Leitartikel

Sozialpolitisches Engagement

Offene Jugendarbeit heißt sich einsetzen für die Bedürfnisse und die Interessen von Jugendlichen, die sich in unserer hochkomplexen Leistungsgesellschaft nicht so leichttun, einen eigenständigen Lebensmittelpunkt zu finden.
Offene Jugendarbeit heißt auch ständige Auseinandersetzung mit den Themen Jugendkultur, Integration, Gender, Kommunikation, Medien, Demokratie, Konsumgesellschaft und Nachhaltigkeit. Ein nicht immer leichtes Unterfangen, mitunter auch eine Gratwanderung zwischen öffentlicher Erwartungshaltung und Hoffnungen und Befindlichkeiten von Jugendlichen. Jugendtreffs und Jugendzentren sind heute aus unseren Dörfern und Städten nicht mehr wegzudenken, sind integraler Teil der Kultur-, Bildungs- und Lernwelten Jugendlicher.
Was die Offene Jugendarbeit durchaus noch mehr vertragen könnte, wäre
eine größere Stabilität in der Finanzierung (das schafft Sicherheit) *
einen größeren Rückhalt beim Eingehen von Risiken (das schafft Vertrauen) *
eine größere Objektivität im Vergleich von Profit und Nonprofit (das schafft Gerechtigkeit) *
Und auch ein Stück mehr Mut und Selbstbewusstsein. „Wir schaffen das“, könnte eines der Leitmotive sein. Und ein Stück mehr politisches Verständnis des eigenen Seins und Tuns. Jugendtreffs und Jugendzentren könnten von kritischen jungen Menschen stärker wahrgenommen werden als eine Möglichkeit sich sozial und politisch zu engagieren.
Sozialpolitisches Engagement in der Offenen Jugendarbeit könnte eine Aufgabe sein, die der Offenen Jugendarbeit (und der Jugendarbeit insgesamt) ein neues, prägendes Profil gibt.
Und noch was. Allen, die sich für das vernetzende Zusammenwirken engagieren, die dazu beitragen, dass der Gedanke der Kooperation wachsen kann, gilt Respekt und Anerkennung. Verbunden mit dem Wunsch, dass auch in Zukunft das Modell des Arbeitens auf einer gemeinsamen Plattform weiter ausgebaut und gestärkt werden kann.
* drei lebensnotwendige Grundwerte in der heutigen Zeit
Klaus Nothdurfter

Editorial

Wandel

Beinahe täglich hören oder lesen wir es: Wir leben in einer Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Wandel ist oft begleitet von Unsicherheit und Ängsten, doch wohnt einer Veränderung auch immer die Möglichkeit einer Chance inne. Für uns Grund genug, dass wir uns im ersten Teil dieser Ausgabe dem Begriff des „Wandels“ und seiner Bedeutung für die Jugendarbeit annähern.
Gerald Koller ermuntert in seinem Beitrag zur Lücke. Er beschreibt sieben Schritte, die für einen guten Verlauf des Dramas der Flüchtenden und Suchenden sorgen, das sich derzeit in Europa abspielt. Er hält ein Plädoyer für die Wichtigkeit von sozialen Beziehungen gerade in Zeiten der Krise.
Martina Steiner gibt uns einen Überblick über die Entwicklung der außerschulischen Jugendarbeit seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Trotz des enormen Wandels bestehen die Grundprinzipien der Offenen Jugendarbeit heute noch genauso wie vor 100 Jahren.
Die Bedeutung von Ritualen wird uns von Klaus Nothdurfter nähergebracht. Gerade in Zeiten des schnellen Wandels geben sie Halt und Sicherheit. Er ermutigt die Jugendarbeit neue Rituale zu gestalten, die zu einem wirklichen Miteinander führen.
Gianluca Battistel beleuchtet schließlich die beiden Seiten von Wandel: Bedrohung des Status Quo auf der einen versus Chance auf Neues auf der anderen Seite.
Der zweite Teil des „z.B.“ ist – wie gewohnt – Neuem, Wissenswertem und konkreten Beispielen von Jugendarbeit in allen Facetten in Nord- und Südtirol gewidmet.
Wir wünschen allen LeserInnen eine interessante Lektüre sowie eine feine Advents- und Weihnachtszeit.
Für das Redaktionsteam
Christine Kriwak