. Sozusagen als notwendiger Schritt für eine wahre und gelebte Gleichberechtigung. Nicht nur für das Papier, sondern im Alltag, in den Liturgiefeiern und in den Diensten und Ämtern der Kirche.
Die kfb ist sehr darum bemüht, in der Glaubensverkündigung eine Sprache zu verwenden, die die Menschen erreicht. Und Bilder aus unserer Zeit, um biblische Inhalte zu verdeutlichen, so wie Jesus die Bilder aus dem Alltag seiner Zeit genommen hat. Wir sind voller Zuversicht, dass unsere Worte wirken und zum Nachahmen anregen.
Eines meiner persönlichen Zauberworte ist „dran bleiben“ oder „lei net lugg lossn“. Im Kleinen hat sich- die Frauenfrage betreffend- in der Kirche schon einiges zum Positiven verändert: es gibt Ministrantinnen, Lektorinnen, Leiterinnen von Wortgottesfeiern, Kommunionhelferinnen.
Im Großen warten wir – manchmal enttäuscht und verärgert, manchmal geduldig und gelassen – auf die notwendigen Schritte. Es tut gut zu wissen, das wir nicht allein sind, die auf Veränderung pochen und vertrauen. Engagierte katholische Frauen in allen Kontinenten arbeiten an diesem Thema. Auch Männer und Jugendliche unterstützen das Anliegen. Bleibt die Frage, wie lange die Kirchenleitung noch warten will. Wir hoffen, dass wir nicht „UNERHÖRT“ bleiben!
Irene Vieider, geboren 1955 in Tiers, wohnhaft in Tiers. Ab 1973 Mittelschullehrerin für Mathematik und Naturkunde, Schulführungskraft und Landesmusikschuldirektorin. Seit 2015 in Pension. Seit 2016 Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauenbewegung der Diözese Bozen Brixen.
Irene Vieider

KVW Aktuell

Den Menschen eine Stimme geben

Kriegsreporterin Sophia Maier zu Gast in Bozen
Krieg, Flucht und menschliches Leid standen im Mittelpunkt eines bewegenden Abends mit der Kriegsreporterin Sophia Maier im Pastoralzentrum Bozen. Auf Einladung des KVW Bezirks Bozen sprach die Journalistin aus München über ihre Erfahrungen in Krisengebieten wie der Ukraine, Syrien, Israel und Gaza.
Im Gespräch mit Alex Lechner wurde deutlich, was ihre Arbeit auszeichnet: Sophia Maier hört zu, fragt nach und erzählt die Geschichten der Menschen hinter den Schlagzeilen. Ihre Begegnungen mit Familien, die alles verloren haben, zeigen die verheerenden Folgen von Krieg und Gewalt, aber auch Mut, Würde und Hoffnung.
Ausgangspunkt des Gesprächs war ihr Buch „Herz aus Stacheldraht“, in dem sie eindrucksvoll über verlorene Menschlichkeit und die Verantwortung der internationalen Gemeinschaft schreibt. Zugleich war der Abend ein starkes Plädoyer für Menschenrechte, Mitgefühl und Solidarität.
Die Veranstaltung fügte sich damit hervorragend in das KVW-Jahresthema „Ein gutes Leben für ALLE – Suche Frieden und jage ihm nach!“ ein und erinnerte daran, dass Frieden dort beginnt, wo Menschen nicht wegsehen, sondern hinschauen.