Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser



Im Herbst startet der KVW in sein neues Arbeitsjahr. Dieses steht 2013-2014 unter dem Jahresthema „Arbeit ist wichtig - für ein soziales Südtirol“. Dazu lesen Sie auch die Titelgeschichte in dieser Ausgabe und das Thema wird uns in den nächsten Ausgaben immer wieder begleiten.
Einkommen sind direkt oder indirekt an Arbeit gekoppelt, entweder bekomme ich einen Lohn, weil ich arbeite oder ich bekomme eine Rente, weil ich gearbeitet habe. Der KVW stellt fest, dass Einkommen aus Arbeit oft kein Leben in Würde mehr ermöglichen. Gleichzeitig wird es schwieriger, eine Arbeit mit unbefristetem Arbeitsverhältnis zu finden, prekäre Formen der Arbeit nehmen zu. Die geforderte Flexibilität und die Unsicherheit belasten die Menschen. Der KVW will mit diesem Jahresthema nicht nur Missstände und Schieflagen aufzeigen, sondern auch aufzeigen, was verändert und verbessert werden kann. So braucht es zum Beispiel mehr Chancen- und Verteilungsgerechtigkeit oder eine breitere Zuständigkeit fürs Soziale oder Landeszusatzverträge, die auf lokaler Ebene ausgehandelt werden, damit die Löhne in der Privatwirtschaft angehoben werden.
Es kann auch jeder und jede einzelne etwas tun: Nachhaltigkeit ist ein Stichwort, nachhaltig leben und nachhaltig wirtschaften.

Ingeburg Gurndin


KVW Soziales
Wofür Christen wählen

Wähle deinen Nächsten!

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott was Gottes ist!“ (Mk 12,17) Nach den Parlamentswahlen im Frühjahr stehen im Herbst die Landtagswahlen ins Haus. Da stellt sich für viele Menschen die Frage, wie es hier mit dem Faktor Glauben bestellt ist: soll ich meine christlichen Überzeugungen in den politischen Diskurs einbringen? Und, wenn ja, wie? Sollen Glauben und Politik als getrennte Bereiche verstanden werden und Religion Privatsache sein oder dürfen Christen auf öffentliche Belange Einfluss nehmen?
Die diözesane Kommission für Arbeit und soziale Gerechtigkeit hat für das Wahljahr 2013 eine Broschüre erstellt mit dem Titel: „Wähle deinen Nächsten! Wofür Christen wählen.“ Dieser Wahlaufruf geht davon aus, dass das christliche Gebot der Nächstenliebe nur dann wirksam und authentisch gelebtund praktiziert werden kann, wenn sich die Christen aktiv an den politischen und sozialen Strukturen ihres Umfeldes beteiligen. Es geht hier nicht darum, anderen Menschen das Christentum aufzuzwingen, sondern um den Einsatz für Strukturen der Gerechtigkeit und der Mitmenschlichkeit, welche Raum geben für authentische Nächstenliebe.
Das Gebot der Nächstenliebe ist somit auch der Leitfaden für den christlichen Wähler. Wer seinen Nächsten liebt, der weiß, dass er Verantwortung trägt und gibt dieser Verantwortung bei den Wahlen Ausdruck: wer bei den Wahlen zu Hause bleibt, der bekundetdamit sein Desinteresse am Wohl der Gemeinschaft.
Das christliche Engagement in der Gesellschaft gilt einem Gemeinwohl, von welchem niemand ausgeschlossen wird. Dies gilt in Bezug auf die globale Verteilung der Güter, in Bezug auf das Miteinander der Menschen verschiedenster Herkunft bei uns zuhause und in Bezug auf die Verantwortung, den kommenden Generationen eine bewohnbare Erde zu hinterlassen. Es kann nicht sein, dass wir unseren Wohlstand auf Kosten von Menschen anderer Länder und der kommenden Generationen erwirtschaften. Aus christlicher Sicht gilt es hier Farbe zu bekennen für eine Politik, die den Mut zum Miteinander und Füreinander aller Menschen aufbringt, das heißt Mut auch zum Verzicht auf eigene Interessen zu Gunsten meines Nächsten.
Gerade das Miteinander von Menschen verschiedenster Sprache und Herkunft wird in unserem Land zu einer immer größeren Herausforderung, in welcher alte, noch nicht aufgearbeitete Konflikte und neue, teils unbekannte Problematiken aufeinandertreffen. Die Christen können und müssen sich hier mehr und mehr als Vorreiter einer Kultur des Friedens und des gegenseitigen Austausches profilieren. Gerade auch in Fragen des Glaubens und der religiösen Praxis muss die zunehmende Zahl von Menschen anderer Kulturen und Religionen als Chance verstanden werden, den eigenen Glauben zu vertiefen und auf die Probe zu stellen. Keine christliche Stimmealso für Ausländerfeindlichkeit und ethnische Konflikte!
Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist: nehmt den Glauben nicht als Vorwand für Desinteresse und Eigennutz zum Schaden der zivilen Gemeinschaft. Gebt Gott, was Gottes ist: den Christen darf es nicht um politische Macht gehen, sondern darum, als Zeichen und Werkzeug der Liebe Gottes der Welt zu dienen.

Text: Reinhard Demetz