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Mitdenken– Mitfühlen – Mitgestalten

Landesversammlung der Südtiroler Krebshilfe am 13. April in Terlan

Have a nice day– besser hätte das Quartett KLES das Eingangslied für die Eröffnung der Landesversammlung der Südtiroler Krebshilfe am 13. April in Terlan nicht aussuchen können. Und ein schöner Tag, bzw. Nachmittag war es auch in der Tat: Viele Informationen, Erleben der Gemeinschaft und berechtigter Stolzüber das Geleistete.
Zum ersten Mal also hat die Südtiroler Krebshilfe den Ort der Landesversammlung von Bozen verlegt. Das Vereinshaus Terlan war Austragungsort der Versammlung, für viele Mitglieder, insgesamt waren es 334, die aus allen Landesteilen zusammengekommen waren, also gleichzeitig ein kleiner Ausflug.
Landespräsidentin Renate Daporta Jöchler ging in ihrer Begrüßungsrede auf das Motto der Veranstaltung ein. „Es umschreibt, um was wir uns bemühen. Tag für Tag.“
Mitdenken: Welche Hilfe braucht der Patient, und wer könnte das besser einschätzen als Selbstbetroffene.
Mitfühlen: Herz und Einfühlungsvermögen zeigen für Menschen deren Situation von außen nur schwer zu verstehen ist. Das große Herz der Krebshilfe und die Wärme des Verständnisses allen spürbar werden zu lassen.
Mitgestalten: In die Zukunft schauen, Entscheidungen beeinflussen, konstruktives Miteinander mit Politik, Bürgern, Ärzten und Interessensvertretern pflegen."Um all dies leisten zu können", so Renate Daporta,"brauchen wir breite Unterstützung von außen und die können wir nicht bekommen, wenn wir uns verstecken. Vielen ist gar nicht bewusst, welche Anliegen die SKH hat und was sie alles tut."Dies noch besser mitzuteilen, war eines der Anliegen des vergangenen Jahres. Daporta sprach allen, die die Krebshilfe unterstützen und allen freiwilligen und angestellten Mitarbeitern ihren großen Dank für ihren Einsatz aus.
Die Versammlung gedachte mit einer Schweigeminute der im vergangenen Jahr am 28. Mai verstorbenen langjährigen Vorsitzenden des Bezirks Meran Burggrafenamt, Margit Drabek Thies.
Der EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann hatte den Vorsitz inne und führte nonchalant durch die Versammlung, moderiert wurde die Versammlung von Brigitte Krapf. Ehrengäste waren Landesrat Richard Theiner, der Präsident des Gemeindenverbands, Arno Kompatscher, die Vizepräsidentin des Regionalrats, Martha Stocker, die Vorsitzende der SVP-Frauen Angelika Margesin, die SVP-Landtagsabgeordnete Veronika Stirner, die Krebsforscherin und Mikrobiologin PetraObexer. Der Präsident des Dachverbands der Sozialverbände, Stefan Hofer, Carmen Natoli von der Stomaträger Vereinigung, Rino Luppi, Vorsitzender des Sprechbehindertenverbands sowie Hedwig Wiedenhofer und Brunhilde Putzer von Medicus Comicus.
Und Ehrengäste waren natürlich auch die vielen Mitglieder, die sich die Mühe gegeben haben, an diesem Nachmittag nach Terlan zu kommen, um durch ihre Anwesenheit ihr Interesse für die Tätigkeit der Vereinigung zu zeigen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, allen zu helfen, die mit der Krankheit Krebs konfrontiert sind.
Herbert Dorfmann betonte in seiner Eröffnungsrede die große Bedeutung der Krebshilfe. „Die öffentliche Hand kann nicht alles leisten, es braucht mehr, es braucht ein Netz, das die Menschen auffängt, es braucht konkrete und praktische Hilfeleistungen und es braucht menschliche Wärme, Beistand.“ Als Europaparlamentarier gab er einen kurzen Überblick über die jüngsten Bemühungen im Rahmen des Europäischen Parlaments in Sachen Sanitätswesen. Ziel der Europa-Politik ist es einen europaweiten und einheitlichen Gesundheitsmarkt zu fördern, der allen EU-Bürgern Zugang zu den gleichen Institutionen gibt und jedem die bestmögliche Behandlung garantiert. „Wir arbeiten an der Einrichtung von hochspezialisierten Zentren in Europa und solche Zentren wird es auch hier geben“, betonte Dorfmann.
Landesrat Richard Theiner ging in seiner Begrüßungsrede auf die Reform der Tumorchirurgie in Südtirol ein. „Jeder hat mich gewarnt dieses heiße Eisen im Wahljahr anzupacken. Aber vor diesem wichtigen Thema haben politische Überlegungen keinen Bestand. Wenn ich nicht selbst in der Familie die Erfahrung mit Krebs gemacht hätte“, unterstrich der Landesrat, „wäre ich dieses Thema vielleicht gar nicht angegangen. Aber so habe ich es getan und mit höchster Überzeugung und gegen den erbitterten Widerstand von Interessenvertretern!“ Die flächendeckende Grundversorgung, so Theiner, sei wichtig, aber „hier geht es um Leben oder Tod, da hat Kirchturmdenken nichts zu suchen, da bin auch ich erst Gesundheitslandesrat und dann Vinschgauer.“ Landesrat Theiner begrüßte das Motto der Landesversammlung:"Mitdenken - Mitfühlen – Mitgestalten ist wichtig. Wir brauchen Frauen und Männer, die sagen, ich hab das erlebt, ich weiß, was man dabei fühlt und ich kann dem anderen helfen.“
Arno Kompatscher sprach der Südtiroler Krebshilfe ein großes Kompliment für ihre Tätigkeit aus, die so nahe am Menschen und seinen Bedürfnissen ausgerichtet sei und so vielen Betroffenen Gemeinschaft und echte Hilfe vermittle.
Die Chefin der SVP-Frauen, Angelika Margesin zeigte sich erfreut, dass die diesjährige Primelaktion ein Plus von 13 % verzeichnen konnte. Insgesamt 50.820 € konnten die SVP-Frauen aus dem Verkauf von Primeln für die Krebshilfe sammeln. „Seit 13 Jahren starten wir um den Weltfrauentag diese Aktion und fühlen uns der Krebshilfe tief verbunden“, so Margesin. Die SVP-Frauen hatten an 153 Orten Stände errichtet und mehr als 31.000 Primeln verkauft. Das Geld fließt in die Krebsforschung.
Im Rahmen der Landesversammlung wurde das erste Mal der Preis Vitus für besondere Verdienste um die Krebshilfe vergeben. Die Bronzestatue ist ein Werk des Eisacktaler Künstler Josef Rainer. Die Wahl für den ersten Preisträger fiel nicht schwer. Dr. Helmuth Amor, Gründungsmitglied und seitJahrzehnten Mentor der Krebshilfe (weiteres hierzu in einem eigenen Bericht).
Den Tätigkeitsbericht über die zahlreichen Aktivitäten und den Aufwand von Mitteln im Rahmen der Arbeit der Krebshilfe wurde mit einem Zitat von Bertold Brecht eingeleitet: „… denn die einen stehen im Dunkeln, die anderen im Licht…“ Im Jahr 2012 hat die Krebshilfe ganz bewusst in Öffentlichkeitsarbeit investiert. Die neue Agenda wurde herausgegeben, in der Termine und Informationen übersichtlich und auf einen Blick aufbereitet sind. Die Webseite wurde erneuert, eine Facebook-Seite eingerichtet. In zahlreichen Aktionen hat die Krebshilfe auf ihre Tätigkeit und dieThemen, die ihr am Herz liegen, wie Vorsorge und Screening, aufmerksam gemacht. Zum Beispiel mit der Aktion"Begehbares Brustmodell"in den Brustgesundheitszentren Brixen und Meran (wir berichteten) oder durch Besuche in Oberschulen. Auch zahlreiche Broschüren und die Zeitschrift „Die Chance“ dienen der Verbreitung von Informationen. Gut investierte Mittel, denn um Unterstützung zu erhalten, muss man im Licht stehen.
Die Krebshilfe hat die Zusammenarbeit mit dem Sanitätsbetrieb und der Autonomen Provinz und auch mit anderen Verbänden intensiviert. Zum Beispiel mit dem Dachverband für Sozialverbände, mit Partnerverbänden wie LILT, mamazone, dem Verband der Stomaträger und dem Sprechbehindertenverband, mit der Spendenplattform"Südtirol hilft", mit der Stiftung Vital, aber auch mit Sponsoren wie der Stiftung Sparklasse oder dem Raiffeisenverband.
Bis zum 31. Dezember zählte die Krebshilfe 8.706 Mitglieder, davon 3.122 ordentliche und 5.594 fördernde Mitglieder. Die Krebshilfe konnte 85 neue fördernde Mitglieder verzeichnen. 2.641 Mitglieder haben die Dienste der Krebshilfe in Anspruch genommen, 160 mehr als 2011. Insgesamt wurde 988 Personen finanzielle Unterstützung zukommen gelassen, im Wert von 375.398,58 €. 33 Familien, die durch die Krankheit unverschuldet in einen finanziellen Notstand geraten sind, konnte geholfen werden, 20 Familien erhielten Mittel aus dem Kinderhilfsfond. Die Krebshilfe ist stolz darauf, dass sie sich 2012 zu drei Prozent mehr eigenfinanzieren konnte als 2011. 56 % der aufgewendeten Mittel kamen aus eigenen Mitteln, Mitgliedsbeiträgen, Veranstaltungen und Spenden, 44% der Mittel kamen von der öffentliche Hand.
Ein kleines Kuriosum zum Abschluss: Unter Allfälliges stellte ein Mitglied eineberechtigte Frage, die auf Antwort wartet. Warum ist eigentlich der Jahres-Mitgliedsbeitrag von 10 € noch nie erhöht worden?


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Vitus sagt Danke

Dr. Helmuth Amor ist erster Preisträger von Vitus

Landespräsidentin Renate Daporta Jöchler hat mithilfe einer kleinen List sichergestellt, dass Dr. Helmuth Amor auch wirklich zur Landesversammlung kommt. Ob er an einer Podiumsdiskussion teilnehmen könne. Als sie ihn auf die Bühne bat, hatte er auch tatsächlich einige Blätter mit Notizen in der Hand,die er dafür vorbereitet hatte

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Überraschter hätte der ehemalige Primar der Onkologie nicht sein können. Er hatte tatsächlich nichts geahnt und war umso berührter als Renate Daporta Jöchler ihn mit der Bronzeskulptur Vitus im Arm darüber aufklärte, dass er auf die Bühne gerufen worden sei, um eine Ehrung entgegenzunehmenund nicht für eine Diskussionsrunde. Die kleine Skulptur zeigt einen Helfenden und einen Hilfesuchenden, die sich einander zuneigen.
Seit 31 Jahren, so Daporta in ihrer Laudatio, setzt sich Dr. Amor, bis 2007 Primar der Onkologie, konkret für die Belange der Krebskranken ein. In den damaligen Jahren besorgte er mit der ersten Landespräsidentin, Mariangela Berlanda Poles zusammen Krebsmedikamente in Deutschland, die auf dem italienischen Markt noch nicht erhältlich waren. Er hat wesentlich zur Verbesserung der Situation der Krebskranken in Südtirol beigetragen, hat Kontakte geknüpft, Vorträge gehalten, sich für die Einführung der Lymphdrainage (1989) eingesetzt und an der Gründung des Reha Salus Center mitgewirkt, sich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen der Kranken eingesetzt.
Dr. Helmuth Amor ist ein Gentleman der alten Schule, aber in einem Moment wie diesem kannte auch er keine Zurückhaltung mehr. Rührung und Freude standen ihm im Gesicht geschrieben.
Chance: Welches Thema hatten Sie denn vorbereitet für diese Podiumsdiskussion?
Dr. Amor: Die Krebsbehandlung in den 50er Jahren
Chance: Was sagen Sie zu Vitus?
Dr. Amor: Im Moment nicht viel. Ich bin einfach sprachlos, überrascht, gerührt. Sicher, ich war von Anfang an dabei, aber ich habe doch eigentlich nie etwas Besonderes getan… Ich meine, ich habe einfach das getan, was ich als Arzt für richtig hielt.
Chance: Wann wurden Sie denn Primar der Onkologie?
Dr. Amor: Das war 1980. Damals hatte die Krebsbehandlung in Südtirol keinen guten Stand. Wir hatten keinen Raum, keine Mittel. Keine Medikamente. Ich bin damals viel umhergereist, um die Patienten besser aufzuklären und auch um zur Vorsorge anzuregen. Von Anfang an war mir klar, dass wir den Menschen nicht nur medizinische, sondern auch menschliche und finanzielle Unterstützung zukommen lassen müssen. Dank der Unterstützung der damaligen Landesrätin für das Gesundheitswesen, Waltraud Gebert Deeg, konnten wir diese Dinge angehen.
Chance: Wissen sie schon, an welchen Platz Vitus bei Ihnen zuhause kommt?
Dr. Amor: Auf meinen Schreibtisch natürlich.
Chance: Was tut ein Primar in Pension?
Dr. Amor: Nach meiner Pensionierung habe ich fünf Jahre an derClaudiana als wissenschaftlicher Leiter gearbeitet, seit 1978 habe ich eine Dozentur an der Uni Innsbruck. Eine Privat-ordination wollte ich nicht aufmachen. Jetzt habe ich vier Enkelkinder und habe Zeit für Dinge, die vorher zurücktreten mussten. •