Jugendforschung

Forschung für eine bessere Praxis

Wie Forschung zu einem professionelleren Umgang mit Jugendlichen in der Sozialen Arbeit und Sozialpädagogik beitragen kann
Die Notwendigkeit, soziale Probleme und ihre Lösungen nicht nur praktisch anzugehen, sondern sie auch wissenschaftlich zu untersuchen, wird seit langem diskutiert. Bereits vor 100 Jahren forderten engagierte und über die Lebensumstände der armen Bevölkerung in England und den USA empörte Sozialarbeiterinnen wie Jane Addams, Octavia Hill, Henrietta Barnett und Mary Richmond eine wissenschaftliche Erfassung des Massenelends und seine Beseitigung. Für sie reichte eine Almosen gebende Sozialarbeit nicht mehr aus. Ihre Empörung verband sich mit dem Anliegen einer empirischen Problemerfassung. Dazu sollten die richtigen Fragen gestellt und die richtigen Daten gesammelt werden, um auf Fakten anstatt auf Gerüchten und Moralvorstellungen basierende Problemanalysen und Interventionen durchführen zu können. Mary Richmond forderte bereits 1897 eine Ausbildung, die neben einem praktischen Teil auch eine Auseinandersetzung mit Theorie und Forschung enthalten sollte. Ein guter Charakter allein war für sie nicht mehr ausreichend für die professionelle Tätigkeit in der Sozialen Arbeit.
Mehr als 100 Jahre später können die Forderungen von Mary Richmond in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik als weitgehend erfüllt bezeichnet werden. Die Auseinandersetzung mit empirischer Forschung gilt als wichtiger Bestandteil der Profession und Disziplin. Forschung ist als Werkzeug systematischer Theoriebildung, Beobachtung und Reflexion breit anerkannt. Sie stellt sowohl eine Grundlage für die professionelle Ausbildung und berufspraktische Tätigkeit als auch die Weiterentwicklung der Disziplin dar.
Doch wie tragen Forschung und insbesondere Jugend- und Jugendhilfeforschung konkret zu einer besseren Praxis bei? Zwei grundsätzliche Prozesse können unterschieden werden: Forschung fördert einerseits das Verständnis für jugendliche Lebenswelten und regt andererseits zur Reflexion und Weiterentwicklung der professionellen Arbeit an.
Förderung des Verständnisses für jugendliche Lebenswelten
Die sozialpädagogische und soziale Arbeit mit Jugendlichen geschieht heute in einem Feld, das durch einen raschen sozialen und kulturellen Wandel und eine starke Individualisierung der Lebenschancen gekennzeichnet ist. Charakteristisch für Jugend in modernen Gesellschaften ist, dass Jugendlichen in hohem Maße die Realisierung eigener Lebensentwürfe zugestanden und zugleich zugemutet wird. Die damit verbundenen Individualisierungschancen können dabei insbesondere für Jugendliche aus benachteiligten Lagen mit einem erhöhten Risiko des Scheiterns verbunden sein. Um benachteiligte Jugendliche erfolgreich in ihren Herausforderungen und Krisen unterstützen zu können, bedarf es eines differenzierten Wissens über deren Lebenswirklichkeiten und die darin enthaltenen Risiken und Ressourcen. Jugendforschung kann hier die notwendigen Informationen liefern. Für die in der Jugendarbeit und Jugendhilfe Tätigen sind Erfahrungen von Benachteiligung, Ausgrenzung und von Scheitern nämlich meist nur zu einem gewissen Grad zugänglich, stammen sie doch häufig aus anderen Milieus und sozialen Schichten als ihre jugendliche Klientel und gehören einer unterschiedlichen Generation an. Der Jugendforschung kommt damit eine wichtige Aufgabe bei der Professionalisierung zu. Forschungsbefunde sollen die Praktikerinnen und Praktiker zur Erweiterung und Veränderung ihrer Wahrnehmung von Jugend und jugendlichen Lebenswelten veranlassen und ihnen Sicherheit im professionellen Umgang mit ihren AdressatInnen vermitteln. Alltagstheorien sollen hinterfragt und durch empirisch fundiertes Wissen als Rüstzeug für eine aufgeklärte Praxis ersetzt werden.
Anregung zur Reflexion und Weiterentwicklung der professionellen Arbeit
Forschung soll darüber hinaus jedoch auch zur Reflexion und Weiterentwicklung des professionellen Handelns und der institutionellen Rahmenbedingungen der professionellen Arbeit beitragen. Nach der Ebene der AdressatInnen sind damit die Ebenen der Professionellen und der pädagogischen Institutionen als Forschungsgegenstand angesprochen. Durch Forschung soll bspw. deutlich werden, wie Probleme in der sozialen Interaktion zwischen Professionellen und Jugendlichen entstehen, wechselseitig fortgesetzt werden und eskalieren können. Alternative Gestaltungsmöglichkeiten sollen erkannt und systematisiert werden. Einsicht in typisches professionelles Handeln und ein kritischer Umgang damit sollen gewonnen werden. Pädagogische Institutionen als Kontexte des professionellen Handelns sollen auf ihre Möglichkeiten zur Beförderung von Selbständigkeit und Mündigkeit befragt und im Hinblick auf ihre Zwänge und Einschränkungen der persönlichen Entwicklung von Jugendlichen untersucht werden. In pädagogischen Programmen sind die intendierten Wirkungen mit den tatsächlichen Ergebnissen zu vergleichen. Die subjektiven Wahrnehmungen und Deutungen der Jugendlichen und Professionellen sind dabei ebenso wie vermeintlich objektive Wirkungsindikatoren heranzuziehen. Entsprechend vielfältig sind die methodischen Zugänge: qualitativ-hermeneutische, ethnografische und dokumentarische Analysen, die der Logik des Verstehens folgen, wie auch quantifizierende Verfahren, die Strukturzusammenhänge zu ermitteln und zu erklären versuchen, können zur Anwendung kommen. Besonders ertragreich im Hinblick auf die Generierung von Wissen und die Verbesserung von Praxis können Ansätze sein, in denen die Praktikerinnen und Praktiker im Sinne partizipativer Forschung ihre eigenen Fragestellungen einbringen und in einem gemeinsamen, diskursiven Prozess mit der Wissenschaft bearbeiten können.
Transfer von Forschungsbefunden in Praxis und Politik
Damit Forschung zur Verbesserung der Praxis beitragen kann, sind der Transfer der Befunde und der Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis sicherzustellen. Die Ergebnisse müssen verständlich sein und Hinweise enthalten, wofür man sie gebrauchen kann. Der Gewinn und die Relevanz für das eigene Handeln müssen erkennbar sein. Praxisorientierte Zusammenfassungen dienen diesem Ziel häufig am besten. Die Berichterstattung über Forschung ist jedoch nicht selten mangelhaft. Manche Berichte sind geradezu rücksichtslos gegenüber den Informationsbedürfnissen und Fragestellungen von Ausbildung und Praxis und bleiben entsprechend ohne Wirkung.
Gut gestalteten, praxisbezogenen und gesellschaftspolitisch relevanten Berichten gelingt es hingegen mitunter sogar, soziale Reformen zu befördern, indem sie die Wahrnehmung von jugendlichen Problemlagen und die darauf bezogenen gesellschaftlichen Reaktionen verändern.
Forschungsperspektiven für Österreich
Die empirische Forschung im oben skizzierten Sinne ist in Österreich gegenwärtig durch eine große Vielfalt und ein beträchtliches Volumen gekennzeichnet. Dies äußert sich etwa in einer wachsenden Zahl an Publikationen mit entsprechenden Fragestellungen und einer zunehmenden Anzahl an praxisbezogenen Studien.
Diese erfreuliche Entwicklung soll allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass nach wie vor Ausbaubedarf besteht. Laut einer kürzlich durchgeführten Studie der Universität Salzburg zur Situation der Jugend- und Jugendhilfeforschung in Österreich bezeichnet die Mehrheit der Befragten die Vernetzung in der Forschungsgemeinschaft und die strukturellen und finanziellen Bedingungen für Forschung als mangelhaft.
Die Ergebnisse dieser Studie bildeten den Anlass für die Organisation einer Tagung, die im November 2017 unter dem Titel „Jugend – Lebenswelt – Bildung“ an der Universität Innsbruck stattfinden wird. Die Tagung soll eine Plattform für die Darstellung der vielfältigen Aktivitäten in der österreichischen Jugend- und Jugendhilfeforschung bieten und unter Einbeziehung verschiedener Disziplinen, unterschiedlicher methodischer Zugangsweisen sowie mehrerer inhaltlicher Schwerpunkte zur stärkeren Vernetzung beitragen.
Es werden über 40 Symposien von renommierten österreichischen und internationalen Forschungsgruppen zu Themen wie Jugend- und Jugendhilfeforschung, Jugendarbeit, Bildung, Migration, Übergänge, Gesundheit, Medien und soziale Benachteiligung stattfinden.
Mit der Tagung sollen ein nachhaltiger Dialog zwischen Forschung, Praxis und Politik unterstützt und Perspektiven für Österreich entwickelt werden. Den zukünftigen Anforderungen soll so gemeinsam und gestärkt begegnet werden können. Es ist zu erwarten, dass die Herausforderungen für Forschung und Praxis weiter zunehmen werden. Die Folgen einer global entfesselten Weltgesellschaft, die Auswirkungen des demografischen Wandels und die Forderung nach lebenslangem Lernen verlangen in Österreich wie in anderen westlichen Ländern nach differenzierten empirischen Analysen und praktischen Lösungen für die Arbeit mit jungen Menschen.
Detaillierte Informationen zur Tagung sind auf folgender Website zu finden:
www.uibk.ac.at/iezw/tagung-jugendforschung/


Alfred Berger
Studium der Pädagogischen Psychologie, Sozialpädagogik und Psychopathologie
des Kindes- und Jugendalters; seit 2015 Professor für Erziehungswissenschaft und Bildungsforschung an der Universität Innsbruck

Jugendforschung

Von den Daten zur Interpretation

Ein Blick hinter die Kulissen und wie Studien entstehen
Fast jeden Tag hören wir die Ergebnisse irgendeiner Umfrage. Sind aber alle Umfragen qualitativ gleichwertig? Ziel einer Umfrage ist die Untersuchung verschiedener Eigenschaften oder Meinungen einer Grundgesamtheit, ausgehend von der Analyse eines Teiles (Stichprobe) derselben, im Rahmen einer akzeptablen Fehlertoleranz. Die Qualität des Ergebnisses hängt von zwei Eigenschaften ab: der Auswahl der Stichprobe und der Datenerhebung.
Die Stichprobe
Es gibt drei Typen von Stichprobenziehungen, denen drei durchaus unterschiedliche Qualitätsniveaus entsprechen.
Man wählt Personen mit einer bekannten Wahrscheinlichkeit aus einer vollständigen Liste aus. Eine Auswahl mittels Computersoftware (aber auch mit einem festen „Auswahlschritt“) gewährleistet die Zufälligkeit. Die Auswahl darf hingegen nie nach einer subjektv als zufällig eingeschätzten Methode erfolgen (ein Beispiel zur Körpergröße der Londoner: Man wählte als Stichprobe eine Anzahl Londoner BürgerInnen, deren Familienname mit „M“ beginnt. Die Stichprobe enthielt somit mehrere BürgerInnen mit Familennamen „Mac“ schottischer Herkunft, welche tendenziell eine andere Körpergröße haben als die Londoner BürgerInnen.)
Wenn man dies berücksichtigt, ist der Fehler, der durch die Befragung einer Teilmenge anstatt der ganzen Grundgesamtheit entsteht, quantifizierbar. Dieser hängt von der Häufigkeit des untersuchten Phänomens ab (z.B. wie viele Personen unterstützen eine Maßnahme? 50%? 10%?), von der Anzahl der durchgeführten Interviews und vom angestrebten Konfidenzniveau (Vertrauen).
In der Graphik sehen wir, dass bei einer Häufigkeit des Merkmals von 50%, einem Konfidenzniveau von 95% und einer Stichprobengröße von 300 bis 400 der maximale Abweichungsfehler bei 5% liegt (d.h. falls der gemessene Wert 45% beträgt, kann der wahre Wert bei 50% liegen).
2. Nicht-probabilistische Stichprobe
Man wählt eine Stichprobe nach einem willkürlichen Kriterium aus (man interviewt FußgängerInnen auf der Straße). Der Fehler kann in diesem Fall nicht quantifiziert werden, aber man kann noch von „Umfrage“ sprechen.
3. Es antwortet „wer Interesse hat“ (auf einer Webseite ermöglicht man, auf eine Meinungsfrage zu antworten)
In diesem Fall ist die Fehlerquote nicht nur nicht abschätzbar, sondern kann auch sehr hoch sein. Zudem ist es verboten (siehe späteren Verweis auf AGCOM), solche Meinungserhebungen als Umfrage zu bezeichnen, weil man dadurch ohne Grundlage die öffentliche Meinung beeinflusst.
Die Datenerhebung
Der erste Schritt der Umfrage ist die Feststellung der Erwartungen der AuftraggeberIn: welche Informationen zu welcher Grundgesamtheit? Und wie viele Informationen? Genügt ein allgemeiner Wert oder braucht es eine Aufschlüsselung in mehrere Untergruppen? Auch das beeinflusst die Größe der Stichprobe.
Das Verfahren zur Bestimmung und Auswahl der Stichprobe beginnt immer mit einer Schichtung, d. h. mit der Planung der Verteilung der Interviews aufgrund spezifischer Merkmale (Geschlecht, Alter, Wohnort usw.).
Der Fragebogen
Die Fragen der Umfragen, vor allem jene für die ganze Grundgesamtheit, müssen sehr einfach und unmissverständlich sein. Die Fragen haben Meinungen, Verhaltensweisen und sozio-demographische Merkmale (um die Repräsentativität der Umfrage beweisen zu können) zum Gegenstand, sie können offen oder geschlossen sein.
Manche Fragen haben Gegenanzeigen aufgrund der „Sensibilität“ des Themas. Es ist zudem darauf zu achten, Fragen nicht in manipulierender Form zu stellen, um die Antworten nicht zu beeinflussen.
Die Datenerhebung
Die Datenerhebung hängt vom Fragebogen ab. Es gibt drei Möglichkeiten: das face-to-face-Interview, die telefonische Befragung und der selbst auszufüllende Fragebogen (Post, Online). Das Interview kann „computer-assisted“ sein, wodurch eine filtergeführte Beantwortung möglich ist und das versehentliche Beantworten von Fragen oder das Überspringen von Fragen vermieden werden kann. Auch die händische Eingabe der Daten entfällt auf diese Weise.
Die Antwortquote
Es gibt immer Personen, welche das Interview verweigern oder nicht anzutreffen sind. Die Auswirkung ist schwerwiegend, weil der Ausfall nicht durch zufällige Verteilung erfolgt und auch nicht durch eventuelle Ersatzpersonen saniert wird, da diese nur die vorbestimmte Stichprobengröße gewährleisten.
Das Problem der Ausfälle zählt zu den großen Schwierigkeiten, mit denen alle StatistikerInnen, die mit Umfragen arbeiten, rechnen müssen. Dies gilt nicht nur für den Ausfall ganzer Interviews, sondern auch für die Nichtbeantwortung einzelner Fragen.
Der selbst auszufüllende Fragebogen
Die Erfahrung zeigt, dass die Rücklaufquote von Fragebögen, welche per Post verschickt und mittels vorfrankierten Umschlag wieder zurückgesendet werden, bei ungefähr 10% liegt.
Die Methode des selbstausgefüllten Fragebogens kann auch mittels digitalem Fragebogen (Online oder E-Mail) erfolgen.
Face-to-face-Interview
Die Anwesenheit des Interviewers ist ideal für längere Interviews und gewährleistet die höchste Antwortquote. Man muss aber die Arbeit der Interviewer ständig überprüfen, indem stichprobenartig telefonische Kontrollinterviews mit den interviewten Personen durchgeführt werden.
Telefoninterview
Die zur Stichprobenauswahl verwendeten Archive sind in diesem Fall die Listen der TelefonabonnentInnen, deren Anzahl aber rasch abnimmt und nicht mehr die Gesamtbevölkerung repräsentieren. Außerdem müssen die Kontaktversuche zu unterschiedlichen Uhrzeiten wiederholt werden. Im Vergleich zum face-to-face-Interview ist es ratsam, eine maximale Dauer des Telefongesprächs von 20 Minuten nicht zu überschreiten. Außerdem können dem/der Interviewten im Telefoninterview keine langen Antwortlisten vorgelesen werden.
Mixed-mode
Die heute am häufigsten verwendete Methode, zumindest im ASTAT, ist die sog. Mixed-mode-Methode, d. h. eine Kombination mehrerer Befragungstechniken: Online als erster Anlauf, mit Möglichkeit eines Telefoninterviews oder eines mittels Post übermittelten Papierfragebogens für diejenigen, welche nicht über Internet verfügen und, in einzelnen Fällen, auch das face-to-face-Interview.
Das Datenschutzgesetz verpflichtet alle Institute, die Interviewten präventiv über die Ziele der Umfrage und die exklusive Verwendung der Daten zu statistischen Zwecken unter der persönlichen Verantwortung des Autors/ der Autorin zu informieren.
Die Verarbeitung der Daten
Nach der Datenerhebung müssen die offenen Fragen kodifiziert werden. Einmal durchgesehen, wird eine Liste der häufigsten Antworttypen erstellt, um dann die Antworten demjenigen Kodex zuzuordnen, der deren Bedeutung am besten zusammenfasst.
Abschließend erfolgt die Verarbeitung. Es werden Tabellen erstellt, von denen die einfachste die bloße Häufigkeitsverteilung ist. Darüber hinaus gibt es Kreuztabellen, in denen die Häufigkeit der Antworten im Zusammenhang mit den wichtigsten sozio-demographischen Variablen, z. B. Geschlecht, Alter, Staatsbürgerschaft und Muttersprache, dargestellt werden.
Wichtig ist, immer die Verwendbarkeit zur Veröffentlichung des Ergebnisses vom statistischen Gesichtspunkt aus zu berücksichtigen. Der Standardfehler, welcher aus der Tatsache resultiert, dass nur ein Teil der Gesamtbevölkerung befragt wurde, darf nicht zu hoch sein (d.h. das Ergebnis muss eine ausreichende Genauigkeit aufweisen). Die Signifikanz der Unterschiede zwischen den Werten (z. B. zwischen Männern und Frauen) wird außerdem durch statistische Tests überprüft. Die häufigsten Testverfahren sind der t-Test und der Chi-Quadrat-Test.
Es wurde festgestellt, dass die Veröffentlichung von Umfragen, die im Eigeninteresse der AuftraggeberIn durchgeführt werden, VerbraucherInnen und WählerInnen beeinflussen können. Deshalb entstand in Italien eine Behörde mit dem lobenswerten (aber nicht leicht umzusetzenden) Ziel, einige grundlegende Garantien für den korrekten Gebrauch durch Massenmedien zu gewährleisten: die „Autorità per le Garanzie nelle Comunicazoni (AGCOM)“, die sich auch mit Umfragen beschäftigt. All jene, die Umfragen veröffentlichen, müssen bestimmte Regeln berücksichtigen, um eine gewisse Transparenz derselben zu sichern. Die Behörde schreibt vor, dass jede Publikation von Umfragen durch einen Informationsvermerk begleitet werden muss, in dem angegeben wird, wer die AuftraggeberIn und Ausführenden sind, wie viele Interviews durchgeführt wurden und mit welcher Methode, mit welcher Stichprobe aus welcher Grundgesamtheit, aufgrund welcher Fragen in deren genauen Formulierung gearbeitet wurde.
Der Missbrauch von Umfragen hat diesen gegenüber auch Skepsis produziert, insbesondere bezüglich der Meinungsumfragen und vor allem von Seiten derer, die aus Privatinteresse oder politischem Kalkül die Ergebnisse nicht als wahr anerkennen wollen. In diesem Sinne ist es wichtig, dass die BürgerInnen selbstständig in der Lage sind, die Qualität der Daten zu beurteilen und zwischen privater und amtlicher Statistik zu unterscheiden.


Stefano Lombardo
Statistischer Methodologe des ASTAT Bozen