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Die Chance

Die Chance

Nr. 1 | 2017

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Nr. 1 | 2017
Die Patientin entscheidet mit
Aufklärung über Eingriff, Risiken und weitere Therapie - Telepathologie
Fotos: Othmar Seehauser
Dr. Johann Hübner entlässt die Patientin aus dem Arztzimmer am Eingang der Abteilung. Hier werden die Patientinnen empfangen, wenn sie auf die Abteilung kommen. Hier werden sie aufgeklärt über ihre Therapie, über eventuelle bevorstehende Eingriffe. Dr. Hübner ist auf Unterleibseingriffe spezialisiert.
Dr. Johann Hübner
Auf seinem Schreibtisch steht ein realistisches Modell des weiblichen Genitalapparates aus Kunststoff, um den Frauen, den ihnen bevorstehenden Eingriff so gut wie möglich erklären zu können. Gebärmutter, Eileiter, Eierstöcke, Gebärmutterhals und Scheide. „Wir versuchen die Patientinnen auf behutsame Weise so komplett wie möglich zu informieren“, betont der Chirurg Johann Hübner. „Vor der Operation klären wir auf über den bevorstehenden Eingriff und die damit verbundenen Risiken. Nach dem Eingriff, wenn wir das komplette Bild haben, über die weiterführende Behandlung.“
Dr. Hübner erklärt den Patientinnen beispielsweise das Prinzip der Schnellschnittdiagnose und der Telepathologie. Schon während des Eingriffs kann der Chirurg das entfernte Gewebe so präparieren und aufschneiden, dass der Pathologe in Bozen über Bildschirm schon während der Operation eine erste Beurteilung abgeben kann, von der der weitere Operationsverlauf abhängen könnte, d. h. ob je nach Befund nicht nur die Gebärmutter, sondern auch die Eileiter und Eierstöcke entfernt werden sollen noch bevor der definitive histologische Befund, der in der Regel zehn Tage braucht, vorliegt. „Wir versuchen die Patientin mit ins Boot zu holen, ihr soweit es geht, die Entscheidung zu überlassen,“ betont Hübner. Meistens entscheiden sich die Frauen für´s Abwarten, auch wenn dies bedeutet, sich einem zweiten Eingriff zu unterziehen.
Das Team der gynäkologischen Abteilung Meran ist einmal wöchentlich über das Tumorboard mit Onkologen, Chirurgen, Radiologen, Pathologen und Onko-Psychologen in Bozen verbunden, um gemeinsam die Therapie der Krebspatientinnen zu festzulegen. Auch mit der Universitäts-Frauenklinik Innsbruck hält Meran jede Woche ein Tumorboard ab. Leitlinien für die Festlegung der Therapie sind die Protokolle der deutschen, italienischen und europäischen Krebsgesellschaften. „Bei Diskrepanzen ist Innsbruck die letzte Instanz“, sagt Dr. Johann Hübner.
Etwas mehr als ein Drittel der Patientinnen auf der gynäkologischen Abteilung sind Krebspatientinnen. Zwei Drittel von ihnen haben Brustkrebs, ein Drittel von ihnen Gebärmutter, Eileiter, Eierstock oder Scheidenkrebs.
Die anderen Patientinnen haben gutartige Erkrankungen im Genitalbereich. Myome, Senkungsbeschwerden oder benötigen anderweitige urogynäkologische Eingriffe. „Wo es möglich ist“, erklärt Dr. Johann Hübner, „werden die Eingriffe auf mikroinvasive Weise, d. h. laparoskopisch durchgeführt.“
Die Gynäkologie Meran ist auch auf die Behandlung von Patientinnen, die an Endometriose leiden spezialisiert. Hübner: Diese Patientinnen haben oft jahrelang Beschwerden, bis ihre Erkrankung diagnostiziert wird. Mittlerweile ist dieser Erkrankung auch in Italien der Status als stark behindernde Pathologie zuerkannt.
Bösartige Gewebeneubildungen, Neoplasien, im Unterleib betreffen vor allem den Gebärmutterkörper. Eine typische Krebserkrankung der Post-Menopause bei Risikopatientinnen (hoher Blutdruck und Cholesterinspiegel, Übergewicht). Der Gebärmutterhalskrebs betrifft auch junge Frauen, er wird von verschiedenen HPV-Viren hervorgerufen und kann durch den PAP-Test entdeckt werden bzw. durch den HPV-Test.
Bei einer Gebärmutterentfernung, auch im Fall von gutartigen Veränderungen, stellt sich immer die Frage, betont Hübner, ob nicht auch vorbeugend die Eileiter bei Belassung der Eierstöcke zu entfernen seien, auf die Weise schützt sich die Frau und ihr Hormonhaushalt bleibt intakt.
Eierstockkrebs schließlich ist sehr aggressiv und in der Anfangsphase symptomfrei. Er tritt meist im Zusammenhang mit genetischer Vorbelastung auf.

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