Mit viel Eifer und Engagement arbeiten wir Schülerinnen und Schüler zweier Klassen der Mittelschule Welsberg am Lernformat „Frei Day“. Hierbei denken Kinder und Jugendliche altersstufenübergreifend über wichtige Probleme in unserer Gesellschaft und der Umwelt nach. „Frei Day“ bedeutet Freies Arbeiten zu Themen, die uns interessieren. Die Lehrpersonen begleiten uns dabei und sind wichtige Ansprechpartner, wir werden nicht allein gelassen, sie sind so etwas wie Projektmanager. Wir setzen uns mit aktuellen Herausforderungen auseinander. Als Grundlage dienen die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. In den Global Goals (SDGs) sind die verschiedenen Probleme unserer Zeit beschrieben. Wir suchen Antworten auf Fragen, die wir uns selbst aussuchen wie: „Gibt es in 30 Jahren noch Artenvielfalt?“, „Warum gibt es Streit, Terror und Menschen, die fliehen müssen?“ „Was können wir gegen Rassismus und Diskriminierung unternehmen?“ „Und was können wir gegen Armut tun?“
Nach intensiven Recherchen und gezieltem Aneignen von Wissen beschäftigen wir Jugendlichen uns mit verschiedenen Zukunftsfragen und suchen nach Lösungen vor Ort: Was können wir im eigenen Dorf, in der Gemeinde, im Tal tun, was können wir bewegen, mit wem können wir zusammenarbeiten, welche Vereine und Institutionen haben ein offenes Ohr, wer sind wertvolle und zuverlässige Stakeholder, die uns begleiten und unterstützen, mit denen wir Ideen, Projekte, Sensibilisierungskampagnen und Aktionen umsetzen können? Der FREI DAY gibt Hoffnung für die Zukunft.
Unsere Kleingruppe wählte das SDG 16 Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen, denn was sich derzeit weltweit und in Europa ereignet, gibt uns sehr zu denken. Nach eingehender Recherche ist uns klar, dass wir Kinder, Jugendliche und Frauen in der Ukraine unterstützen, die unter dem Krieg leiden. Wir wandten uns an unseren Pfarrer, der stets ein offenes Ohr hat. Wir gestalteten einen Info-Flyer, der unter anderem dem Pfarrbrief beigelegt wurde und nach einem Wortgottesdienst verteilten wir selbstgegossene Kerzen und waren für eine freiwillige Spende dankbar. Das Wachs dafür stammte von Kerzenresten, die uns nach einem schulinternen Aufruf unsere Mitschüler, Schulwarte, Lehrpersonen und Sekretärinnen mitbrachten. Unsere Gruppe stand regelmäßig mit dem Weißen Kreuz Bozen über Telefon und E-Mail in Kontakt. Daraufhin besuchte uns Markus Leimegger vom Zivilschutz, kurz bevor er sich wieder auf den Weg in die Ukraine machte. In einer spannenden Begegnung erzählte er von seinem Beruf, der aus unserer Sicht eher einer Berufung gleichkommt, von Erlebnissen in der Hauptstadt Kiew, vom Alltagsleben in der Ukraine, von den Gesichtern der Menschen und wie der Südtiroler Zivilschutz den Bau eines Bunkers unterhalb eines Kinderkrankenhauses unterstützt hatte, so dass auch während des Bombenalarms komplexe Operationen weitergeführt werden können. Mit Hilfe der Netzwerkpartner und der Dorfbevölkerung gelang uns Jugendlichen eine großartige Aktion, mit der wir einen Beitrag leisten und etwas bewirken konnten.
Gedankensplitter der Schülerinnen und Schüler
„Ich finde, dass der Frei Day ein sehr gelungenes und spannendes Lernformat ist. Mir gefällt es, zu brennenden Themen zu arbeiten, die ich selbst aussuche. Das Arbeiten ist abwechslungsreich und für unsere Gruppe war unser Projekt sehr erfolgreich. Der Herr Pfarrer hat unsere Kerzen gesegnet und wir haben mit verschiedenen Institutionen zusammengearbeitet. Der Pfarrgemeinderat hat unsere Flyer verteilt. Ich bin stolz auf unser Ergebnis und überrascht, dass so viele Leute mithalfen, bedürftige Menschen in der Ukraine zu unterstützen.“
Annika Hofmann
„Es ist schon etwas Besonderes, über das Lernen hinauszugehen und ins Handeln zu kommen und mit anderen Klassen zu arbeiten. Ich habe dazu beigetragen, Menschen auf die Not anderer aufmerksam zu machen und Helfer zu unterstützen. Das tut gut.“
Sophia Steinmair
„Die Begegnung mit Markus Leimegger war schon prägend. Er hat uns Informationen gegeben, wie das Geld in die Ukraine kommt, was damit gemacht wird oder was genau das Weiße Kreuz beziehungsweise die Leute vom Zivilschutz dort unternehmen. Wie sie dort wohnen, dass sie oft in den Bunker flüchten müssen, weil der Alarm geht und dass die Südtiroler Bevölkerung den Helfern und Menschen vor Ort mit Spenden beisteht.“
Dennis Selbenbacher
„Das Arbeiten als Team ging manchmal auch etwas holprig voran. Ich fand es sehr spannend, aber auch traurig, wie die Menschen in der Ukraine teilweise leben müssen. Derzeit haben viele ukrainische Bürger vier Stunden Strom täglich und das nur nachts!“
Peter Feichter
Die Welt ein wenig verändern
Wir, Alina, Anna, Carolin und Sophie, luden Pater Vincent und Pfarrer Josef zu einem Interview in die Schule ein. Unser Favorit unter den Global Goals ist das SDG 6 Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen. Beide erzählten spannend von Tansania und beantworteten geduldig und ausführlich unsere Interviewfragen.
Trotz anfänglicher Schwierigkeiten machten wir uns nach einer sehr ausführlichen Recherche mit Eifer an die Arbeit. Dass sauberes Trinkwasser in Tansania so rar war und dass es auch Streit darum gibt, war uns nicht bewusst. Wir organisierten unter anderem passende Flaschen, wir bemalten und gestalteten diese Weihwasserflaschen und schafften es so mit Unterstützung unseres Pfarrers Paul, Spenden für den Bau eines Brunnens zu sammeln. „Dank eures Einsatzes, eurer kreativen Ideen und eurem großen Herzen unterstützt ihr die Wasserbohrungen in Tansania erfolgreich. Dieser wichtige Schritt ebnet den Weg zum Bau einer neuen Schule und verbessert die Lebensbedingungen vieler Kinder vor Ort nachhaltig. Eure großzügige Unterstützung schenkt den Kindern nicht nur Zugang zu sauberem Wasser und Bildung, sondern auch neue Perspektiven und echte Zukunftschancen. […] Ihr seid ein großartiges Beispiel für Gemeinschaft und Engagement über Grenzen hinweg.“, steht im Dankesschreiben von Pater Vincent.
Resümee der Schülerinnen
„Neben dem Lernen und Recherchieren ins Handeln zu gehen, hat uns viele neue Möglichkeiten eröffnet. Die Begegnungen mit den Experten und Stakeholdern waren aufschlussreich. Es war eindrucksvoll, in einer Gruppe mit Mitschülerinnen jüngerer Klassenstufen zu arbeiten. Auf jeden Fall gab es schlechte, aber auch gute Momente in der Gruppe, die wir super überwunden haben. Die Ausdauer, die wir brauchten, habe ich als harte Arbeit empfunden.“
Carolin Huber
„Die Arbeit in der Gruppe war toll und herausfordernd. Wir haben uns lange mit dem SDG 6 und seinen Unterzielen beschäftigt und wir brauchten viel Zeit, ein Projekt zu finden. Zum Schluss war es großartig, aber auch anstrengend.“
Anna Aichholzer
„Ich fand den Frei Day spannend, weil wir auch etwas tun. Mit den verschiedenen Telefonaten, die wir geführt haben, und den Begegnungen, ist mir klar geworden, dass mich das sehr glücklich macht, anderen Menschen zu helfen.“
Sophie Amhof
„Es war sehr cool, aber auch sehr herausfordernd. Wir haben lange gebraucht, uns auf ein Unterziel zu einigen und ein Unterthema zu finden und dann war es ein Erfolg!“
Alina Tschanhenz
Fazit: Wir mischen uns ein, wir üben, global zu denken, handeln lokal und versuchen, ein wenig in der Gesellschaft zu wirken.
TEXT: Karin Sparber und die Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Welsberg