Jugendforschung

Jugendliche in der Offenen JA in Wien

Identitäten, Lebenslagen und abwertende Einstellungen
„Der Vater ist der König des Hauses“ (Ali, 16 Jahre) oder „Juden, ich mag sie nicht … kenne keine, aber ich mag sie nicht, ich weiß selber nicht warum … ich denke, das kommt von den Freunden, meine Familie sagt mir nicht, wen ich mögen soll“ (Mahmud, 17)
Diese und andere Aussagen zitiert die vom Landesjugendreferat Wien 2014 in Auftrag gegebene Studie „Jugendliche in der Offenen Jugendarbeit: Identitäten, Lebenslagen und abwertende Einstellungen“, erstellt von Kenan Güngör und Caroline Nik Nafs. Sie gibt Einblicke in die Lebenslagen, Zukunftserwartungen, Diskriminierungserfahrungen und Identitätskonstruktionen, Art und Ausmaß von Abwertungen und ihrer Zusammenhänge, sowie Art und Ausmaß religiös begründete Abwertungen und Radikalisierungsgefährdung bei muslimischen jugendlichen.
Was den Rahmen der Studie betrifft, so wurden 401 quantitative face-to-face Interviews, Leitfaden-Interviews sowie 20 vertiefende, qualitative Interviews in 30 Jugendeinrichtungen durchgeführt. Die Studie bezieht sich auf die Jugendlichen der Wiener Jugendarbeit, die Jugendlichen sind zwischen 14 & 17 Jahre alt. Erhebungszeitraum: 11.2014 - 2.2015
Ein wichtiger Punkt der Studie (qualitative Interviews) ist, dass obwohl 65% der befragten Jugendlichen sich selbst stark und mittelstark als ÖsterreicherInnen und dabei am stärksten mit Wien und ihrem Grätzel verbunden fühlen, sie sich aber gleichzeitig noch ganz und gar nicht als ÖsterreicherInnen aufgenommen und anerkannt fühlen. Das Zugehörigkeitsgefühl zum Herkunftsland ruht vor allem auf der Verbundenheit zu Eltern und der Community.
Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit steht bei den meisten Jugendlichen im Vordergrund. Wenn sie nichts finden, womit sie sich positiv identifizieren können, dann leidet das Gefühl des Selbstwerts und der Selbstwirksamkeit darunter. Diese Jugendlichen suchen derzeit Zugehörigkeit zunehmend über Religion. Daher stellt sich die Frage, wie Jugendliche in Österreich besser ankommen und dazugehören können, wie Zughörigkeit gefördert werden kann? Es macht deutlich, dass die Frage der Inklusion noch sehr intensiv diskutiert werden muss und verstärkte Anstrengungen der Politik und der Gesellschaft unternommen werden müssen auf diese jungen Menschen zuzugehen.
In Sachen Religiosität wird deutlich, dass Jugendliche in ihrer Religion gar nicht sattelfest sind. Oft wird das Auswendiglernen von Suren als Religiosität verstanden. Doch verstehen junge Menschen die Suren meist gar nicht, weil diese in Arabisch vorliegen. Und im Vordergrund steht für sie, die Erwartungshaltungen von Familie, Community und den Peers zu erfüllen.Ein wichtiges Ziel der Jugendlichen ist es, eine sichere Arbeitsstelle zu finden, um eine eigene Familie gründen zu können. Aber die Angst der Jugendlichen, die Schule nicht zu schaffen (65%) oder keinen Job zu finden (66%), ist sehr groß. Die besonders betroffene Gruppe sind Kinder von Eltern, die niedrige Bildungsabschlüsse haben, in sozio-ökonomisch benachteiligten Verhältnissen leben und daher von Armutsgefährdung betroffen sind.
Aber auch zum Thema Diskriminierungserfahrung gibt die Studie Auskunft: 35% der befragten Jugendlichen fühlten sich schon einmal ungerecht behandelt, 8% gaben an oft diskriminiert worden zu sein. Jugendliche mit Migrationshintergrund – besonders jene mit muslimischem Hintergrund – machen diese Erfahrung häufiger als andere Jugendliche. Dementsprechend werden als Diskriminierungsgründe auch Herkunft und Religion, Sprache und Hautfarbe am häufigsten genannt. So wird deutlich, dass Jugendliche, die selbst viele subjektiv negative Erlebnisse erfahren, in die Falle tappen, selbst verächtliche, abwertende Einstellungen zu entwickeln.
Was die Radikalisierungsgefährdung betrifft, so hat die Studie drei Gruppen von Jugendlichen mit unterschiedlicher Radikalisierungsgefährdung identifiziert: die Gruppe der Gemäßigten mit 42% (labil, gewaltablehnend, säkular und religiös, teilweise Bewunderung für strenge Religiosität); die Gruppe der Ambivalenten mit 31% (von ihnen wird latent Gewalt bejaht) und die Gruppe der latent Gefährdeten 27% (starke Sympathie für Jihadismus, gewaltbereit).
Welche Merkmale sieht man bei den latent gefährdeten Jugendlichen?
Jugendliche mit homogenen, nicht gemischten Freundeskreisen
Sie haben Angst die Schule nicht zu schaffen, sie haben eine höhere subjektiv erlebte Angst um den Arbeitsplatz und insgesamt Sorge um Ihre Zukunftschancen
Jugendliche, die selbst Ablehnung und Gewalt erfahren haben
Sie sind überwiegend männlich
Sie sind tendenziell stärker religiös
Häufiger sind es diejenigen, die erst als Kind oder Jugendliche nach Österreich gekommen bzw. selbst ohne Familie eingewandert sind
Traumatisierte Jugendliche aus Kriegsgebieten
Viele von ihnen haben kein positives Vaterbild oder abwesende Väter

Auf Initiative der Stadt Wien und der Kinder- und Jugendanwaltschaft haben ExpertInnen aus Theorie und Praxis folgende Empfehlungen erarbeitet:
Übergeordnete Empfehlungen
Prävention im Jugendalter (und früher) ansetzen
Inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Abwertung und Radikalisierung in allen pädagogischen und sozialarbeiterischen Bereichen
Wichtigkeit von Bildung & Perspektiven als Resilienz-Faktor
Projekte mit gemischten Gruppen fördern
Verstärkte Community-Arbeit (auch Elternarbeit)
Empfehlungen für die Jugendarbeit speziell
Auseinandersetzung mit Abwertungen, Weltbild und Religion der Jugendlichen und Dekonstruktion von problematischen Mindsets und Umgang mit Verschwörungstheorien, Medienkompetenz fördern und die Unterstützung der Jugendlichen bei Übergangssituationen, was die Offene Kinder- und Jugendarbeit ohnedies als eine ihrer Kernaufgaben sieht.
Und zum Schluss noch ein äußerst erfreuliches Ergebnis der Studie für die Offene Kinder- und Jugendarbeit in Wien. Die Zufriedenheit der Jugendlichen mit den Einrichtungen der Jugendarbeit ist sehr hoch:
80 bis 90% fühlen sich von den JugendarbeiterInnen verstanden und bei der Bewältigung von Problemen unterstützt
83% geben an, dass die Jugendarbeit sie davor beschützt „auf die schiefe Bahn zu geraten“
Es gibt eine hohe Zufriedenheit mit den Jugendeinrichtungen in Wien und aufgrund des kleinteiligen dichten Netzwerks ist die Beziehungsqualität besonders ausgeprägt.

Jugendarbeit gilt als wichtige Stützstruktur & Ressource und als Anker für die Präventionsarbeit und Resilienzstärkung. Die Ergebnisse zeigen aber auch: Es gibt noch verdammt viel zu tun!
Nähre Informationen zur Studie:
www.wien.gv.at/freizeit/bildungjugend/jugend/


Karin Knapp
Diplomsozialarbeiterin und Referentin in der Magistratsabteilung 13 – Fachbereich Jugend in Wien, der für die Förderung und Koordination der Vereine der Offenen Kinder und Jugendarbeit in Wien zuständig ist.

Jugendforschung

Jugend-Internet-Monitor

Welche sozialen Netzwerke nutzen Österreichs Jugendliche?
Der Jugend-Internet-Monitor ist eine Initiative von Saferinternet.at und präsentiert aktuelle Daten zur Social-Media-Nutzung von Österreichs Jugendlichen. Welche Sozialen Netzwerke stehen bei jungen NutzerInnen in Österreich gerade hoch im Kurs? Welche Netzwerke werden am liebsten von Mädchen genutzt? Welche haben bei Burschen die Nase vorne?
Die 6 beliebtesten Sozialen Netzwerke 2017:
WhatsApp (93%) (-1% | 2016: 94%)
YouTube (90%) (+3% | 2016: 87%)
Instagram (68%) (+13% | 2016: 55%)
Snapchat (65%) (+13% | 2016: 52%)
Facebook (48%) (-21% | 2016: 69%)
Musical.ly (26%) (NEU | 2016: keine Daten)
Was sind die größten Veränderungen zum Vorjahr?
Im Vergleich zum letzten Jahr gibt es die auffallendste Veränderung bei Facebook (-21%). War das soziale Netzwerk 2016 noch auf Platz 3, ist es nun auf den fünften Platz gerutscht. Auch eigene Erfahrungen aus Saferinternet.at-Workshops zeigen, dass Facebook meistens nur mehr als Nachrichtenkanal beziehungsweise für Spiele und nicht mehr als Soziales Netzwerk genutzt wird. Ebenfalls an Bedeutung verloren hat Twitter (-11%).
Instagram (+13%) und Snapchat (+13%) haben dafür stark zugelegt (Platz drei und vier): Bilder und Videos sind für viele Jugendliche die wichtigsten Medien geworden, um sich untereinander auszutauschen und um mit ihrer digitalen Umwelt zu kommunizieren.
WhatsApp und YouTube weiterhin an der Spitze, musical.ly als Aufsteiger neu dabei
Die beliebtesten Sozialen Netzwerke für Jugendliche in Österreich sind WhatsApp (93%) und YouTube (90%). 68 Prozent nutzen das Bilder-Netzwerk Instagram, danach folgt bereits die Foto-Sharing-App Snapchat (65%). Das größte Soziale Netzwerk der Welt, Facebook, folgt erst auf dem fünften Platz mit 48%.
Heuer erstmals in die Erhebung aufgenommen wurde das Musik-Video Netzwerk musical.ly, welches mit 26% bereits den sechsten Platz belegt und vor allem bei der jüngeren Zielgruppe (11-14-Jährige) sehr beliebt ist. Mit der App musical.ly können 15-sekündige Musikvideos, sogenannte „Musicals“, aufgenommen und mit anderen Nutzerinnen und Nutzern – den „Musern“ – geteilt werden. Der Clou: Man muss nicht selbst singen, sondern bewegt die Lippen zum Playback der Lieblingssongs. Die App spielt vor allem für die Selbstinszenierung der Jugendlichen eine wichtige Rolle.
Neu: Die relevantesten Plattformen für Jugendliche
Im Jugend-Internet-Monitor 2017 wurde zudem zusätzlich die Frage nach der Relevanz („Wie wichtig ist Dir diese Plattform ganz persönlich?“) der jeweiligen Plattform gestellt.
Die sechs relevantesten Plattformen für Jugendliche, welche mit „sehr wichtig“ bewertet wurden sind: WhatsApp (77%), YouTube (45%), Snapchat (43%), Instagram (34%), Facebook (21%), musical.ly (20%). Dabei zeigt sich, dass WhatsApp als meistgenutztes Netzwerk auch mit Abstand das relevanteste für Jugendliche ist. Snapchat ist bei der Nutzung mit Instagram praktisch gleich auf, wird aber mittlerweile als relevanter eingestuft. Facebook ist sogar nur mehr für jeden fünften Jugendlichen „sehr wichtig“.
Welche Sozialen Netzwerke nutzen Mädchen, welche Burschen?
Der Jugend-Internet-Monitor 2017 macht deutlich, dass es teilweise große Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Während die beiden am häufigsten genutzten Plattformen WhatsApp und YouTube bei beiden Geschlechtern praktisch gleich beliebt sind, gibt es bei Instagram (Platz 3) bereits deutliche Unterschiede (Mädchen 76% / Burschen 60%). Noch größer sind die Unterschiede bei Snapchat (Mädchen 76% / Burschen 54%) und bei musical.ly (37% gegenüber 14%). Auch AskFM (22% gegenüber 11%) und Tumblr (12% gegenüber 3%) sind bei Mädchen deutlich beliebter als bei den Burschen. Im Gegensatz dazu, wird die Video-Plattform für ComputerspielerInnen Twitch von wesentlich mehr Burschen (25%) als Mädchen (3%) genutzt.
Zur Erhebung
Für den Jugend-Internet-Monitor 2017 wurde eine repräsentative Online-Umfrage des Instituts für Jugendkulturforschung durchgeführt. Dazu wurden 400 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahre im Zeitraum von November/Dezember 2016 zu ihrer Nutzung von Sozialen Netzwerken befragt.
Jugend-Internet-Monitor 2017
Welche Sozialen Netzwerke nutzen Österreichs Jugendliche 2017?
(Mehrfachnennungen möglich)
QUELLE: Saferinternet.at