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Die Chance

Die Chance

Nr.2 | 2017

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Nr.2 | 2017
Die Heilkraft des Wassers
Die Bezirke Eisacktal und Pustertal auf dem Kneippparcours mit Edith Huber
Man kann es zuhause machen. In der Dusche, im Garten, in einem Bottich, in einem Bach, im Tau und sogar im Schnee. Alleine oder in Gesellschaft. Kneippen. Die Physiotherapeutin des Bezirks Eisacktal, Edith Huber, hat am 15. Juni in die Kneippanlage bei Vahrn geladen. Teilgenommen haben Mitglieder aus dem Bezirk Eisacktal und aus dem Pustertal.
Sebastian Kneipp (1821 – 1897) war nicht der Erfinder von kalten Güssen und Wechselbädern, schon bei den alten Römern und im Mittelalter war dies Praxis verbreitet, aber er hat es an sich selbst ausprobiert, seine Tuberkulose mit regelmäßigen Bädern in der eiskalten Donau geheilt und anschließend ein ganzes Kurprogramm daraus entwickelt.

Güsse und Wechselbäder härten den Körper ab, fördern den Stoffwechsel, helfen bei Kreislauf- und Durchblutungsbeschwerden, lösen Verspannungen und stärken das Immunsystem. Edith Huber ist ein Fan von Sebastian Kneipp und seinen Anwendungen. Sie selbst praktiziert täglich einige Anwendungen und ist überzeugt, dass diese Kuren auch ihren Patienten wohltuen. Im vergangenen Jahr hatte sie einen Kneippnachmittag mit dem Bezirk Pustertal in der Kneippanlage Niederdorf veranstaltet, in diesem Jahr war es in Vahrn.

Bevor sie mit den 23 Teilnehmern den Parcours begonnen hat, stellte sie ihnen Sebastian Kneipp und das Universum Kneipp vor. Der Priester, Hydrotherapeut und Naturheilkundige war überzeugt von der Heilkraft des Wassers und hat aus Bad Wörishofen, wo er ab 1855 Beichtvater und Hausgeistlicher des Dominikanerinnen-Klosters war, einen internationalen Kurort gemacht. In den ersten Jahren angefeindet und der Scharlatanerie bezichtigt, wurde Sebastian Kneipp bald in ganz Europa bekannt, Gesundheitsberater von Fürsten und 1893 behandelte er anlässlich einer Privataudienz sogar Papst Leo XIII.

Seine Gesundheitslehre beruht auf fünf Säulen: Wasser, Ernährung, Heilpflanzen, Bewegung und Lebensführung, die im Prinzip die zehn internationalen Regeln zur Krebsvorsorge vorwegnehmen (gesunder Lebensstil und eigenverantwortliches Handeln)
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Wassertreten
Nach all der Theorie ging es dann auf den Parcours. Edith Huber zeigte die Anwendungen, führte vor, wie man Bein- und Arm- oder Gesichtsgüsse (gegen Kopfschmerzen) machen kann und führte die Gruppe dann zum Wassertreten. Kalte Armbäder, erklärte Edith Huber, seien der Kaffee der Naturheilkunde. Wichtig: Immer herz-fern, also mit dem rechten Arm beginnen. Ebenso wichtig ist es, kalte Güsse nicht anzuwenden, wenn der Körper kalt ist und man friert, bzw. wenn man einen Infekt, wie z. B. eine Blasenentzündung hat. Bei Bluthochdruck ist ebenso Vorsicht geboten. Kneippen, erklärte Edith, fördert die Sensibilität für den eigenen Körper. Gerade dies ist nach Krebserkrankungen oft ein Problem, sich selbst spüren.

Wichtig sei auch, kneippen mit Maß anzuwenden, eben auf den Körper zu hören und vielleicht statt gleich ins eiskalte Bachwasser zu steigen, am Morgen über den taunassen Rasen oder in der Wanne hin und her zu laufen. Oder erst warm beginnen und dann immer ein bisschen kälter werden. Die kalte Dusche zum Abschluss sollte eine Gewohnheit werden. Der Sommer, sagt Edith, „ist ideal zum Anfangen. Im Winter spürt man es dann gar nicht mehr!“

Wer ein Lymphödem hat und einen Stützstrumpf trägt, muss deshalb nicht auf das Kneippen verzichten. Der Arm oder das Bein können mitsamt dem Strumpf ins Wasser getaucht werden. Das gleiche gelte übrigens auch für den Aufenthalt am Meer, am See oder im Schwimmbad.

Die Zeit verging im Nu und zum Abschluss hatten die Vorsitzende Nives Fabbian und Sekretärin Carmen Richter noch frische Säfte und Kuchen vorbereitet. Jetzt heißt es, das Kneippen auch weiterhin anzuwenden. Kneippanlagen gibt es viele in Südtirol und ein Bottich Wasser oder ein Waschbecken tun es auch. Und nicht vergessen: Nach der Dusche immer kalt abbrausen!

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