KVW Aktuell

Gemeinschaft Sant’Egidio

Die katholische Laienbewegung Sant’Egidio wurde 1968 in Rom gegründet und verbindet Gebet mit sozialem Engagement. Sie ist heute in über 70 Ländern aktiv und unterstützt Arme, Obdachlose, Kinder in Slumgebieten, Menschen mit Behinderungen und Gefangene. Internationale Bekanntheit erlangte sie 1992 durch ihre erfolgreiche Vermittlung des Friedensabkommens im Bürgerkrieg von Mosambik. Seither organisiert sie jährlich ein großes interreligiöses Friedensgebet.

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Ein hoher Preis

Karl Brunner, Geistlicher Assistent im KVW
Es sind die ersten Tage des neuen Jahres und man traut seinen Augen nicht: Ein amtierender Präsident ist auf Befehl eines Präsidenten aus einem anderen Land durch eine gezielte Militäraktion festgenommen und aus dem Land gebracht worden. Am Ende wird es eine Anklage aufgrund eines Drogendeliktes sein, das dieses Vorgehen rechtfertigt. Andererseits wird wenig verhohlen über die Motivation Auskunft gegeben, die Erdölreserven des Landes für die eigenen Betriebe nutzen zu wollen, „um das Land wieder aufzubauen“. Schnelle Wahlen sind kein Ziel, eine Friedensnobelpreisträgerin keine Option für die Führung und die Vizepräsidentin, die die Amtsgeschäfte übernimmt, wird gleich bedroht, sodass zwischen den Zeilen selbst mit einer Ermorderung gerechnet werden muss.
Hier wird zur Schau getragen, was wohl auch in der Vergangenheit eine Rolle gespielt hat: Politik ist von starken wirtschaftlichen Interessen geleitet und die Weltpolitik noch einmal mehr. Die Frage ist, wo wir mit dieser Dynamik hinsteuern. Welche Regeln des Miteinanders gelten noch? Worauf können wir uns noch verlassen? Und vor allem: Sind die Partnerschaften, die wir als tragfähig und auf einer gemeinsamen Wertebasis aufbauend empfunden haben, noch das, was sie für uns waren?
Das Völkerrecht, die Selbstbestimmung der Völker, die Freiheit und Demokratie, welche Bedeutung haben sie und wo ist die klare Stimme, die hier eindeutig Position bezieht? Aber vielleicht ist gerade die Erwartung einer Positionierung ein Trugschluss, weil ja auch da Politiker:innen sprechen, die selbst wieder von Interessen geleitet sind. Interessen allein aber können uns als Gesellschaften nicht dauerhaft zusammenhalten. Dafür braucht es mehr, u.a. eine gemeinsame Wertebasis, die uns so verbindet, dass wir auch dazu bereit sind da und dort und da zurückzustecken, um dem Gemeinsamen eine Chance zu geben. Ein politisches Klima, dass das Faustrecht zelebriert, zerstört das zugunsten von kurzfristigen Interessengewinnen. Ein hoher Preis!
Hören Sie rein in unseren Podcast WERT-voll Leben!