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„Wir sind für alle da“

Andreas Egger, Koordinator des Bäuerlichen Notstandsfonds Menschen helfen
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Bäuerlich steht im Namen, weil der Bäuerliche Notstandsfonds aus dem Bauernbund heraus erwachsen ist. Aber, so der Koordinator des BNF, Andreas Egger. „wir sind für alle da!“ Und deshalb trägt der BNF auch den Namenszusatz „Menschen helfen“. Denn darum geht es. Um Familien, um Menschen, die in Not geraten sind. Unverschuldet. Aus verschiedenen Gründen. Ein Unfall mit nachfolgender Arbeitsunfähigkeit, ein Brand, eine Erkrankung oder ein Todesfall. Der BNF ist Südtirol weit vernetzt, mit Vertrauenspersonen in jedem Bezirk.
„Für manche mag es komisch anmuten, wenn plötzlich jemand vom BNF anruft. Und meistens bin ich es,“ sagt Andreas Egger. Bei dem Anruf schaut er nie auf die Uhr. „Manchmal sind es zehn Minuten, manchmal 30, manchmal drei Stunden.“ Was es eben braucht. Sicher, die Zeit fehlt danach, in der Organisation des Tagesablaufs, aber der Mensch in Not steht an erster Stelle. Kein Thema!
Tatsächlich muss man sich nicht selbst um einen Kontakt bemühen, oder besser: Jeder kann sich an den BNF um Hilfe wenden, aber oft ist es der Bäuerliche Notstandsfonds selbst, der sich aktiviert. Vor allem auf dem Land. Die Hinweise kommen von den Vertrauensleuten aus den Bezirken. „Der Bäuerliche Notstandsfonds EO (BNF) - Menschen helfen“ ist eine gesetzlich anerkannte und unabhängige Organisation mit dem Ziel, unverschuldet in Not geratenen Menschen vertrauensvoll, schnell und unbürokratisch zu helfen. Viele Menschen, scheuen sich, um Hilfe zu bitten. Abgesehen davon, dass sie gar nicht wüssten, an wen sie sich wenden könnten oder aber zu sehr gefangen sind, im Strudel der Ereignisse. Der BNF reicht von sich aus eine Hand. Die Hilfe kann unterschiedlicher Natur sein: finanziell, logistisch, psychologisch oder aber eine Trauerbegleitung.
Schon seit mehreren Jahren vermittelt der BNF professionelle Trauerbegleitung. Vor zwei Jahren ist der Vorstand des Fonds, zusammen mit Gabriela Mair am Tinkhof, Nadia Kofler und anderen Trauerbegleiterinnen noch einen Schritt weiter gegangen. Der BNF organisiert unter dem Namen „Lebendig trauern“ vier Samstage im Jahr für Kinder und Jugendliche und eine Bezugsperson, um sich in der Natur, in einem neutralen Ambiente untereinander auszutauschen, ins Gespräch zu kommen. Um Menschen zu begegnen, die das gleiche Schicksal tragen. Um in sich selbst zu schauen, auch, um schöne Erlebnisse mit anderen zu teilen, Freundschaften zu schließen, in seine Trauer zu tauchen oder auch – ganz bewusst – sich einen Moment Pause von der Trauer zu genehmigen.
Der Notstandsfonds ist zwar eine unabhängige, ehrenamtliche Organisation mit hauptamtlichen Mitarbeitern, arbeitet aber nach wie vor sehr eng mit dem Südtiroler Bauernbund zusammen. Zur Unterstützung von Hilfesuchenden, insbesondere von bäuerlichen Familien, kann der BNF dabei auf die unterschiedlichen Fachabteilungen zurückgreifen, erklärt Andreas Egger. Bis vor fünf Jahren war er selbst Mitarbeiter im Bauernbund, er kennt die bäuerliche Welt. Als die Stelle beim BNF ausgeschrieben wurde, bewarb er sich. „Mich reizte die Idee, noch einmal etwas ganz anderes zu machen.“ Und er fühlt, dass er angekommen ist. Er zieht es vor, im Hintergrund bleiben, redet nicht gerne von sich, aber er selbst ist mit seiner einnehmenden Art, seiner Empathie ein wichtiger Baustein im Gefüge des Bäuerlichen Notstandsfonds.
Bäuerlicher Notstandsfonds OE
T. +39 0471 999330

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Aus eigener Erfahrung andere unterstützen

Trauerbegleiterin Gabriela Mair am Tinkhof
Foto: privat
Gabriela Mair hat in ihrem Leben bereits tiefe Trauererfahrungen durchlebt. Mit 13 Jahren hat sie einen Bruder verloren und nach dem Tod ihrer kleinen Tochter musste sie sich, völlig aus der Bahn geworfen, einen neuen Weg für sich selbst suchen. Sie hat ihn gefunden, in dem sie sich für einen bewussten persönlichen Weg entschied, sich intensiv mit Tod und Trauer auseinandersetzte und nun Trauerräume für andere Menschen schafft. Für den Bäuerlichen Notstandsfonds - Menschen helfen, hat sie zunächst Einzel-Trauerbegleitung durchgeführt und auch in zweiwöchigem Abstand Kindertreffen veranstaltet. Aber aufgrund der Distanzen, war das nicht immer leicht durchzuführen. Im Gespräch mit ihren Kolleginnen Nadia Kofler und Ulrike Rehmann kam ihr die Idee zu den vier Familientagen unter dem Thema „Lebendig trauern“ und in Andreas Egger und dem Vorstand des Bäuerlichen Notstandsfonds fanden sie einen tatkräftigen und sehr einfühlsamen Projektträger.
An einem ganzen Tag bleibt Zeit, um Dinge zu vertiefen, um Zeit zu finden auch für anderes als Trauer, Alltagsthemen. Um zusammen zu essen, zu spielen und sich nach den spezifischen Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe zu orientieren. Es gibt keine bestimmte Zielgruppe, sagt Gabriela. Kinder, die ein Elternteil, ein Geschwisterkind oder auch Oma oder Opa verloren haben. „Vorrangig, erklärt sie, geht es uns um das Verbindende. Wertung hat keinen Platz, dafür aber alles andere, was für Menschen in dieser Phase von Bedeutung sein kann. Die Teilnehmer können einmal teilnehmen, jedes Mal oder auch nach einer zweijährigen Pause. „Gerade bei Kindern ist der Trauerprozess - auch entwicklungsbedingt - oft sehr lange – aber nicht ununterbrochen und es gilt die unterschiedlichen Stadien und ihre Bedürfnisse zu respektieren. „Kinder und Jugendliche sind der Fokus, an ihnen wird das Programm ausgerichtet, aber wir unterstützen mit einem eigenen Angebot natürlich auch die Eltern und heißen auch weitere Familienangehörige herzlich willkommen.“
Für kleine Kinder gibt es kreativ-spielerische Angebote, Bewegung und Spiel in der Natur. Natur ist einer der Hauptakteure der Lebendig-trauern-Tage. „Wir arbeiten mit Klang, mit Ton, mit Meditation und Entspannung, mit Gesang, mit Aktivitäten, wie eine Höhle bauen.“ Das Verbindende ist die Verlusterfahrung. „Meine Kolleginnen Nadia Kofler und Ulrike Rehmann und ich helfen, den Menschen, zu ihren Gefühlen zurückzufinden und sie auszudrücken. Unser Ziel ist es, den Selbstwert zu stärken, Selbstwirksamkeit zu ermöglichen und die Nachricht Botschaft zu vermitteln: „Ich bin nicht allein mit der Erfahrung und Ich darf sein, so wie mir jetzt zumute ist.“
Der zweite Kraftort. den wir neben der WerkSTOTTschual in Aschbach haben, ist der Reiterhof in Elvas und dort können gerade Kinder ganz wichtige Erfahrungen im Überwinden von Angst erleben sowie auch im Mut und Vertrauen finden.
Für die Erwachsenen ist es wichtig, Verbindungen zu knüpfen, zu erfahren, „Ich werde verstanden“ und im Kontakt mit der Natur zu ihrem Inneren, zu sich und der Trauer finden. „Kindern aber auch Erwachsenen vermitteln wir die Gewissheit: „Ich sehe dich, ich sehe deinen Schmerz, ich traue es dir zu und wenn du Hilfe brauchst, bin ich da.“
Die Tage werden gemeinsam mit einem Ritual begonnen und ebenso beendet. „Unsere Kernbotschaft“, betont Gabriela Mair am Tinkhof, „die wir jeden zu Beginn mitgeben ist: Niemand muss und jeder darf!“ Und das Berührendste, das wir vor dem Nachhauseweg so oft erleben, ist zu sehen, wie neue Verbindungen in verschiedene Richtungen entstanden sind.“