Thema
Aus eigener Erfahrung andere unterstützen
Trauerbegleiterin Gabriela Mair am Tinkhof

Foto: privat
Gabriela Mair hat in ihrem Leben bereits tiefe Trauererfahrungen durchlebt. Mit 13 Jahren hat sie einen Bruder verloren und nach dem Tod ihrer kleinen Tochter musste sie sich, völlig aus der Bahn geworfen, einen neuen Weg für sich selbst suchen. Sie hat ihn gefunden, in dem sie sich für einen bewussten persönlichen Weg entschied, sich intensiv mit Tod und Trauer auseinandersetzte und nun Trauerräume für andere Menschen schafft. Für den Bäuerlichen Notstandsfonds - Menschen helfen, hat sie zunächst Einzel-Trauerbegleitung durchgeführt und auch in zweiwöchigem Abstand Kindertreffen veranstaltet. Aber aufgrund der Distanzen, war das nicht immer leicht durchzuführen. Im Gespräch mit ihren Kolleginnen Nadia Kofler und Ulrike Rehmann kam ihr die Idee zu den vier Familientagen unter dem Thema „Lebendig trauern“ und in Andreas Egger und dem Vorstand des Bäuerlichen Notstandsfonds fanden sie einen tatkräftigen und sehr einfühlsamen Projektträger.
An einem ganzen Tag bleibt Zeit, um Dinge zu vertiefen, um Zeit zu finden auch für anderes als Trauer, Alltagsthemen. Um zusammen zu essen, zu spielen und sich nach den spezifischen Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe zu orientieren. Es gibt keine bestimmte Zielgruppe, sagt Gabriela. Kinder, die ein Elternteil, ein Geschwisterkind oder auch Oma oder Opa verloren haben. „Vorrangig, erklärt sie, geht es uns um das Verbindende. Wertung hat keinen Platz, dafür aber alles andere, was für Menschen in dieser Phase von Bedeutung sein kann. Die Teilnehmer können einmal teilnehmen, jedes Mal oder auch nach einer zweijährigen Pause. „Gerade bei Kindern ist der Trauerprozess - auch entwicklungsbedingt - oft sehr lange – aber nicht ununterbrochen und es gilt die unterschiedlichen Stadien und ihre Bedürfnisse zu respektieren. „Kinder und Jugendliche sind der Fokus, an ihnen wird das Programm ausgerichtet, aber wir unterstützen mit einem eigenen Angebot natürlich auch die Eltern und heißen auch weitere Familienangehörige herzlich willkommen.“
Für kleine Kinder gibt es kreativ-spielerische Angebote, Bewegung und Spiel in der Natur. Natur ist einer der Hauptakteure der Lebendig-trauern-Tage. „Wir arbeiten mit Klang, mit Ton, mit Meditation und Entspannung, mit Gesang, mit Aktivitäten, wie eine Höhle bauen.“ Das Verbindende ist die Verlusterfahrung. „Meine Kolleginnen Nadia Kofler und Ulrike Rehmann und ich helfen, den Menschen, zu ihren Gefühlen zurückzufinden und sie auszudrücken. Unser Ziel ist es, den Selbstwert zu stärken, Selbstwirksamkeit zu ermöglichen und die Nachricht Botschaft zu vermitteln: „Ich bin nicht allein mit der Erfahrung und Ich darf sein, so wie mir jetzt zumute ist.“
Der zweite Kraftort. den wir neben der WerkSTOTTschual in Aschbach haben, ist der Reiterhof in Elvas und dort können gerade Kinder ganz wichtige Erfahrungen im Überwinden von Angst erleben sowie auch im Mut und Vertrauen finden.
Für die Erwachsenen ist es wichtig, Verbindungen zu knüpfen, zu erfahren, „Ich werde verstanden“ und im Kontakt mit der Natur zu ihrem Inneren, zu sich und der Trauer finden. „Kindern aber auch Erwachsenen vermitteln wir die Gewissheit: „Ich sehe dich, ich sehe deinen Schmerz, ich traue es dir zu und wenn du Hilfe brauchst, bin ich da.“
Die Tage werden gemeinsam mit einem Ritual begonnen und ebenso beendet. „Unsere Kernbotschaft“, betont Gabriela Mair am Tinkhof, „die wir jeden zu Beginn mitgeben ist: Niemand muss und jeder darf!“ Und das Berührendste, das wir vor dem Nachhauseweg so oft erleben, ist zu sehen, wie neue Verbindungen in verschiedene Richtungen entstanden sind.“

