KVW Soziales
Sozial im Wandel der Zeit

Was ist heute sozial?

Die Suche nach gerechter gesellschaftlicher Ordnung

Alles! So ließe sich die Antwort auf diese Frage auf einen kurzen Nenner bringen. Denn „sozial“ kommt aus dem Lateinischen. „Socialis“ bedeutet soviel wie „gesellig, gesellschaftlich, die Gesellschaft betreffend“ und hat seit dem 19. Jahrhundert eine riesige Ausweitung in seiner Bedeutung erfahren.Hat doch heute jede Frage, die irgendwie die Menschen in unseren Breitengraden bewegt, eine gesellschaftliche und damit soziale Dimension.
Dies hängt mit dem seit der Aufklärung gewandelten Verständnis zusammen, dass das Zusammenleben der Menschen, ihre Rollen, Machtverhältnisse und Aufgaben nicht einfach gott-gegeben sind, sondern die Menschen herausgefordert sind, das Zusammenleben selber zu ordnen und auf diese Weise Sozialpolitik zubetreiben und miteinander nach der „gerechten“ gesellschaftlichen Ordnung zu suchen und diese auch zu realisieren. Dies führt uns direkt zu den unterschiedlichen Vorstellungen, was als „gerecht“ angeschaut wird, zu Vorstellungen von Liberalismus, Kommunismus, Sozialismus und anderer Gesellschaftsordnungen.
Sozial =„gut“
Doch „sozial“ hat für den einzelnen Menschen nicht nur die beschreibende Bedeutung im Sinne von „geselliges“, „gesellschaftliches“ Wesen. Wird heute jemand als „sozial“ bezeichnet, meint man in der Regel dessen Einstellung und beschreibt diese als „mitmenschlich“. Sozial wirddamit zu einem modernen Begriff für das, was wir früher mit fürsorgerlich, barmherzig oder auch mitfühlend meinten. Wenn diese Haltungen heute im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Herausforderungen als „Gutmenschentum“ karikiert und häufig auch belächelt werden, weisen sie darauf hin, dass eben heutige Herausforderungen des Zusammenlebens nicht mehr von einzelnen allein bewältigt werden können: Gut gemeint ist zwar Voraussetzung, aber eben nicht alles! Es braucht Strukturen und es braucht darum auch einen Diskurs darüber, wie das Zusammenleben geformt werden soll – eben Sozialpolitik. Und somit sind wir wieder am Anfang unserer Überlegungen.
Sozial = Strukturen und ihre dahinterliegenden Wertordnungen
Die Frage nach der „gerechten Sozialordnung“ bei der Gestaltung des Zusammenlebens führt uns zu den Wertordnungen, die hinter unterschiedlichen Theorien der „richtigen“ Sozialpolitik stehen. Dies zeigt sich nicht nur im Umgang mit den Besten und Tüchtigsten, sondern oft besser mit jenenam Rand und den VerliererInnen einer Gesellschaft. Das Soziale muss darum immer wieder und von jeder politischen Richtung bestimmt, aber auch kritisiert und argumentativ begründet werden. Die gesellschaftliche Diskussion über das Soziale ist daher gerade nicht eine Angelegenheit jener, die als sozial gelten, sondern die Auseinandersetzung aller darüber, wie wir zusammen leben wollen.
Herausforderung für die Kirche
Gerade für den christlichen Glauben und die Kirche ist dies eine Herausforderung. Mit ihren Texten zur sozialen Situation der Arbeitenden seit dem 19. Jahrhundert zeigt etwa die katholische Kirche, dass christlicher Glaube eben wesentlich auch in der Gestaltung der Welt zum Ausdruck kommt. Das Soziale liegt von daher im Kern des christlichen Glaubens – und kommt nicht nur im individuell karitativen oder diakonischen zum Ausdruck, sondern eben maßgeblich auch da, wo sich Katholikinnen und Katholiken wie auch die Kirche selber zu gesellschaftlichen Fragen äußern. Papst Franziskus knüpft hier an die Tradition an, die in der Welt selber zuerst einmal sieht, was vor sich geht, diese Entwicklungen analysiert und mit den Wertordnungen christlicher Gesellschaftsgestaltung ins Gespräch bringt. Was also Personalitäts-, Gemeinwohl-, Solidaritäts- und Subsidiaritätsprinzip (die „goldenen“ Maßstäbe christlicher Gerechtigkeitsvorstellungen) konkret bedeuten, muss darum immer wieder neu vor Ort erkundet und erkämpft werden. Das Soziale bleibt darum immer Einladung und Aufgabe.
Zur Person
Thomas Wallimann-Sasaki, ist promovierter Sozialethiker und Theologe. Er leitet das Sozialinstitut der KAB Schweiz in Zürich. Aus christlich-ethischer Perspektive in der Tradition der Soziallehre der Kirche analysiert und kommentiert er gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Ehrenamtlich ist er zudem Präsident a.i. von Justitia et Pax, der sozialethischen Kommission der Schweizer Bischofskonferenz.

Text: Thomas Wallimann-Sasaki

Sozialfürsorge
Neuerungen 1:

Familiengeld des Landes

Ab Jänner 2014 ändern sich die Wohnsitzvoraussetzungen für das Familiengeld des Landes sowie der Betrag.
Für alle ab dem 1. Jänner 2014 eingereichten Gesuche muss der Antragsteller einen ununterbrochenen Wohnsitz von mindestens fünf Jahren in der Provinz Bozen vor Einreichen des Gesuches vorweisen können. Dies gilt für alle Personen, unabhängig, ob es sich um italienische StaatsbürgerInnen, EU-BürgerInnen oder Nicht-EU-BürgerInnen handelt.
Ab Jänner 2014 wird das Familiengeld des Landes in der Höhe von 200 Euro im Monat ausbezahlt. Wer bereits das Familiengeldes des Landes ausbezahlt bekommt, braucht keinen neuen Antrag stellen. Die erhöhte Auszahlung erfolgt von Amts wegen.
Wer kein Familiengeld des Landes bezieht und ein Kind unter drei Jahren in der Familie hat, und die Wohnsitzvoraussetzungen von jetzt fünf Jahren besitzt, soll sein Anrecht im Patronat überprüfen lassen. Durch das Abfassen der EEVE wird auch überprüft, ob die Einkommens- und Vermögensgrenze von 80.000 Euro nicht überschritten wird.
Ab Jänner 2014 verfällt das Anrecht auf Landeskindergeld nicht, wenn die Einkommens- und Vermögensgrenze von 80.000 Euro in den darauffolgenden Monaten bzw. Jahren der Antragstellung überschritten wird. Ausschlaggebend für die Berechtigung ist das Einkommenund Vermögen zum Zeitpunkt des Antrages!

Text: Elisabeth Scherlin