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Nr. 1 | 2017

Jugendsprache

Jugendsprache – ein Verfall?

Jugendsprache – ein Verfall?
In der Gesellschaft weist die Jugendsprache nicht unbedingt einen hohen Stellenwert auf. Kritisiert werden nachlassende Grammatik- und Rechtschreibkenntnisse und eine allgemeine Ausdrucksschwäche. Die Veränderungen im Sprachgebrauch werden als Fehler, Mängel oder Defizite angesehen. Einige Beunruhigte schreien nach mehr Grammatikunterricht und fordern eine intensive Auseinandersetzung mit klassischer Literatur.
Seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wird in der Presse zahlreich über die Jugendsprache berichtet. Bereits im Juli 1984 hat DER SPIEGEL einen Artikel mit dem Titel „Deutsch: Ächz, Würg. Eine Industrienation verlernt ihre Sprache“ veröffentlicht. Im Dezember 2016 wurde im SPIEGEL ONLINE ein Artikel mit dem Titel „Hey, ihr Missgeburten“ publiziert, mit der Frage, ob die Jugend verbal verroht. Ist dem wirklich so? Müssen wir uns ernsthaft Sorgen um die Sprache unserer Jugendlichen machen?
Ist nicht allgemein der Sprachstil von Erwachsenen heute informeller als früher? Sehen wir uns doch mal in der Gesellschaft um. Im Alltag wird häufig „Hallo“ als Begrüßungsformel statt „Guten Morgen“ oder „Guten Abend“ verwendet, egal zu welcher Tageszeit. Und wie sieht es im E-Mail-Verkehr aus? Werfen wir einen gezielten Blick darauf, stellen wir fest, dass selbst offizielle Briefe öfters mit „Liebe/r…“ statt mit „Sehr geehrte/r…“ begonnen werden und zum Abschluss „Liebe Grüße“ anstelle von „Hochachtungsvoll“ oder „Mit freundlichen Grüßen“ steht.
Schon 1909 hat Hermann Hirt (Sprachwissenschaftler) folgende Sprachen unterschieden: Berufssprachen (Sprache der Philosophie, Sprache der Mathematik, Sprache der Grammatik, Kaufmannsprache, Jägerlatein, Gaunersprache), Standessprache (höhere und niedere Sprache, Sprache der Religion, Rechtssprache, Dichtersprache), Sprachen der Geschlechter (Frauensprache, Männersprache) und Sprachen der Altersklassen (Jugendsprache, Studentensprache, Ammensprache).
Einige dieser Sprachformen sind heute noch bekannt und unterscheiden sich deutlich voneinander. Deshalb stellt sich grundsätzlich die Frage, ob überhaupt noch eine einheitliche Sprache gilt? Welche Sprachform ich wann verwende, hängt doch auch von der jeweiligen Situation und vom entsprechenden Umfeld ab. An welchem Sprachstil sollen sich die Jugendlichen also orientieren?
Es stimmt, dass Jugendliche einen eigenen Sprachstil verwenden, der sich von jenem der Gesellschaft oder der älteren Generation unterscheidet. Sie wollen sich von der Erwachsenenwelt abgrenzen. Die Jugend kennzeichnet sich durch verschiedene Faktoren, wie Alter, Geschlecht, Bildung, regionale und soziale Herkunft. Es hängt nämlich auch davon ab, in welchen Szenen sich die Jugendlichen bewegen. Einen Einfluss üben vor allem auch Modetrends oder die mediale Sprache aus. Dadurch hat sich ein neues Sprachverhalten entwickelt und neue Sprachstile haben sich gebildet.
Viele Jugendliche können sehr wohl unterscheiden, wie sie in bestimmten Situationen sprechen sollen bzw. müssen. Die Sprache im Kreise der Gleichaltrigen kann sich deutlich von anderen Sprechsituationen abheben. Wichtig ist, dass sie sich dessen bewusst sind, ob sie sich in der Öffentlichkeit, in der Schule, in der Familie oder in der Peergruppe unterhalten. Sie müssen selbst abschätzen, wann die Hoch- bzw. Standardsprache, eine Umgangssprache oder der Dialekt angebracht sind.
Der „Teenager Jargon“ weist einige wesentliche Merkmale auf: kein Gebrauch des Konjunktivs, des Genitivs (der Dativ ist dem Genitiv sein Tod), des Perfekts, keine reich gegliederten Satzformen. Weiters werden des Öfteren bildhafte Ausdrücke verwendet, die manchmal auch etwas provokant und kränkend klingen. Immer wieder werden auch Füllwörter (und so, dann) eingebaut oder ganze Sätze abgebrochen. Besonders deutlich ist dies in der Medienkommunikation (SMS, WhatsApp, Chat, Facebook, Instagram…) erkennbar. In der „SMS- und Chat-Sprache“ weicht die verwendete Alltagssprache eindeutig von grammatikalisch-orthografischen Regeln ab. Abkürzungen (glg, hdl, gn8) oder Symbole (JL) kommen zum Einsatz. Auch hier ist es wichtig, dass Jugendlichen vermittelt wird, wann sie welchen Sprech- und Schreibstil verwenden dürfen.
Irgendwie wollen sich die Jugendlichen in ihrer Ausdrucksweise vom Rest der Gesellschaft unterscheiden. Früher haben sie sich vielleicht auffällig gekleidet oder gestylt. Denken wir an die Zeit der Hippies oder Punks. Heutzutage haben sie kaum noch Möglichkeit sich anders zu geben. Wir Erwachsenen wollen uns jugendlich, spritzig, flott zeigen…, genauso wie unsere Teenies. Wir kleiden uns wie unsere Kinder und „chatten“ wie die junge Generation. Da müssen sie wohl oder übel nach einem Weg des Andersseins suchen. Häufig erfolgt dies eben über die Sprache.
Wer sich intensiver mit der Sprache der Jugendlichen beschäftigt und sich deren Alltagssprache genauer anhört, staunt nicht schlecht, wie phantasievoll die Sprache der Jugend ist. Wörter wie beknackt, cool, fetzig, geil, voll krass, chillig… oder aufreißen, rumhängen, schnallen, chillen… oder Freak, Tussi, Mutti, Alter… sind altbekannt und fast schon out. Weitaus interessanter sind die neu erfundenen Wortschöpfungen.
Seit sieben Jahren führt der Langenscheidt-Verlag eine Werbeaktion durch, die unter anderem von der Gesellschaft viel Kritik einsteckt. Dabei geht es um die Nominierung des „Jugendwortes des Jahres“. Es stehen immer zehn Wörter zur Auswahl. An dieser Online-Abstimmung können alle teilnehmen. Hier einige Beispiele der letzten Befragungen:
Bambusleitung
= schlechte Internetverbindung
Tintling
= Tätowierter
Uhrensohn
= jemand, der sich zur falschen Zeit wie ein Idiot benimmt
isso
= Zustimmung, Bekräftigung
Hopfensmoothie
= Bier
Vollpfostenantenne
= Selfiestick
Tindergarten
= Sammlung von Kontakten beim Online-Dating
Banalverkehr
= belangloser Chatverlauf
kirscheln
= wie zwei Kirschen zusammenhängen, sich umarmen


Solche Wörter überleben meist nur eine kurze Zeit und zwar nur so lange, bis sie durch neue ersetzt werden. Im Buchhandel findet man laufend neue Auflagen von Jugendwörterbüchern, die allerdings von LinguistInnen eher kritisch betrachtet werden.
Müssen wir uns also wirklich Sorgen um die Sprache unserer Jugend machen und einen Sprachverfall befürchten? Zusammenfassend wage ich zu behaupten, dass von einem allgemeinen Sprachverfall nicht die Rede sein kann. Es handelt sich, meiner Meinung nach, bei der jeweiligen Jugendsprache um eine vorübergehende Umgangssprache, die sich dann mit zunehmendem Alter von alleine legt.
Petra Eisenstecken
langjährige Unterrichtserfahrung als Grundschullehrerin,seit 2010 Mitarbeiterin des Bereichs Innovation und Beratung,zuständig für die Fachdidaktik Deutsch Grundschule
Jugendsprache

Neue Trends in der Jugendliteratur

Neue Trends in der Jugendliteratur
Jugendbücher haben in den letzten Jahren ein breites Spektrum an Literaturgattungen und -genres umfasst und zum Teil auch neue literarische Mischformen geprägt. Die Landschaft der Jugendliteratur ist aber auch durch die Rückkehr des realistischen Jugendromans geprägt, oft auch mit Bezügen zu aktuellen, problemorientierten, ethischen Fragestellungen.
Comic-Roman/Graphic Novel
Eine der besonders populär gewordenen literarischen Mischgattungen, die viele Jugendliche zum eigenständigen Lesen animierte, ist der Comicroman. Durch die Kombination von Graphik und Text entstand dabei eine hybride Erzählform, in der sich Illustration und geschriebenes Wort kombinieren und gegenseitig ergänzen. Zu den erfolgreichsten Beispielen zählen Gregs Tagebücher von Jeff Kinney, von denen bereits elf Bände erschienen sind und weltweit so erfolgreich waren, dass drei davon sogar verfilmt wurden. Der Erfolg von sogenannten Graphic Novels gerade bei tendenziell weniger lesemotivierten jungen LeserInnen brachte zudem einige Verlage auf die Idee, Klassiker der Kinderliteratur, wie z. B. Moby Dick oder Pinocchio, in Form von Comic-Romanen zu publizieren.
Steampunk Novel und dystopische Romane
Eine zweite hybride Literaturgattung, die in den letzten Jahren unter Jugendlichen (aber auch unter Erwachsenen, weshalb man auch immer mehr von All-Age-Literatur spricht) populär wurde, ist der Steampunk-Roman. Darin vermischen sich futuristische Elemente aus der Science-Fiction-Tradition mit historischen Bezügen aus dem viktorianischen Zeitalter. Das wohl bekannteste Beispiel stellt die Trilogie The Hunger Games bzw. Die Tribute von Panem von Suzanne Collins dar, die ebenfalls verfilmt wurden. Steampunk-Romane beschreiben oft auch dystopische Szenarien, wobei dystopische Romane in der Zwischenzeit fast schon eine eigene Gattung definieren und Steampunk an Popularität übertreffen.
Dystopien sind negative Zukunftsvisionen, in denen die Zerstörung unserer Zivilisation durch apokalyptische Ereignisse (ökologische Katastrophen, Nuklearkriege, Machtergreifung der Maschinen usw.) und die Bestrebungen der überlebenden Menschheit in einer lebensfeindlichen Umwelt geschildert werden. Einige Beispiele dystopischer Romane, die in den letzten Jahren unter jungen LeserInnen besonders beliebt wurden, sind Stephanie Meyers Twilight-Romane, Ursula Potznanskis Eleria - Triologie, Erebos, Saeculum oder Ally Condies Cassia und Ky: Die Auswahl, Robin Wassermans ­Skinned, Das Ende der Welt von Daniel Höra, u. a.
Fantasy
Natürlich bleiben Fantasy-Romane unter Jugendlichen auch weiterhin beliebt. Die Darstellung antiker und mittelalterlicher Heldenepen, die Schöpfung mythischer, altertümlicher Phantasiewelten sowie die plastische Erdichtung fabelhafter Charaktere regen immer noch die Vorstellungskraft, und somit die Lesefreude, von Scharen jugendlicher LeserInnen an, wobei diese Literaturgattung auch oft ein erwachsenes Publikum anspricht (man denke an das Bestseller-Phänomen Harry Potter von Joanne K. Rowling).
Flucht, Gewalt, Rassismus: der realistische Jugendroman
In der Jugendliteratur ist allerdings auch ein Trend feststellbar, gesellschaftlich relevante Themen aufzugreifen und sich negativ behafteten sozialen und politischen Phänomenen zuzuwenden. Um hier nur ein paar wenige Beispiele zu nennen, steht im Jugendroman Dreckstück von Autorin Clémentine Beauvais ein rassistisch motivierter Übergriff von wohlhabenden Jugendlichen auf ein dunkelhäutiges Mädchen im Mittelpunkt der Handlung, während Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor von Joke van Leeuwen und Vielleicht dürfen wir bleiben von Ingeborg Kringeland Hald die Themen der Vertreibung, der Flucht, der durch kulturelle und gesellschaftliche Barrieren erschwerten Integration sowie der sich in verschiedenen Formen und Schattierungen mani­festierenden Feindseligkeit gegenüber MigrantInnen behandeln.
Die Tatsache, dass erfolgreiche Jugendromane immer mehr ethisch und politisch brisante Fragen aufgreifen, zeigt wie junge LeserInnen vermehrt das Bedürfnis verspüren, sich mit den aktuellen Problematiken ihrer Gesellschaft auseinander zu setzen und durchaus in der Lage sind, diese kritisch zu hinterfragen. Dass dies nicht nur (und möglicherweise auch nicht vorwiegend) über Tageszeitungen, Nachrichtensendungen und Talkshows, sondern auch über die literarische Form des Romans erfolgt, weist auf einen empathischen, existentiell vielschichtigen Zugang zu den genannten Phänomenen hin. Literatur erreicht eben gerade jene Ebenen des menschlichen Gemüts, die durch die nüchternen, statistischen, unpersönlichen Zahlendarstellungen der Medien größtenteils unberührt bleiben.
Umso mehr sollten Jugendliche zu solchen Lektüren angeregt werden, sei es in der Schule, in der Familie und, warum nicht, in den Jugendverbänden, -vereinen und -zentren. Gerade die Niederschwelligkeit der Offenen Jugendarbeit könnte sich besonders eignen, um den ­ersten Kontakt von vielleicht nicht besonders lesefreudigen Jugendlichen mit kosmopolitischer Literatur zu fördern. Daraus könnte nur Gutes entstehen, sowohl für das tiefere Verständnis der epochalen Veränderungen unserer Zeit als auch für eine offene, akzeptierende und wertschätzende Haltung gegenüber Menschen anderer Kulturen, Sprachen und Traditionen.
Literaturhinweise
Arbeitskreis für Jugendliteratur, Trendbericht Kinder- und Jugendbuch 2016. Integrationsmotor – Bücher verbinden und fördern interkulturelles Leben.
Isa Schikorsky, Grenzüberschreitungen: Trends und Tendenzen in der deutschen Kinder- und Jugendliteratur zu Beginn des 21. Jahrtausends, KinderundJugendmedien.de.
Jana Mikota, Trends und Tendenzen. Ein Blick auf die deutschsprachige Kinder- und Jugendliteratur nach der Jahrtausendwende, literaturkritik.de.
Gianluca Battistel
InfoEck

„Gemeinsam für ein besseres Internet“:

„Gemeinsam für ein besseres Internet“:
Das InfoEck als Fachstelle für sichere Nutzung digitaler Medien
FOTO: pixabay.com von Pexels

Das InfoEck – die Jugendinfo Tirol ist Kooperationspartner der österreichischen Initiative Saferinternet.at und seit 2016 zertifizierte Koordinationsstelle. Das InfoEck ist dabei Ansprechpartner für Jugendliche, Eltern, MultiplikatorInnen und Organisationen bei Fragen zur sicheren Nutzung von Internet und digitalen Medien sowie bei Problemen, die im Internet und bei der Handynutzung auftreten können. Wer Wert auf ein sicheres Profil legt, kann ins InfoEck kommen und einen Facebook- und/oder Instagram-Check machen. Dabei werden die Privatsphäre-Einstellungen in den sozialen Netzwerken auf ihre Sicherheit überprüft.
Fragen zur sicheren Nutzung von Internet und digitalen Medien werden gerne von den MitarbeiterInnen im InfoEck beantwortet oder können per Mail an medien@infoeck.at gestellt werden. Zusätzlich bietet die Jugendinfo ganzjährig auch den Workshop „App-Check“ sowie viele weitere Workshops zu anderen jugendrelevanten Themen an. Fortbildungen für Eltern und Lehrpersonen können ebenso gebucht werden. Das InfoEck und Saferinternet.at laden im Saferinternet-Monat Februar alle Tiroler Institutionen, Organisationen und Jugendeinrichtungen dazu ein, ein Projekt anzumelden und zusammen mit Jugendlichen Aktionen, Aktivitäten oder Veranstaltungen durchzuführen. Inspirationen für Projekte und Aktivitäten rund um das Thema „Neue Medien“ gibt es in allen InfoEck-Standorten und auf der Seite www.saferinternet.at.

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