Jugendforschung

Partizipative Jugendforschung

Die Anfänge partizipativer Forschung reichen in die 60er und 70er Jahre zurück. Ziel partizipativer Forschungsansätze ist es, durch die Einbeziehung Betroffener die Anwendbarkeit von Forschungsergebnissen zu verbessern. Gleichzeitig soll jenen Bevölkerungsgruppen, die oftmals geringe Möglichkeiten haben sich und ihre Meinungen öffentlich einzubringen, dadurch mehr Gewicht verleihen werden.
Durch diese Verbindung von Forschung und lebensweltlichen Erfahrungen der direkt Betroffenen soll die Authentizität und Qualität der Forschungsergebnisse erhöht und, im Falle partizipativer Forschung mit Kindern und/oder Jugendlichen, ein kinder- bzw. jugendzentrierter Blick ermöglicht werden. Zudem steigert der partizipative Ansatz die Identifikation der Betroffenen mit den Forschungsergebnissen. Innerhalb des Forschungsprojektes kann die Partizipation der Betroffenen von reiner Informationsweitergabe bis hin zur begleiteten Interpretation und Analyse der Ergebnisse sowie zur Entscheidung über Handlungsmaßnahmen reichen. Grundsätzlich gilt es daher vor jeder partizipativen Forschung abzuwiegen, in welchem Ausmaß partizipative Elemente in das Forschungsvorhaben aufgenommen werden und inwieweit der Aneignung von verschiedensten Kompetenzen der involvieren Kinder und/oder Jugendlichen im Rahmen der Forschungsarbeit Gewicht gegeben werden soll.
Sozialraumanalyse als Beispiel partizipativer Jugendforschung
Der Sozialraum ist der alltägliche Lebensraum von Menschen. Dabei definiert sich der Sozialraum über bestimmte sozialstrukturelle Verhältnisse, z.B. Wohnumwelt, Bevölkerung, soziale Einrichtungen und Kommunikation. Menschen beeinflussen ihren Sozialraum und umgekehrt. Sozialraumorientierte Jugendarbeit geht davon aus, dass die Beschaffenheit des Lebensumfeldes die Situation von Kindern und Jugendlichen prägt. Eine Sozialraumanalyse hilft, bedarfs- und problemorientiert zu planen und zu arbeiten. Vor diesem Hintergrund untersuchen in partizipativen Forschungsprojekten Kinder und/oder Jugendliche in ihrem Umfeld die Situation junger Menschen sowie Ressourcen und Schwächen des Sozialraums.
Dabei kann es im Einzelnen um Folgendes gehen:
die spezifische Darstellung kleinräumiger Strukturen, Probleme und Entwicklungsvorhaben,
die Klärung geeigneter Sozialraumzuschnitte (ab welcher Größenordnung geht der Lebensweltbezug verloren und inwieweit treffen offizielle Gebietsgliederungen faktische Lebenswelten?),
die Darstellung von sozialer Ungleichheit und Unterversorgungslagen,
die Ermittlung besonderer Bedarfsgruppen und vorrangiger Räume,
die Ermittlung von Ressourcen und Potentialen nachbarschaftlicher Hilfen, sozialer Netzwerke und bürgerschaftlichen Engagements,
die Schaffung einer Informationsbasis für lokale Aushandlungsprozesse und damit ein höheres Maß an Transparenz.

Innerhalb einer Sozialraumanalyse können unter anderem folgende Forschungsmethoden zum Einsatz kommen: Subjektive Landkarte, Objektive Landkarte, Strukturierte Sozialraumbegehung, Sozialraumtest, Interview mit ExpertInnen und Schlüsselpersonen, qualitatives Interview, Forscherauftrag, Autofotografie, Fragebogenerhebung, u.a.m. Sie alle dienen dazu, unter fachkundiger Anleitung die Betroffenen zu aktivieren und durch zielgruppenspezifisches Vorgehen qualitativ hochwertige Informationen zu erlangen.

Seitenweis

Diese und andere Literatur kann
entlehnt werden in der:

Fachbücherei Jugendarbeit der Abteilung Gesellschaft und Arbeit
Michael-Gaismair-Str. 1, 6020 Innsbruck
Tel. 0512/508-3592
E-Mail: ga.jugend@tirol.gv.at
www.tirol.gv.at/jugend
(Fachbücherei Jugendarbeit)