Aktuell

Gemeinsam wachsen

Die Landesversammlung der Südtiroler Krebshilfe 2025
Fotos: Othmar Seehauser
Die jährliche Landesversammlung ist mehr als nur eine Pflichtübung: die Möglichkeit der Bestandsaufnahme, der Erkenntnis wie vielfältig die Aktivitäten der Krebshilfe sind, Zeichen der Transparenz, Ort der Begegnung, nicht nur untereinander, auch mit Vertretern der öffentlichen Verwaltung. In der Bilanz war 2025 ein positives Jahr, wenn auch die SKH von den Auswirkungen der Krisenzeiten betroffen ist und sich anpassen musste, z.B. mit der Erhöhung des Mitgliederbeitrags auf 15 Euro.
Gemeinsam wachsen – unter diesem Motto wurde im vergangenen April die Landesversammlung der Südtiroler Krebshilfe abgehalten. Ein Motto, das für die in ihrem Amt bestätigte Landesvorsitzende Maria Claudia Bertagnolli auch zeigt „wie wir miteinander unterwegs sind“. „Sich zuhören, gegenseitig stärken, gemeinsam den Weg teilen, mutig bleiben, Veränderungen zulassen, Werte bewahren und Zukunft zulassen.“
In den Reihen der Ehrengäste sind sie ein Garant für Wahrgenommen-Werden und Unterstützung: Gesundheitslandesrat Dr. Hubert Messner und der Direktor des Sanitätsbetriebs, Dr. Josef Widmann fehlen bei keiner Landesversammlung und lassen es sich nicht nehmen, jedes Jahr erneut, zu bestätigen, wie wichtig die Tätigkeit der SKH im Mosaik der Angebote für die Patienten ist. „Ein Verein, der bewegt! Garant für Menschlichkeit.“ Dr. Widmann erneuerte das Versprechen, immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Patienten zu haben. Zum ersten Mal präsent auch die Landesrätin für Soziales, Rosmarie Pamer. Ihre Willkommensgabe war – in Zusammenarbeit mit dem Ressort für Gesundheit – ein Paket, um die Wartezeiten zu verkürzen.
Die Revisoren bestätigten der Krebshilfe wie jedes Jahr eine transparente und korrekte Verwaltung. Die Bilanz 2025 und das Budget 2026 wurden einstimmig angenommen.
Den Rückblick auf das Jahr in Form einer symbolischen Führung durch die wohlgepflegten Beete eines blühenden Gartens, übernahm in diesem Jahr Sigrun Falkensteiner, Landesschuldirektorin der deutschen Schulen. Zahlen, die beeindrucken: Mit 10.206 Mitgliedern ist die Südtiroler Krebshilfe eine der mitgliederstärksten Vereinigungen Südtirols. Im Jahr 2025 nahmen 2.714 Mitglieder Dienstleistungen der Krebshilfe in Anspruch, 571 Patient:innen erhielten 7.389 Therapiestunden mit den Physiotherapeut:innen in den sieben Bezirken; über tausend Mitglieder nutzten das Angebot der Ergotherapien – Kunsttherapie, Qi Gong, Tanz, Wassergymnastik, Kreatives Schreiben, Selbsthilfegruppen, Handarbeit etc. 127 Peronen haben an den Ferienaufenthalten teilgenommen, davon 18 Mütter und Väter mit Kindern.
Die Krisenzeiten haben auch bei der Südtiroler Krebshilfe zu notwendigen Sparmaßnahmen geführt. Eine Mindestanzahl von fünf Personen für Kurse, eine Erhöhung des Eigenbetrags und des Mitgliedsbeitrags. Die Patient:innen können in Zukunft maximal fünf Fahrten des Begleitdienstes Ablatus (Unterland, Unterpustertal, Gröden) in Anspruch nehmen.
Nichtsdestotrotz steht die SKH ihren in Not geratenen Mitgliedern auch finanziell zur Seite. Im vergangenen Jahr wurden über "Südtirol hilft" 116.400 € an 32 Familien verteilt sowie 225.000 für andere Hilfsprojekte ausgegeben. Die Krebshilfe finanziert sich zu 47% selbst, 53% des Budgets kommen aus Landesbeiträgen, inklusive der Kosten für die Kosten der Lymphdrainage.
Die Krebshilfe unterstützt zwei wichtige Südtiroler Forschungsprojekte: jenes zum Thema „Insulinresistenz und Krebs" von Dr. Gilbert Spizzo, Brixen sowie die Studie über den Einsatz von Kryotherapie zur Verhinderung der chemotherapiebedingten Polyneuropathie (CIPN) in den Südtiroler Brustzentren, organisiert von Dr.in Sonia Prader, Leiterin des Brustgesundheitszentrums Brixen.
Kommunikation ist seit jeher ein wichtiges Anliegen der Südtiroler Krebshilfe. Nicht nur über die Herausgabe der Zeitung „Die Chance – La Chance", und zahlreicher thematischer Broschüren, sondern auch über Radiokampagnen, den Podcast der Brunecker Krebsgespräche und die jährliche Pressekonferenz am Weltkrebstag mit Südtiroler Experten, um über neue Therapien zu berichten, vor allem aber, um die Öffentlichkeit über die Wichtigkeit von Vorsorge und Prävention zu informieren.
Den Abschluss der Präsentation bildete ein bunter Fotoreigen durch die verschiedenen Aktivitäten der sieben Bezirke. Hier nur einige Beispiele : Das Medizinische Café, Begegnung, Beratung und Information mit drei ehemaligen Hausärzten im Vinschgau. Zehn Jahre Herbstkranzverkauf in Meran, ein Ausflug mit Selbst-Koch-Aktion im Unterland, ein 60. Geburtstag von 5 Freunden ist Anlass für eine einzigartige Spendenaktion im Eisacktal, Inititiativen mit den Piloten der Kunstflugstaffel Frecce Tricolori im Oberpustertal, der Ostermarkt im Unterpustertal u. v. a. m. .
Musikalisch begleitet wurde die Landesversammlung von Sepp Messner Windschnur, der im vergangenen Jahr mehrere Benefizkonzerte zugunsten der Krebshilfe gegeben hatte. Besonders sein autobiografisches Lied: „Bittschön Herr Tumor“ wurde mit großem Applaus bedacht.
Wie in jeder Landesversammlung gab es auch Platz für Anmerkungen des Publikums. Ein brennendes Thema war die Schließung der onkologischen Tagesklinik in Innichen. Sanitätsdirektor Widmann betonte, dass diese Entscheidung nicht leichtgefallen, aber im Interesse der Qualität der Therapien gefallen sei. „Wir haben es mit immer komplexeren Therapien zu tun, für deren Verabreichung es spezialisiertes Personal braucht, das wir aufgrund des mangelnden Ärztenachwuchses im Augenblick in Innichen nicht haben. Eine wohnortnahe Versorgung heißt nicht vor der Haustür.“ In Bruneck sei die adäquate Versorgung der Patient:innen hingegen gewährleistet.
"Für mich ist Krebs ein sehr emotional besetztes Thema, ich bin im engen Freundeskreis betroffen. Die SKH ist eine Vereinigung, die die Menschen dort abholt, wo sie sich befinden. Für uns ist sie ein ungemein wichtiger Netzwerkpartner. Als Dienst wäre nie leistbar, was die Krebshilfe mit ihren Freiwilligen und ihrer kapillaren Verteilung schafft!“
Rosmarie Pamer

Aktuell

Lebenslinie

Hommage an eine Künstlerin und Mutter – Ausstellung von Werken von Beate Gantz in der Stadtgalerie Bozen
Fotos:Gabriela Zeitler
Eine Hommage, ein wehmütiges Abschiednehmen aber auch Ausdruck von Solidarität und von Stolz. Ein Blick auf Werk und Leben einer bemerkenswerten Frau und Mutter. Die Künstlerin Beate Gantz ist im September 2024 an Krebs verstorben, ihre Tochter, Gabriela Zeitler hat vom 6. Juni – 18. Juli 2026 eine Ausstellung in der Stadtgalerie Bozen kuratiert, unterstützt vom Bezirk Bozen Salten Schlern der Südtiroler Krebshilfe.
Über 50 Jahre künstlerisches Schaffen, aber kein Anspruch auf eine chronologische Werkschau. Arbeiten mit Öl, Acryl, Tusche, Tempera und Gouache, groß- und kleinformatig. Auch ein Bild aus der letzten Schaffenszeit, aus 2023. Ein weiblicher Akt, wie Beate Gantz so viele geschaffen hat, in ihrer Recherche über die weibliche Identität. Ein Werk mit dem bezeichnenden Namen „Asche und Blüte“. In der großen Vitrine der Stadtgalerie die Farbpalette, Pinsel, eine Staffelei und das Tuch, mit dem die Künstlerin ihre Pinsel sauber wischte.
Fast zwei Jahre brauchte Tochter Gabriela Zeitler, um die Ausstellung vorzubereiten. Ein Weg der Trauer auch, der Verarbeitung, der Wertschätzung, der Liebe, vielleicht auch des Entdeckens. „Meine Mutter“, sagt Gabriela Zeitler, „war ebenso mit Hingabe Künstlerin wie fürsorgliche Mutter. Sie war der Mensch, dem ich am meisten vertraut habe. Mein Buddy, meine Vertraute, mein Sparring-Partner.“ Die Idee zur Ausstellung war schon gleich nach dem Tod ihrer Mutter entstanden. Ein spontaner, innerer Wunsch, ihren Weg nachzuzeichnen, ein Gefühl der Pflicht auch, ihr Werk und ihre Essenz zu bewahren. „Ich empfinde es als Geschenk, dass meine Mutter mit ihren Bildern ein Vermächtnis hinterlassen hat – eines, das in die Gegenwart hineinwirkt und bis heute eine unglaubliche Kraft besitzt: Menschen zu berühren. Der Abend der Vernissage hat das auf berührende Weise sichtbar gemacht.“
Beate Gantz ist nur elf Monate nach ihrer Diagnose gestorben. Ein Pankreas-Krebs, ein Krebs, der wenig Hoffnung lässt, auch wenn sie nie die Zuversicht verloren hat. Sie verarbeitete ihre Krankheit, wie so vieles andere im Leben auch, die Unsicherheiten ihrer Kindheit in Wien, die sie ein Leben lang begleitet haben, in ihrer Kunst. Noch fünf Tage vor ihrem Tod hat sie mit letzten Kräften an einem Bild arbeiten wollen. Viele ihrer letzten Werke tragen Textfragmente. Der Tod war kein Gesprächsthema, das Beate Gantz mit anderen Menschen geteilt hätte. Gedanken über Endlichkeit vertraute sie nur ihren Bildern an, ihre künstlerische Tätigkeit war bis zum Schluss ihre ganz eigene Art des Dialogs, des Verarbeitens. Und deshalb waren, sind ihre Werke lebendig. In der Erinnerung Gabriela Zeitlers bleibt Beate Gantz immer die moderne, jung gebliebene Frau, die um die weibliche Unabhängigkeit kämpfte; auf einer Studentenparty ebenso zuhause wie auf dem Opernball. „Sie war sensibel und zart, aber in ihr war Kraft, die auch aus ihren Werken spricht. Sie war hübsch und weltgewandt, kulturell offen und reiste viel. Es ist tröstlich, zu wissen, dass sie ein erfülltes Leben hatte, auch wenn es mit 70, viel zu früh, ein Ende gefunden hat.“ Ihr Werk ist Zeugnis ihrer Kunst und ihres Lebens, ihres Wesens.
Bei der Ausstellungs-Vernissage begegnete Gabriela Zeitler vielen Gesichtern, die sie aus der Zeit mit ihrer Mutter kannte. „Es war ein so schöner Abend, in Verbundenheit und Erinnerung, in Wertschätzung, aber auch im Zeichen der Solidarität.“ Eine Spendenbox für die Südtiroler Krebshilfe erinnert an Menschen, die ein ähnliches Schicksal erfahren wie Beate Gantz, die Krankheit. Die Dame, die in der Galerie Aufsicht führt, vertraute Gabriela Zeitler an, dass sie noch nie ein solches Fest bei einer Vernissage erlebt hätte, das ohne ihr Eingreifen wohl noch lange in den Abend weitergegangen wäre.
Es fällt mir schwer
zu sprechen
meine Sprache
sind die Bilder
Wer mich kennt
liest in mir
die anderen
erahnen
Stärke
und Schwäche
Zweifel
und Zuversicht
Gefühle
bleiben
sich selbst begegnen
das Wichtigste
FREI SEIN!

Beate Gantz
Geboren am 2. Juli 1954 in Wien, verstorben in Bozen im September 2024. Kunstakademie Wien, Akademie der angewandten Künste Wien und Academia delle Belle Arti Venedig (1977). Heirat mit Gerhard Zeitler Plattler und Umzug nach Bozen.1992 – 1996 Übergang zur expressiven Bildersprache. Ausstellungen in Bozen, Wien, Malcesine, Florenz, Mailand, Linz, Viareggio, Caorle, Ala. Aufenthalte in Venedig und New York. Ab 1990 Zusammenarbeit mit Robert Scherer. Mitglied des Südtiroler Künstlerbundes.

Maria Claudia Bertagnolli, Präsidentin