ABENTEUER-Sprache
Bericht von Waltraud Rieger Stocker

Mein Abenteuer Sprache in Bagno di Romagna

Ich bin auf einem Bergbauernhof im Vinschgau aufgewachsen. Als Zweitälteste und kaum den Kinderschuhen entwachsen, wurde ich schon zu jeder Arbeit herangezogen. Zumal meine ältere Schwester die Kindergärtnerinnenschule in Bozen besuchte, wurde ich gar nicht nach meinem Berufswunsch gefragt. Auch waren meine Eltern froh, als ich als Erste etwas Geld verdiente.
So wurde ich schon mit 15 Jahren in der Landwirtschaftsschule Fürstenburg als Haushaltsgehilfin aufgenommen. Das Erlernen der (vielseitigen) abwechslungsreichen Arbeit fiel mir nicht schwer und ich war zufrieden.
Nach zwanzig Dienstjahren machte sich eine schmerzliche Krankheit bemerkbar (chronische Rückenschmerzen). Das schwere Heben von Töpfen, aber auch das viele Putzen war nicht mehr möglich. Inzwischen war ich auch Mutter zweier Kinder geworden und war wohl gezwungen den Beruf und die Arbeitsstelle zu wechseln. Durch Hilfe einer Gewerkschaftlerin, die mich begleitete und ermutigte, begann mein neuer Weg.
Ich war Späteinsteigerin und befand mich plötzlich im „Neuland". Mit etwas Glück aber auch mit meinem starken Durchhaltevermögen wollte ich mein Ziel erreichen. Nach einer Umschulung bekam ich gleich eine Stelle in einer Schule als Sekretariatsassistentin. Ich gab mir viel Mühe um meiner neuen Arbeit gerecht zu werden und der Fleiß hat sich gelohnt.
Eine der schwersten Hürden, die es zu bewältigen gab, war wohl das Erlernen der italienischen Sprache und deshalb wollte ich keine Gelegenheit versäumen. Ich habe mich nämlich dazu entschlossen, meinen Urlaub nicht wie die anderen Jahre am Strand zu verbringen, sondern ich wollte ihn dazu nutzen, um etwas für meine persönliche und berufliche Weiterbildung zu tun und meine Italienischkenntnisse zu erweitern.
In der Gewerkschaftszeitung, die ich regelmäßig beziehe, entdeckte ich die Beratungsstelle „Mundolengua Abenteuer Sprache" und nahm dort Kontakt auf. Nach professioneller Beratung stand meine Überlegung schnell fest, dass ich zwei Wochen Sprachkurs in Mittelitalien besuchen werde.
So meldete ich mich an und wurde neugierig, was das wohl bringe würde.
Wohl etwas aufgeregt und doch frohen Mutes bestieg ich am 11. Juni 2006 um 6.10 Uhr in der Früh den Zug in Mals und ab ging die Fahrt in Richtung Süden. In Meran und Bozen musste ich umsteigen, dann ging's direkt bis Cesena, wo ich um 14.15 Uhr ankam. Nach längerer Wartezeit erreichte ich dann mit einem Bus mein endgültiges Reiseziel. Ich war schon total gespannt als ich bei meiner Gastfamilie ankam. Von einer freundlichen italienischen Gastfamilie aufgenommen, trafen auch schon die nächsten Kursteilnehmer an. Sie kamen aus der Schweiz, Deutschland und Österreich. Wenn ich jetzt glaubte mich in meiner Muttersprache zu unterhalten, dann hatte ich mich geirrt.
Eliana und Ferrante Moretti, die Besitzer der Villa haben mich in der Hausbar zu einem Begrüßungsgetränk eingeladen und danach ihre schöne allein stehende Villa vorgestellt. Die Villa auf einem schönen sonnigen Hügel, in sehr ruhiger Lage, ohne Verkehrslärm, umgeben von einem Blumenmeer, wie ein Traum. Das Gefühl war als hätte ich die Ehre bei einem König zwei Wochen diesen Aufenthalt zu verbringen.
Mein Zimmer befand sich im obersten Stock, so fühlte ich mich gut aufgehoben, da ich in einer fremden Gegend sehr ängstlich bin. Mit der Zeit konnte ich auch andere Familienangehörigen kennen lernen. Besonders das tägliche Abendessen, das wir auf der Terrasse einnahmen, war fantastisch. Dazu die interessanten Gespräche über die Kultur und den Einblick in das Leben dieser Bewohner.
Da ich eher eine schüchterne Person bin, war ich die ersten Tage eher etwas zurückhaltender, was sich langsam änderte. In der ersten Nacht schwebten meine Gedanken nur in die Zukunft, so war die Vergangenheit weit abgegrenzt. Nach dem Frühstück begleitete mich Monika, eine Person die schon zehn Jahre hier her kommt zur Schule und gab mir wichtige Informationen für die anstehenden zwei Wochen. Ich verspürte wohl ein starkes Kribbeln in der „Bauchgegend", dafür blieb aber keine Zeit. Um 8.30 musste ich gleich einen schriftlichen Eignungstest absolvieren. Kurz nach neun Uhr stand unsere Gruppe schon fest.
Mein Team bestand aus Ivo, Thomas, Margherita und Markus.
Schließlich erfuhr ich auch meinen Stundenplan und das Freizeitprogramm.
Im Unterricht haben wir viel gearbeitet, wobei die Lehrer sehr kommunikative Lehrmethoden verwenden und so auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kam. Im Nu kannten wir Studenten uns gegenseitig und schon bald waren die ersten Freundschaften geknüpft.
In zwei freien Nachmittagen hatte ich Einzellektionen mit Lehrerin Dida. Somit konnte ich meine Schwachstellen intensiver verbessern. Die zweite Woche begann mit zwei neuen Mitschülern. Marlis aus Deutschland und Martin aus Südtirol.
Am dritten Tag stand ein Lehrausflug an. Die Besichtigung einer Weinkellerei mit Verkostung und einer Stoffdruckerei die reine Handarbeit herstellt. Mit großer Bewunderung und Staunen konnte man in der Kellerei und „stamperia" die einzelnen Arbeitsschritte verfolgen.
Danach fuhren wir zu einem Grillplatz auf einem Hügel. Dort wurde Mittag gegessen und später die Umgebung bekundet. Die Eindrücke von der Provinz Emilia Romagna sind mir heute noch eine schöne Erinnerungen. Abends wieder zurückgekehrt, traf ich Valentina, die ich auf der Fahrt kennen gelernt habe. Sie war hier im diesem bekannten Kurort um die Thermalquellen zu nützen. Wir zwei machten öfters abends einen gemeinsamen Spaziergang, was sehr wohltuend war um wieder mit neuer Energie die Hausaufgaben zu erledigen. Die verschiedenen Zeiten in der italienischen Sprache machten mir etwas zu schaffen. Paula, eine deutsche Pensionistin, die schon jahrelang bei Familie Moretti untergebracht ist und beide Sprachen gut beherrschte, unterstütze mich, wann immer ich ihre Hilfe brauchte. Am freien Wochenende machten wir lange Wanderungen. Die Höhenwanderung am Sonntag nach San Piero und wieder zurück, bleibt unvergesslich. Ein Spektakel gab es abends in Bagno di Romagna. In den Gärten und Wiesen sah man Millionen von Leuchtkäfer. Unsere Augen wechselten in allen Richtungen um zu staunen.
In der zweiten Woche war ein gemeinsames Abendessen mit dem Direktor, der Sekretärin, den gesamten Lehrpersonen und den Kursteilnehmern jeder Stufe geplant. Manche Schüler kamen sogar aus den asiatischen Ländern. In einem bekannten Restaurant gab's ein Abendessen mit zahlreichen Gängen und jede Spezialität war ein Genuss.
So war jeder Tag ausgefüllt mit viel Lernen, aber es herrschte ein lieber Umgang unter vielen fremden Menschen, die sich in dieser schönen Gegend begegneten mit dem gleichen Ziel „das Erlernen der italienischen Sprache".
Die zwei Wochen Sprachaufenthalt in Bagno Romagna waren für mich eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
Nicht nur weil ich meine italienisch Sprachkenntnisse aufgefrischt und verbessert habe, sondern auch, weil ich viele nette Menschen kennen gelernt und mich auf Neues eingelassen habe. In der Begegnung mit Menschen aus fremden Kulturen hatte ich die Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und viele positive Erfahrungen zumachen. Diese haben mich sehr bereichert.
Und wäre es aus familiären Gründen möglich, würde ich eine solche Gelegenheit sofort wieder nützen. Es tat mir auch für meine Selbstsicherheit sehr gut und so danke ich allen, die an diesem lehrreichen und spannenden Sprachkurs beigetragen haben.

kommentar
Georg Pardeller

Offen reden

Es gibt zwei Charaktermerkmale, die in unserer Zeit selten geworden sind: Offen reden und mit offenen Karten spielen, ohne Hintergedanken, ohne Nebenabsichten. Diese beiden Merkmale gehören zur Grundausstattung des ASGB. Für uns ist kein Thema tabu, ganz gleich, ob es sich um Wirtschaft, Sanität, Umwelt, Verkehr, Familie, Schule udgl. handelt. Das darf es auch nicht sein, denn als Vertretung der Arbeiterschaft ist es unsere Pflicht, der gesamten Bevölkerung, siebzig Prozent davon sind Arbeitnehmer, die in Lohn- und Gehaltsabhängigkeit leben, die Dinge klar vor Augen zu führen. Wir sagen, was gesagt gehört. Nicht immer bringt das politische Vorteile, das tut die Wahrheit selten, aber es stärkt unser Ansehen als verlässlicher Partner.
Es kommt immer auch darauf an, wie etwas gesagt wird. Wir leben in einer Gesellschaft „des Sagens", wo jeder sich zu Wort melden kann – und das ist richtig – aber viele auch an der Wahrheit vorbei reden, oft aus Unwissenheit, meist mit Absicht. Und das ist nicht richtig. Die Wahrheit versteckt sich manches Mal hinter einem dichten Schleier von Worten. Und hinter dem Schleier verstecken sich die Sonderinteressen. Sonderinteressen aber sind nur selten mit den Erwartungen der Gesellschaft nach sozialer Gerechtigkeit vereinbar. Nicht die eigene Tasche sollte zählen, sondern das Gemeinwohl.
Derzeit gelten unsere Sorgen besonders der schwierigen Lage, in der sich viele Menschen in unserem Land befinden. Viele leben in Not oder am Rande der Not, während sich auf der anderen Seite Wohlstand und Reichtum ausbreiten. Vor einigen Wochen hat die Rentnergewerkschaft im ASGB, wie in dieser Ausgabe berichtet wird, sehr eindringlich darauf hingewiesen. Die soziale Gerechtigkeit, die Würde des Lebens in allen Altersstufen, ganz besonders aber im Alter, die Hoffnung auf eine gute Zukunft, das sind Grundanliegen unserer Gesellschaft.
Diese Ziele sind nur zu erreichen, wenn alle Menschen, denen soziale Gerechtigkeit und echte Werte des Zusammenlebens etwas bedeuten, sich gemeinsam einsetzen, über alle Sonderinteressen hinweg, die heute leider wesentliche Teile unserer Gesellschaft bewegen. Wenn die Einzelinteressen und die Gruppenegoismen vorwiegen, werden die genannten Ziele nicht erreicht. Da brauchen wir uns nichts vorzumachen. Was wir nicht alle gemeinsam schaffen, bleibt unerfüllt. Wir als ASGB aber wollen und müssen alles tun, damit die Ziele für unsere Menschen erreicht werden. Das ist unser Auftrag, das schulden wir uns selbst und unserer Bevölkerung. Darüber reden wir offen. Und dafür arbeiten wir.
Georg PardellerVorsitzender