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Schwere Zeiten für Demokraten und Pazifisten

Die weltweiten Militärausgaben steigen rasant, das zehnte Jahr in Folge. – QUELLE: SIPRI Database April 2025
In der Ukraine tobt seit vier Jahren ein Krieg, den Putin vom Zaun gebrochen hat, um die demokratisch gewählte Regierung des Landes zu stürzen. Hunderttausend ukrainische Soldaten sind gefallen, Millionen Frauen und Kinder ins Ausland geflüchtet, die Bevölkerung wird terrorisiert durch Raketen- und Drohnenangriffe. Fast schon vergessen wird, dass im Gaza-Streifen nahezu zwei Millionen Menschen unter noch schlimmeren Bedingungen (über-) leben müssen, nachdem das israelische Militär den größten Teil ihrer Häuser zerstört hat, die Zufuhr von Hilfsgütern massiv behindert und ausländischen Medien Zutritt verbietet. Im Sudan tobt der mörderischste Bürgerkrieg, bei dem die westliche Welt überhaupt wegschaut. Zuletzt wurde man geschockt durch den Angriff der USA auf Venezuela, in dessen Zug der gewählte Präsident des Landes in die USA entführt und dort wie ein Verbrecher der Öffentlichkeit vorgeführt wurde. Zugleich verkündet der US-Präsident in zunehmend schärferen Tönen, er wolle sich Grönland einverleiben – das Territorium eines europäischen Landes.
Das Bestürzende an all dem ist, dass dabei demokratische Staaten beteiligt sind
Israel ist ein Staat, gegründet nach dem Nazi-Völkermord mit dem Ziel, für das jahrtausendelang verfolgte jüdische Volk eine sichere und demokratische Heimstätte aufzubauen. Die USA sind die älteste große Demokratie der Welt, Trump wurde von der Mehrheit seiner BürgerInnen zum Präsidenten gewählt. Um Vergleiche für seine vulgäre Sprache und Auftritte zu finden, müsste man schon auf die faschistischen Führer in der Zwischenkriegszeit (beginnend mit Mussolini) zurückgreifen. In seinem Aufsatz Zum Ewigen Frieden hat der große Philosoph Immanuel Kant 1795 argumentiert, Kriege würden vor allem durch die herrschenden Eliten (kapitalistische Großunternehmer, Politiker, Militärführer) vom Zaun gebrochen, nur sie erlangten dadurch Vorteile (Reichtum, Macht und Ansehen). Den gewöhnlichen Menschen brächten Kriege nur Nachteile – als Kanonenfutter, Verletzte, Vergewaltigte und Vertriebene, Opfer von Zerstörungen, Entwertung von Ersparnissen. Da das Volk in Demokratien mitbestimmen könne, würde es Kriegserklärungen nicht zustimmen. Zur Absicherung des Friedens solle ein internationaler Völkerbund gegründet werden (in Form der UNO geschah dies auch).
Die USA sind zwar eine der ältesten Demokratien, aber keineswegs eine vorbildhafte
Auf internationalen Indikatoren werden sie als „defizitäre Demokratie“ eingestuft. Demokratie bedeutet nicht nur, dass alle Bürger wählen können, sondern auch, dass nicht Einzelne überproportionalen Einfluss erlangen dürfen. Dass dieses Prinzip in den USA grob verletzt wird, wurde zuletzt offenkundig, als die IT-Milliardäre sich bei Trumps Regierungsantritt rund um ihn versammelten. Auch der Zugang zum Wählen wird Minderheiten in den USA schwer gemacht.
Man kann es verstehen, wenn jetzt viele von Politik nichts mehr hören wollen, Zeitungen abbestellen und politische Nachrichten abschalten. Nicht akzeptabel scheinen mir wissenschaftliche Diagnosen zu sein, die eine tiefe Krise der Demokratie und das Ende des Völkerrechts sehen. Insbesondere Europa wird vorgeworfen, es sei aus einem Friedenstraum erwacht und müsse jetzt auch militärisch zu den Großmächten aufschließen. Die massiv steigenden Rüstungsausgaben zeigen, dass damit Ernst gemacht wird. Pazifisten sind nicht (wie es polemisch oft behauptet wird) Menschen, die Armeen grundsätzlich ablehnen; zu ihnen gehören auch alle Jene, die gegen diese unverhältnismäßige Aufrüstung sind. Der Politikwissenschaftler Herfried Münkler argumentiert, die im Entstehen begriffene Weltordnung mit fünf Supermächten sei der beste Garant für internationale Sicherheit. Dieses Argument ist schon historisch schwach. Laut Münkler sind zwischen 1815 und 1924 deshalb keine Kriege ausgebrochen, weil es in Europa eben fünf Großmächte gab, die einander austarierten. Es gab den blutigen Krimkrieg 1953-1856, und der Erste Weltkrieg, die Urkatastrophe der 10. Jahrhunderts, brach genau zwischen diesen Großmächten aus.
Es gibt mindestens vier Argumente gegen diese Visionen und Ideen.
1. Die Menschenrechte, das Völkerrecht und die UNO sind keineswegs bedeutungslos geworden. Von den meisten Staaten der Welt werden sie weiterhin als wichtig angesehen, auch wenn sie im Innern oft missachtet werden.
2. Die drei Supermächte (USA, Russland, China) haben zusammen ca. 2,8 Milliarden Einwohner, die demokratischen Länder in Europa, Lateinamerika und Asien (Indien, Japan) 3,1 Milliarden. Auch auf dem am stärksten wachsenden Kontinent Afrika könnten die Demokratien viele Bündnispartner gewinnen.
3. Politische Persönlichkeiten haben große Bedeutung und können den Gang der Geschichte entscheidend mitbestimmen. Es ist eine der Hauptstärken der Demokratie, dass Politiker nur auf Zeit gewählt werden. Die Haltung zu den USA unter Trump müsste sich auch davon leiten lassen, dass er in drei Jahren abtreten muss. Zugleich zeigt die Regierung Meloni in Italien, dass auch rechte Parteien an der Macht nicht völlig willkürlich agieren.
4. Der Aufstieg dieser Parteien in Europa hatte sehr viel mit dem Kampf gegen Machtverfilzungen (thematisiert von Haider in Österreich) und Korruption (Ungarn, Frankreich) zu tun. Wohin es führt, wenn Regierungen die Zeichen der Zeit nicht erkennen, keinen Mut zu keinen wirklichen Reformen haben und sich damit begnügen, Koalitionen nur zur Abwehr der Rechten zu bilden, zeigt sich derzeit in Österreich. Obwohl der FPÖ-Vorsitzende Kickl zu den unbeliebtesten Politikern des Landes gehört, würde seine Partei laut Umfragen bei Neuwahlen auf fast 40 Prozent der Stimmen kommen, mehr als alle drei Regierungsparteien zusammen.
Ohren und Augen vor all den genannten Schrecken zu verschließen, scheint mir dennoch keine Option
Es bedeutet de facto nicht nur, auf irgendeinen Einfluss auf die Politik des eigenen Landes zu verzichten. Es beraubt auch die gegen autoritäre Führer auftretenden, ihr Leben riskierenden Demonstranten (wie zuletzt im Iran) der einzigen ihnen verbliebenen Hoffnung, dass wenigstens die Weltöffentlichkeit Anteilnahme an ihrem Schicksal nimmt.
TEXT: Max Haller
Der gebürtige Sterzinger Max Haller ist em. Univ.-Prof. am Institut für Soziologie der Karl-Franzens-Universität Graz und hatte mehrere Gastprofessuren in Österreich, Italien und den USA inne. Die Schwerpunkte seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit sind der internationale Gesellschaftsvergleich, Sozialstruktur- und Wertewandel, europäische Integration, angewandte Soziologie und Sozialforschung, oziologische Theorie.

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Unsere Antworten auf Zukunftsfragen „Frei Day“

Lernen und selbstwirksam werden in der Mittelschule Welsberg
Kennenlernen und sich austauschen: auch das ist der Frei Day
Mit viel Eifer und Engagement arbeiten wir Schülerinnen und Schüler zweier Klassen der Mittelschule Welsberg am Lernformat „Frei Day“. Hierbei denken Kinder und Jugendliche altersstufenübergreifend über wichtige Probleme in unserer Gesellschaft und der Umwelt nach. „Frei Day“ bedeutet Freies Arbeiten zu Themen, die uns interessieren. Die Lehrpersonen begleiten uns dabei und sind wichtige Ansprechpartner, wir werden nicht allein gelassen, sie sind so etwas wie Projektmanager. Wir setzen uns mit aktuellen Herausforderungen auseinander. Als Grundlage dienen die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. In den Global Goals (SDGs) sind die verschiedenen Probleme unserer Zeit beschrieben. Wir suchen Antworten auf Fragen, die wir uns selbst aussuchen wie: „Gibt es in 30 Jahren noch Artenvielfalt?“, „Warum gibt es Streit, Terror und Menschen, die fliehen müssen?“ „Was können wir gegen Rassismus und Diskriminierung unternehmen?“ „Und was können wir gegen Armut tun?“
Nach intensiven Recherchen und gezieltem Aneignen von Wissen beschäftigen wir Jugendlichen uns mit verschiedenen Zukunftsfragen und suchen nach Lösungen vor Ort: Was können wir im eigenen Dorf, in der Gemeinde, im Tal tun, was können wir bewegen, mit wem können wir zusammenarbeiten, welche Vereine und Institutionen haben ein offenes Ohr, wer sind wertvolle und zuverlässige Stakeholder, die uns begleiten und unterstützen, mit denen wir Ideen, Projekte, Sensibilisierungskampagnen und Aktionen umsetzen können? Der FREI DAY gibt Hoffnung für die Zukunft.
Unsere Kleingruppe wählte das SDG 16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen, denn was sich derzeit weltweit und in Europa ereignet, gibt uns sehr zu denken. Nach eingehender Recherche ist uns klar, dass wir Kinder, Jugendliche und Frauen in der Ukraine unterstützen, die unter dem Krieg leiden. Wir wandten uns an unseren Pfarrer, der stets ein offenes Ohr hat. Wir gestalteten einen Info-Flyer, der unter anderem dem Pfarrbrief beigelegt wurde und nach einem Wortgottesdienst verteilten wir selbstgegossene Kerzen und waren für eine freiwillige Spende dankbar. Das Wachs dafür stammte von Kerzenresten, die uns nach einem schulinternen Aufruf unsere Mitschüler, Schulwarte, Lehrpersonen und Sekretärinnen mitbrachten. Unsere Gruppe stand regelmäßig mit dem Weißen Kreuz Bozen über Telefon und E-Mail in Kontakt. Daraufhin besuchte uns Markus Leimegger vom Zivilschutz, kurz bevor er sich wieder auf den Weg in die Ukraine machte. In einer spannenden Begegnung erzählte er von seinem Beruf, der aus unserer Sicht eher einer Berufung gleichkommt, von Erlebnissen in der Hauptstadt Kiew, vom Alltagsleben in der Ukraine, von den Gesichtern der Menschen und wie der Südtiroler Zivilschutz den Bau eines Bunkers unterhalb eines Kinderkrankenhauses unterstützt hatte, so dass auch während des Bombenalarms komplexe Operationen weitergeführt werden können. Mit Hilfe der Netzwerkpartner und der Dorfbevölkerung gelang uns Jugendlichen eine großartige Aktion, mit der wir einen Beitrag leisten und etwas bewirken konnten.
Gedankensplitter der Schülerinnen und Schüler
„Ich finde, dass der Frei Day ein sehr gelungenes und spannendes Lernformat ist. Mir gefällt es, zu brennenden Themen zu arbeiten, die ich selbst aussuche. Das Arbeiten ist abwechslungsreich und für unsere Gruppe war unser Projekt sehr erfolgreich. Der Herr Pfarrer hat unsere Kerzen gesegnet und wir haben mit verschiedenen Institutionen zusammengearbeitet. Der Pfarrgemeinderat hat unsere Flyer verteilt. Ich bin stolz auf unser Ergebnis und überrascht, dass so viele Leute mithalfen, bedürftige Menschen in der Ukraine zu unterstützen.“
Annika Hofmann

„Es ist schon etwas Besonderes, über das Lernen hinauszugehen und ins Handeln zu kommen und mit anderen Klassen zu arbeiten. Ich habe dazu beigetragen, Menschen auf die Not anderer aufmerksam zu machen und Helfer zu unterstützen. Das tut gut.“
Sophia Steinmair

„Die Begegnung mit Markus Leimegger war schon prägend. Er hat uns Informationen gegeben, wie das Geld in die Ukraine kommt, was damit gemacht wird oder was genau das Weiße Kreuz beziehungsweise die Leute vom Zivilschutz dort unternehmen. Wie sie dort wohnen, dass sie oft in den Bunker flüchten müssen, weil der Alarm geht und dass die Südtiroler Bevölkerung den Helfern und Menschen vor Ort mit Spenden beisteht.“
Dennis Selbenbacher

„Das Arbeiten als Team ging manchmal auch etwas holprig voran. Ich fand es sehr spannend, aber auch traurig, wie die Menschen in der Ukraine teilweise leben müssen. Derzeit haben viele ukrainische Bürger vier Stunden Strom täglich und das nur nachts!“
Peter Feichter
Die Welt ein wenig verändern
Wir, Alina, Anna, Carolin und Sophie, luden Pater Vincent und Pfarrer Josef zu einem Interview in die Schule ein. Unser Favorit unter den Global Goals ist das SDG 6 Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen. Beide erzählten spannend von Tansania und beantworteten geduldig und ausführlich unsere Interviewfragen.
Trotz anfänglicher Schwierigkeiten machten wir uns nach einer sehr ausführlichen Recherche mit Eifer an die Arbeit. Dass sauberes Trinkwasser in Tansania so rar war und dass es auch Streit darum gibt, war uns nicht bewusst. Wir organisierten unter anderem passende Flaschen, wir bemalten und gestalteten diese Weihwasserflaschen und schafften es so mit Unterstützung unseres Pfarrers Paul, Spenden für den Bau eines Brunnens zu sammeln. „Dank eures Einsatzes, eurer kreativen Ideen und eurem großen Herzen unterstützt ihr die Wasserbohrungen in Tansania erfolgreich. Dieser wichtige Schritt ebnet den Weg zum Bau einer neuen Schule und verbessert die Lebensbedingungen vieler Kinder vor Ort nachhaltig. Eure großzügige Unterstützung schenkt den Kindern nicht nur Zugang zu sauberem Wasser und Bildung, sondern auch neue Perspektiven und echte Zukunftschancen. […] Ihr seid ein großartiges Beispiel für Gemeinschaft und Engagement über Grenzen hinweg.“, steht im Dankesschreiben von Pater Vincent.
Resümee der Schülerinnen
„Neben dem Lernen und Recherchieren ins Handeln zu gehen, hat uns viele neue Möglichkeiten eröffnet. Die Begegnungen mit den Experten und Stakeholdern waren aufschlussreich. Es war eindrucksvoll, in einer Gruppe mit Mitschülerinnen jüngerer Klassenstufen zu arbeiten. Auf jeden Fall gab es schlechte, aber auch gute Momente in der Gruppe, die wir super überwunden haben. Die Ausdauer, die wir brauchten, habe ich als harte Arbeit empfunden.“
Carolin Huber

„Die Arbeit in der Gruppe war toll und herausfordernd. Wir haben uns lange mit dem SDG 6 und seinen Unterzielen beschäftigt und wir brauchten viel Zeit, ein Projekt zu finden. Zum Schluss war es großartig, aber auch anstrengend.“
Anna Aichholzer

„Ich fand den Frei Day spannend, weil wir auch etwas tun. Mit den verschiedenen Telefonaten, die wir geführt haben, und den Begegnungen, ist mir klar geworden, dass mich das sehr glücklich macht, anderen Menschen zu helfen.“
Sophie Amhof

„Es war sehr cool, aber auch sehr herausfordernd. Wir haben lange gebraucht, uns auf ein Unterziel zu einigen und ein Unterthema zu finden und dann war es ein Erfolg!“
Alina Tschanhenz

Fazit: Wir mischen uns ein, wir üben, global zu denken, handeln lokal und versuchen, ein wenig in der Gesellschaft zu wirken.
TEXT: Karin Sparber und die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Welsberg