Aktuell

Der Pezcoller Preisträger 2025

Douglas Hanahan: Forschungen über grundlegende biologische Eigenschaften von Krebs


Die Stiftung Pezcoller Trient hat zusammen mit der American Association for Cancer Research (Amerikanische Gesellschaft für Krebsforschung), der weltweit ältesten und eine der wichtigsten Organisationen für Krebsforschung den renommierten Krebsforscher Douglas Hanahan für seine außergewöhnlichen Beiträge zur Krebsforschung ausgezeichnet. Hanahan, der derzeit als Distinguished Scholar am Ludwig Institute for Cancer Research in Lausanne tätig ist, hat mit seinen bahnbrechenden Erkenntnissen das Verständnis von Krebs maßgeblich geprägt und neue Therapieansätze ermöglicht.
Der Pezcoller-AACR International Award ist eine der renommiertesten Auszeichnungen in der Krebsforschung. Und wird seit 1997 jährlich verliehen. Viele Preisträger wurde nachträglich auch der Nobelpreis verliehen.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse Hanahans ist, dass Krebs nicht nur von den Tumorzellen selbst gesteuert wird, sondern dass auch gesunde Zellen in der Umgebung des Tumors eine entscheidende Rolle spielen. Diese „Kooperation“ zwischen Krebszellen und ihrem Umfeld beeinflusst, wie aggressiv ein Tumor wächst, ob er Metastasen bildet und wie er sich dem Immunsystem entzieht. Durch seine Arbeit mit innovativen Mausmodellen konnte Hanahan genau diese Prozesse sichtbar machen – ein Durchbruch, der ab dem Jahr 2000 die Entwicklung neuer Krebsmedikamente entscheidend vorangetrieben hat.
Besonders bekannt ist Hanahan für seine Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftler Robert Weinberg. Gemeinsam haben sie das Konzept der „Hallmarks of Cancer“ entwickelt – eine Art „Landkarte“, die hilft, die enorme Komplexität von Krebs besser zu verstehen. Dieses Konzept ist heute ein zentraler Bestandteil der Krebsforschung weltweit.
Die „Hallmarks of Cancer“ (auf Deutsch: „Kennzeichen von Krebs“) sind die grundlegenden biologischen Eigenschaften, die Krebszellen von gesunden Zellen unterscheiden. Sie beschreiben, wie sich Krebs entwickelt und warum er so schwer zu bekämpfen ist, helfen ihn besser zu verstehen und folglich gezielt Therapien entwickeln. Ursprünglich wurden sechs Merkmale definiert (2000), später kamen weitere hinzu (2011 und 2022). Die wichtigsten sind:
1. Unkontrollierte Zellteilung – Krebszellen teilen sich unaufhörlich, ohne auf natürliche Wachstumsstopps zu reagieren.
2. Widerstand gegen den Zelltod – Gesunde Zellen sterben ab, wenn sie beschädigt sind. Krebszellen umgehen diesen Mechanismus.
3. Unbegrenzte Teilungsfähigkeit – Krebszellen haben eine Art „Unsterblichkeit“ und können sich viel öfter teilen als normale Zellen.
4. Förderung der Blutgefäßbildung – Der Tumor sorgt für die Bildung neuer Blutgefäße, um sich selbst mit Nährstoffen zu versorgen.
5. Invasion und Metastasierung – Krebszellen verlassen den ursprünglichen Tumor, wandern durch den Körper und bilden neue Tumore.
6. Unterdrückung des Immunsystems – Der Krebs versteckt sich vor dem Immunsystem bzw. blockiert dessen Abwehrmechanismen.
Die offizielle Ehrung für Douglas Hanahan findet am 27. April 2025 im Rahmen des Jahrestreffens der American Association for Cancer Research (AACR) in Chicago statt. Dort wird er auch einen Vortrag über seine Forschung halten – vor einem Publikum von über 25.000 WissenschaftlerInnen aus aller Welt. Die feierliche Verleihung des mit 75.000 € dotierten Preises, findet am 17. Mai 2025 um 10:00 Uhr im Teatro Sociale in Trient statt. Am 15. und 16. Mai wird Hanahan zwei Lectio Magistralis an den Universitäten Trient und Padua halten. Die Preisverleihung ist öffentlich; Anmeldungen unter Tel. 0461 980250 oder E-Mail pezcoller@pezcoller.it.
Wer ist Douglas Hanahan?
Douglas Hanahan wurde 1951 in Seattle (USA) geboren und entschied sich zunächst für ein Studium der Physik am MIT. Doch bald zog es ihn in die Biologie, wo er an der Harvard University promovierte. Nach Stationen an renommierten Forschungseinrichtungen wie dem Cold Spring Harbor Laboratory in New York und der University of California in San Francisco (UCSF) übernahm er von 2009 - 2020 die Leitung des Swiss Institute for Experimental Cancer Research (ISREC) in Lausanne. Dort erforschte er neue Ansätze zur Bekämpfung von Krebs und leitete ein Team, das innovative Strategien zur Krebstherapie entwickelte.
Seit 2020 ist Hanahan emeritierter Professor, arbeitet aber weiterhin aktiv in der Forschung am Ludwig Institute in Lausanne. Sein bekanntester wissenschaftlicher Beitrag, „The Hallmarks of Cancer“, ist einer der meistzitierten Artikel in der Geschichte der Krebsforschung und hat die Krebsforschung nachhaltig beeinflusst.

Aktuell

Die Sprache der Daten

Das Südtiroler Tumorregister wird Teil des zentralen nationalen Registers


Das Südtiroler Tumorregister bereitet sich für die Zukunft vor. Mit diesem Jahr verfügt es über eine neue Einheitssoftware, die es mit 80% der italienischen Tumorregister vernetzt; die Daten werden auch in das neu gegründete, zentralisierte, nationale Tumorregister einfließen. Auf der neugestalteten Webseite sind die Südtiroler Krebs-Daten von 2017 – 2023 aufgeführt.
Leiter des Tumorregisters ist Dr. Michael Mian, wissenschaftlicher Leiter der Claudiana, Vizedirektor des Masters in Research Nursing der Universität Padua und seit Juni 2021 geschäftsführender Primar des IRTS. Am Südtiroler Tumorregister arbeiten zwei Ärztinnen, ein Arzt und eine Verwaltungsangestellte.
Das mit Landesbeschluss 1992 eingeführte Südtiroler Tumorregister hat 1995 seine Arbeit aufgenommen. Ein unverzichtbares Werkzeug, um die Entwicklung von Inzidenz und Sterblichkeit in Südtirol zu aufzuzeichnen und mögliche Risikofaktoren zu erfassen. Es hat laut Beschluss den Auftrag, fortlaufend und getrennt nach Geschlecht, Alter und Wohnort die neu aufgetretenen bösartigen Tumorerkrankungen (Inzidenzraten) sowie getrennt nach Tumorart die Todesfälle (Mortalitätsrate) und Überlebensraten zu erheben, eine Datenbank für die Ermittlung möglicher Ursachen und Risikofaktoren zu führen und aufgrund dieser Daten die sozial- und gesundheitspolitischen Entscheidungen, die auf Planung und Evaluierung von Präventions- und Betreuungsprogrammen für KrebspatientInnen abzielen, zu unterstützen. Die Datenerfassung erfolgt gemäß den Vorgaben des Datenschutzes.
Bisher arbeitete das Tumorregister mit einer innerbetrieblich hergestellten Software, das Erreichen des Pensionsalters der Person, die diese bediente, gab Anlass für Konsultationen für eine, am effektiven Bedarf ausgerichtete Modernisierung. 2024 wurde der Auftrag zur Umsetzung gegeben. Das Südtiroler Tumorregister wird fortan über eine einheitliche Software mit 80% der italienischen Tumorregister vernetzt sein. Die letzten Anpassungen und Feinheiten stehen vor dem Abschluss. In Kürze werden alle in Südtirol erfassten Tumordaten automatisch auch in das Nationale Tumorregister einfließen, dessen Zentralisierung vor dem Abschluss steht. „Und wir werden von Anfang an mit dabei sein“, betont der Direktor des Tumorregisters Dr. Mian.
Bislang wurden die italienischen Krebs-Daten von der (privatrechtlichen) Vereinigung der Italienischen Tumorregister AIRTUM, dessen Mitglied Südtirol ist, einmal jährlich seit 2012 in der Publikation „Numeri del cancro in Italia“ herausgegeben. Die letzte Ausgabe bezieht sich auf Daten aus dem Jahr 2023. AIRTUM hat bislang auch die Mitarbeiter der regionalen Tumorregister geschult.
Die Vorteile eines zentralisierten Nationalen Tumorregisters und einer einheitlichen Software liegen auf der Hand: Je mehr Daten erfasst und verglichen werden können, desto klarer das Bild und desto besser die Möglichkeit, die Planung der lokalen und des nationalen Gesundheitsbetriebes darauf einzustellen.
Erfasst werden auch Daten über die Teilnahme und den Erfolg von Vorsorgeuntersuchungen, über Risikofaktoren, Zusammenhänge zwischen Umweltverschmutzung und Krebs bis zur Entwicklung der immer komplexeren medizinischen Onkologie hin zum Molecular Tumor Board… All das wird unter absolutem Respekt der Privacy der PatientInnen aufgenommen.
Eine weitere Neuerung, so Dr. Michael Mian, betrifft die Neugestaltung der Webseite des Tumorregisters. Dort können die neuesten Daten über die Inzidenzschätzungen für bösartige Tumoren, die in der Südtiroler Wohnbevölkerung verzeichnet wurden, eingesehen werden und zudem mit den Daten anderer Regionen Italiens verglichen werden. Derzeit liegen die Daten von 2017 – 2023 vor, eine Aktualisierung wird in Kürze erwartet. Datenerfassung erfolgt immer mit etwas Verspätung, die neue Software wird auch den Datenerfassungsprozess beschleunigen.
Das Südtiroler Tumorregister ist in das Forschungsprogramm Concord 4 zum weltweiten Monitoring des Überlebens nach Krebserkrankungen eingebunden. Die Daten des Zeitraums 2000 – 2019 werden hierzu in elektronischer, verschlüsselter und pseudonymisierter Form an das Hauptprüfungszentrum der London School of Hygiene & Tropical Medecine übermittelt.
Zwei Mitarbeiterinnen des Krebsregisters, Dr.in Federica Targa und Dr.in Elena Devigili