Themenparcours

Glück gehabt

Parcours „Glück gehabt“ – Parcours für SchülerInnen zu Social Media, digitalen Spielen und Glücksspiel
Bereits seit einigen Jahren bietet das Forum Prävention einen Workshop zur Mediennutzung sowie zum Glücksspiel an. Da die Medienwelten der jungen Nutzer und Nutzerinnen stark verwoben sind, ist der Wunsch gewachsen, einen mehrstündigen Parcours zu entwickeln, der die vielen Facetten der Mediennutzung vereint und zielgruppenorientiert anbietet.
Die digitalen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen sind sehr komplex und für Erwachsene nur schwer zu erfassen. Das Smartphone verändert unser soziales Leben, die Kommunikation und die Bewältigung des Alltags auf eine ungeahnte Art und Weise. Untersuchungen zeigen, dass der Umgang mit den Medien gelernt werden muss: Je jünger die NutzerInnen sind, desto weniger Erfahrung im Umgang mit Medien haben sie. Die Gruppe unterschätzt häufig die Reichweite von Postings, Bildern und Videos. Dies führt dazu, dass sie eigene und fremde Inhalte unbedachter veröffentlichen als erfahrenere User. Wir wachsen mit einem Gerät auf, das ständig neue Reize bietet und dadurch leicht ablenken kann. Viele SchülerInnen berichten, dass sie Schwierigkeiten haben, das Smartphone aus der Hand zu legen. Erfahrungsgemäß gibt es in den meisten Schulkassen in Südtirol vier bis fünf SchülerInnen, die mit dem Smartphone in der Hand einschlafen und am nächsten Tag eigentlich zu müde für den Unterricht sind. Ein anderer wichtiger Aspekt der jugendlichen Lebenswelt sind digitale Spiele. Video- und Handyspiele sind bei den Jugendlichen ein weitverbreiteter Zeitvertreib. Viele Spiele sind so programmiert, dass sie die SpielerInnen unbewusst immer länger und immer öfter zum Spielen motivieren. Hinzu kommt eine Glücksspielindustrie, die in digitalen Spielen aber auch in sozialen Netzwerken sehr aufdringlich junge MediennutzerInnen zu ködern versucht.
Der Parcours „Glück gehabt!?“
Seit Sommer 2016 elaboriert eine Arbeitsgruppe des Forum Prävention einen Parcours, der die komplexe Medienwelt aufgreift. Seitdem wurden Ideen und Methoden ausgearbeitet und an Südtiroler Schulen getestet. Der Parcours ist für Schulklassen mit SchülerInnen im Alter von 12-16 Jahren konzipiert und dauert drei bis vier Stunden. Da sich der Parcours noch in der Testphase befindet, können sich noch einige Details ändern.
Für die Entwicklung des Parcours ist die Arbeitsgruppe von drei Grundannahmen ausgegangen:
Die digitalen Medienwelten sind einem stetigen Wandel ausgesetzt, Medienkompetenzen und Risikobewertung müssen also immer wieder neu definiert werden
Jugendliche sind HauptprotagonistInnen der digitalen Medien, gleichzeitig sind sie die Hauptzielgruppe von Marketingstrategen
Jugendliche sind aber auch Gestalter­Innen ihrer eigenen Freiräume im Netz. Die digitalen Medien sind sowohl Treffpunkte als auch Erfahrungsorte und Abenteuerspielplätze. Für das Erwachsenwerden gehört die digitale Identitätsbildung dazu.

Das primäre Ziel des Parcours ist der Erwerb von Medienkompetenz, das bedeutet Fähigkeiten und Sachwissen zu vermitteln, die für ein Aufwachsen in der digitalen Welt erforderlich sind. Dabei geht es um die Vermittlung der Funktionsweisen von Strukturen und Angeboten im Internet wie z.B. Social Media-Kanäle, Umgang mit Daten oder Mechanismen von digitalen Spielen. Es geht auch darum, Risiken und mögliche Schwierigkeiten bewerten und reflektieren zu können: Was sind Filterblasen? Wie gehe ich mit der WhatsApp-Nachrichtenflut um? Die Medienkompetenz ist nicht statisch, sie muss immer wieder neu ausgehandelt werden, denn wir leben in einem ständigen Wandel, der eine kontinuierliche Anpassung erfordert.
Der Parcours besteht aus drei Teilen: 1. Die Einführung und das Kennenlernen, 2. Digitale Medien und Spiele sowie 3. Risikobewertung und Abschluss.
Der erste Teil zielt auf ein angenehmes Gruppenklima und auf einen spielerischen Einstieg in das Thema ab. Der Hauptteil besteht wiederum aus drei Themenbereichen, die je nach Interessen der Schüler und Schülerinnen auf unterschiedliche Art und Weise behandelt werden können und - wenn nötig - viel Freiraum und Flexibilität bietet:
Digitale Medien: Lieblingsapps und dessen Funktionsweisen, Vor- und Nachteile, Reflektion über eigene Smartphone- und Mediennutzung, Daten als neue Währung, Privatsphäre und Öffentlichkeit, …
Digitale Spiele: Faszination von Videospielen und Handyspielen; Vor- und Nachteile; Mechanisme, die mich länger und öfter spielen lassen, ….
Online-Glücksspiel: Eindringen des Glücksspiels in Social Media und Gaming Bereich, Mechanismen des Glücksspiels, Wahrscheinlichkeiten, …

Die SchülerInnen wählen den Bereich aus, mit dem sie beginnen möchten und entscheiden selbst per Abstimmung, wie tief sie in das Thema einsteigen wollen. Jeder Bereich hat mehrere Unterthemen, die ebenso von den SchülerInnen gewählt werden können. So entscheidet die Klasse selbst, ob zum Beispiel das Thema Datenschutz oder das Thema Kommunikation vertieft werden soll. Die methodische Herangehensweise ist unterschiedlich: Die Bereiche werden unter anderem mittels Gruppenspiene und –übungen, Diskussionsrunden oder Positionsspielen erarbeitet.
Der Parcours lässt viel Raum zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion zu. Die Jugendlichen sind selbst die HauptprotagonistInnen beim Medienkonsum, dadurch sind sie gewissermaßen Expert­Innen ihrer Lebenswelt. Die ReferentInnen übernehmen dadurch die Rolle von neugierigen ModeratorInnen, die kritisch die digitalen Medien hinterfragen und dadurch zur Reflektion anregen.
Der dritte und letzte Teil ist obligatorisch für alle Schulklassen. Es geht darum Risiken bei der Mediennutzung zu bewerten und zu reflektieren. Insbesondere geht es um die Erkennung von eigenen Schutzfaktoren und Ressourcen, um die hohen Anforderungen im Umgang mit den Medien selbst für sich bewältigen zu können.
Der Parcours wird ab Herbst den Südtiroler Schulklassen angeboten. Für die Durchführung der Parcours sucht das Forum Prävention noch freie Mitarbeiter­Innen welche an Südtiroler Schulen den Medienparcours durchführen. Weitere Infos unter oberkalmsteiner@forum-p.it
Manuel Oberkalmsteiner
Mitarbeiter Forum Prävention
Fachstelle Suchtprävention und Gesundheitsförderung

Themenparcours

All cool

Ein Parcours zu Alkohol, Rausch und Risiko
Die derzeit verfügbaren und aktuellen Studien zeigen, dass ein großer Teil der Südtiroler Jugendlichen zumindest gelegentlich Alkohol konsumiert (z.B. HBSC 2014). Es ist auch in unserem Land eine jugendtypische Entwicklungsaufgabe, sich früher oder später mit dem Thema Alkoholkonsum auseinandersetzen zu müssen, selbst dann, wenn man sich entscheidet keinen Alkohol zu trinken. Das Wissen über die Substanz Alkohol, die Wirkungen und die Gefahren sind dabei oft fragmentarisch und von vielen Fehleinschätzungen und Falschinformationen geprägt. Vor diesem Hintergrund ist das Angebot „All Cool“ entstanden. Vor zehn Jahren zunächst als eine Art „Alkohol-Ausstellung“ entstanden, hat sich „All Cool“, mittlerweile stark umgebaut und evaluiert, zu einem jugendgerechten und bewährten Angebot entwickelt.
Dieser interaktive Alkoholparcours ist ein universal-präventives Angebot innerhalb der Alkoholprävention für SchülerInnen zwischen 13 und 18 Jahren. Er wird mit Schulklassen der Mittel-, Berufs-, Fach-und Oberschule von MitarbeiterInnen der Südtiroler Jugendzentren durchgeführt und findet in den Räumlichkeiten des jeweiligen Jugendzentrums statt. Ziel ist es, jungen Menschen korrekte Informationen über die Substanz Alkohol zu geben und Entscheidungshilfen im Umgang damit zu bieten, insbesondere beim Ausgehen und auf Partys mit FreundInnen.
Wusstest du, dass Alkohol den Körper eigentlich nicht wärmt, sondern im Gegenteil der Körper mehr an Wärme verliert?
Wusstest du, dass der Körper ungefähr fünf Stunden benötigt, um 0,5 Promille vollständig abzubauen?

Der Parcours dauert circa einen Vormittag und besteht aus zwei Teilen: Der eigentliche Alkoholparcours und der Rausch- und Risiko-Teil. Beim Alkoholparcours wird mit Hilfe von Infotafeln gemeinsam die Substanz Alkohol erarbeitet. Inhaltlich geht es unter anderem um die Herstellung und die Wirkung aber auch um dessen Risiken für die Gesellschaft und die KonsumentInnen.
Zentrales Element ist dabei ein Frage-Antwort-Positionsspiel, welches auf unterhaltsame Art und Weise sachliche Informationen zum Alkohol vermittelt, aber auch Raum für Diskussionen und Reflektionen ermöglicht. Ein besonders wichtiger Teil sind die eigenen Erfahrungswerte der TeilnehmerInnen, die von eigenen positiven sowie negativen Erlebnissen erzählen können.
Dass Alkohol zu einer Abhängigkeit führen kann, ist den meisten Jugendlichen bewusst, für viele ist Sucht allerdings eine weit entfernte Krankheit, die einem selbst nicht passieren wird. Für diese Jugendlichen sind Überdosierung, Unfälle und Gefahren im Zusammenhang mit Alkoholkonsum viel näher an der eigenen Lebenswelt. Aus diesem Grund wird in der zweiten Hälfte des Parcours auf das Thema Rausch und Risiko Teil eingegangen und insbesondere Wert auf Risikoreduktion beim Ausgehen mit und ohne Alkoholkonsum gelegt.
Aktuell sind 14 aktive Jugendzentren und –einrichtungen mit 30 ReferentInnen beteiligt, sodass fast das ganze Territorium in Südtirol abgedeckt werden kann. Aktuell werden neue JugendarbeiterInnen geschult. Der „All Cool“-Parcours wurde 2016 an 117 Schulklassen des Landes durchgeführt und hat insgesamt 2.271 SchülerInnen erreicht. Für weitere Infos besucht unsere Webseite www.forum-p.it
Manuel Oberkalmsteiner
Mitarbeiter Forum Prävention Fachstelle Suchtprävention und Gesundheitsförderung