Verschiedenes

Schwarz Weiß ergibt bunt Musik verbindet

Kindergruppe beim Ungarischen Tanz - FOTO: Pfadfindergruppe Völs
Das Trauma Krieg, Gewalt, Entfremdung und schließlich die Flucht einer jungen Bosnierin nach Tirol waren Auslöser für diese Veranstaltung im Jahre 1993. Wenn man diese Zeit Revue passieren lässt: Was hat sich geändert? Die Wörter Flüchtling, Asylsuchende, Ausländer, ... sind Dauerthemen seit damals. Egal ob Boat People oder die Ankommenden über Land - es sind Menschen, die Hilfe brauchen, denen man als Menschen begegnen sollte. Weil diese Menschen aber mit Ablehnung und Vorurteilen konfrontiert werden und andererseits auch Ängste und Fragen auslösen, muss es Räume geben, wo man sich darüber informieren und austauschen kann. Räume, in denen diesen Menschen so etwas wie Hoffnung und Zuversicht geschenkt wird, dass die Zukunft auch für sie Positives bereithält. Andererseits ist es ein Lernort für uns, die sich schwer tun, sich in die Situation von Krieg und Flucht hinein zu versetzen.
Ein solcher Ort will das Fest „Schwarz & Weiß ergibt bunt!“ im Pfadfinderheim in Völs sein. Es war die 14. Auflage dieser Veranstaltung, die am 9. September 2017 durchgeführt wurde. Für mich als Mitverantwortlicher war es ein besonderes Fest vor allem deshalb, weil sehr viele Jugendliche aus unterschiedlichen Pfadfindergruppen sehr engagiert mitgeholfen haben bei der Vorbereitung, beim Aufbau, Abbau und bei der Umsetzung der Veranstaltung. Die große Zahl an BesucherInnen unterschiedlicher Herkunft: Ungarn, Tschechien, Syrien, Iran, Nigeria, Ägypten, Türkei, ... und natürlich VölserInnen fühlten sich sichtlich wohl. Dafür sorgten auch die verschiedenen Workshops, die wir anbieten konnten. So brachte uns der Verein ZEMIT seine Arbeit näher und lud zur Diskussion. Das Rote Kreuz konnte die TeilnehmerInnen mit dem Thema „Flucht verstehen“ aus der Reserve locken. Weiters wurde die Frage beantwortet: „Wie singt man ein Lied in Gebärdensprache?“ Die TeilnehmerInnen dieses Workshops stellten den anderen das eingelernte Lied eindrucksvoll auf der Bühne vor. Die kreativen TeilnehmerInnen konnten sich für den Workshop ungarischer Blaudruck oder Filzen entscheiden. Die Kleinen bastelten Instrumente aus Abfall oder vergnügten sich beim Spielen und Schminken. Für SpezialistInnen gab es einen Beat Box-Workshop. In der Pause luden ungarische Kinder die Menschen zum Tanzen ein und eine Band – Die Folk Rounders – untermalte musikalisch die Zwischenzeiten und den Abend. Alles in allem ein anspruchsvolles Programm am Nachmittag. Aber wer arbeitet, wird auch hungrig. Fleißige Hände produzierten unter neugierigen Blicken mancher TeilnehmerInnen ungarischen Apfelstrudel, ein ungarisches Gulasch im Kessel, eine griechische Vorspeise und syrischen Salat Tabula. Zur Kaffeepause gab es neben dem Strudel auch iranische Süßspeisen und syrisches Baklava. Wir brauchten am Schluss nur die leeren Gefäße reinigen, es schmeckte einfach zu gut.
So ging das Fest gegen Mitternacht zu Ende. Ich hoffe, dass die erhaltenen Informationen und das persönliche Gespräch beigetragen haben, das Verständnis und Miteinander zu stärken.
Bernhard Linhofer
Pfadfindergruppe Völs

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GirlsJam lädt ein

Seit einigen Jahren gibt es nun bei Jam auch das GirlsJam-Angebot. Jeden Freitag von 14:00 und 16:00 lädt JAM zum Mädchennachmittag ein, es wird gespielt, gelacht, beraten, gebaut, gebastelt und gegessen.
Taschen bemalen beim GirlsJAM - FOTO: JAM
Das Besondere hierbei: Girls only! Das Angebot richtet sich ausschließlich an Jugendliche, die sich als Mädchen fühlen und wird dementsprechend auch von zwei weiblichen Mitarbeiterinnen von JAM begleitet. Die Ideen dahinter: Geschlechtersensible Arbeit, Parteilichkeit, gesellschaftskritische Haltung und Empowerment.
In unserer Arbeit stehen wir ständig unter der Anforderung geschlechtssensibel zu agieren. Dies bedeutet, dass nach wie vor Geschlechterverhältnisse im gesellschaftlichen Kontext eine große Rolle spielen und demnach auch Auswirkungen auf Jugendliche haben, die wir begleiten. Dies äußert sich in Rollenbildern, die Jugendliche haben, ihren Vorstellungen bezüglich Geschlechternormen sowie in ihrem Selbstbild. Die Offene Jugendarbeit regt hierbei an, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen, während sie sich gleichzeitig auf geschlechtsspezifische Bedürfnisse konzentriert und diese fördert. Kurz und knapp: Es geht um die Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen.
Im Rahmen der Mädchenarbeit heißt dies, den Mädchen einen geschlechtshomogenen Raum zu eröffnen, in dem es ausschließlich um ihre Bedürfnisse und Interessen geht, ohne dabei real patriarchale Einflüsse zu erleben. Während heutzutage den Mädchen sehr viel mehr Türen offen stehen als früher, könnte man sich natürlich fragen, warum es immer noch wichtig ist parteiliche Mädchenarbeit zu leisten. Dies begründet sich vor allem darin, dass Diskriminierung in unterschiedlichen Lebensbereichen leider immer noch vorhanden ist. Das äußert sich nicht nur im öffentlichen Raum, sondern wird auch in den kulturellen und sozialen Lebensraum der Mädchen übertragen. So kann beispielsweise beobachtet werden, dass Mädchen und junge Frauen unter dem Sicherheitsaspekt weniger Freiheiten haben im öffentlichen Raum zu agieren. Gleichzeitig unterliegen sie einer gesellschaftlichen Wertvorstellung, die immer noch sagt: „Ein Mädchen tut so etwas nicht“, womit ihnen ständig die Angst vor abweichendem Verhalten gespiegelt wird.
Wird auch - gesellschaftlich betrachtet – versucht, die Diskriminierung von Frauen und Mädchen aus institutionalisierten Rahmen in Form von Frauenförderungen etc. zu lösen, sind die Auswirkungen eines seit Jahren bestehenden patriarchalen Diskurses dennoch sichtbar. Besonders die derzeitige Tendenz, gesellschaftliche Problematiken in individuelle Verantwortungen zu verschieben, schafft einen enormen Druck für Frauen und Mädchen. Einen - im Rahmen der Möglichkeiten - bestehenden „drucklosen“, gewaltfreien und entspannten Raum will das GirlsJam für jugendliche Mädchen bieten. Hierbei ist es wichtig, dass trotz des geschlechtshomogenen Raumes jedes Mädchen individuell gesehen werden kann. Gerade aus einem antinormativen Zugang bezüglich Geschlechterrollen heraus ist es für JAM wichtig sichtbar zu machen, dass es „die Mädchen“ nicht gibt, sondern das es um individuelle Bedürfnisse geht. Es gibt Gemeinsamkeiten, jedoch auch Unterschiede, die JAM unterstützt, auch wenn diese nicht gesellschaftlichen Normvorstellungen entsprechen. Ein weiterer Aspekt der parteilichen Mädchenarbeit und somit auch Hintergrund des GirlsJam-Angebotes ist es, Mädchen und junge Frauen dazu zu ermutigen sich Raum anzueignen. Denn gerade in unserer Erfahrung der Offenen Jugendarbeit sind junge Mädchen imöffentlichen Raum weniger sichtbar als junge Männer. JAM ermutigt junge Frauen sich diesen Raum zu erobern und fördert deren Selbstbehauptung im gesellschaftlichen Leben.