Thema

Teures Pflaster Südtirol

Wenn die Inflation den Alltag belastet
Pexels / Jakub Zerdzicki
Die Inflation ist in den vergangenen Jahren zu einem zentralen wirtschaftlichen Thema in Südtirol geworden. Viele Menschen spüren die steigenden Preise im Alltag deutlich – beim Einkaufen, bei den Wohnkosten oder beim Tanken. Besonders in einer Region wie Südtirol, die stark vom Tourismus, von Importen und von kleinen Familienbetrieben geprägt ist, wirken sich Preissteigerungen oft rasch und spürbar aus.
Text: Werner Steiner Landesvorsitzender
Unter Inflation versteht man den allgemeinen Anstieg der Preise für Waren und Dienstleistungen über einen längeren Zeitraum. Dadurch verliert das Geld an Kaufkraft. Das bedeutet: Für denselben Betrag kann man sich weniger leisten als früher.
Die Ursachen der Inflation sind vielfältig. Eine wichtige Rolle spielt das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Steigt die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen stärker als das Angebot, können Unternehmen höhere Preise verlangen. Auch die sogenannte Lohn-Preis-Spirale trägt zur Entwicklung bei: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fordern höhere Löhne, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten auszugleichen. Unternehmen geben die höheren Personalkosten häufig durch Preiserhöhungen weiter. Darüber hinaus haben internationale Krisen und Kriege die Energie- und Rohstoffmärkte belastet und zu höheren Kosten für Gas, Strom und Lebensmittel geführt.
Werner Steiner Quelle: ISTAT, Auswertung des ASTAT
In Südtirol zeigt sich die Inflation besonders deutlich im Bereich Wohnen. Wohnungen und Häuser sind seit Jahren sehr teuer, und viele Menschen haben Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Durch steigende Kosten für Baumaterialien und höhere Kreditzinsen hat sich die Situation zusätzlich verschärft. Sowohl Mieten als auch Immobilienpreise bleiben auf hohem Niveau. Vor allem Familien mit mittlerem oder niedrigem Einkommen geraten dadurch zunehmend unter Druck. Als KVW versuchen wir mit der „Arche im KVW“, einen Beitrag zur Entlastung zu leisten. Dennoch bleibt die Wohnungsfrage eine der größten sozialen Herausforderungen des Landes.
Auch Lebensmittel sind deutlich teurer geworden. Produkte des täglichen Bedarfs wie Brot, Milch, Obst oder Fleisch kosten heute oft wesentlich mehr als noch vor wenigen Jahren. Da Südtirol viele Waren aus anderen Regionen Italiens und aus dem Ausland importiert, wirken sich steigende Transport- und Energiekosten unmittelbar auf die Preise in den Geschäften aus. Besonders ältere Menschen sowie Haushalte mit geringem Einkommen müssen deshalb ihre Ausgaben sorgfältiger planen.
Ein weiterer wichtiger Bereich ist der Tourismus. Südtirol lebt wirtschaftlich stark von Gästen aus dem In- und Ausland. Gleichzeitig sehen sich Hotels, Restaurants und Freizeiteinrichtungen mit steigenden Kosten für Energie, Personal und Lebensmittel konfrontiert. Viele Betriebe geben diese Mehrkosten an ihre Gäste weiter. Dadurch steigen die Preise für Urlaub und Gastronomie. Einerseits können dadurch höhere Einnahmen erzielt werden, andererseits besteht die Gefahr, dass Südtirol für manche Urlauberinnen und Urlauber zu teuer wird.
Die öffentliche Hand versucht, mit verschiedenen Maßnahmen auf die Inflation zu reagieren. Dazu gehören Unterstützungen für Familien, Beiträge zu Energiekosten und Investitionen in erneuerbare Energien. Zudem setzen sich Gewerkschaften für höhere Löhne ein, damit Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer die steigenden Lebenshaltungskosten besser bewältigen können. Kritikerinnen und Kritiker weisen jedoch darauf hin, dass diese Maßnahmen oft nicht ausreichen, um die Belastungen langfristig auszugleichen.
Trotz der schwierigen Situation bietet die Entwicklung auch Chancen. Viele Menschen achten bewusster auf ihren Konsum, kaufen regional ein und sparen Energie. Lokale Produkte gewinnen an Bedeutung, weil sie häufig weniger abhängig von internationalen Lieferketten sind.
Gleichzeitig rücken Fragen der Nachhaltigkeit und der sozialen Gerechtigkeit stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Inflation Südtirol in vielerlei Hinsicht beeinflusst. Besonders die Bereiche Wohnen, Lebensmittel und Energie sind von starken Preissteigerungen betroffen. Die Bevölkerung spürt die Folgen täglich. Um die wirtschaftliche Stabilität und den sozialen Zusammenhalt langfristig zu sichern, braucht es nachhaltige Lösungen, faire Löhne und eine Politik, die verhindert, dass soziale Ungleichheiten weiter wachsen.
Warum Südtirol so teuer geworden ist lässt sich anhand von Fakten gut veranschaulichen und deshalb haben wir dazu mit dem Direktor des Landesinstituts ein kurzes Interview geführt, wie die soziale Realität aussieht haben wir den Gewerkschafter Toni Tschnett vom ASGB gefragt und Georg Lun, Direktor vom WIFO erklärt die Ursachen und gewährt einen Ausblick auf die Zukunft.
Verbraucherpreisindex für alle privaten Haushalte (NIC) - Gemeinde Bozen - 2010 – 2025
Abteilung Kumulierte % Veränderung 2010−2025 Ranking Teuerung 2010−2025
Gesamtindex 46,0 -
Lebensmittel und alkoholfreie Getränke 55,0 3
Alkoholische Getränke und Tabakwaren 41,6 4
Bekleidung und Schuhwaren 29,5 8
Wohnung, Wasser, Energie und Brennstoffe 75,8 1
Einrichtungsgegenstände und Haushaltsartikel 25,6 9
Gesundheitspflege 35,3 7
Verkehrswesen 39,7 5
Nachrichtenübermittlung -41,9 12
Erholung, Veranstaltungen und Kultur 9,3 10
Bildung 6,8 11
Gastgewerbe 68,2 2
Sonstige Waren und Dienstleistungen 39,2 6
Gesamtindex ohne Tabakwaren 46,1 -

Durchschnittliche monatliche Ausgaben nach Haushaltstyp - 2023 (Werte in Euro)
Quelle: ISTAT, Auswertung des ASTAT
Timon Gärtner - Direktor des Landesinstituts 
für Statistik Astat
Welche Preissteigerungen belasten die Menschen in Südtirol derzeit am stärksten?
Am stärksten gestiegen sind in den letzten Jahren die Preise in den Bereichen Wohnung, Wasser, Energie und Brennstoffe, die im Zeitraum 2010–2025 um 75,8 Prozent zugenommen haben. Es folgen das Gastgewerbe mit +68,2 Prozent sowie Lebensmittel und alkoholfreie Getränke mit +55,0 Prozent. Gerade diese Bereiche wirken sich besonders stark auf die Haushalte aus, weil sie zentrale und regelmäßig anfallende Ausgaben betreffen. Zum Vergleich: Der Gesamtindex stieg im selben Zeitraum um 46,0 Prozent, während die Nachrichtenübermittlung sogar einen Preisrückgang von 41,9 Prozent verzeichnete.
Welche Bevölkerungsgruppen verlieren durch die Inflation besonders an Kaufkraft?
Besonders belastet sind jene Haushalte, bei denen ein großer Teil der Ausgaben auf Grundbedürfnisse wie Wohnen, Energie, Lebensmittel und Mobilität entfällt, da gerade diese Bereiche stark von Preissteigerungen betroffen sind. Die Daten zeigen, dass alleinlebende Personen unter 65 Jahren zwischen 2019 und 2023 einen besonders deutlichen Anstieg der durchschnittlichen monatlichen Ausgaben verzeichneten (+35,0 Prozent). Paare mit Kindern weisen 2023 mit 4.790 Euro die höchsten durchschnittlichen monatlichen Ausgaben auf und sind daher absolut gesehen stark belastet.
Toni Tschenett – Vorsitzender des ASGB
Wie stark spüren Arbeitnehmer und Familien die Inflation inzwischen im Alltag?
Die Inflation ist für Arbeitnehmer und Familien längst keine abstrakte Statistik mehr, sondern Alltag. Das Grundproblem ist: Die Preise sind auf einem deutlich höheren Niveau angekommen, die Löhne aber haben damit vielfach nicht Schritt gehalten. Lebensmittel, Energie, Mobilität, Kinderbetreuung, Gebühren und vor allem das Wohnen belasten viele Haushalte massiv. Viele Familien merken das nicht erst am Monatsende, sondern bei jedem Einkauf, jeder Rechnung und jeder Miet- oder Kreditrate. Wer ein mittleres oder niedriges Einkommen hat, spürt die Teuerung besonders stark, weil ein großer Teil des Einkommens für notwendige Ausgaben draufgeht.
Aus gewerkschaftlicher Sicht geht es nicht nur um höhere Preise, sondern um ein wachsendes Gefühl von Unsicherheit. Viele Arbeitnehmer haben das Gefühl, trotz täglicher Leistung nicht mehr wirklich voranzukommen. Was früher selbstverständlich war – etwas zur Seite legen, den Kindern eine kleine Freude machen, eine Reparatur ohne Angst bezahlen oder einmal unbeschwert planen – wird für immer mehr Familien zur Belastungsprobe. Wenn Arbeit zwar den Alltag finanziert, aber kaum noch Sicherheit schafft, verliert sie ein Stück ihres Versprechens. Genau das darf in Südtirol nicht zur neuen Realität werden.
Löhne und Pensionen reichen kaum noch aus, um in Südtirol gut leben zu können. Wie kann man dem entgegenwirken?
Entscheidend ist, dass die Lohnfrage wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Nationale Kollektivverträge allein reichen für Südtirol nicht aus, weil sie die hohen Lebenshaltungskosten hier nicht ausreichend berücksichtigen. Deshalb braucht es stärkere Zusatzabkommen auf Landes- und Betriebsebene und eine echte Anpassung an die Teuerung.
Gleichzeitig muss die Wohnfrage angegangen werden. Solange Mieten, Kaufpreise und Wohnnebenkosten einen immer größeren Teil des Einkommens verschlingen, verpufft jede Lohnerhöhung teilweise wieder. Wer in Südtirol arbeitet, muss sich Südtirol auch leisten können.
Südtirol braucht daher einen klaren sozialen Kurs: bessere Löhne, leistbares Wohnen, sichere Pensionen und mehr Respekt für die Leistung der arbeitenden Menschen. Vollbeschäftigung allein genügt nicht. Arbeit muss auch ein gutes Leben ermöglichen.
Georg Lun – Direktor des WIFO - Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen
Warum ist das Leben in Südtirol besonders teuer geworden?
In den letzten Jahren haben mehrere Krisen zum Anstieg der Preise beigetragen: Nach der Covid-Pandemie setzte ein starker wirtschaftlicher Aufschwung ein, mit steigender privater Nachfrage und einer kräftigen Erholung des Tourismus. Mit dem Beginn des Ukrainekrieges im Februar/März 2022 kam es zusätzlich zu stark steigenden Energie- und Rohstoffpreisen. Gas, Strom und Treibstoffe wurden deutlich teurer, was sich direkt auf Haushalte und Unternehmen auswirkte und zu einem ersten Inflationsschub führte, mit einem Preisanstieg von 9,7 Prozent im Jahr 2022. Seit dem Beginn der Auseinandersetzungen zwischen Iran und den USA im Februar 2026 sorgten die Spannungen rund um die Straße von Hormus für Unsicherheit auf den internationalen Ölmärkten. Da ein großer Teil des weltweiten Erdöls durch diese wichtige Handelsroute transportiert wird, stiegen die Ölpreise zeitweise stark an. Höhere Ölpreise verteuerten erneut Transporte, Heizkosten und viele Alltagsprodukte in Südtirol. Daher hat in den letzten Monaten die Inflation in Südtirol wieder deutlich angezogen und erreichte im April im Jahresvergleich einen Wert von 3,2 Prozent.
Wird sich die Lage in den nächsten Jahren entspannen oder bleibt die hohe Inflation ein Dauerproblem?
Die EU-Kommission prognostiziert in der EU für 2026 eine Inflationsrate von etwa 3,1 Prozent. 2027 soll sie laut EU-Prognose wieder auf ungefähr 2,4 Prozent sinken. Die hohen Energiepreise bleiben jedoch ein wichtiger Risikofaktor. Sollten die geopolitischen Konflikte mittelfristig bestehen bleiben werden die Preise erneut steigen. Die Europäische Zentralbank beobachtet die Lage und wird bei Bedarf mit ihrer Zinspolitik gegensteuern.
Trotzdem werden die Südtiroler Verbraucher wohl weiter mit höheren Preisen als vor der Krise leben müssen.

Kommentar

Unerhört?!

Die vergessenen Frauen – früher und heute
„Unerhört!? Auf den Spuren biblischer Frauen“, so lautet der Titel einer Broschüre, die das Erzbistum Bamberg in der Reihe „bibel einfach lesen“ herausgegeben hat. Die Herausgebenden gehen der Frage nach, wie Frauen in den Lesungen bei den Gottesdiensten der Sonn- und Feiertage aufscheinen. Sie sind zum Ergebnis gekommen, dass Frauen dort deutlich weniger vorkommen als Männer und weniger, als es die Bibel hergeben würde.
Text: Irene Vieider, Katholische Frauenbewegung
Natürlich kommen einige Frauen vor. Wir hören von Maria aus Magdala, von der Tochter des Jairus, von der syrophönizischen Frau und der Frau am Jakobsbrunnen, um nur einige zu nennen.
Ach ja, und am Fest Darstellung des Herrn – Maria Lichtmess – hören wir von der Prophetin Hanna, sofern dieser Teil der Lesung aus Zeitgründen nicht einfach weggelassen und nur die verkürzte Form vorgetragen wird. Das Messiasbekenntnis aus Sicht des Mannes Simeon scheint hier völlig ausreichend zu sein. Der Schwerpunkt in der Verkündigung liegt auf Maria, der Mutter Jesu.
Viele bedeutende Frauen der Bibel finden bei den Lesungen in den Gottesdiensten keine Erwähnung wie die Prophetin Hulda, die von König Joschija zu Rate gezogen und Mittlerin zwischen Gott und seinem Volk wurde; oder Judit, die unter Einsatz ihres Lebens ihr Volk rettet, sowie auch Hagar, die einzige Frau, die Gott einen Namen gibt: „Gott, der mich sieht“.
Wir alle wissen, dass Worte wirken. Wort beeinflussen, was wir wahrnehmen und denken, wie wir handeln, woran wir uns erinnern und wie wir uns fühlen. Worte schaffen Wirklichkeit. Auch Worte, die nicht gesprochen werden. So stelle ich mir die Frage nach der Wirkung, die die ungenannten, ausgelassenen, oder weggekürzten Frauengeschichten auf die Glaubensverkündigung der Kirche haben. Das Wirken der Frauen in der Heilsgeschichte wird somit zu wenig weitergegeben. Die biblische Botschaft und die Glaubensverkündigung bleiben unvollständig.
Der Katholischen Frauenbewegung unserer Diözese ist es ein großes Anliegen, Frauen und ihre Bedeutung, ihr unverzichtbares Engagement in Kirche und Gesellschaft sichtbar zu machen. Sozusagen als notwendiger Schritt für eine wahre und gelebte Gleichberechtigung. Nicht nur für das Papier, sondern im Alltag, in den Liturgiefeiern und in den Diensten und Ämtern der Kirche.
Die kfb ist sehr darum bemüht, in der Glaubensverkündigung eine Sprache zu verwenden, die die Menschen erreicht. Und Bilder aus unserer Zeit, um biblische Inhalte zu verdeutlichen, so wie Jesus die Bilder aus dem Alltag seiner Zeit genommen hat. Wir sind voller Zuversicht, dass unsere Worte wirken und zum Nachahmen anregen.
Eines meiner persönlichen Zauberworte ist „dran bleiben“ oder „lei net lugg lossn“. Im Kleinen hat sich- die Frauenfrage betreffend- in der Kirche schon einiges zum Positiven verändert: es gibt Ministrantinnen, Lektorinnen, Leiterinnen von Wortgottesfeiern, Kommunionhelferinnen.
Im Großen warten wir – manchmal enttäuscht und verärgert, manchmal geduldig und gelassen – auf die notwendigen Schritte. Es tut gut zu wissen, das wir nicht allein sind, die auf Veränderung pochen und vertrauen. Engagierte katholische Frauen in allen Kontinenten arbeiten an diesem Thema. Auch Männer und Jugendliche unterstützen das Anliegen. Bleibt die Frage, wie lange die Kirchenleitung noch warten will. Wir hoffen, dass wir nicht „UNERHÖRT“ bleiben!
Irene Vieider, geboren 1955 in Tiers, wohnhaft in Tiers. Ab 1973 Mittelschullehrerin für Mathematik und Naturkunde, Schulführungskraft und Landesmusikschuldirektorin. Seit 2015 in Pension. Seit 2016 Diözesanvorsitzende der Katholischen Frauenbewegung der Diözese Bozen Brixen.
Irene Vieider