Aktuell

Lebenslange Begleitung

Im Gesundheitssprengel ist die Hebamme auch Ansprechpartnerin für Prävention
Fotos: Othmar Seehauser
Die Hebamme ist nicht nur eine zentrale Figur im Kreißsaal, sondern spielt auch eine wesentliche Rolle bei der Vorbeugung von Frauentumoren. In den Sprengeln ist sie es, die den Pap-Test durchführt, mit Frauen über die Bedeutung der Prävention spricht und das Abtasten der Brust vermittelt. Mirco Rizzi ist „Hebammer“ – nach vielen Jahren im Kreißsaal in Bozen arbeitete er zwei Jahre im Gesundheitssprengel Sarntal. Heute leitet er den Studiengang für Hebammen an der Claudiana.
Ein Mann als Hebamme – sowohl im Kreißsaal als auch im Sprengel ... Gab es nie Probleme, von den Patientinnen akzeptiert zu werden?
Mirco Rizzi: Nein, nie. Ich glaube, wenn man mit der nötigen Sensibilität auftritt, zuhören kann, dann macht das keinen großen Unterschied. Es gibt ja auch viele männliche Gynäkologen. Und wenn die Frauen spüren, dass man sie ernst nimmt, dann vertrauen sie einem auch.
Die Hebamme ist nicht nur für schwangere oder gebärende Frauen wichtig?
Mirco Rizzi: Ganz genau. Wir begleiten Frauen in den verschiedensten Lebensphasen. Das gilt besonders für Hebammen (und die wenigen männlichen Kollegen), die im Sprengel arbeiten. Es beginnt bei den ganz jungen Mädchen. Hebammen gehen auch in die Schulen, um Sexualaufklärung zu machen: ihnen die Angst vor der ersten gynäkologischen Untersuchung nehmen, gut erklären, wie das Sexualsystem funktioniert, wie wichtig Verhütung ist und wie man sich mit Kondomen vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Und dann ein ganz wichtiges Thema – auch für die Jungen: die HPV-Impfung. Wir sind es auch, die Frauen über Brustkrebsprävention aufklären. Wir sensibilisieren sie dafür, ihren eigenen Körper kennenzulernen – durch regelmäßiges Abtasten, beim Duschen oder Eincremen – damit sie frühzeitig mit dem Gewebe ihrer Brust vertraut sind. Wir lehren die korrekte Selbstuntersuchung der Brust. Wir führen allerdings selbst keine Brustuntersuchungen durch, machen aber den Pap-Test.
Brustgesundheit ist ein Bestandteil der Hebammenausbildung?
Mirco Rizzi: Ja, ein sehr wichtiger. Die Pflege der Brust ist ja auch in der Schwangerschaft und während der Stillzeit ein wichtiges Thema.
Sie begleiten Frauen also durch verschiedene Lebensabschnitte …
Mirco Rizzi: Genau. Auch in den Wechseljahren sind wir AnsprechpartnerInnen. Wir erklären die physiologischen und psychischen Veränderungen, die auftreten können. Und wir geben Tipps, wie man Beschwerden auch ohne Hormonersatztherapie besser in den Griff bekommen kann.
Sie vermitteln also, dass die Menopause keine Krankheit ist.
Mirco Rizzi: Das stimmt und wir können viel Unsicherheit nehmen. Ein weiteres sehr wichtiges Thema – bereits für junge Frauen, aber eigentlich in allen Lebensphasen – ist der Beckenboden. Wer eine gute Beckenbodenmuskulatur hat, lebt auch nach den Wechseljahren und im Alter entspannter.
Zurück zum Brustkrebs: Die Schere des Erkrankungsalters weitet sich aus. Die Patientinnen werden jünger (und auch älter). Es wird diskutiert, das Screening – also die Mammografie – von 50 auf 45 bzw. von 65 auf 75 auszuweiten. Auch die Zahl junger Frauen, die nach der Geburt an Brustkrebs erkranken, steigt.
Mirco Rizzi: Ohne anderen Berufsgruppen die Arbeit „wegnehmen“ zu wollen, liegt es schon auch an uns, junge Mütter zu beobachten, Warnzeichen zu erkennen und ihnen bewusst zu machen, dass – auch wenn das Brustkrebs-Screening erst in einem reiferen Alter beginnt – die Selbstuntersuchung zur Gewohnheit werden sollte, so selbstverständlich wie das Zähneputzen. Jeden Monat, schon in jungen Jahren. Vor allem müssen wir die Scheu davor nehmen, sich selbst zu berühren.
Die Brustkrebsvorsorge wird in Südtirol recht gut angenommen. Gilt das auch für den Pap-Test?
Mirco Rizzi: Es könnte besser sein! Auch hier haben die Kolleginnen und Kollegen im Sprengel die Möglichkeit, durch Mundpropaganda viele Frauen zu erreichen – auch Migrantinnen. Die Hebamme besucht nach der Geburt alle Frauen zu Hause, begleitet sie beim Stillen, und dieses Vertrauensverhältnis sollte man nutzen.
Sie haben zwei Jahre im Sprengel Sarntal gearbeitet. Kommen tatsächlich alle Frauen nach der Geburt zur Hebamme oder gibt es auch welche, die das nicht möchten?
Mirco Rizzi: Normalerweise ist es so, dass Frauen, die im Dorf oder in der Nähe wohnen, zwei oder drei Tage nach der Geburt von selbst vorbeikommen. Wer sehr abgelegen wohnt, tut dies nicht immer. Wenn jemand nicht kommt, machen Hebammen auch Hausbesuche. Das ist sehr wichtig – nicht nur, um zu sehen, wie es der Wöchnerin geht, ob das Stillen klappt oder ob es Brustprobleme gibt, sondern auch, um einen Eindruck von der sozialen Situation zu bekommen. Letztlich ist jeder Besuch eine Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen und ein Vertrauensverhältnis zwischen Frau und Sprengel aufzubauen. Vielleicht ist das in Zeiten des Internets und der künstlichen Intelligenz sogar noch wichtiger. Wir müssen verhindern, dass sich Frauen die Antworten alleine suchen – nicht alles, was man online findet, ist korrekt, und der persönliche Kontakt ist immer ein Mehrwert, gerade in einer so sensiblen Phase wie der Mutterschaft.
Sind die jungen Hebammen, die heute an der Claudiana abschließen, Ihrer Meinung nach bereit, auch im Sprengel zu arbeiten?
Mirco Rizzi: Die Arbeit im Sprengel verlangt viel Erfahrung – sie ist nicht ideal für BerufsanfängerInnen. Im Krankenhaus hat man Rückhalt, da ist immer jemand, den man fragen kann. Aber ich sehe, dass die jungen KollegInnen sehr aufmerksam und engagiert sind. Natürlich haben sie ein anderes Verhältnis zur Arbeit als frühere Generationen – und das zu Recht. Sie sind nicht mehr bereit, 50 Stunden die Woche und mehr zu arbeiten, weil sie auch der Freizeit und dem Privatleben den richtigen Stellenwert geben. Aber wenn ich ihre Abschluss-Arbeiten lese, spüre ich viel Motivation, sich einzubringen und auch das Thema Prävention ist sehr präsent!
Mirco Rizzi

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Gesund und sooo gut

„Vitality-Cancer-Nutrition“ Maturaprojekt von drei Schülerinnen der Landes-Hotelfachschule Kaiserhof Meran
Fotos: Massimiliano Boriero
Eine gesunde und ausgeglichene Ernährung als Prävention, während und nach einer Krebserkrankung, im spezifischen Brustkrebs, war das Thema des Maturaprojekts von drei Schülerinnen des Kaiserhofs in Meran. Vera Tschager, Leonie Mittermair und Mara Heiss. Sie sprachen im Bezirk der Krebshilfe in Meran vor und wurden dort mit offenen Armen empfangen. Herausgekommen sind eine Rezeptsammlung und ein Koch-Workshop in der Lehrküche des Kaiserhofs.
Begleitet wurden die Schülerinnen von der Lehrerin für Ernährungslehre Margarete Weiss und als Tutor von Koch Florian Piffer. Die Schülerinnen arbeiteten sich in das Thema ein, indem sie zunächst Informationen zum Thema Ernährung und Krebs sammelten, unter anderem auf den Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft und in einer Broschüre der Südtiroler Krebshilfe. Außerdem wandten sie sich an den früheren Primar der Gynäkologie am Krankenhaus Meran, Dr. Herbert Heidegger, mit der Bitte um wissenschaftliche Begleitung und um Korrektur der erarbeiteten Ergebnisse.
In zwei Treffen hat Dr. Heidegger Vera, Leonie und Mara in das Thema Krebs eingeführt und dabei auch den Stellenwert einer ausgewogenen Ernährung als Prävention betont.
Für die drei Schülerinnen, die diesen Sommer ihre Matura abgeschlossen haben, war es die erste bewusste Begegnung mit dieser Krankheit. „Es war für uns sehr berührend und mit Emotionen verbunden“, erklärt Vera Tschager. „Uns war vorher weder bewusst, welche große Rolle auch in diesem Bereich die Ernährung spielt, noch wie sehr diese Krankheit, bzw. die Therapien in das Leben einer Frau eingreifen und es verändern.“
Zunächst suchten sie sich gesunde Lebensmittel und dazugehörende Rezepte. „Zunächst „normale“ Rezepte,“ führt Vera Tschager aus. „Dann haben wir überlegt, wie wir Zucker und Salz ersetzen können und trotzdem ein schmackhaftes Gericht bekommen.“ Besonders wichtig war den Schülerinnen des Kaiserhofs, neben der Suche nach alternativen Methoden zum Würzen, das Verwenden von viel Gemüse und Obst, gemäß der Regel, fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag zu sich zu nehmen. Insgesamt haben sie zwölf Rezepte probegekocht und in einer kleinen Broschüre mit Foto und Text ansprechend zusammengestellt: das Rezept, die Zutaten, die Zubereitung Schritt für Schritt und auch die gesundheitlichen Aspekte des jeweiligen Gerichts. Gerichte für jede Tageszeit.
Dann haben sie die Mitglieder der Südtiroler Krebshilfe in Meran zum Probekochen in den Kaiserhof eingeladen. Acht Personen haben an dem Workshop teilgenommen: Cristina Prinoth, Adelheid Platter, Lydia Ohrwalder, Elmar Rainer, Martina Theiner, Bezirkssekretärin Sigrun Abart sowie der Bezirksvorsitzende Oskar Asam - der selbst Koch-Lehrer am Kaiserhof war - mit seiner Frau Hildegard Stecher. Vera, Leonie und Mara haben sie in drei Gruppen eingeteilt und unter ihrer Anleitung wurden ein Spinat-Apfel-Bananen-Smoothie mit Kia-Samen und Zitronensaft zubereitet, ein Bulgur-Salat mit Gurke, Zwiebeln und Tomaten, gewürzt mit Zitronensaft, frischer Petersilie und "Extra-Vergine-Olivenöl". Außerdem ein Zucchini-Carpaccio und ein Gemüse-Omelett mit Zucchini und Tomaten. Zum Nachtisch gab es Apfel-Muffins aus Vollkornmehl mit Mandelmilch, gesüßt mit etwas Honig.
Zu den zwölf erarbeiteten Rezepten der Matura-Schülerinnen gehörte auch eine energiereiche Frühstücks-Variante: ein Porridge aus Vollkorn-Haferflocken mit Mandelmilch, gehackten Nüssen oder Mandeln und gemischten frischen Beeren. Wer es gerne süßer mag, kann mit etwas Honig oder Ahornsirup den Zucker ersetzen. Zucker, haben Vera, Leonie und Mara gelernt, ist ein Lebensmittel, das jeder, vor allem aber Krebskranke nur in kleinen Maßen zu sich nehmen sollten. Vor allem weißer Zucker enthält keine Nährstoffe und nährt die Krebszellen, nicht den Organsimus.
Erste Reihe, v. li.: Bulgursalat, Muffins, Gemüse-Omelett und Spinat-Apfel-Bananen-Smoothie. 2. und 3. Reihe: Entspannte Momente des gemeinsamen Kochens mit den drei "Lehrerinnen" Vera Tschager, Mara Heiss und Leonie Mittermair. 2. Reihe, rechtes Foto: Von links Cristina Prinoth, Adelheid Plattner, Lidia Ohrwalder, Mara Heiss, Elmar Rainer (hintere Reihe), Leonie Mittermair, Martina Theiner, Sigrun Abart, Vera Tschager, Hildegard Stecher, Oskar Asam (vordere Reihe).