KVW Aktuell

Klimaschutz sofort und verbindlich

Der KVW fordert zusammen mit 47 Verbänden ein Landesklimagesetz
v.l.n.r, Roberto D’Ambrogio (ARCI); Claudia Plaikner (HPV), Teresa Kurz (CAST), David Hofmann (CAST), Oskar Peterlini (KVW), Christoph Buratti (ASM), Christa Ladurner (Allianz für Familie), Elisabeth Ladinser (DVN), Werner Atz (KVW), Thomas Benedikter (HPV), Tony Tschenett (ASGB), Christina Masera (CGIL AGB) – Foto: Dachverband
Südtirol hat zwar bereits einen Landesklimaplan mit ehrgeizigen Zielen. Aber gute Vorsätze allein genügen nicht. Deshalb haben 47 Südtiroler Organisationen die Notwendigkeit erkannt, die Ziele gesetzlich zu verankern und verbindliche Termine und Maßnahmen festzulegen. Der KVW hat an den Arbeiten von Anfang an mitgewirkt und seine Vorstellungen miteingebracht. Kürzlich wurde das Papier, ein 39-Punkte-Vorschlag für ein Klimagesetz in Südtirol, dem Landesrat Peter Brunner und dem Landtagspräsidenten Arnold Schuler übergeben und der Öffentlichkeit vorgestellt. Für den KVW wirkte Oskar Peterlini, als neues Mitglied des Landesausschusses, an der Ausarbeitung mit und brachte die besonderen Ziele des KVW ein. Thomas Benedikter, der federführend an der Ausarbeitung beteiligt war, stellte das Gesetz im KVW-Landesausschuss vor.
Peterlini erinnerte bei der Vorstellung an das Leitbild des KVW, an die Ziele für soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Deshalb stehe der KVW, so betonte er, voll hinter dem Klimagesetz, allerdings – und das war der besondere Beitrag, den er mit dem KVW in diesen Forderungskatalog miteinbrachte – die Maßnahmen müssen sozial verträglich sein. Man dürfe die sozial Schwachen und die Mittelschicht nicht überfordern. „Es geht um Akzeptanz. Man kann Klimapolitik nicht gegen die Menschen machen, sondern nur mit ihnen“, betonte Peterlini im Namen des KVW, „Förderung statt Zwang!“.
Die Initiative für ein starkes Landesklimagesetz wurde vor einem Jahr von Climate Action South Tyrol (CAST), dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz und dem Heimatpflegeverband Südtirol eingeleitet. Inzwischen ist daraus ein breites Bündnis geworden.
Ziel ist es, dem Land Südtirol zu einem Regelwerk zu verhelfen, das verbindliche Leitplanken festschreibt, damit die Erreichung von Klimaneutralität bis 2040 Wirklichkeit wird. Der 39-Punkte-Vorschlag orientiert sich an Beispielen regionaler Klimaschutzgesetze in Deutschland und anderen EU-Ländern und soll nicht nur die Klimaziele gesetzlich definieren, sondern auch dem Klimaplan einen höheren Stellenwert verleihen und den Klimaschutz zur Richtschnur der Landespolitik machen.
Die Weltklimakonferenz in Brasilien hat gezeigt, wir sind nicht allein auf dem Weg. Alle Ebenen, von der internationalen Staatengemeinschaft über die Staaten, Regionen bis zu den Gemeinden müssen für den Übergang in eine fossilarme und klimaneutrale Wirtschaft und Gesellschaft zusammenwirken. Der im Juli 2023 beschlossene Klimaplan reiche dafür nicht, so Elisabeth Ladinser vom Dachverband Natur- und Umweltschutz: „Südtirol ist bei der CO2-Minderung nicht auf Kurs, es braucht ein verbindliches Gesetz, statt Absichtserklärungen“. Das angestrebte Landesgesetz soll die Klimaneutralität bis 2040 gesetzlich verankern, Etappenziele für 2030 und 2037 definieren und Land und Gemeinden verpflichten, Klimaschutz in allen Entscheidungen zu berücksichtigen. Weitere Kernpunkte sind Anreize für klimafreundliche Investitionen sowie die Einrichtung eines Klimakompetenzzentrums und Weiteres mehr.
Bürgerinnen und Bürger sollen aktiv mitgestalten, etwa über eine Online-Plattform. Zugleich sind soziale Ausgleichsmaßnahmen vorgesehen.
Die Plattform aus 47 Organisationen aus den Bereichen Umweltschutz, Soziales, Jugend, Kultur und Gewerkschaften hat den Vorschlag Ende Oktober Landesrat Peter Brunner und Anfang November Landtagspräsidenten Arnold Schuler überreicht. Die Plattform ist bereit, in der Erstellung eines starken Landesgesetzes mitzuwirken. „Wir wollen, dass Südtirol Verantwortung übernimmt – nicht irgendwann, sondern jetzt“, sagt daher auch David Hofmann, Sprecher von Climate Action South Tyrol. Claudia Plaikner, Obfrau des Heimatpflegeverbands, ergänzt: „Klimaschutz ist mehr als eine Pflicht – er ist eine große Chance für uns alle. Saubere Luft, langfristig geringere Kosten für Energie und zukunftsfähige Arbeitsplätze stärken unsere Lebensqualität und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes.“
Der vollständige Vorschlag sowie begleitende Unterlagen sind auf den Webseiten von CAST, dem Heimatpflegeverband Südtirol, dem Dachverband für Natur- und Umweltschutz und weiteren Organisationen der Plattform abrufbar.

Soziales

Die Ethik des Wandels

Was trage ich zum Wohl der Menschheit bei?
von links nach rechts die Projektgruppe: Gunther Niedermair (UFO Bruneck), Hans Peter Niederkofler, Monika Gatterer (KVW Bezirksvorsitzende Pustertal), Kambiz Poostchi, Markus Lobis (Moderator), Karin Sparber (KVW Bezirks- und Landesausschussmitglied), Dori Passler (KVW Bezirksausschussmitglied)
Diese Frage bildet den Mittelpunkt des Denkens von Kambiz Poostchi, der vor Kurzem Gast der Dialogreihe „start.klar. im UFO Bruneck“ war.
Seit 11 Jahren beschäftigt sich die vom KVW Pustertal mitgetragene Reihe mit drängenden Fragen der Zeit. Der Abend am 3. Dezember beschäftigte sich damit, wie eine neue, ethische Sicht auf Mensch, Organisation und Gesellschaft entstehen kann – eine Sicht, die die Menschheit in eine bessere Zukunft führt.
Kambi Poostchi, Architekt, Organisationsentwickler und Philosoph, hat mit dem Open System Model ein Organisationsmodell geschaffen, das auf klaren ethischen Prinzipien beruht. Es hilft nicht nur Unternehmen, sondern lässt sich auch auf die ganze Gesellschaft übertragen.
Er machte deutlich, dass wir heute an einer historischen Schwelle stehen. Alte Muster wie starre Hierarchien, Konkurrenz und das Aufteilen der Welt in „wir“ und „die anderen“ verlieren ihre Wirkung. Ethik ist für Poostchi keine moralische Zusatzregel, sondern die Grundlage für echte Entwicklung. Dabei braucht es ein neues Menschenbild. Jeder Mensch sei – wie eine alte Bahai-Weisheit sagt – „ein Bergwerk voller Edelsteine“. Das bedeutet: In jedem schlummern besondere Fähigkeiten, die zum Wohl aller gehoben werden können. Es ist Aufgabe der Gemeinschaft, einander bei dieser Entfaltung zu unterstützen.
Dieses Menschenbild widerspricht alten Vorstellungen, die Menschen in Freund und Feind einteilen. Solches Denken führt zu Spaltung und verhindert Wachstum – sowohl für Einzelne als auch für ganze Gesellschaften.
Ethik bedeutet für Poostchi zweierlei: Erstens soll jeder Mensch an sich arbeiten, reifer und stärker im Charakter werden. Zweitens soll er zum Wohl der Gemeinschaft beitragen – nicht nur für Familie oder Gruppe, sondern für die Menschheit als Ganzes. Persönliche Entwicklung ohne Beitrag macht auf Dauer leer. Beitrag ohne innere Entwicklung bleibt wirkungslos. Besonders wichtig ist diese doppelte Aufgabe, weil wir laut Poostchi heute in einer weltweiten „Sturm-und-Drangzeit“ leben. Alte Systeme brechen zusammen, neue entstehen erst langsam. Die vielen Krisen unserer Zeit sind für ihn keine Zufälle, sondern Rückmeldungen, dass unser altes Denken nicht mehr funktioniert. Krisen zeigen, dass wir unser Verhalten ändern müssen. Lernen wir nicht aus ihnen, wiederholen sie sich – oft heftiger.
Poostchi warnt aber davor, nur dagegen zu sein. Viele Menschen wissen, was sie ablehnen, aber nicht, was sie aufbauen wollen. Ethisches Handeln heißt, vom „Weg-von“ zum „Hin-zu“ zu wechseln – also aktiv an Lösungen zu arbeiten. Er unterscheidet zwischen zerstörerischen Kräften, verwirrten Kräften, vernünftigen Kräften und den „Einheitsstiftern“, die am Aufbau einer neuen Ordnung mitwirken. Auch Organisationen müssen sich erneuern. Sie sollten Menschen nicht klein halten, sondern ihnen Entwicklung, Verantwortung und Sinn ermöglichen. Gute Organisationen schaffen Bedingungen, unter denen Menschen ihre Fähigkeiten entfalten und zum Gemeinwohl beitragen können.
Am Ende des Abends blieb eine klare Frage, die für jede Person und jede Gruppe gilt: Was ist mein Beitrag zum Wohl der Menschheit? Da die Welt heute enger verbunden ist als je zuvor, muss Ethik groß gedacht werden: Sie fordert, den Menschen als Ganzes zu sehen, seine Potenziale zu fördern und Verantwortung für das gemeinsame Große Ganze zu übernehmen.
Info
Der Abend wurde als Video aufgezeichnet. Sie finden ihn auf Youtube unter diesem Link: t1p.de/048eo
TEXT: Markus Lobis