Es ist eine stille, oft als selbstverständlich betrachtete Arbeit: die Pflege eines Angehörigen. Ein Bereich der durch den demografischen Wandel und steigender Lebenserwartung immer mehr gefordert ist.
In letzter Zeit wurde das Thema der pflegenden Familienangehörigen auf gesetzlicher Ebene wieder aufgegriffen.
Auf nationaler Ebene liegt ein Gesetzesentwurf vor, der endlich einen organischen Rahmen für pflegende Angehörige schaffen soll und die Regierung beauftragt, Voraussetzungen für eine anerkannte arbeitsrechtliche Tätigkeit zu definieren. Die zurzeit geltenden Zugangskriterien im Gesetzesentwurf sind allerdings so restriktiv, dass der Großteil der pflegenden Familienangehörigen ausgeschlossen wird. Da es überwiegend Frauen sind, die diese wichtige Tätigkeit übernehmen, führt dies oftmals auch zur gezwungenen Teilzeitarbeit oder zum gänzlichen Ausstieg aus der Arbeitswelt mit den Folgen einer späteren geringen Rente.
Nachdem das viel diskutierte Burgenländer Modell von der Landesrätin Rosmarie Pamer als nicht geeignet erklärt wurde, ist es höchste Zeit, dass der soziale und wirtschaftliche Wert der familiären Pflege anerkannt und damit eine seit Jahren bestehende gesetzliche Lücke geschlossen wird. In Südtirol gibt es wichtige Unterstützungsmaßnahmen wie Pflegegeld, Hauspflegedienst, Entlastungsangebote; doch wer diese Erfahrung lebt, weiß, dass dies nicht ausreicht. Pflegende Angehörige brauchen Anerkennung, psychologische Unterstützung, klare Informationen, Atempausen und vor allem das Gefühl, gesehen und unterstützt zu werden.
Deshalb ist es an der Zeit, die Arbeit der pflegenden Familienangehörigen in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte zu stellen und als arbeitsrechtliche Tätigkeit anzuerkennen.
Nicht als kostenlose Ressource, die man als selbstverständlich betrachtet, sondern als tragende Säule des Wohlfahrtstaates, die Schutz, Ausbildung und eine echte Einbindung verdient.
In die Pflege in der Familie zu investieren bedeutet, in die Lebensqualität der zu Pflegenden, in die Nachhaltigkeit des Gesundheitssystems und in den sozialen Zusammenhalt unserer Gemeinschaft zu investieren.
Die ASGB-Rentner appellieren an die Landespolitik sowie an die Parlamentarier in Rom, sich für die gesetzliche Anerkennung des sozialen und wirtschaftlichen Wertes der familiären Pflege einzusetzen. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung.