Soziales

Aller guten Dinge sind Dry (January)

Die C0,0l Challenge lädt zum dritten Mal zum Mitmachen ein
Eine Weile nichts trinken, weniger trinken oder vielleicht sogar ganz verzichten?
Die 3. Ausgabe der C0,0l- Dry January Challenge 2026 lädt Menschen in Südtirol dazu ein, ihre Beziehung zu Alkohol zu überdenken und die positiven Effekte eines alkoholfreien Lebensstils zu erfahren.
Das Forum Prävention führt die landesweite Aktion gemeinsam mit dem Südtiroler Sanitätsbetrieb, dem Gesundheitsressort des Landes, dem Hoteliers- und Gastwirteverband, den Schulämtern, den Jugenddiensten sowie dem KVW durch.
Die Kampagne spricht verschiedene Altersgruppen über vielfältige Kanäle an: Radiowerbung mit den Südtiroler Wintersportlegenden Isolde Kostner und Gustav Thöni, sowie Plakate, Postkarten, Social Media und digitale Terminals an Bahnhöfen und Haltestellen. Begleitet wird sie von einer ASTAT-Umfrage zu den Erfahrungen der Teilnehmenden.
Es gibt zahlreiche Gründe, die für ein solches Selbstexperiment sprechen. Bereits nach vier Wochen zeigt sich ein positiver Effekt auf die Gesundheit: Leberwerte, Blutdruck und Zellgesundheit verbessern sich, die Schlafqualität steigt und der Hormonhaushalt reguliert sich. Gleichzeitig fördert ein bewusster Umgang mit Alkohol gesundheitsorientiertes Verhalten, und Erwachsene setzen gerade bei Familienfeiern oder anderen festlichen Anlässen ein positives Vorbild, indem sie alkoholfreie Alternativen wählen.
Die Aktion legt besonderen Wert darauf, gemeinschaftliche Genussmomente ohne Alkohol zu schaffen. Teilnehmende können sich gegenseitig motivieren, Erfahrungen austauschen und gemeinsam das Ziel eines alkoholfreien Monats erreichen. Unterstützt werden sie dabei durch einen WhatsApp-Channel mit Alltagstipps sowie die internationale App Try Dry, die als digitales Tagebuch das Wohlbefinden und die Schlafqualität dokumentiert und persönliche Erfolge sichtbar macht.
Weitere Informationen zur Teilnahme, zur Try Dry-App sowie zu begleitenden Angeboten gibt es auf www.coolcomma0.com

KVW International

Kurze Vollzeit für alle

Eigentlich muss man dem Wirtschaftsminister* dankbar sein. Mit seiner sommerlichen Schelte für die „Lifestyle-Teilzeitarbeiter“ hat er eine Diskussion angeregt über Arbeitszeit, über Arbeits- und Rahmenbedingungen für Erwerbsarbeit insgesamt, über Freiwilligkeit und Belastungen, über bezahlte und unbezahlte Arbeit.
Anna Wall-Strasser, Theologin, ehem. Betriebsseelsorgerin, langjährig tätig im Bereich mensch&arbeit der Diözese Linz, ist Vorsitzende der Katholischen Arbeitnehmer:innen Bewegung Österreich
Das Thema Arbeit führt ja sonst ein regelrechtes Schattendasein in der öffentlichen Auseinandersetzung. Was in der Öffentlichkeit kein Thema ist kommt auch in den Gesprächen der Menschen nicht so einfach vor. Dazu muss man nachfragen und sich Zeit nehmen zum Zuhören.
„Wie geht es dir in der Arbeit?“ – frage ich Arian, einen Neo-Österreicher, der vor 11 Jahren aus Afghanistan geflohen ist. Er arbeitet jetzt seit fast 3 Jahren in einer Maschinenfabrik. Der Absatz geht zurück, es gab bereits Kündigungen. Die Zeitarbeiter waren die ersten, die es erwischt hat. Arian ist nur froh, dass er vor ein paar Monaten in ein fixes Arbeitsverhältnis übernommen wurde. Er hat sich sehr angestrengt dafür, hat viel gearbeitet, war nie im Krankenstand. Arian spürt den Druck, der auf den Hilfsarbeitern wie ihn lastet. Der Arbeitsplatz ist seine Existenz.
Im Fachausschuss Glaube und Arbeitswelt unserer Pfarre gibt es zu Beginn immer einen kurzen Einblick in die persönlichen Arbeitswelten. Kurt ist Grafiker, die Aufträge kommen von einer staatlichen Institution. Noch immer ist nicht klar, wie viel Geld im Budget in Zukunft dafür zur Verfügung steht. Die Unsicherheit belastet. Erich ist Konstrukteur in einem deutschen Tech-Konzern. Noch gibt es genug Arbeit, aber wie lange noch? Die Abhängigkeit ist groß. Sonja arbeitet als Behindertenbetreuerin. Als Leiterin ihrer Abteilung spürt sie den Spardruck besonders. Mit weniger Personal soll die Pflegequalität aufrecht erhalten werden. Das geht nur mit viel Einsatz und hohem Engagement aller. Wie lange werden sie durchhalten?
Alle drei haben ihre Arbeitszeiten reduziert. Die Männer, weil sie Familien- und Hausarbeit gerechter mit ihren Partnerinnen aufteilen wollten, und sie finanziell gemeinsam damit keine Nachteile haben. Die Frau, weil es für sie nicht schaffbar ist, Vollzeit zu arbeiten, psychisch und physisch. Im ohnehin niedrig entlohnten Gesundheits- und Sozialbereich gehört es ab 50 quasi zur persönlichen Gesundheitsprophylaxe, Teilzeit zu arbeiten. Vollzeit ist bis zur Pensionierung nicht auszuhalten. Die Konsequenzen: (noch) weniger Lohn am Ende des Monats und drohende Altersarmut. Mehrheitlich Frauen zahlen diesen Preis. Arbeit, Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit haben eine gesellschaftspolitische Dimension und gehören viel stärker in die öffentliche Debatte. Die Arbeitnehmer:innen selber müssen sich dabei mehr Gehör verschaffen. Es braucht eine Arbeitswelt „in einer Wirtschaft … die leben lässt und nicht sterben, die einschließt und nicht ausschließt, die humanisiert und nicht entmenschlicht, die sich um die Schöpfung kümmert, ohne sie zu plündern“, so Papst Franziskus beim Welttreffen zum Thema Wirtschaft in Assisi, September 2022.
Kurze Vollzeit für alle wäre – 40 Jahre nach der gesetzlichen Einführung der 40-Stunden Woche – ein dringend notwendiger Schritt dazu.
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* Österreichs Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hat im vergangenen Sommer in mehreren Interviews ausdrücklich „Lifestyle-Teilzeit“ kritisiert – also Teilzeit ohne Betreuungs- oder Pflegepflicht – und wenig Verständnis für Personen, die gesund sind und ohne Verpflichtungen freiwillig Teilzeit arbeiten, gezeigt.
TEXT: Anna Wall-Strasser