Aktuell

Ein Flügel für die Onkologie

Konzertreihe zugunsten der „Donatori di musica – Musikalische Reise“

Primar Claudio Graiff und "sein" Kawai KonzertflügelPrimar Claudio Graiff und "sein" Kawai Konzertflügel

Sie arbeiten im Verborgenen, sind nur einem relativ kleinen Kreis bekannt. Die „donatori di musica“. Sie schenken Glücksmomente. Musik bezaubert. Musik lässt vergessen. Musik heilt. Angefangen hat alles in Bozen und Carrara, mittlerweile sind sieben onkologische Abteilungen in Italien in das Projekt eingebunden.
Donatori di musica – Musikalische Reise“ das heißt ein- bis zweimal im Monat ein klassisches Konzert in der Abteilung Onkologie für 25 bis 35 Personen. Patienten, medizinisches Personal in Privatkleidung, Angehörige und Freunde. Eine lockere Atmosphäre. Die Abteilung verwandelt sich in einen Konzertsaal, die Stimmung ist heiter. Die Musik vereint. Die Pianisten lassen sich nur die Reisekosten ersetzen, sind inspiriert von der besonderen Stimmung dieses außergewöhnlichen Konzertsaals. Sie treten in Kontakt mit dem Publikum, erklären die Stücke, die sie spielen, die Geschichte und warum sie genau dieses Stück ausgewählt haben.
Am 7. Mai sind die „donatori di musica“ von Bozen aus dem Krankenhaus herausgetreten. Indirekt jedenfalls. In Bozen wurde im Gemeindesaal am Nikolettiplatz in Haslach ein Konzert zugunsten dieser Organisation veranstaltet. „Männer, die Frauen besingen – Uomini che cantano le donne“ so der Titel des musikalischen Abends, der mehrere Bozner Sänger und Gruppen auf der Bühne sah. Organisiert wurde der Abend von Diego Barrufaldi. Aufgetreten sind der Tenor Roberto Catania vom Konservatorium, David Cavattoni und Diego Baruffaldi, Domenico Laratta und Daniele Crosa, der Meraner Jazz- und Bluesman Joe Chiericati sowie die Gruppe Jack Freezone & The Swingin’ Ciccioli.
Die Musiker sind gratis aufgetreten, der Eintritt war frei, aber am Ausgang gab es eine Spendenbox. Es wurde um Zuwendungen für ein ganz besonderes Anliegen gebeten: für den Ankauf des Konzertflügels, den die Onkologie am Bozner Krankenhaus zur Zeit (noch) gepachtet hat. Primar Claudio Graiff möchte den Flügel ankaufen, damit er Teil des Inventars der Abteilung wird und damit das Projekt der Konzerte sozusagen festgeschrieben wird. Am 26. Juni organisierte immer in Haslach Andrea Maffei ein Konzert für den denselben Zweck und im Herbst wird es ein drittes Konzert mit Live Muse geben, wo Spenden für den Ankauf des Flügels gesammelt werden.
Primar Claudio Graiff, der zusammen mit seinem Kollegen in Carrara, Primar Maurizio Cantore diese Aktion 2007 ins Leben gerufen hat, sieht sich damit seinem Ziel ein Stück näher. Die Stiftung Umberto Veronesi hat für das kommende Jahr weitere 5.000 € für den Flügel zugesagt, es gibt private Spender, die dieses Projekt unterstützen und die Konzerte sind sicherlich auch ein wichtiger Beitrag. Insgesamt braucht es ca. 20.000 Euro. Bisher bezahlt die LILT, Lega Tumori, den Pachtzins für den Konzertflügel, einen Kawai X3 mit einer Mechanik aus Karbonium, wie Dr. Graiff stolz berichtet.
Angefangen hat 2007 alles mit einem Gespräch unter Kollegen, den beiden Primaren der onkologischen Abteilungen von Bozen, Dr. Claudio Graiff und Carrara, Dr. Maurizio Cantore. Ein Patient Cantores, der Musikologe und Produzent Gian Andrea Lodovici, hatte darum gebeten, in der Abteilung ein klassisches Konzert organisieren zu dürfen. Das Konzert hat nicht nur ihm gut getan, sondern auch den anderen Patienten. Die Initiative „Donatori di Musica“ – „Musikalische Reise“ war damit geboren. In den onkologischen Abteilungen von Bozen, Brescia, Carrara, Saronno, Sondrio, im Krankenhaus San Camillo in Rom sowie in Vicenza gibt es seit 2009 ein- bis zweimal im Monat klassische Klavier-Konzerte.
Sogar in den USA wurde diese Initiative mittlerweile aufgegriffen; 2013 wurden die „donatori di musica“ mit dem Alexander Langer Preis ausgezeichnet.

Aktuell

Frida und der Honig

Balsam für Körper und Seele - Die Honigmassage

Die Fingerkuppen fahren mit sanftem Druck den Rücken entlang, von unten nach oben und von oben nach unten. Sie zupfen die Haut, Zentimeter für Zentimeter. Swetsch, switsch, swetsch macht es, wenn die Haut einen Moment lang an den Fingerkuppen kleben bleibt. Frida Oberhammers in Honig getauchte Hände werden dabei wärmer und wärmer.
Seit vier Jahren befasst sich die Imkerin aus Aufkirchen im Pustertal mit der Honigmassage. Eine Massage für – fast - alle Sinne. Es riecht nach Honig, die Haut des Rückens entspannt sich durch das sanfte Kneten und das gleichmäßige Geräusch, wenn sich die Haut von den Honig-Fingern löst, führt zusammen mit der leisen Hintergrundmusik zu einer Art Heilmeditation. Frida redet nicht während der Massage, nur ab und zu ein leises: Geht´s gut?
Honig ist Balsam für Haut, Geist und Seele. Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass diese Kraftnahrung der Bienen entzündungshemmende Wirkung hat. Honig reinigt, dringt in die Tiefe und entgiftet. „Wenn jemand Medikamente nimmt oder sich gerade einer Chemotherapie unterzieht“, erzählt Frida, „dann beginnt die Haut während der Massage nach den Medikamenten zu riechen. „Die Gift- und Schlackenstoffe werden durch die Manipulation der Fingerkuppen und durch die Tiefenwirkung des Honigs an die Oberfläche gebracht.“
Während der Honigmassage färbt sich die Haut rot. An manchen Stellen mehr, an manchen weniger. Außerdem bedeckt sie sich nach und nach mit einer dünnen weißlichen Schicht, Unreinheiten, Schlackstoffe, die die Massage aus den unteren Hautschichten an die Oberfläche befördert.
Welchen Ursprungs die Honigmassage ist, ob aus Tibet oder aus Russland, ist nicht ganz geklärt. Sie entgiftet nicht nur und hilft den Körper von all dem zu befreien, was er im Laufe der Jahre aus der Umwelt, der Nahrung und aus Medikamenten eingelagert hat, sie stärkt auch den gesamten Organismus, hilft bei Erschöpfungs- und Schwächezuständen, bei Stress, bei Unruhe und nervösen Störungen, lindert Schmerzen. Und sie fördert einen gesunden Schlaf.
Frida Oberhammer ist eine sanfte Frau. Ihr Blick ist intensiv und lässt erkennen, dass sie viele Dinge ohne Worte intuitiv versteht. Sie strahlt Ruhe aus, Ruhe und Ausgeglichenheit. Man merkt ihr an, dass sie ihren Platz im Leben gefunden hat, ihre Dimension. Und diese innere Ruhe, diese Grund-Harmonie überträgt sie mit ihren Händen und mit ihrem Honig.
Zu ihren Bienenvölkern hat die Imkerin ein ganz besonderes Verhältnis. Sie respektiert diese kleinen Tiere, nutzt ihren Fleiß, ohne sie auszunutzen. „Ich nehme nie den ganzen Honig aus dem Stock, die Bienen brauchen ja auch ihre Nahrung.“ Sie nähert sich den Stöcken in festen Abständen. Nie zweimal in 48 Stunden. „Das stresst die Bienen, sie brauchen Zeit, um wieder zu ihrer Harmonie zu finden.“
Das Wetter betrachtet sie mit Bienenaugen. Schlechtes Wetter gibt es nicht. Bienen brauchen den Regen ebenso wie die Sonne und den Wind. Auch im Winter lebt sie im Geist mit ihren Bienen, wenn diese im Stock eine Traube bilden. Ständig wechseln sie ihren Platz von innen nach außen, von außen nach innen. Innen ist es am wärmsten, außen am kältesten. Jede Biene folgt diesem Wechselrhythmus. Auf diese Art und Weise, hält jede ihre Temperatur konstant.
Honig ist ein wahres Manna und Kraftnahrung obendrein, denn Bienen verbrauchen viel Energie und müssen sich entsprechend stärken. Jeden Morgen ein Löffelchen gibt Energie für den ganzen Tag und stärkt unser Immunsystem. Auch das Bienenwachs tut dem Köper gut, nicht nur in Cremen. Waben können in kleinen Mengen auch mit dem Honig zusammen verzehrt werden.
Frida Oberhammers Leben wechselte ein erstes Mal vor 17 Jahren. Oder waren es 18? So genau erinnert sie sich nicht mehr. Vergessen. Vorbei. Nicht aber die Dankbarkeit über den glücklichen Ausgang. Eine Krebserkrankung, die rechtzeitig erkannt wurde und ihr eine Narbe am Arm und eine Portion Lebensweisheit hinterlassen hat.
Vor fünf Jahren hat es auch ihren Mann Hubert getroffen. Mundbodenkrebs. Angst, dass er die Sprache verlieren könnte. Aber auch er hatte Glück. Die Laseroperation verlief ohne Komplikationen. Heute kann er nicht nur weiterhin sprechen, sondern auch noch singen.
Frida und Hubert OberhammerFrida und Hubert Oberhammer
Für die Oberhammers war diese Erkrankung ein Signal. Ein Signal, das sie ernst genommen haben. Sie führten im Wallfahrtsort Aufkirchen, ein im Pustertal zwischen Niederdorf und Toblach am Sonnenhang gelegenes Dörfchen, ein Hotel. Direkt neben der gotischen Kirche der „Schmerzhaften Madonna“. Bar, Gasthaus und 21 Zimmer. Nicht klein genug für einen gemütlichen familiären Rhythmus, aber zu klein, um genügend Personal einzustellen, um den Stress in Schach zu halten. Sie haben es verkauft. Frida Oberhammer hat sich auf ihre Imkerei und ihre 20 Bienenvölker konzentriert und begonnen sich mit Api-Therapie zu befassen, mit den therapeutischen Eigenschaften der Produkte des Bienenstocks.
Der Weg zur Honigmassage war dann nicht mehr weit. Gleich zwei Kurse hat sie besucht. Heute vermieten die Oberhammers drei Ferienwohnungen. Im Keller haben sie ein kleines und feines Wellness-Studio eingerichtet. Biosauna und finnische Sauna, ein Whirlpool, eine Dusche, in der Mitte ein sanft plätschernder Brunnen mit ein paar Goldfischen, dazu Ruheliegen und ein Massagebett. Das freundliche Haus gleich hinter der Kirche von Aufkirchen und vis-a-vis der Rotwand trägt den bezeichnenden Namen Eden.
Das Leben ändert sich mit der Krankheit sagt Frida Oberhammer. Ihr Mann und sie haben von Anfang an kein Geheimnis aus der Krebserkrankung gemacht und mit allen offen darüber gesprochen. „Da ist uns so viel Wärme und Anteilnahme entgegengekommen“, erinnert sich Frida. Auch das Verhältnis zu ihrem Mann hat sich durch die Krankheit geändert. „Nach der Krankheit „, sagt sie, „geht man behutsamer miteinander um, achtet mehr aufeinander und dass es dem anderen gut geht.“
Der Steinboden ist geheizt und wenn Frida Oberhammer massiert, steht sie meist barfuß oder in Socken auf dem Boden, um die Erde zu spüren, Energie aus der Erde aufzunehmen. Stress hat sie aus ihrem Leben verbannt. Auch mit dem Massieren hält sie es so. Sie bietet es ihren Gästen an, Freunden und Bekannten; aber wenn es ihr zu viel wird, dann massiert sie nicht. „Nur wenn es mir selbst gut geht.“
Neben der Honigmassage befasst sie sich auch Reiki. Das aus Japan stammende Reiki ist ein esoterisches Konzept, durch Auflegen der Hände wird positive Energie vermittelt und durch Aktivierung der Selbstheilungskräfte und Eliminierung der negativen Energien, Einfluss auf die Gesundheit des Menschen genommen.
Aus Dankbarkeit über die Heilung ihres Mannes bietet Frida Oberhammer die Honigmassage an. Sie ist überzeugt, dass diese Technik zu seelischem Wohlbefinden und innerer Ruhe führt und vor allem während der Chemotherapie dem Körper hilft, sich von den Zellgiften wieder zu befreien.
Die klassische Honigmassage wird in zwei Durchgängen durchgeführt und dauert ungefähr 45 Minuten. Beim ersten Durchgang verwendet Frida Oberhammer meistens cremig gerührten Blütenhonig. Wenn sie den Honig in beide Rückenseiten eingearbeitet hat (sie beginnt auf der linken Seite), gibt sie zunächst ein warmes feuchtes Handtuch auf den Rücken. Die Wärme durchströmt wohlig den Körper und lässt den auf der Haut verbliebenen Honig noch besser in die Haut einziehen. Dann wäscht sie die Honigreste behutsam mit warmem Wasser ab.
Anschließend massiert sie den Rücken ein zweites Mal, dieses Mal mit flüssigem Waldhonig. Spätestens beim zweiten Durchgang bildet sich auf der Haut ein dünner weißer Film, Zeichen, dass die Unreinheiten aus der Tiefe nach außen dringen. Dann kommt wieder das warme Tuch auf den Rücken und abschließend wäscht sie sorgfältig alle Honigreste ab. Nach der Massage empfiehlt es sich, viel zu trinken. Frida Oberhammer bereitet vorher immer schon einen mit Honig gesüßten Pfefferminztee vor (mit Pfefferminze aus dem Garten), der nach der Massage auf trinkgerechte Temperatur abgekühlt ist. Nach der Honigmassage sollte man für zwei drei Tage keine Seife auf den Rücken bringen und es ist zu empfehlen, die Massage nach zehn Tagen zu wiederholen, damit sie ihre volle Wirkung zeigt.
Für die Massage verwendet Frida Oberhammer nur ihren eigenen Honig, entweder flüssig oder cremig gerührt. Das Geheimnis, den Honig flüssig zu halten, verrät sie uns auch: sie friert ihn ein. Großmutters Hausmittel, um kristallisierten Honig wieder zu verflüssigen, das heißt, ihn im Wasserbad zu erhitzen, tut diesem wertvollen Naturprodukt nämlich gar nicht gut. Bei Temperaturen über 40 Grad Celsius verliert der Honig alle seine wertvollen Eigenschaften. Dass Honig kristallisiert, ist völlig normal. Der Vorgang setzt schon sechs bis acht Wochen nach dem Zentrifugieren ein. Will man verhindern, dass er kristallisiert, muss man ihn entweder cremig rühren, dann verändert er seine Konsistenz nicht mehr oder eben einfrieren.