Aktuell

Wahlversammlung in Schlanders

Mitgliederversammlung im Vinschgau/Rückblick und Vortrag
Eine Bilderschau, Grußworte der Referentin für Gesundheit und Soziales der Gemeinde Schlanders, Dunja Tassiello, Stimmauszählung und ein interessanter Vortrag über Dickdarmkrebs von Dr. Susanne Therese Pragal – das war die Versammlung des Bezirks Vinschgau am 24. Februar in Schlanders.
So und ähnlich werden auch in den anderen Bezirken die Versammlungen abgelaufen sein, bei denen die Wahlzettel ausgewertet wurden. Was auf den ersten Blick auffiel: Unter den etwa vierzig Teilnehmern an der Veranstaltung waren nur sechs Männer. Ein Verhältnis, das auch in ungefähr die Mitgliederzahl der Krebshilfe widerspiegelt. Kaum mehr als ein Zehntel der Mitglieder sind Männer, an Krebs erkranken allerdings immer noch etwas mehr Männer als Frauen! Und dieses Verhältnis zeigt einen Handlungsbedarf auf, dem sich die neuen Vorstände in der nächsten Amtsperiode werden stellen müssen. Ebenso wie der Tatsache, dass Strategien gefunden werden müssen, um die immer jünger werdenden Betroffenen adäquat anzusprechen und in die Krebshilfe zu integrieren.
Vorträge, Ausflüge, ein gemeinsames Grillfest mit dem Bezirk Meran Burggrafenamt, Weihnachts- und Sommerfeiern, Turnen, Schwimmen, Mal- und Kochkurse. Der Bezirk Vinschgau war im vergangenen Jahr sehr aktiv und viele Mitglieder haben das vielfältige Angebot wahrgenommen.
Die Vertreterin der Gemeinde Schlanders, Dunja Tassiello, sprach einen Aspekt an, der tatsächlich in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. „Krebs ist eine Familienkrankheit. Die Diagnose verändert von heute auf morgen alles. Nicht nur für den unmittelbar Betroffenen.“ Gemeinsam heißt es hoffen, leiden und kämpfen und die Krebshilfe steht in dieser Situation nicht nur den Erkrankten, sondern auch ihren Angehörigen zur Seite. „Und auch wir von der Gemeinde wollen unterstützen, wo es nur geht!“
Die scheidenden Vorstandsmitglieder wurden in den Wahlen alle bestätigt, allen voran die Vorsitzende Helga Wielander, die ihrer Aufgabe mit viel Passion und Einsatz nachgeht. Margareth Telser, seit acht Jahren Expertin für ethische Fragen. Rebekka Wallnöfer zuständig für Kreatives, für Sport und Reha. Elisabeth Platzgummer, Garantin der sachlichen und demokratischen Zusammenarbeit im Team. Bernhard Staffler, umtriebig bei den Veranstaltungen und ruhender Pol. Das jüngste Mitglied Katherina Pichler, zuständig für den Bereich Fortbildung. Joachim Stecher hat nicht wieder kandidiert, bleibt aber weiterhin Verbindungsglied zum Obervinschgau und Bernhard Staffler wird die Kasse verwalten. Auch Dr. Heinrich Stecher ist nicht mehr zur Wahl angetreten. In den vergangenen Jahren war er Referent für medizinische und wissenschaftliche Themen und Moderator. Er bedankte sich bei den anderen für die Rücksichtnahme auf seinen stets vollen Terminkalender und versprach weiterhin zur Verfügung zu stehen für Moderationen. Neu im Vorstand ist Robert Peer. Begleitet wurde die Versammlung von Josef Sprenger auf der Ziehharmonika.
Dr. Susanne Pragal: Den inneren Schweinehund überwinden!
Vortrag über Dickdarmkrebs
Während im Nebenraum unter Aufsicht von SKH-Koordinator Marcus Unterkircher die Stimmzettel ausgewertet wurden, folgten die Mitglieder einem interessanten Vortrag von Dr. Susanne Pragal, Internistin am Krankenhaus Schlanders zum Thema Darmkrebs.
Darmkrebs ist eine Zivilisationserscheinung und hat viel mit der Esskultur zu tun. In Ländern wie Brasilien, Argentinien, Australien, Neuseeland, USA wo traditionell viel Fleisch gegessen wird, ist diese Krebsart sehr verbreitet. Ebenso in den nordeuropäischen Ländern. Wo viel Fisch, viel Gemüse und wenig (rotes) Fleischgegessen wird, sinken die Zahlen: Indien, Griechenland, Spanien und Finnland schneiden hier am besten ab. Aus Afrika liegen keine Zahlen vor.
Bei Frauen und Männer ist Dickdarmkrebs auch in Italien an zweiter Stelle, nach Brust- und Prostatakrebs. Ein deutlicher Anstieg der Erkrankungen ist nach 55/ 60 Jahren zu verzeichnen. „Hier machen sich heute auch gesellschaftliche Unterschiede bemerkbar“, betonte Dr. Pragal. „Vor 25 Jahren waren Patienten mit 75 alt und wurden nicht mehr therapiert, heute ist man mit 90 alt und ein rüstiger 85jähriger wird sehr wohl noch einer Chemotherapie unterzogen, wenn sein Gesamtzustand gut ist!“ Das ist die gute Nachricht: Krebs nimmt zu, das stimmt. Aber warum? „Weil wir immer älter werden, weil wir Patienten behandeln, die früher aufgegeben wurden und weil die Patienten heute mit Krebs viel länger leben.“ Darmkrebs ist ein Krebs, dem jeder durch einen bewussten Lebensstil, kein Übergewicht, wenig Fleisch und Fett, wenig Alkohol, viel Gemüse, Vollkorn und Obst vorbeugen kann. „Nicht rauchen, saufen, fressen und den inneren Schweinhunde überwinden und sich 30 bis 60 Minuten am Tag moderat bewegen“, brachte es die Ärztin auf den Punkt. Moderat bewegen heißt, Treppen laufen, das Auto stehen lassen, Spazierengehen… Darmkrebs ist zudem ein sehr langsam wachsender Krebs, bei dem die Vorsorgeuntersuchungen sehr gut greifen (Stuhltest auf Blutspuren, Dickdarmspiegelung) und der bei einer frühen Diagnose heilbar ist. Deshalb der Aufruf an alle, die Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig wahrzunehmen. Auch Dr. Heinrich Stecher, Gynäkologe und scheidendes Vorstandsmitglied des Bezirks rief die Anwesenden zu mehr Verantwortung im Umgang mit sich selbst auf: „Bestimmte Dinge können wir nicht verändern, unsere Gene, die Hautfarbe... Krebs ist eine schwerwiegende Erkrankung, aber viel mehr Menschen sterben an Herzinfarkt, 50% der Patienten erleben das erste Jahr nicht! Und gegen Krebs können wir etwas tun, gesünder leben, auf die kleinen Dinge achten…“
Turbulente Jahre – große Herausforderung
Ida Schacher ist wieder Vorsitzende des Bezirks Pustertal
Ida Schacher wird auch in den nächsten vier Jahren die Geschicke des Bezirks Pustertal lenken. In den letzten vier Jahren hat sie mit Bescheidenheit und großem Engagement sehr kompetent die Funktion der Landespräsidentin der Südtiroler Krebshilfe ausgeübt.
Chance: Ida, Sie haben vor vier Jahren ein Amt angetreten, das Sie eigentlich nie angestrebt haben.
Ida Schacher: Meine Stärke liegt mehr im Zwischenmenschlichen als in der Öffentlichkeitsarbeit, dazu stehe ich. Ich habe mich sehr darum bemüht, meinen Verpflichtungen nachzukommen, und ich gebe zu, dass es nicht immer leicht war, auch aus logistischen Gründen, ich lebe in Toblach. Es waren turbulente Jahre und eine große Herausforderung für mich.
Chance: Was nehmen Sie mit aus dieser Zeit?
Ida Schacher: Es war eine große Aufgabe, die mir auch sehr viele schöne Erfahrungen und Begegnungen beschert hat. Sehr zeitaufwändig, aber das ist selbstverständlich. Ich habe viele Kontakte knüpfen können, in der Verwaltung, im Gesundheitswesen, mit Politikern, mit Ärzten, mit den Krankenhäusern. Auch grenzüberschreitende Kontakte nach Österreich und der Provinz Belluno, die gerne unsere Art der Krebshilfe kopieren würden. Kontakte mit dem Tumorzentrum in Aviano und mit den Frecce Tricolori, die dort ihre Militärflug-Basis haben...
Chance: Welches Bild haben Sie sich auf Ihren Reisen durch Südtirol von unserem Gesundheitswesen gemacht?
Ida Schacher: Ein sehr gutes Bild! Unsere Tumorpatienten haben hier im Land viele gute Therapie-Möglichkeiten. Wir haben ausgezeichnete Tageskliniken, die Ärzte und das Pflegepersonal nehmen sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten Zeit für die Patienten.
Chance: Und wie haben Sie die Krebshilfe während dieser Zeit erlebt?
Ida Schacher: Noch mehr als vorher als große Familie. Es gab eine gute Zusammenarbeit mit den Bezirken und den anderen Vorsitzenden, wir sind uns auch privat nähergekommen, es ist wichtig, sich besser kennenzulernen, wenn man so wichtige Dinge gemeinsam vorantreiben muss.
Chance: Und werden Sie für eine weitere Amtsperiode zur Verfügung stehen?
Ida Schacher: Wenn es mich braucht, werde ich mich sicher nicht dieser Verantwortung entziehen. Aber wenn jemand anderes den Vorsitz übernimmt, dann passt es auch. Dann kann ich mich wieder mehr meinen Patienten im Bezirk widmen. Ich habe in diesen Jahren viel Dankbarkeit erfahren, viele Händedrucke. Das hat mich auch persönlich sehr bereichert.
Chance: Sollten Sie wieder Landespräsidentin werden, welche Prioritäten werden Sie setzen?
Ida Schacher: Ich würde eine zweite Amtszeit sicher mit mehr Ruhe angehen. Wir sollten unsere Öffentlichkeitsarbeit noch weiter intensivieren, noch mehr auf Forschung und vor allem Prävention setzen. Die Menschen sollten sich der Wichtigkeit der Vorsorge noch mehr bewusst werden. Eine große Herausforderung sehe ich auch in der Aufgabe, vermehrt Mitglieder zu aktivieren und in die Organisation der Krebshilfe einzubinden. Das Hauptziel ist, für alle unsere Patienten die besten Bedingungen im menschlichen und sozialen Bereich zu schaffen.
Die jüngeren Patienten ansprechen
Helga Wielander: Vorsitzende des Bezirks Vinschgau
Als kooptiertes Mitglied ist Helga Wielander Vorsitzende des Bezirks Vinschgau geworden. Ein Bezirk, der am westlichen Rand Südtirols liegt, weit entfernt vom Zentrum. Nicht einfach, alleine eine Linie zu finden und den Kontakt zu den anderen Bezirken nicht zu verlieren.
Chance: Sie waren kaum als kooptiertes Mitglied in den Vorstand des Bezirks aufgenommen worden, als sie auch schon mit der Leitung beauftragt wurden als Vorsitzende. Nicht ganz so einfach, oder?
Helga Wielander: Alles andere als einfach. Ich habe nach meiner vorzeitigen Pensionierung beschlossen, die mir gutgeschriebenen Jahre durch soziales Engagement und Volontariat sozusagen auszugleichen. Aber ich hätte natürlich nicht damit gerechnet, gleich an die Spitze eines Bezirks zu kommen. Es war nicht selbstverständlich, ich musste mich einarbeiten, verstehen, wie alles funktioniert, lernen, was es braucht und was von mir verlangt wird.
Chance: Was war am schwierigsten zu bewerkstelligen am Anfang?
Helga Wielander: Mein größtes Problem war, mit Menschen umzugehen, die sehr krank waren. Ich hatte Angst davor, wusste nicht, wie ich mich verhalten sollte. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es dann wie von selbst ging. Und ich muss gestehen, dass diese Menschen mir sicherlich mehr mitgegeben haben, als ich ihnen zu geben in der Lage war. Mein größtes Problem ist immer noch, dass wir die Menschen nicht gesund machen können.
Chance: Aber Sie können viel dafür tun, dass sie gesund bleiben!
Helga Wielander: Das stimmt natürlich und deswegen ist uns auch die Vorsorge ein sehr großes Anliegen. Wir hatten das Glück, dass wir die letzten acht Jahre einen Arzt, den Gynäkologen Dr. Heinrich Stecher, im Vorstand hatten, der nicht nur kompetent, sondern auch sehr sensibel für die Belange der Patientinnen und Patienten war.
Chance: Sie haben wieder kandidiert, obwohl die Zeit eigentlich abgelaufen wäre…
Helga Wielander: Ja … aber nun bin ich dabei und bleibe dabei.
Chance: Welche Anliegen haben Sie für die nächsten vier Jahre?
Helga Wielander: Wir müssen versuchen, noch besser für die Menschen in Schwierigkeiten da zu sein. Geld und Sachspenden sind wichtig, aber noch wichtiger ist es, für die Betroffenen da zu sein und rechtzeitig zu erkennen, was sie brauchen.
Chance: Die Bedürfnisse der Krebspatienten haben sich in den letzten Jahren geändert?
Helga Wielander: Das stimmt, immer mehr Menschen stehen noch mitten im Arbeitsleben. Sind noch im Aufbau von Familie und Berufsleben begriffen. Diese Menschen können viele unserer Angebote gar nicht wahrnehmen.
Chance: Eine Zeitfrage und auch eine Frage des Interesses?
Helga Wielander: Wir haben schon alles versucht mit unseren Turn- und Gymnastikkursen. Morgens, mittags, fehlt vielleicht noch der etwas spätere Abend. Es tut mir leid, dass gerade diese Kurse nicht die Jüngeren erreichen. Sie wirken fast wie Selbsthilfegruppen. Mein wichtigstes Ziel in den nächsten vier Jahren wird sein, etwas zu finden, um die jüngeren Patienten anzusprechen.
Helfen ist mir eine Notwendigkeit
Mariangela Berlanda wird weiterhin den Bezirk Überetsch Unterland leiten
Am 27. April wird sie 83 Jahre alt, aber zum alten Eisen gehören möchte sie nicht und die Mitglieder im Überetsch und im Unterland haben Mariangela Berlanda auch für die nächsten vier Jahre die Leitung des Bezirks anvertraut.
Chance: Sie sind seit dem ersten Tag bei der Südtiroler Krebshilfe dabei, immer in vorderster Front und immer noch nicht müde?
Mariangela Berlanda: Die anderen haben beschlossen, mir noch einmal die Leitung des Bezirks anzuvertrauen, da kann ich doch nicht nein sagen! Das in mich gesetzte Vertrauen gibt mir Kraft. Und wenn ich merke, dass ich es nicht mehr packe, dann werde ich die Erste sein, die sagt, es ist genug.
Chance: Der Nachwuchs ist auch bei der Krebshilfe ein großes Problem. Gibt es jemanden, der sie ersetzen könnte?
Mariangela Berlanda: Wir haben nach den Wahlen neue Mitglieder im Ausschuss, aber ich kann jetzt nicht den frisch Dazugestoßenen schon die Leitung überlassen. Das braucht Zeit.
Chance: Gibt es, wenn Sie zurückblicken, Dinge, auf die Sie besonders stolz sind oder auch Dinge, wo Sie sagen, das würde ich heute anders machen?
Mariangela Berlanda: Ich muss sagen, dass ich, alles was ich mir vorgenommen habe, auch durchgezogen habe. Und wenn ich etwas Neues angefangen habe, ist es immer gut gegangen.
Chance: Auch im letzten Jahr Ihrer nun abgelaufenen Amtsperiode haben Sie etwas Neues auf die Beine gestellt.
Mariangela Berlanda: Sie meinen den Benefizlauf? Ja und er ist trotz schlechten Wetters gut gelungen!
Chance: Was sehen Sie als Ihre größte Aufgabe?
Mariangela Berlanda: So früh wie möglich mit den Betroffenen in Kontakt zu treten. Schon gleich im Krankenhaus. Um Ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Und es werden immer mehr. Wir haben über achthundert Erkrankte im Bezirk. Erst gestern (Mitte März, Anm. d. Red.) habe ich von zwei neuen Fällen erfahren. Junge Menschen!
Chance: In der Tat erkranken immer mehr Menschen schon in einem Alter unter 40 an Krebs. Ändert das etwas, wie man sie anspricht?
Mariangela Berlanda: Die Not ist immer die gleiche. Der Schock, die Angst, das Sich-Ausgeliefertfühlen. Man muss ihnen zeigen, dass sie nicht alleine sind. Helfen ist für mich eine Notwendigkeit.
Wir werden zusammenwachsen
Maria Claudia Bertagnolli ist die neue Vorsitzende des Bezirks Bozen Salten Schlern
Sie ist neu im Vorstand und gleich zur Vorsitzenden und Nachfolgerin von Monika Gurschler gewählt worden. Maria Claudia Bertagnolli. Seit einem Jahr in Pension, hat sie das erste Jahr zur Weichenstellung genutzt. Als ehemalige Mitarbeiterin im Assessorat für Kultur und im Schulamt ist sie geübt im Umgang mit Behörden und im programmatischen Arbeiten. Nun möchte sie ihre Kompetenzen in den Dienst der Krebshilfe stellen.
Chance: Maria Claudia, was werden als Newcomerin Ihre ersten Schritte sein?
Maria Claudia Bertagnolli: Ich werde sicher nicht sofort alles ändern, sondern die Linie meiner Vorgängerin weiterführen. Jetzt heißt es für mich vor allem lernen und kennenlernen. Die vielfältigen Tätigkeiten der Krebshilfe, die Menschen. Und dann werde ich zusammen mit meiner Stellvertreterin und mit meinem Vorstand entscheiden, welchen Weg wir einschlagen werden.
Chance: Sie sind selbst auch Betroffene.
Maria Claudia Bertagnolli: Meine Erkrankung liegt zehn Jahre zurück. Ich hatte Brustkrebs und zähle mich zu den glücklichen Personen, die alles heil überstanden haben. Während der Erkrankung habe ich alle Stationen durchlaufen: Operation, Chemotherapie, Strahlentherapie, so dass ich mich in die Betroffenen einfühlen kann.
Chance: Sie sind sensibel für die Nöte Ihrer Mitmenschen und sind auf verschiedenen Ebenen engagiert.
Maria Claudia Bertagnolli: Ich war für viele Jahre die Vizedirektorin der Gesellschaft für Psychosynthese, von Anfang an bin ich bei den „Donatori di Musica“ dabei und noch heute ist es für mich eine große Emotion, wenn ich den in Konzertsaal verwandelten Wartesaal der Onkologie, der nach der Musikerin Carlotta Nobile benannt ist, betrete. Seit einem Jahr bin ich in der Ausbildung zur Sterbebegleiterin.
Chance: Wo sehen Sie Ihren wichtigsten Aufgabenbereich?
Maria Claudia Bertagnolli: Von größter Bedeutung ist sicher der Kontakt mit den Betroffenen. Zuhören, aber auch sich mit Blicken, mit einem Händedruck verständigen, die Sprache der Stille verstehen. Ich möchte 360 Grad offen sein, für alle Belange, die an mich herangetragen werden. Ich sehe dieses Amt als eine neue Herausforderung an, eine neue Rolle, in die ich hineinwachsen muss, Schritt für Schritt und ich werde mich bemühen, mich noch mehr den Bedürfnissen der anderen zu öffnen.
Chance: Bozen gilt als schwieriger Bezirk, er ist aufgrund des Stadt-Landgefälles sehr heterogen. Die italienischsprachige Stadt und die ländlichen, deutschsprachigen Gebiete der Hochplateaus von Salten, Ritten und Schlern.
Maria Claudia Bertagnolli: Mein Deutsch ist etwas aufzufrischen, aber ich werde als Vorsitzende für alle da sein. Meine Vorstellung ist, dass jeder seine Sprache spricht. Wir werden zusammenwachsen.
Jetzt bin ich glaubhafter
Martha Feichter, Bezirksvorsitzende Unterpustertal: Auch während ihrer Erkrankung im Einsatz
Im Jahr 2000 ist sie zur Krebshilfe gestoßen. Ein Jahr, in dem sie vier liebe Menschen, darunter ihren Bruder, durch Krebs verloren hat. Vor drei Jahren ist Martha Feichter selbst erkrankt. Dennoch ist sie mit Hilfe ihres Vorstandes allen Aufgaben als Vorsitzende des Bezirks Unterpustertal nachgekommen und steht eine weitere Amtszeit zur Verfügung.
Chance: Sie haben während Ihrer Amtszeit viele Perücken an Patienten verteilt. Dann hat es Sie selbst getroffen.
Martha Feichter: Ja, vor drei Jahren war auch ich mit der Diagnose, „Sie haben Krebs“ konfrontiert. Gebärmutterkrebs. Ich bin operiert worden, habe mich der Chemotherapie unterzogen und habe Bestrahlungen bekommen.
Chance: Bis dahin kannten Sie Krebs nur von außen…
Martha Feichter: Wenn man diese Erfahrung selbst durchmacht, versteht man noch besser wie es den Patienten geht. Vor allem habe ich gelernt, dass es heißt Tag für Tag zu leben und jeden Tag für das zu nehmen, was er ist. Ich glaube, dass ich heute den Patienten noch eine bessere Stütze sein kann, weil ich jetzt genau nachempfinden kann wie sie fühlen und glaubhafter bin, wenn ich sage, schau, ich weiß, was Du gerade durchmachst.
Chance: Sie haben sich während Ihrer Krankheit nicht zurückgezogen.
Martha Feichter: Ich wusste ja, dass jeder Dritte oder Vierte in seinem Leben Krebs bekommt und so hat es eben auch mich getroffen. Vielleicht hat es mich deshalb nicht so sehr geschockt, ich bin beim ersten Anzeichen sofort zur Kontrolle gegangen und hatte vollstes Vertrauen in die Ärzte und wollte mir nicht den Kopf vollstopfen mit irgendwelchen alternativen Therapien. Ich habe das Angebot von Akupunktur und Homöopathie genutzt und hatte eigentlich immer Vertrauen, dass ich es schaffe. Schlimm war für mich nur die Zeit nach der Operation, als ich vier Wochen auf den zytologischen Befund warten musste.
Chance: Und Sie waren während Ihrer Krankheit immer im Bezirk präsent.
Martha Feichter: Für mich ist die Krebshilfe eine Arbeit und auch eine Mission. Natürlich, ohne die Unterstützung des Vorstandes hätte ich es nicht geschafft. Aber die Arbeit hat mir nicht zuletzt auch geholfen, mich von der Krankheit abzulenken. Auch in der Familie habe ich mich weiterhin eingebracht und bin meinen Aufgaben als Großmutter nachgekommen. Und wenn ich vielleicht irgendwo nicht hinkommen konnte, dann habe ich trotzdem im Kopf weitergearbeitet. Wir haben eine ausgezeichnete Sekretärin im Bezirk, Dr. Unterkircher hat mich unterstützt und das Schlafen in der Nacht habe ich als Medizin empfunden.
Chance: Sollten Sie wieder als Vorsitzende bestätigt werden, welche Anliegen möchten sie in den nächsten vier Jahren besonders vorantragen?
Martha Feichter: Ich würde mir mehr Beteiligung an unseren Veranstaltungen wünschen. Das Interesse ist da, das hat ja auch der vollbesetzte Saal bei den Ersten Brunecker Krebsgesprächen gezeigt. Aktionen wie das Herzkissen und die Verteilung von Bhs machen uns bei den Betroffenen bekannt und die Patienten werden zu uns geschickt, aber oft bleibt es dann bei diesen ersten Kontakten. Aktionen sind zeitraubend, aber ich glaube, wir müssen einfach noch mehr aktiv werden und besser auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen.
Chance: Sehen Sie ein Generationsproblem?
Martha Feichter: Natürlich. Wir würden sehr gerne auch die jungen Menschen ansprechen, und das ist ganz schwierig, denn sie haben keine Zeit, zwischen Familie, Arbeit und Erkrankung. Hier heißt es umdenken!
Es braucht frischen Wind!
Monika Gurschler hat nach acht Jahren nicht mehr für den Vorsitz kandidiert
Ihre größte Aufgabe war die Rosenaktion und die wird sie auch in Zukunft für den Bezirk organisieren. Monika Gurschler bleibt dem Bezirk Bozen Salten Schlern für eine weitere Amtsperiode als Vorstandsmitglied erhalten.
Chance: Acht Jahre lang haben Sie die Geschicke des Bezirks Bozen geleitet. Keine leichte Aufgabe?
Monika Gurschler: Ich habe es gerne gemacht und ich muss sagen, dass wir im Vorstand sehr gut zusammengearbeitet haben. Bozen ist nicht leicht, das stimmt. Alles liegt weit auseinander, es sind große Unterschiede zwischen der Stadt und den Dörfern. Die Mitglieder haben vielleicht auch unterschiedliche Bedürfnisse und auch wenn man etwas anbietet – in beiden Sprachen natürlich – wird es nicht immer angenommen. In Meran oder Brixen und Bruneck ist das sicher einfacher.
Chance: Die Wahlen haben neue Mitglieder in den Vorstand gebracht.
Monika Gurschler: Ja, und ich bin sehr froh darüber, dass wir neue und auch jüngere Mitglieder haben, die jetzt mit viel Elan und frischem Wind an die Arbeit gehen.
Chance: Was nehmen Sie aus den letzten acht Jahren an der Spitze des Bezirks mit?
Monika Gurschler: Ich habe nie ein großes Auftreten gehabt, ich bin eine, die arbeitet und die ihre Aufgabe angeht, bis sie gelöst ist. In diesen acht Jahren habe ich viel Rückhalt aus dem Team erhalten und was für mich am wichtigsten und am schönsten war: ich habe ganz viele Menschen kennengelernt, denen ich sonst vielleicht nicht begegnet wäre. Das hat mich sehr bereichert.
Chance: Und was werden Sie jetzt tun?
Monika Gurschler: Oh, über Langeweile werde ich mich sicher nicht beklagen. Außerdem bin ich ja noch im Vorstand und ich werde mich weiter um die Rosen kümmern.
Chance: Haben Sie schon Ihr Büro geräumt und alles an Ihre Nachfolgerin übergeben?
Monika Gurschler: Ja, alles schon passiert. Und ich muss gestehen, auch wenn ich froh darüber bin, alles in jüngere Hände zu übergeben: ein bisschen Wehmut habe ich schon.
Das richtige Wort, die richtige Geste
Eine weitere Amtszeit für Nives Fabbian als Vorsitzende des Bezirks Brixen Eisacktal
Nives Fabbian De Villa war viele Jahre die rechte Hand der ehemaligen Bezirksvorsitzenden und Landespräsidentin Renate Daporta. In den letzten vier Jahren hat sie die Geschicke des Bezirks geleitet. Seit 21 Jahren ist sie aktiv für die Krebshilfe tätig.
Chance: Ein Rückblick und ein Ausblick? Was sehen Sie, Nives?
Nives Fabbian: Ich habe vor allem versucht, die Projekte erfolgreich weiterzuführen, die Renate Daporta bei uns im Bezirk schon angedacht hat.
Chance: Ihre Vorgängerin war eine starke Persönlichkeit. Haben Sie sich schwergetan, die Nachfolge anzutreten?
Nives Fabbian: Sagen wir, ich habe gehofft, dass ich der Aufgabe ebenso gewachsen bin. Außerdem befürchtete ich am Anfang, dass es vielleicht Probleme gäbe, weil ich die einzige Italienerin im Vorstand bin. Auch wenn ich deutsch spreche.
Chance: Sie meinen, weil der Bezirk Brixen Eisacktal vornehmlich deutschsprachige Mitglieder hat?
Nives Fabbian: Genau. Aber ich bin von Anfang an akzeptiert worden und jetzt haben sie mir ja wieder ihr Vertrauen ausgesprochen und mich wiedergewählt!
Chance: Was sehen Sie als ihre wichtigste Aufgabe?
Nives Fabbian: Für mich ist das Wichtigste die Beziehung, der persönliche Kontakt zu unseren Patienten. Für jeden das richtige Wort, die richtige Geste finden. Das ist das Wichtigste. Und dann natürlich jeden möglichen Cent zu sammeln, um unseren Mitgliedern auch konkret unter die Arme greifen zu können.
Chance: Hat sich etwas in der Zusammensetzung der Mitglieder geändert in den letzten Jahren?
Nives Fabbian: Ja, unter den Betroffenen sind immer mehr junge Frauen, junge Frauen mit kleinen Kindern, Frauen, die mitten im Arbeitsleben stehen.
Chance: Und da erhält die Krankheit noch einmal eine andere Dimension?
Nives Fabbian: Genau. Zur Angst und zur Verzweiflung über die Krankheit kommt dann auch die Not, die durch die Erkrankung hervorgerufen wird. Die finanziellen Sorgen. Und da sind wir als Krebshilfe gefordert, zu helfen.
Chance: Der Bezirk Eisacktal hat einen berühmten Weihnachts- und Ostermarkt…
Nives Fabbian: Ja und wir geben unser Bestes, um dafür schöne Dinge vorzubereiten, damit wir viele Mittel für die Mitglieder sammeln können. Ich bin sehr glücklich darüber, dass wir auch viele Sponsoren haben, die uns immer wieder unterstützen. Viele langjährige und auch neue. Das Optik-Geschäft Brugger zum Beispiel, der Milchhof Brimi, die Firma Beton Eisack, die Heimatbühne Schabs und viele andere. Und dann ist da natürlich die Rosenaktion. Ich persönlich stehe dieses Jahr zum 21. Mal auf dem Platz, seit 1997.
Chance: Und die nächsten vier Jahre?
Nives Fabbian: Werden sicher leichter sein! Ich habe meinen eigenen Weg gefunden und ich bin sehr froh darüber, dass wir zwei neue Mitglieder im Vorstand haben, endlich auch ein Verbindungsglied zu Gröden und endlich auch einen Mann, Andreas Hofer! Wir sind zu einer harmonischen Gruppe zusammengewachsen und das wird uns auch in Zukunft bei unserer Tätigkeit helfen.
Wenn gar nichts geht, ein Stoßgebet
Oskar Asam: Seit sechs Jahren Vorsitzender des Bezirks Meran Burggrafenamt
Er ist der einzige Mann unter den Bezirksvorsitzenden. Oskar Asam lenkt seit etwas mehr als sechs Jahren die Geschicke des Bezirks Meran Burggrafenamt und hat sich in dieser Zeit durch Ideenreichtum, Engagement und Charme die Herzen der Mitglieder erobert. Er hat sich noch einmal zur Wahl gestellt. Mit einer Bedingung.
Chance: Oskar Asam, Kandidat ja, aber mit Vorbehalt?
Oskar Asam: Ich kandidiere für eine Halbzeit, zwei Jahre, in denen ich jemanden heranziehen möchte, der meine Nachfolge antreten kann. In dieses Amt muss man hineinwachsen. Ich selbst wurde vor sechs Jahren ins kalte Wasser geworfen; das war hart am Anfang. Wir haben für diese Wahlen zehn Kandidaten und ich hoffe, es findet sich eine Person mit Schneid, die bereit ist, sich an diese Aufgabe heranzuwagen!
Chance: Wenn Sie auf Ihre letzte Amtszeit zurückblicken, was sehen Sie?
Oskar Asam: Nur Positives! Wir haben vielen Menschen in schlimmen Situationen helfen können und das ist das Wichtigste bei unserer Tätigkeit. Wir haben gemeinsam viele Dinge auf die Wege gebracht, Kurse wie Qi Gong, Töpfern oder Malen organisiert. Schminktipps für Frauen während der Chemotherapie. Wir haben den Sitz renoviert, wo die Mitglieder sich jetzt gerne und regelmäßig treffen.
Chance: Und für Sie persönlich?
Oskar Asam: Die Mitarbeit im Vorstand der Krebshilfe hat mir menschlich ungemein viel gebracht. Ich habe Menschen kennengelernt, denen ich sonst nie begegnet wäre und das ist ein wertvoller Schatz! Natürlich habe ich auch Trauriges und Tragisches (mit)erlebt und lernen müssen, damit umzugehen. Das hat mich persönlich geprägt. Ich versuche auch bei unseren Aktivitäten, wo immer es geht, dabei zu sein.
Chance: Wie gehen Sie mit diesen schwierigen Erfahrungen um?
Oskar Asam: Wenn es ganz schlimm ist und ich merke, ich kann das nicht alleine schaffen, dann hilft nur ein Stoßgebet. Und dann geht es weiter!
Chance: Auf eine Sache sind Sie besonders stolz…
Oskar Asam: Ja, dass wir es geschafft haben, im Passeiertal aus dem Nichts eine Art Zweigstelle zu schaffen. Zwei Frauen haben sich zur Verfügung gestellt, obwohl sie noch nicht im Vorstand waren – jetzt stehen sie zur Wahl - und seit Januar treffen sich jeden Mittwoch Betroffene und Nicht-Betroffene zum Beisammensein, Reden, Handarbeiten. Die Sekretärin und ich kommen jeden ersten Mittwoch im Monat dazu. Und jetzt sind wir dabei auch in St. Leonhard einen Qi Gong Kurs und Lymphdrainage zu organisieren. Und was Meran betrifft, so werden wir auch in der neuen Amtsperiode offen sein für Neues.
Chance: Ein besonderes Anliegen für die nächste Amtsperiode?
Oskar Asam: Ja! Wir müssen uns unbedingt modernisieren, brauchen neue Handys, um besser zu kommunizieren. Müssen uns um Nachwuchs bemühen und sollten auch über eine Statutenänderung nachdenken!
Chance: Sie sind der einzige Mann unter den sieben Bezirksvorsitzenden und auch die Mitglieder sind zu fast 90% Frauen. Gibt es Probleme damit?
Oskar Asam (lacht): Nein, ich habe Frauen gerne, bemühe mich sehr, mich in sie hineinzuversetzen und bitte sie, mir zu vertrauen!
Der scheidende Generalvorstand bei seiner letzten Sitzung im März

Aktuell

Mehr als nur eine Mode

Heilfasten: Nur nach Absprache mit dem Arzt – Energie freisetzen und Entschlacken
Was haben eine Schauspielerin und ein ehemaliger Professor für Religionspädagogik und Spiritualität an der theologischen Hochschule Brixen gemeinsam? Das Heilfasten. Ein vieldiskutiertes Thema, das von der Sozialgenossenschaft EOS im Rahmen einer Konferenz aufgegriffen worden ist.
„Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Arzneien“, sagte schon Hippokrates. Heilfasten ist eine jahrtausendealte Tradition, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wieder aufgegriffen wurde, u. a. von dem deutschen Arzt Dr. Otto Buchinger (1878–1966), der ein multidisziplinäres, ärztlich betreutes Fastenkonzept entwickelt hat, das der medizinischen, spirituellen und psychosozialen Dimension des Menschen Rechnung trägt. Fasten ist aber auch eine Moderscheinung und deshalb sollte man sich sehr gut informieren und unbedingt mit dem Arzt abklären, ob Fasten, welcher Art auch immer, dem eigenen Organismus guttut! Heilfasten muss immer begleitet sein von spezifisch ausgebildetem Personal.
An der EOS-Tagung im Oktober, die Ulrich Seitz moderierte, kamen die unterschiedlichen Aspekte dieser Praxis zur Sprache. Eingeladen waren als überzeugte Heilfasterin, die deutsche Schauspielerin Anja Kruse, den spirituellen Teil deckte Georg Reider ab, Theologe und Leiter des TAU-Zentrums in Eppan sowie selbst Fastentrainer und regelmäßiger Heilfastender, den medizinischen Aspekt hingegen, der Ernährungswissenschaftler und ärztlich geprüfte Fastenleiter, Andrea Ciro Chiappa.
Heilfasten hat nichts mit Hungern zu tun und Heilfasten ist schon gar nicht irgendeine neue Schlankheitskur, auf diese Feststellung legten alle Teilnehmer der Tagung großen Wert. „Fasten“, betonte Georg Reider, „ist eine der besten Gelegenheiten, existentiell und menschlich zu reifen.“ Heilfasten kann im übertragenen Sinn und zwar sowohl medizinisch, spirituell als auch medizinisch als ein Ernähren aus uns selbst, als ein Rückgriff auf die eigenen Ressourcen verstanden werden.“ Im Zentrum Tau werden regelmäßig Fastenwochen angeboten. „Es gibt aber auch die Möglichkeit an einem arbeitsbegleitendem Fasten teilzunehmen und das Fasten in den Alltag einzubauen“, erklärte Georg Reider. Wer sich für dieses Fasten entscheidet, verbringt das Wochenende im Zentrum Tau und trifft sich mit Fastenleiter und Fastengruppe nach dem Feierabend ebenfalls dort. Auch für Diabetiker, Personen mit Herz- Kreislaufproblemen oder Migränepatienten bietet das Zentrum Tau spezifische Heilfasten-Angebote.
„Fasten ist tatsächlich sehr gut in das tägliche Leben integrierbar“, unterstrich auch Andrea Ciro Chiappa, Mitglied der Fastenakademie, ehemaliger Mitarbeiter der Buchinger-Klinik am Bodensee und seit 15 Jahren Fastentrainer. „Das gilt auch in einer so kulinarischen Hochburg wie Südtirol.“ Südtirol sei im Gegenteil ein idealer Ort zum Heilfasten: „Die Kombination von Heilfasten mit Natur und Wandern, Begegnung mit Kultur und Ruhe ist auch laut Dr. Buchinger der perfekte Rahmen, um gespeicherten Überschuss abzubauen und die Batterien für den arbeitsintensiven und stressgeladenen Alltag aufzuladen.“
Anja Kruse ist Buddhistin und Mitglied einer Werte- und Ethikgruppe. Ihre Begegnung mit dem Heilfasten geht auf das Jahr 1989 zurück, als sie zum ersten Mal in einer Buchinger Klinik an einem Heilfasten-Zyklus teilgenommen hat. „Seither faste ich regelmäßig und bin anschließend fähig, ohne Pause zu arbeiten, Dreharbeiten und Theatertourneen unter einen Hut zu bringen. Ich habe den Kopf frei und lerne meine Texte mit größter Leichtigkeit.“
Wie bereits ausgeführt, Fasten heißt nicht Hungern. Die Fastenden können am Tag circa 500 Kalorien zu sich nehmen, in Form von Obst- und Gemüsesäften oder Gemüsebrühe. Unerlässlich ist eine regelmäßige und angemessene Flüssigkeitszufuhr in Form von Wasser oder Kräutertees. Bewegung an der frischen Luft, (keine zu anstrengenden) Wanderungen sind während des Fastens durchaus angesagt.
Auch in der Krebsforschung ist Heilfasten in Form von Kurzzeitfasten ein Thema, das seit mehreren Jahren untersucht wird. Versuche mit Chemotherapie-Patienten wurden sowohl in den USA (an der Universität Los Angeles unter Dr. Valter Longo) als auch an der Charité in Berlin durchgeführt. Testpersonen fasteten dabei 36 Stunden vor und 24 Stunden nach der Chemotherapie. Die ersten Ergebnisse sprechen von einer positiven Auswirkung auf das Blutbild, die Testteilnehmer scheinen weniger an Nebenwirkungen wie Fatigue, Schwäche und Übelkeit zu leiden. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Fasten sich positiv auf das Immunsystem auswirke und die durch die reduzierte Zuckerzufuhr gestressten Krebszellen anfälliger auf das Zellgift reagierten. Erste aussagekräftige Ergebnisse werden aber erst für 2019 erwartet.
An einer krebsvorsorgenden Wirkung von Heilfasten hat Ernährungswissenschaftler Andrea Ciro Chiappa keinen Zweifel: „Man muss sich den Organismus wie einen Kühlschrank vorstellen, in dem neben frischen Lebensmitteln auch verfallene Produkte aufbewahrt werden. Das Heilfasten räumt auf, eliminiert die verfallenen Produkte, kreative Energie wird frei in Körper und Geist, das Immunsystem wird gestärkt.“
Anja Kruse, Andrea Ciro Chiappa, Georg Reider, Ulrich Seitz