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Achtung bei Parkinson und Krebs

Dr.in Susanne Büchner Leiterin der Parkinson Ambulanz – Umweltfaktoren und Lebensstil
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Parkinson ist eine Erkrankung, die immer mehr Menschen und auch zunehmend jüngere Menschen betrifft. Eine Erkrankung, die mit Sicherheit auch durch Umweltfaktoren und Lebensstil beeinflusst ist. Ähnlich wie Krebs. Wir haben die Verantwortliche der Parkinson-Ambulanz am Krankenhaus Bozen, Dr.in Susanne Büchner gefragt, was es zu beachten gilt, wenn Parkinson-Patient:innen auch an Krebs erkranken.
In Südtirol leben schätzungsweise 25.000 Menschen mit einer Krebsdiagnose, im Jahr 2024 wurden Fallzahlen von ca. 2000 neu diagnostizierten Männern und 1600 neu diagnostizierten Frauen geschätzt. Wie hoch ist die Zahl der Parkinson-Patient:innen?
Dr.in Susanne Büchner: Die Zahl der Menschen mit Morbus-Parkinson in Südtirol liegt bei etwa 1.500 (Zahlen von Eurac Research), manche Quellen (Bischof-Golser-Stiftung) sprechen von 2.000. Auch Parkinson betrifft häufiger Männer als Frauen. In Italien gibt es ungefähr 300.000 Parkinson-Betroffene, weltweit gehen wir von etwa zwölf Millionen aus.
Parkinson-Patient:innen müssen oft mehrere Medikamente und das mehrmals am Tag, einnehmen. Was passiert, wenn eine Person mit Parkinson an Krebs erkrankt, bzw. was ist zu beachten? Wechselwirkung mit Medikamenten usw.
Dr.in Susanne Büchner: Das ist tatsächlich, bzw. kann tatsächlich ein Problem darstellen. Parkinson-Patient:innen sind sehr sensibel und sie können auf keinen Fall ihre Medikamente absetzen ohne lebensbedrohliche Auswirkungen zu riskieren. Je nach Situation müssen gegebenenfalls die Dosen von Parkinson-Medikamenten sogar gesteigert werden. Im Fall von Krebspatient:innen muss ich sagen, dass die Kommunikation mit der Onkologie leider noch recht eingeschränkt ist. Meist sind es die Patient:innen, die uns ansprechen. Man muss tatsächlich die Medikamente der Krebstherapie sehr sorgfältig auf mögliche Wechselwirkungen untersuchen. Einige chemotherapischen Medikamente können zum Beispiel motorische und/oder nicht-motorische Symptome hervorrufen bzw. bei Parkinson-Patient:innen verstärken. Im Zusammenhang mit Parkinson muss das unbedingt abgeklärt werden. Wir wissen, dass einige Beruhigungsmittel (z. B. klassische Neuroleptika) Psychosen bei Parkinson-Patient:innen hervorrufen können. Krebspatient:innen erhalten je nach Therapie auch Pharmaka gegen Übelkeit, darunter sind einige, die die Wirkung von Dopaminen, im speziellen des Parkinson-Medikaments Levodopa blockieren, da es sich um Dopamin-Antagonisten handelt. Eine Person mit Parkinson darf z.B. kein Plasil (Wirkstoff Metoclopramid) einnehmen. Bezüglich Levodopa muss ich an einen Patienten von mir denken, der Levodopa kontinuierlich über eine subkutane Pumpen-Therapie erhielt. Damit hatten die Kollegen auf der Intensivstation kein Problem, die regelmäßige orale Einnahme zu gewährleisten.
Was ist, wenn eine Person mit Parkinson sich einem chirurgischen Eingriff unterziehen muss?
Dr.in Susanne Büchner: Hier ist im Zusammenhang mit der Anästhesie höchste Vorsicht geboten. Die Schweizer-Parkinson-Gesellschaft hat Merkblätter zu diesem Thema erstellt, was zu beachten ist, die wir unseren Patient:innen mitgeben.
Besteht ein Zusammenhang mit Parkinson und bestimmten Krebserkrankungen?
Dr.in Susanne Büchner: Tatsächlich besteht bei Parkinson ein erhöhtes Risiko an einem Melanom zu erkranken. Es gibt Forschungen, die zu diesem Thema im Gang sind. Parkinson wird ja – vereinfacht erklärt – durch Eiweiße (Alpha-Synuclein) hervorgerufen, die verklumpen, diese Verklumpungskörper verstopfen dann die Nervenzellen und führen zum Absterben der Nerven. Es scheint, dass genau diese Zellen auf Melanomzellen den gegenteiligen Effekt erzielen. Sie fördern das Überleben und die Vermehrung des Tumors, indem sie den Hautkrebszellen helfen, DNA-Schäden besser zu reparieren und zelluläre Recycling-Programme aufrechtzuerhalten. An Parkinson Erkrankte sollten sich deshalb regelmäßig von einem Dermatologen untersuchen lassen. Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass das Risiko an hormonabhängigen Tumoren und Brustkrebs bei Frauen zu erkranken, bei Parkinson-Patient:innen, die eine bestimmte genetische Veränderung haben, nämlich eine LRRK2, größer ist. Hingegen gibt es Hinweise, dass für andere Tumorarten das Risiko bis zu 25% reduziert ist: Dies betrifft Tumore von Lunge, Blase, Niere, des Magen-Darmtraktes und der Pankreas.
Parkinson zählt nicht mehr nur als Pathologie von alten Menschen?
Dr.in Susanne Büchner: Nein, 5–10% aller Parkinson Erkrankten erhalten ihre Diagnose vor dem 50. Lebensjahr, diese Form wird als Young-Onset-Parkinson bezeichnet. Die Südtiroler Parkinson-Gesellschaft hat eine eigene Gruppe für jüngere Parkinson-Patient:innen gegründet, die z.B. noch das Problem haben, arbeitstätig zu sein. Wie gesagt, das Hauptrisiko scheinen Umweltfaktoren zu sein, in Ländern wie China oder anderen hochindustriellen Ländern ist die Quote der Erkrankten vor allem auch jüngeren Alters sehr am Steigen. Bei Landwirten ist Parkinson als Berufskrankheit anerkannt, weil sie viel in Kontakt mit Pestiziden kommen. Man spricht auch von Parkinson-Epidemie. Eine große Rolle spielt auch die Ernährung, vor allem hochverarbeitete Lebensmittel. Außerdem der Mangel an Bewegung. Tatsächlich wird Parkinson Patient:innen eine mediterrane Diät empfohlen und viel Bewegung. Die Südtiroler Vereinigung Parkinson aktiv bietet ihren Mitgliedern in Eppan, Naturns und Brixen zweimal pro Woche gezieltes Training mit einem Trainer an.
Welches sind die ersten Symptome eines Morbus Parkinson?
Dr.in Susanne Büchner: Es sind in der frühen Phase weniger motorische Syndrome, wie z. B. das Zittern. Viele Parkinson-Patient:innen, mehr als 30%, zittern nie! Es gibt einige auffällige Verhaltensmerkmale während der Schlafphase. Die sogenannte REM-Sleep-Disorder, wo Menschen im Schlaf besonders aktiv sind, kämpfen und Schläge austeilen. Oder mangelnder Geruchssinn. Diese Syndrome können schon zehn oder sogar zwanzig Jahre vor Ausbruch des eigentlichen Parkinson auftreten. Wenn motorische Syndrome auftreten, wie Zittern oder Steifheit, dann sind schon Nerven abgestorben.
Parkinson ist tatsächlich irreversibel und auch nicht vorbeugbar?
Dr.in Susanne Büchner: Das stimmt! Es gibt aber bis heute noch keine Medikamente, die einem Parkinson Einhalt gebieten oder die Krankheit effektiv verlangsamen oder blockieren. Aber es wird viel geforscht! Nicht zuletzt auch, weil viele sehr bekannte Menschen an Parkinson leiden, das kommt der Forschung zugute. Menschen wie der Boxer Mohammed Ali, der Schauspieler Michael J. Fox, der bereits im Alter von 29 daran erkrankte und im Jahr 2000 die Michael J. Fox Foundation for Parkinson's Research gründete. Die Stiftung ist heute der weltweit größte private Förderer der Parkinson-Forschung und hat dank der Bereitstellung von mehr als 2,5 Milliarden Dollar entscheidend zur Erforschung dieser neurologischen Erkrankung beigetragen.

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„Etwas Nützliches für den Nächsten tun“

Dr. Stefano Grassi ist der neue Primar für Gynäkologie und Geburtshilfe in Meran
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Südtirol kennengelernt hat er über Studienkollegen. Nach einem ersten Praktikum im Bozner Krankenhaus, noch als Student, wusste er, „Südtirol ist mein Lebens- und Arbeitsort.“ Er war ab 2004 Assistenzarzt am Krankenhaus Innichen und Bozen und anschließend leitender Arzt in der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Regionalkrankenhaus Bozen, wo er seit 2021 den Dienst für Urogynäkologie geleitet hat.
Ihr Spezialgebiet ist die Urogynäkologie…
Dr. Stefano Grassi: … ja aber ich habe auch über viele Jahre Erfahrungen im onko-gynäkologischen Referenzzentrum - auch im Bereich der Chirurgie - sammeln können, ebenso wie in der Geburtshilfe.
Jede zweite Frau leidet an Beckenboden-Problematiken. Das – vor allem, aber nicht nur in der Vergangenheit – unterschätzte Beckenbodentraining ist aber nicht nur nach einer Geburt von großer Bedeutung, Welche Rolle spielt der Beckenboden bei gynäkologischen Krebserkrankungen?
Dr. Stefano Grassi: In der Tat gibt es einen engen Zusammenhang zwischen einer Unterleibs-Krebsbehandlung und dem Beckenboden. Sei es nach einer radikalen Operation oder nach einer Beckenbestrahlung für einen Gebärmutterkrebs oder ein Zervixkarzinom wird der Beckenboden sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Muskelanteil und das Bindegewebe werden geschwächt und selbst die Nervenfasern können z. T. beschädigt sein. Dies führt zu Störungen der Funktion der Harnblase, des Darmes sowie auch der Sexualität. Besonders dieser letzte Aspekt wird immer noch zu wenig thematisiert und bleibt ein Tabu! Man konzentriert sich nur auf die onkologischen Nachfolgeuntersuchungen. Aber viele Patientinnen, vor allem die immer mehr betroffenen jüngeren Frauen haben hier ein klares Bedürfnis. Das medizinische Leistungsangebot wird diesem noch nicht gerecht. Eine Sensibilisierung der Beckenbodenfunktion bei onkologischen Patientinnen sollte in meinen Augen essentieller Bestandteil eines ganzheitlichen Behandlungskonzeptes sein!
Sie werden in Zukunft ein besonderes Augenmerk auf den Beckenboden richten?
Dr. Stefano Grassi: Mehr als ein besonderes Augenmerk. Meran ist meiner Ansicht nach, ein guter Ort für die Schaffung einer Beckenboden-Ambulanz, eines Exzellenz-Zentrums, das verschiedene Fachrichtungen koordiniert und an das sich Patientinnen aus allen anderen Teilen Südtirols wenden können.
Ihr Vorgänger, Dr. Heidegger, war auf Brust-Chirurgie spezialisiert. In Bozen sind dafür die Chirurgen zuständig, so dass sie als Gynäkologe nicht damit befasst waren. Wie werden sie das handhaben?
Dr. Stefano Grassi: Ich habe den - sagen wir praktischen Teil des Mamma-Bereichs an eine erfahrene Kollegin, Dr.in Tania Dalsass und ihr Team delegiert und sehe hier meine Aufgaben vor allem in der organisatorischen, strukturellen und finanziellen Unterstützung. Mein Gebiet in der Chirurgie ist neben dem Beckenboden die mini-invasive und laparoskopische Chirurgie von verschiedenen gynäkologischen Becken-Pathologien.
Als Primar sind sie auch Leiter des Brustgesundheitszentrums Meran, ein Bereich, der in Bozen wie bereits erwähnt, nicht der Gynäkologie angeschlossen ist. Und nicht nur: Bozen ist Eusoma zertifiziert, Meran hingegen nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft.
Dr. Stefano Grassi: Ja und wir haben erst kürzlich wieder die Akkreditierung für die nächsten drei Jahre erhalten. Wir haben ausgezeichnete Zahlen, sowohl was die Resultate als auch die Patientinnen-Zahlen anbelangt.
Sehen sie Unterschiede zwischen der europäisch-italienischen Eusoma-Zertifizierung und der deutschen Zertifizierung?
Dr. Stefano Grassi: Die geforderten Qualitätskriterien sind sich sehr ähnlich, wie z. B. eine niedrige Nach-Resektionsquote (also dass die Operationsränder noch einmal nachoperiert werden müssen, weil noch vereinzelt Zellen nachgewiesen wurden) und das besondere Augenmerk auf die Lebensqualität und das Wohlergehen der Patientinnen. Die kontinuierliche Weiterbildung der beteiligten Fachkräfte und Spezialisten usw. Es ist eher ein historisches Erbe. Meran war in der Vergangenheit mehr in Richtung Deutschland ausgerichtet, Bozen in Richtung Italien/ Europa. Grundsätzlich orientieren sich beide Zertifizierungen nach internationalen Standards.
Was ist ihnen in ihrer neuen Funktion als Leiter einer komplexen Struktur besonders wichtig, wenn sie an ihre Mitarbeiter*innen und an die Organisation ihrer Abteilung denken?
Dr. Stefano Grassi: Ich habe hier in Meran ein ziemlich heterogenes Team vorgefunden, weil es in der Zeit nach der Pensionierung meines Vorgängers ein Turn-Over gegeben hat. Die Konsolidierung des Teams, Teambildung ist sicher eine meiner Prioritäten. Mir ist außerdem wichtig, dass jeder die Möglichkeit hat, in seinem Bereich autonom Verantwortung zu übernehmen. Das heißt aber nicht, dass jeder alleine vor sich hinarbeitet, sondern wir werden uns regelmäßig austauschen und wo es geht zusammenarbeiten. Die Motivation der Mitarbeiter ist mir sehr wichtig. Ich möchte hier in Meran die Beckenboden- sowie die miniinvasive und laparoskopische Chirurgie verstärken, in die Geburtshilfe investieren und daran arbeiten, eine gut funktionierende Versorgungskette mit dem Perinatal-Zentrum in Bozen zu gewährleisten. Bei Risiko- und Hochrisikoschwangerschaften die Versorgung mit Bozen integrieren bzw. gegebenenfalls die Patientinnen nach Bozen weiterleiten.
Was hat sie bei ihrer Berufswahl motiviert?
Dr. Stefano Grassi: Ich wollte etwas Nützliches und Konkretes für den Nächsten tun. Keine Gesetze interpretieren, kein Manager in der Wirtschaft werden. Und ich würde in einem nächsten Leben genau dieselbe Entscheidung wieder treffen.
… und die Entscheidung für die Gynäkologie?
Dr. Stefano Grassi: Das Spektrum der Gynäkologie und Geburtshilfe ist sehr weit gefasst und das fasziniert mich. Ich wollte mich nicht nur auf einen Teil des Körpers, auf ein Organ konzentrieren. In der Gynäkologie gibt es Geburtshilfe, Chirurgie, Endokrinologie, Onkologie … praktisch die gesamte Medizin und zudem begleiten wir unsere Patientinnen vom Anfang bis zum Ende, von A bis Z und können deshalb auch zum Teil über Jahre hinweg sehr intensive menschliche Beziehungen aufbauen.
Was ist ihr Ausgleich zu einer doch sehr fordernden Tätigkeit?
Dr. Stefano Grassi: Ich bin Musiker, spiele Schlaginstrumente und bin Mitglied des Meraner Pop-Symphonie-Orchesters, MPSO. Musik hat einen sehr wichtigen Stellenwert in meinem Leben und hilft mir im Gleichgewicht zu bleiben.
Südtirol ist für ihn einfach perfekt. Unter allen Gesichtspunkten. Zweisprachigkeit bezeichnet er als Essenz seines Lebens. Er ist in Italien geboren, aufgewachsen in Hannover, Medizinstudium in Bologna und österreichisches Facharztdiplom in Gynäkologie, dazu ein Master in Uro-Gynäkologie. Dr. Stefano Grassi ist der neue Primar der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Meran und Nachfolger von Dr. Herbert Heidegger.