Themenparcours

Genderparcours „mischen is possible“

Ein Parcours zur Rollenvielfalt von Mädchen und Jungen
Bewusstsein schaffen und Vielfalt fördern
Noch heute gibt es geschlechtsbedingte Benachteiligungen und individuelle Einschränkungen für Mädchen und Jungen. Strukturelle Benachteiligungen treffen Mädchen und Frauen immer noch stärker, doch auch Jungen und Männer werden in ihrer Entwicklung durch teilweise widersprüchliche Rollenerwartungen eingeschränkt.
Der dreistündige Parcours „mischen is possible 2.0“ wurde von der FUMA Fachstelle Gender in Nordrhein-Westfalen ausgearbeitet und weiterentwickelt und ist nun bereits in der 4. Auflage erschienen. Der interaktive Parcours für Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren regt Mädchen und Jungen an, sich mit den eigenen Rollenbildern und gesellschaftlichen Erwartungen zu beschäftigen. Sie werden mit Bildern, Zahlen und Fakten zur gesellschaftlichen Realität der Geschlechterverhältnisse konfrontiert.
Ziel des Parcours ist es, zugeschriebene Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit zu überprüfen und Denkprozesse zu initiieren, um Jugendliche die Vielfalt ihrer Entwicklungsmöglichkeiten vor Augen zu führen.
Der Genderparcours ist ein Streifzug durch den Dschungel der Gefühle und des Bewusstseins. Mädchen und Jungen werden mal getrennt voneinander, mal zusammen angeregt, sich mit Bildern und Vorurteilen und mit eigenen Einstellungen und Vorstellungen anderer zu beschäftigen. Anhand von Filmbeiträgen, Spielen und Aktionen können sie unterschiedliche Rollenvorstellungen erfahren und diskutieren. Die spielerische Herangehensweise macht das Thema spannend und leicht zugänglich.
Aufbau und Thematiken
Nach einem kurzen Kennenlernspiel wird im ersten Modul „Geschlechter(un)gerechtigkeiten“ mithilfe eines Filmbeitrages der Unterschied zwischen dem biologischen und dem sozialen Geschlecht (engl.: gender) erklärt. Zudem werden in der Gruppe einige Regeln und Zuschreibungen diskutiert, wie beispielsweise „Putzen ist Frauensache“ oder „Schwere körperliche Arbeit ist Männersache“. Es wird erklärt, dass der größere Teil der Geschlechterrollen nicht angeboren ist, sondern durch äußere Einflüsse gestaltet wird, wodurch sie auch veränderbar werden. Dabei spielen zum einen die Sozialisation und damit familiäre und gesellschaftliche Rollenerwartungen eine wesentliche Rolle, andererseits kommt der individuellen Selbstgestaltung ebenfalls ein großes Gewicht in der Ausgestaltung von Geschlechterrollen zu. Nach dem zweiten Filmbeitrag, bei dem nochmals genauer beleuchtet wird, welche Vor- und Nachteile man als Junge oder Mädchen hat, und in der Gruppe diskutiert wird, welche Gelegenheiten sie kennen, wo Frauen oder Männer bevorzugt oder benachteiligt werden, beginnt das Genderquiz. Bei diesem Quiz werden anhand des 1, 2 oder 3 Spiels unterschiedlichste Fakten zum Thema Gender vermittelt und mit Falschwissen aufgeräumt. Im zweiten Modul „Erwartungen“ geht es in einem weiteren Filmbeitrag um typisch männliche und weibliche Attribute und mögliche Reaktionen darauf, wenn sie nicht dem üblichen Geschlecht zugeordnet werden. Es geht um Rollen­erwartungen, Verhalten in der Gruppe, Mut zum Anderssein und Stress durch Erwartungen, die nicht den persönlichen Interessen und Bedürfnissen entsprechen. Im Anschluss wird die Gruppe geteilt und Mädchen und Jungs erhalten in getrennten Räumen eine Tafel mit den Satzanfängen „ich soll – ich darf – ich will“. Daraufhin sind sie gebeten, vorbereitete Aussagen zuzuordnen, welche nachher in der gesamten Gruppe besprochen werden. Dabei soll vor allem herausgearbeitet werden, welche Aussagen von außen vorgegebenen Rollenerwartungen entsprechen und welche die eigentlichen persönlichen Bedürfnisse sind.
Das Thema der Rollenvielfalt wird im dritten Modul besprochen. Begriffe wie Transgender, Transvestit, transsexuell, intersexuell usw. werden anhand von Bildern genauer erklärt. In einem letzten Filmbeitrag beleuchten Jugendliche durch kurze Statements Aspekte der Verteilung von Haushalts- und Erwerbsarbeit. Jede/r kann sich daraufhin Gedanken machen, wie ihre/seine ganz persönliche weibliche/männliche Hauptrolle in der Zukunft aussehen soll.
Es ist wichtig, sich mit Bildern und Vorurteilen, mit Erwartungen von anderen und den eigenen Einstellungen zu beschäftigen und Klischees zu hinterfragen. Bei einer weiteren Aufgabe sind die SchülerInnen gebeten, vorbereitete Aussagen auf einer Skala von gerecht bis ungerecht aufzulegen. Diese werden nachher in der Gruppe diskutiert und kritisch hinterfragt.
Am Ende des Genderparcours angelangt, werden die SchülerInnen in einer Abschlussrunde um ein Feedback gebeten und mit dem Succus des Parcours „Mut zum Anderssein“ verabschiedet.
Kontakt
Jugendzentrum „Kass“,
Brunogasse 2
39042 Brixen
Tel. +39 0472 279 902
Email: barbara@jukas.net

Themenparcours

Glück gehabt

Parcours „Glück gehabt“ – Parcours für SchülerInnen zu Social Media, digitalen Spielen und Glücksspiel
Bereits seit einigen Jahren bietet das Forum Prävention einen Workshop zur Mediennutzung sowie zum Glücksspiel an. Da die Medienwelten der jungen Nutzer und Nutzerinnen stark verwoben sind, ist der Wunsch gewachsen, einen mehrstündigen Parcours zu entwickeln, der die vielen Facetten der Mediennutzung vereint und zielgruppenorientiert anbietet.
Die digitalen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen sind sehr komplex und für Erwachsene nur schwer zu erfassen. Das Smartphone verändert unser soziales Leben, die Kommunikation und die Bewältigung des Alltags auf eine ungeahnte Art und Weise. Untersuchungen zeigen, dass der Umgang mit den Medien gelernt werden muss: Je jünger die NutzerInnen sind, desto weniger Erfahrung im Umgang mit Medien haben sie. Die Gruppe unterschätzt häufig die Reichweite von Postings, Bildern und Videos. Dies führt dazu, dass sie eigene und fremde Inhalte unbedachter veröffentlichen als erfahrenere User. Wir wachsen mit einem Gerät auf, das ständig neue Reize bietet und dadurch leicht ablenken kann. Viele SchülerInnen berichten, dass sie Schwierigkeiten haben, das Smartphone aus der Hand zu legen. Erfahrungsgemäß gibt es in den meisten Schulkassen in Südtirol vier bis fünf SchülerInnen, die mit dem Smartphone in der Hand einschlafen und am nächsten Tag eigentlich zu müde für den Unterricht sind. Ein anderer wichtiger Aspekt der jugendlichen Lebenswelt sind digitale Spiele. Video- und Handyspiele sind bei den Jugendlichen ein weitverbreiteter Zeitvertreib. Viele Spiele sind so programmiert, dass sie die SpielerInnen unbewusst immer länger und immer öfter zum Spielen motivieren. Hinzu kommt eine Glücksspielindustrie, die in digitalen Spielen aber auch in sozialen Netzwerken sehr aufdringlich junge MediennutzerInnen zu ködern versucht.
Der Parcours „Glück gehabt!?“
Seit Sommer 2016 elaboriert eine Arbeitsgruppe des Forum Prävention einen Parcours, der die komplexe Medienwelt aufgreift. Seitdem wurden Ideen und Methoden ausgearbeitet und an Südtiroler Schulen getestet. Der Parcours ist für Schulklassen mit SchülerInnen im Alter von 12-16 Jahren konzipiert und dauert drei bis vier Stunden. Da sich der Parcours noch in der Testphase befindet, können sich noch einige Details ändern.
Für die Entwicklung des Parcours ist die Arbeitsgruppe von drei Grundannahmen ausgegangen:
Die digitalen Medienwelten sind einem stetigen Wandel ausgesetzt, Medienkompetenzen und Risikobewertung müssen also immer wieder neu definiert werden
Jugendliche sind HauptprotagonistInnen der digitalen Medien, gleichzeitig sind sie die Hauptzielgruppe von Marketingstrategen
Jugendliche sind aber auch Gestalter­Innen ihrer eigenen Freiräume im Netz. Die digitalen Medien sind sowohl Treffpunkte als auch Erfahrungsorte und Abenteuerspielplätze. Für das Erwachsenwerden gehört die digitale Identitätsbildung dazu.

Das primäre Ziel des Parcours ist der Erwerb von Medienkompetenz, das bedeutet Fähigkeiten und Sachwissen zu vermitteln, die für ein Aufwachsen in der digitalen Welt erforderlich sind. Dabei geht es um die Vermittlung der Funktionsweisen von Strukturen und Angeboten im Internet wie z.B. Social Media-Kanäle, Umgang mit Daten oder Mechanismen von digitalen Spielen. Es geht auch darum, Risiken und mögliche Schwierigkeiten bewerten und reflektieren zu können: Was sind Filterblasen? Wie gehe ich mit der WhatsApp-Nachrichtenflut um? Die Medienkompetenz ist nicht statisch, sie muss immer wieder neu ausgehandelt werden, denn wir leben in einem ständigen Wandel, der eine kontinuierliche Anpassung erfordert.
Der Parcours besteht aus drei Teilen: 1. Die Einführung und das Kennenlernen, 2. Digitale Medien und Spiele sowie 3. Risikobewertung und Abschluss.
Der erste Teil zielt auf ein angenehmes Gruppenklima und auf einen spielerischen Einstieg in das Thema ab. Der Hauptteil besteht wiederum aus drei Themenbereichen, die je nach Interessen der Schüler und Schülerinnen auf unterschiedliche Art und Weise behandelt werden können und - wenn nötig - viel Freiraum und Flexibilität bietet:
Digitale Medien: Lieblingsapps und dessen Funktionsweisen, Vor- und Nachteile, Reflektion über eigene Smartphone- und Mediennutzung, Daten als neue Währung, Privatsphäre und Öffentlichkeit, …
Digitale Spiele: Faszination von Videospielen und Handyspielen; Vor- und Nachteile; Mechanisme, die mich länger und öfter spielen lassen, ….
Online-Glücksspiel: Eindringen des Glücksspiels in Social Media und Gaming Bereich, Mechanismen des Glücksspiels, Wahrscheinlichkeiten, …

Die SchülerInnen wählen den Bereich aus, mit dem sie beginnen möchten und entscheiden selbst per Abstimmung, wie tief sie in das Thema einsteigen wollen. Jeder Bereich hat mehrere Unterthemen, die ebenso von den SchülerInnen gewählt werden können. So entscheidet die Klasse selbst, ob zum Beispiel das Thema Datenschutz oder das Thema Kommunikation vertieft werden soll. Die methodische Herangehensweise ist unterschiedlich: Die Bereiche werden unter anderem mittels Gruppenspiene und –übungen, Diskussionsrunden oder Positionsspielen erarbeitet.
Der Parcours lässt viel Raum zum Erfahrungsaustausch und zur Diskussion zu. Die Jugendlichen sind selbst die HauptprotagonistInnen beim Medienkonsum, dadurch sind sie gewissermaßen Expert­Innen ihrer Lebenswelt. Die ReferentInnen übernehmen dadurch die Rolle von neugierigen ModeratorInnen, die kritisch die digitalen Medien hinterfragen und dadurch zur Reflektion anregen.
Der dritte und letzte Teil ist obligatorisch für alle Schulklassen. Es geht darum Risiken bei der Mediennutzung zu bewerten und zu reflektieren. Insbesondere geht es um die Erkennung von eigenen Schutzfaktoren und Ressourcen, um die hohen Anforderungen im Umgang mit den Medien selbst für sich bewältigen zu können.
Der Parcours wird ab Herbst den Südtiroler Schulklassen angeboten. Für die Durchführung der Parcours sucht das Forum Prävention noch freie Mitarbeiter­Innen welche an Südtiroler Schulen den Medienparcours durchführen. Weitere Infos unter oberkalmsteiner@forum-p.it
Manuel Oberkalmsteiner
Mitarbeiter Forum Prävention
Fachstelle Suchtprävention und Gesundheitsförderung