KVW Aktuell

Autorenlesung mit Kriegsreporterin und Journalistin Sophia Maier

Herzliche Einladung!
Im Rahmen des KVW Jahresthemas „Suche Frieden und jage ihm nach!" laden der KVW Bezirk Bozen und die KVW Bildung zur Autorenlesung mit der renommierten Kriegsreporterin und Journalistin Sophia Maier ein.
Was bleibt von der Menschlichkeit, wenn wir einfach wegsehen?
Ihr Buch „Herz aus Stacheldraht" ist ein bewegender Blick auf die Wirklichkeit von Krieg und Flucht – ehrlich, nah und unbequem. Sophia Maier nimmt Sie mit in die Krisengebiete der Welt: in die Ukraine, nach Afghanistan und Syrien, in Geflüchtetenlager im Libanon, im Westjordanland und in Griechenland.
Dort begegnet sie Frauen, Männern, Kindern, Familien – Menschen, die alles verloren haben. Mit schonungsloser Klarheit erzählt sie von Zerstörung, Verlust und Hoffnung, stellt unbequeme Fragen zur Verantwortung des Westens und dokumentiert das Leben in Ausnahmesituationen. Und sie trifft Menschen, die für Gerechtigkeit kämpfen – und damit zeigen, dass Menschlichkeit nie ganz verloren geht.
Über Sophia Maier
Sophia Maier ist Kriegsreporterin mit langjähriger Erfahrung. Sie berichtet weltweit aus Krisengebieten, mit besonderem Fokus auf die Situation von Frauen und Kindern. Mit journalistischer Präzision und menschlicher Tiefe hat die preisgekrönte Journalistin ein Werk geschaffen, das bewegt – und das zum Handeln auffordert.

KVW Aktuell

Zwischen Gerechtigkeit, Macht und Verantwortung

Ein Abend über die soziale Frage
Maria Elisabeth Rieder (Team K) und Moderator Markus Lobis


Die jüngste Ausgabe der Dialogreihe „start.klar.“ im UFO Bruneck, die vom KVW Bezirk Pustertal mitgestaltet wird, stand unter einem Thema, das aktueller kaum sein könnte: soziale Gerechtigkeit. Gemeinsam mit Maria Elisabeth Rieder (Team K) und dem aus Berlin zugeschalteten Unternehmer und Sozialinnovator Sebastian Klein diskutierte Moderator Markus Lobis über Verteilung, politische Verantwortung, Lobbyismus und die Frage, wie eine Gesellschaft aussehen müsste, in der Wohlstand nicht nur wächst, sondern auch fair verteilt wird.
Der Abend zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass soziale Gerechtigkeit nicht als abstrakter moralischer Begriff verhandelt wurde, sondern als konkrete Lebensrealität: gerechte Löhne, leistbares Wohnen, Altersarmut, Bildungszugänge, Startchancen und soziale Sicherheit. Rieder formulierte diesen Zugang sehr direkt: Wer arbeitet, müsse auch von seiner Arbeit leben können. Damit setzte sie einen klaren Gegenpol zu einer politischen Rhetorik, die soziale Spannungen oft hinter Wachstumszahlen und Erfolgsnarrativen verschwinden lässt. Sebastian Klein brachte eine andere, aber komplementäre Perspektive ein. Als Mitgründer von Blinkist und inzwischen engagierter Kritiker von Vermögenskonzentration beschrieb er eindrücklich die eigene Biografie als Weg vom Profiteur zum Zweifler. Seine zentrale These: Die extreme Ungleichheit westlicher Gesellschaften sei nicht bloß ungerecht, sondern demokratiegefährdend. Wenn immer größere Teile der Bevölkerung ökonomisch unter Druck geraten, wachse die Anfälligkeit für populistische und autoritäre Kräfte. Damit verschob sich die Diskussion von der Sozialpolitik zur Systemfrage.
Besonders spannend wurde der Abend dort, wo die Debatte vom Allgemeinen ins Südtiroler Konkrete wechselte. Rieder benannte offen, was im politischen Alltag des Landes oft nur hinter vorgehaltener Hand gesagt wird: den starken Einfluss von Lobbys, die Nähe von Politik und Interessenvertretung und das strukturelle Beharrungsvermögen eines Systems, das sich selbst gern als Erfolgsmodell präsentiert. Ihre Diagnose war deutlich: In einem Land mit Rekordhaushalten und gleichzeitig wachsender sozialer Unsicherheit stimmt etwas Grundsätzliches nicht.
Gerade hier lag die Stärke des Gesprächs: Es blieb nicht bei bloßer Empörung stehen, sondern suchte nach anderen Bildern von Gesellschaft und Wirtschaft. Beide Gäste betonten, dass Menschen Sicherheit brauchen, um Freiheit leben zu können. Nicht Angst und Konkurrenz, sondern Vertrauen, Teilhabe und Verantwortung müssten zum Ausgangspunkt politischen und wirtschaftlichen Handelns werden. In dieser Hinsicht war der Abend auch ein Plädoyer für ein anderes Menschenbild – gegen den Zynismus eines Systems, das Rendite oft höher bewertet als Würde.
Am Ende stand kein fertiges Programm, wohl aber ein klarer Eindruck: Die soziale Frage ist zurück – und sie ist nicht nur eine Frage von Geld, sondern auch von Demokratie, Haltung und öffentlichem Diskurs. Gerade deshalb war dieser Abend mehr als eine Podiumsdiskussion. Er war ein gelungener Versuch, die Gegenwart nicht nur zu kommentieren, sondern sie auch politisch und moralisch ernst zu nehmen.
TEXT: Markus Lobis