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Die Chance

Die Chance

Nr. 1 | 2017

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Nr. 1 | 2017
Ich sorge vor!
Pressekonferenz der Krebshilfe zum Weltkrebstag – Vorsorgewürfel
Der Vorsorge-Würfel erinnert spielerisch an die Selbstuntersuchtung der Brust. V. li.: Dr. Längerer, Ida Schacher, Dr. Heidegger und Dr. Mazzoleni
Der Weltkrebstag ist jedes Jahr Anlass für die Südtiroler Krebshilfe im Rahmen einer Pressekonferenz über Prävention, Früherkennung und psychoonkologische Betreuung bei Krebserkrankungen zu informieren und um statistische Daten aus Südtirol zu präsentieren. Mit einem Vorsorge-Würfel, den die Südtiroler Krebshilfe erstellt hat, sollen Frauen angeleitet werden, die Selbstuntersuchung der Brust regelmäßig durchzuführen.
Am 4. Februar lud die Südtiroler Krebshilfe Pressevertreter in das Pfarrzentrum am Bozner Dom ein. Wie jedes Jahr nutzten die Medien die Möglichkeit, geballte und gut aufgearbeitete Informationen aus erster Hand zu erhalten und gaben der anschließenden Berichterstattung entsprechend großen Raum. Auch Information ist ein wichtiges Mittel der Krebsvorsorge!
„Die Prävention und Früherkennung ist der Vereinigung Südtiroler Krebshilfe seit jeher ein Anliegen, denn wir alle können dazu beitragen, unser persönliches Krebsrisiko zu minimieren beziehungsweise eine Tumorerkrankung frühzeitig zu erkennen“, erläuterte Ida Schacher Baur, Präsidentin der Südtiroler Krebshilfe. Den Schwerpunkt legt die Südtiroler Krebshilfe dieses Jahr auf die Früherkennung von Brustkrebs: Ein Würfel mit dem Aufruf „Ich sorge vor“ soll Frauen an die monatliche Selbstuntersuchung der Brust erinnern. Im Inneren des Würfels findet frau eine spielerische Anleitung zur Selbstuntersuchung in sympathischen Illustrationen. „Der Würfel soll für Frauen jeder Altersgruppe ein Anstoß und Erinnerungshilfe sein, sich diese wenigen Minuten im Monat der eigenen Gesundheit zu widmen“, so Ida Schacher Baur.
Brustkrebs in Südtirol
Dr. Guido Mazzoleni, Primar an der Abteilung Pathologische Anatomie und Histologie am Krankenhaus Bozen und Direktor des Südtiroler Tumorregisters, das seit 1995 Daten über die Krebserkrankungen in Südtirol zusammenstellt, gab einen Einblick in die statistischen Werte: Eine Brustkrebserkrankung ist in Italien mit 30 Prozent die häufigste Tumorerkrankung bei Frauen. 368 Frauen mussten im Jahr 2015 die Diagnose Brustkrebs erfahren, die Inzidenz (Zahl der Neuerkrankungen innerhalb eines definierten Zeitraums) ist in Südtirol seit Jahren stabil und liegt unter dem italienweiten Wert. Das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, liegt bei Frauen unter 85 Jahren in Südtirol bei 10,7 Prozent; im restlichen Italien bei 12,5 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer Neuerkrankung hängt dabei eng mit dem Alter zusammen: Frauen im Alter zwischen 50 und 69 Jahren haben das höchste Risiko; eine von 8 Frauen erkrankt in diesem Lebensabschnitt an Brustkrebs. Bei Frauen bis zu 42 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit bei 2,4 Prozent, also eine auf 42 Frauen muss mit dieser Diagnose rechnen. Die Chancen, die Brustkrebserkrankung zu überleben, steigen mit der Früherkennung: für über 85 Prozent der Frauen ist die Erkrankung glücklicherweise kein Todesurteil mehr.
Vorsorge, Therapie und Nachsorge
Je früher der Tumor erkannt wird, umso höher liegen auch die Überlebenschancen – und diese haben sich in den letzten Jahren gesteigert, bestätigte auch Dr. Herbert Heidegger, Primar der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe am Krankenhaus Meran. Dies liege zum einen an den immer besseren Therapien, vor allem aber an der Kombination von Vorsorge und Früherkennung. Krebsprävention, so der Direktor des Brustgesundheitszentrums Brixen-Meran, hänge davon ab, wie verantwortlich jeder mit sich umgehe. Mit dem Mammographie-Screening allein sei es nicht getan: Viele Frauen ertasten den Brustkrebs selbst, daher ist die Selbstuntersuchung der Brust eine wichtige Früherkennungsmaßnahme, die jede Frau selbständig durchführen kann – am besten einmal im Monat. „Die Tendenz geht immer mehr in Richtung personalisierte Früherkennung.“
Neben der großen Risikogruppe, Frauen ab 50, ist in den letzten Jahren ein neuer Trend erkennbar. Heidegger: „Immer mehr junge Frauen erkranken heute an Brustkrebs und zwar an genetisch bedingten, sehr aggressiven Formen." Diese Tatsache stelle das öffentliche Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen. Die Früherkennung müsse überdacht und angepasst werden. „Was die Gentests betrifft, die auch die Veranlagung für eine Erkrankung an Eierstockkrebs nachweisen können, muss ein Modus gefunden werden, der dem Recht auf Wissen bzw. auf Nichtwissen der Frauen gerecht wird.“
Psychoonkologische Betreuung
Eine Krebserkrankung betrifft jedoch nicht nur den Körper, sondern auch die Seele der Betroffenen und deren Angehörigen, erläuterte der Psychoonkologe Norbert Längerer vom Psychologischen Dienst am Krankenhaus Meran. „Vor einigen Jahren war es noch undenkbar, dass Psychologen zusammen mit Primaren an einem Tisch sitzen. Heute ist erwiesen, dass auch die psychologische Unterstützung einen wichtigen Beitrag zur Heilung leisten kann. Psyche und Körper sind eines!“ Jeder zweite Mensch ist irgendwann in seinem Leben mit Krebs konfrontiert, sei es durch eigene Erkrankung oder in der Familie.
„Wir alle wissen, dass wir sterben werden. Irgendwann. Und wir vergessen das gerne. Bei einer Krebs-Diagnose bricht das alles zusammen und Angst macht sich breit.“ Die psychologische Unterstützung, so Längerer, braucht es bei der Diagnose, während der Therapie und auch danach. Die Psychoonkologie hilft den Patienten mit ihrer Situation klarzukommen, mit der Unordnung zu leben, die eine Diagnose in den geordneten Lebensplan gebracht hat. „Jeder reagiert anders, wir müssen die Menschen dort abholen, wo sie stehen.“ Eine Erkrankung bedeute für den betroffenen Menschen meist, dass er sich im Ausnahmezustand befindet: Er ist mit Ängsten, Unsicherheiten, Depressionen sowie oft mit einem Gefühl des Ausgeliefert-Seins konfrontiert.
Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Pflegepersonal sowie Psychologen können die Ressourcen der Patientinnen aktiviert und dadurch die Bewältigung der Erkrankung und der emotionalen Belastungen besser gewährleistet werden: Eine psychologische Betreuung kann der Patientin helfen, ihre Lebenslust wiederzufinden und ihr neues, durch die Erfahrung der Krankheit geprägtes Ich, zu akzeptieren, ihre Unsicherheiten bezüglich Partnerschaft, Sexualität, Körpergefühl zu überwinden. Auch für die Angehörigen ist die Krebserkrankung eine Herausforderung und eine begleitende psychologische Betreuung kann stärkend wirkendt.

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